Rudolf Forster (Rudolf Heribert Anton Forster) wurde am 30. Oktober 1884 in Gröbming (Steiermark) als Sohn eines Finanzbeamten geboren; einige Quellen geben an, sein Vater sei Bergwerksbeamter gewesen. Nach dem Besuch des Gymnasiums ließ er sich am Wiener Konservatorium zum Schauspieler ausbilden und erhielt sein erstes Engagement ca. 1903 in Graz. Weitere Stationen seiner Schauspielerkarriere wurden nach Provinzbühnen und Auftritten bei Wandertruppen Linz, Wien, Berlin; einen ersten Erfolg errang er in Wien mit einer Rolle in Ibsens "Die Wildente". 1915 wurde Forster zum Kriegsdienst eingezogen, machte dann nach Ende des 1. Weltkrieges eine steile Theaterkarriere in Berlin. Von 1920 bis 1932 spielte er in Berlin unter der Intendanz von Leopold Jessner1) (1878 – 1945) am "Staatlichen Schauspielhaus" sowie bei Max Reinhardt1) (1873 – 1943) am "Deutschen Theater" die verschiedensten Rollen und gehörte als Inbegriff des aristokratischen Gentleman, der dabei eine leichte morbide Ader nicht verleugnet, zu den "Großen" der deutschen Schauspielerriege jener Zeit. "Damals fiel (…) dieser lange und schmale Mensch mit dem großräumig stilisierten Bewegungen und dem halb tückisch, halb pathetisch gezogenen Höflingston zuerst auf. Seitdem hat man Forster oft gesehen, mit wechselnden Empfindungen. Zuweilen schien sein Pathos nichts als alter hohler Theaterbrauch, mit dem man innere Leere unter äußerem Lärm birgt, und der sich nicht wesentlich dadurch verbessert, wenn man ihn 'Expressionismus' nennt. – so nachzulesen in "Schauspieler und Schauspielkunst" (1926) von Julius Bab1).

Foto: Rudolf Forster auf einem Sammelbild aus der Serie
"Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den
"Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen.
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: film.virtual-history.com; Angaben zur Lizenz siehe hier

Rudolf Forster auf einem Sammelbild aus der Serie "Bühnenstars und ihre Autogramme", die 1933 den "Gold-Saba"-Zigaretten der "Garbaty"-Zigarettenfabrik beilagen. Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch"  (Albert Zander u. Siegmund Labisch) (1863–1942)); Quelle: www.virtual-history.com
Forster war ein Mann, den man sich am besten im Frackmantel mit seidenem Halstuch und Zylinder vorstellte, er war ein idealer Interpret für Strindberg und Grabbe, aber auch für solche Shakespeare-Rollen, die auf der makabren Linie einer im Psychopathologischen exzellierenden Charakterisierungskunst lagen und die Forster zum "interessantesten" Darsteller der Berliner Bühnen machte. Glanzleistungen waren unter anderem Shakespeares "Richard III.", der Präsident in Schillers "Kabale und Liebe" oder seine Titelrolle in Sternheims "Oscar Wilde".
Rudolf Forster: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch (1863–1942)); Quelle: www,cyranos.ch Forsters Filmkarriere begann 1914 beim Stummfilm, doch erst ab den 1920er Jahren intensivierte er seine Arbeit vor der Kamera. Zu Forsters beachtenswerten Produktionen der Stummfilm-Ära zählt Leopold Jessners "Erdgeist"2) (1923), eine frühe Verfilmung des "Lulu"-Stoffs von Frank Wedekind, wo er an der Seite von Asta Nielsen (Lulu) und Albert Bassermann (Dr. Schön) den Schriftsteller Alwa Schön verkörperte. Eine seine subtilsten Rollen mimte er jedoch nach rund 40 stummen Streifen in seinem ersten Tonfilm als der zynische, dämonische und doch verletzliche Mackie Messer in G. W. Pabsts "Dreigroschenoper"1) (1931). Forster sagte hierzu: "Dieser Messerheld und Verbrecherkönig war in mich hineingeschlüpft, beherrschte und tyrannisierte mich." In Paul Czinners Melodram "Der träumende Mund"1) (1932) gab er als Partner der strahlend jungen Elisabeth Bergner den elegisch-distinguierten Violinvirtuosen Michael Marsden, zeigte sich beispielsweise als Kapitänleutnant Liers in Gustav Ucickys propagandistischem U-Boot-Drama "Morgenrot"1) (1933), als Kunstreiter Carlo Cavelli bzw. Graf Werfften in Erich Engels Liebesfilm "Hohe Schule"1) (1935) oder erneut unter der Regie von Erich Engel mit der Doppelrolle des Herzogs Karl Theodor von Schönburg bzw. des Schauspielers Florian Reuther in "… nur ein Komödiant"1) (1935). Forster, König der Schauspieler, ist zugleich der König unter den Schauspielern. Selten schlägt er die Augen ganz auf – Hochmut und Bescheidenheit haben die gleichen mimischen Zeichen. Anblicken und Angeblicktwerden ist da schon stärkste Entblößung und Verknüpfung. Um ihn ist immer ein halbes Meter Niemandsland. Er hat eine Glasur. schrieb der Medienwissenschaftler und Kunstpsychologe Rudolf Arnheim1) am 20.12.1931 im "Berliner Tageblatt".
 
Urheber des Fotos: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: www,cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Nachdem Forster seit 1934 ausschließlich in Österreich gedreht hatte, ging er 1937 in die USA, spielte am Broadway und drehte in Hollywood das Abenteuer "Island of Lost Men" (1939), kehrte aber 1940 über Japan, die Mandschurei und Sibirien nach Deutschland zurück. Zur Spielzeit 1941/42 stand er in Berlin an den "Kammerspielen" sowie in Wien am "Theater in der Josefstadt" auf der Bühne, übernahm bis Kriegsende Aufgaben in nur drei weiteren Kinofilmen. E.W. Emo besetzte ihn neben Heinrich George in seinem antisemitisch gefärbtem Propagandastreifen "Wien 1910"1) als Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger, Gustav Ucicky gab ihm den Part des Hofrats Dr. Wichmann in dem Melodram "Der gebieterische Ruf"2) (1944), einen ehrgeizigen Rechtsanwalt mimte er in Gerhard Menzels melodramatischen Ehegeschichte "Ein Blick zurück" (1944) als Partner von Hilde Weissner → film.at.
Nach Kriegsende blieb Forster ein vielbeschäftigter Leinwanddarsteller, wirkte als Star in österreichischen und auch DEFA-Produktionen unterschiedlichen Genres mit, verkörperte meist Offiziere, Gentlemen, charmante Aristokraten oder sonstige Personen der gehobenen Gesellschaft. Die Liste seiner Nachkriegsfilme mit prägnanten Nebenfiguren ist lang, zu nennen sind unter anderem "
Rittmeister Wronski"1) (1954), "Spionage"2) (1955), "Der letzte Mann"1) (1955), "Kaiserjäger"1) (1956), "Skandal in Ischl"1) (1957), "Schachnovelle"1) (1960), "Der Kardinal"1) (1963, The Cardinal) oder der Rühmann-Film "Grieche sucht Griechin"1) (1966). In nachhaltiger Erinnerung bleibt Forster auch als Marquis de Torcy  in Helmut Käutners musikalischen Komödie "Das Glas Wasser"2) (1960) mit Gustaf Gründgens und Liselotte Pulver, ebenso wie sein Hofrat von Hill bzw. Filmvater von O.W. Fischer in Géza von Radványis Drama "Das Riesenrad"1) (1961). Für seine Darstellung des Grafen Arnstatt in Rolf Thieles Thomas Mann-Adaption "Wälsungenblut"1) (1964) erhielt er ein "Filmband in Gold"1) für die "Beste männliche Nebenrolle".
Auch im Fernsehen konnte man ab Mitte der 1960er Jahre vereinzelt seine Darstellungskunst bewundern, etwa als alten Greis Firs in Peter Zadeks Inszenierung von Anton Tschechows "Der Kirschgarten" (1966) oder als Cecil Lewis in Günter Gräwerts Eugene O'Neill-Adaption "Der Eismann kommt" (1968). 
 
Forster bereicherte Theater und Film bis ins hohe Alter, stand 1954 wieder mit Elisabeth Bergner in Rattigans "Tiefe blaue See" neben Ernst Deutsch in Berlin auf der Bühne. Zu seinen letzten Theaterrollen zählt 1967 der Steinmetz in der Berliner "Soldaten"-Uraufführung sowie in Hamburg der Professor Dühring in Wedekinds "Kammersänger". Endgültig von der Bühne verabschiedete sich Forster ein Jahr später in München als "Erster Schauspieler" in der Maximilian Schell-Inszenierung des "Hamlet".
Der Schauspieler gehörte wie Heinrich George und Albert Bassermann zu den großen Charakterdarstellern, die als Bühnen- und Filmschauspieler gleichermaßen bedeutend waren. Er war einer der tragisch umwitterten Liebhaber, der in Werken der Filmkunst und in Schmonzetten mit derselben Überlegenheit und Distanz brillierte. Er beherrschte die großen Auftritte ebenso wie die kleinen Gesten und gebrochenen Zwischentöne. Ein Nervenschauspieler, vornehm und von nicht zu übersehender Dekadenz3)

Während seiner erfolgreichen Karriere als Schauspieler wurde Forster mehrfach ausgezeichnet: So unter anderem 1959 mit der "Ehrenmedaille der Stadt Wien"1), 1964 mit der Ehrenmitgliedschaft der Städtischen Bühnen Berlin; 1962 erhielt er das "Deutsche Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragende Wirken im deutschen Film", darüber hinaus war Rudolf Forster außerordentliches Mitglied der "Akademie der Künste" in Berlin. 1967 erschien sein Erinnerungsbuch "Das Spiel, mein Leben", in dem er melancholisch Rückschau hält auf seine Begegnungen mit berühmten Zeitgenossen wie dem Revolutionär Leo Trotzki1), dem Schriftsteller Franz Blei1) oder dem Maler Oskar Kokoschka1). Forster erinnert sich: "Ich spielte damals die feinen Pinkel im Film. Die Schwergewichte lagen bereits hinter mir."
 
Rudolf Forster, der allgemein als charmanter Grandseigneur der alten Schule galt, starb am 25. Oktober 1968 – wenige Tage vor seinem 84. Geburtstag – in seinem Heim in Bad Aussee (Steiermark); kurz zuvor hatte er noch für den Kinofilm "Von Haut zu Haut" vor der Kamera gestanden. Rudolf Forster  war zwei Mal verheiratet, zuletzt seit 1944 mit Wilhelmine Karoline Klara Schachschneider, die auch seinen Nachlass verwaltete. Seine erste, 1938 in den USA (Kalifornien) geschlossene Ehe mit der 16 Jahre jüngeren Schauspielerin und Kunstsammlerin Eleonora von Mendelssohn1) (1900 – 1951) scheiterte, nachdem Forster 1940 nach Deutschland zurückkehrte.
Forsters Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof Bad Aussee → Foto der Grabstelle bei knerger.de.

Textbausteine des Kurzportraits von "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz,
Ausgabe 2000, S. 106/107
Siehe auch Wikipediawww.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de
3)  Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 106/107
Lizenz Foto Rudolf Forster (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
 
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(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
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