Der Schauspieler und Regisseur Leo Peukert war ein vielbeschäftigter Mann der Stumm- und Tonfilmszene, seine beeindruckende Filmografie weist knapp 200 Produktionen als Darsteller, aber auch als Regisseur aus.
Geboren am 26. August 1885 als Leonhard Peukert in München, begann er seine Karriere 1904 an den "Vereinigten Theatern" in seiner Geburtsstadt. Nach vier Jahren wechselte er zur Spielzeit 1908/09 an das Berliner "Lustspielhaus" und kam zu dieser Zeit mit der aufstrebenden Kinematographie in Kontakt, die ihn nun mehr als das Theater interessieren sollte.
Seine erste Arbeit vor der Kamera war der kurze Streifen "Pro Patria" (1910) von Charles Decroix, im darauffolgenden Jahr drehte er mit Regisseur Urban Gad1) bzw. der legendären Asta Nielsen2) das heute als verschollen geltende Rührstück "Heißes Blut"1) (1911) und trat als Nielsens Ehemann in Erscheinung. Auch in dem Melodram "Die arme Jenny"1) (1912) wurde Peukert von Urban Gad wieder als Partner seiner Frau besetzt – Gad hatte Asta Nielsen 1912 geheiratet.
Bis Anfang der 1920er-Jahre entstanden zudem bei der Berliner "BB-Film-Fabrikation" des Filmpioniers Heinrich Bolten-Baeckers1) bzw. oft unter dessen Regie eine Vielzahl von Lustspielen, die ganz auf Leo Peukert zugeschnitten waren, etwa "Leo als Witwenfreund" (1912), "Leo, der schwarze Münchhausen" (1913), "Mein Leopold" (1914), "Tenor Schmetterzeh" (1917), "König Krause" (1919) oder "Leo und seine Bräute" (1920).

Foto: Leo Peukert vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte 1337; Angaben zur Lizenz siehe hier

Leo Peukert vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Photochemie-Karte 1337
Leo Peukert fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: www.cyranos.ch Bereits früh versuchte sich Peukert selbst als Regisseur, inszenierte bis Mitte der 1920er Jahre vor allem bei der "BB-Film-Fabrikation" eine Reihe von heiteren Geschichten auch mit sich als Hauptdarsteller. Seine Domäne waren die harmlos-unterhaltsamen Komödien und Abenteuer jener Jahre, Peukert avancierte "während des 1. Weltkriegs zu einem der Stars der frühen Kino-Komödie und Klamotte in harter Konkurrenz etwas zu anderen Komikern wie Gerhard Dammann1) und dessen "Bumke"-Filmen." notiert www.film-zeit.de.
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Peukert ohne Probleme, wurde auch hier in zahlreichen, überwiegend Lustspielen besetzt, die oft im bäuerlich-ländlichen Milieu spielten. Allerdings rückte er nun in die zweite Reihe und deckte die ganze Palette der unverzichtbaren Nebendarsteller ab. So tauchte er beispielsweise in der ganz auf Weiß-Ferdl zugeschnittenen Literaturadaption "Gordian, der Tyrann"3) (1937) als Sanitätsrat auf, mimte in Veit Harlans Krimi "Verwehte Spuren"1) (1938) den Polizeisekretär Dubois oder in Gustav Ucickys Puschkin-Verfilmung "Der Postmeister"1) (1940) einen Oberst an der Seite von Heinrich George. In Erich Engels Spionagestreifen "Hotel Sacher"1) (1939) gab er als Graf Kusmin auch eine kleine Gesangseinlage, kam als Bürgermeister in der Rühmann-Komödie "Quax, der Bruchpilot"1) (1941) daher oder schlüpfte in dem Zarah Leander-Melodram "Der Weg ins Freie"1) (1941) in die Rolle des Direktors der Wiener Hofoper.

Leo Peukert fotografiert von Wilhelm Willinger1) (1879 – 1943)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Kurt Hoffmann besetzte Peukert als Gemeindevorsteher bzw. Bruder der Wirtschafterin Theres (Erika von Thellmann) in dem Verwechslungsschwank "Kohlhiesels Töchter"3) (1943, mit Heli Finkenzeller), in Paul Martins musikalischen Komödie "Maske in Blau"1) (1943) machte er als Theaterdirektor Bommerlund eine gute Figur. Letztmalig wirkte Peukert mit kleineren Parts in Carl Boeses Komödie "Leichtes Blut"3) (1943) sowie in dem von Philipp Lothar Mayring inszenierten Propagandastreifen "Ein schöner Tag" (1944) in einer Kinoproduktion mit, die Premiere des letztgenannten Films erlebte er nicht mehr.
 
Leo Peukert starb am 6. Januar 1944 im Alter von nur 58 Jahren in Tiengen am Oberrhein (heute Waldshut-Tiengen, Baden-Württemberg).
Er war seit 1914 mit seiner Schauspieler-Kollegin Sabine Impekoven1) (1889 – 1970) verheiratet, die mehrmals an der Seite ihres Mannes in verschiedenen stummen Lustspielen auftrat. Beide fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Münchener Waldfriedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Leo Peukert (Urheber: Alexander Binder/Wilhelm Willinger): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1910: Pro Patria
  • 1911: Leibeigenschaft
  • 1911: Heißes Blut → Murnau Stiftung
  • 1911: Großstadtversuchungen
  • 1911–1922: "Leo"-Kurzfilme
    • 1911: Leo Saperloter
    • 1911: Leo und seine drei Bräute
    • 1912: Leo als Aushilfskellner (auch Regie)
    • 1912: Leo als Bazillenträger
    • 1912: Leo, der schwarze Münchhausen
    • 1912: Leo, der Witwenfreund
    • 1913: Leo kann keine Krawatte binden
    • 1913: Leo Sapperloter kann keine Kravatten binden
    • 1920: Leo und seine zwei Bräute (auch Regie)
    • 1920: Leo, der Entführer
    • 1921: Leo und seine Kammerjungfer
    • 1922: Leos Eheroman (auch Regie)
  • 1912: Lotte – Drama aus dem Leben eines Chauffeurs
  • 1912: Die arme Jenny → Murnau Stiftung
  • 1913: Die Kunstschützin
  • 1914: Mein Leopold
  • 1914: General von Berning
  • 1914: Die zweite Mutter
  • 1915: Nocturno / Der Traum einer Frühlingsnacht
  • 1915: Das Patentschnappschloß (nur Regie)
  • 1915: Was man aus Liebe tut (nur Regie)
  • 1915: Kulissenzauber (auch Regie)
  • 1915: Küsse, die töten (nur Regie)
  • 1917: Postkarten-Modell
  • 1917: Der Vogel im Käfig
  • 1917: Tenor Schmetterzeh
  • 1918: Baronin Kammerjungfer (auch Regie)
  • 1918: Papas Junge
  • 1918: Der müde Theodor (nur Regie)
  • 1918: Wer niemals einen Rausch gehabt
  • 1918: Die blonden Mädels vom Lindenhof
  • 1918: Hofgunst
  • 1919: Keine Hose ohne Dornen
  • 1919: Im Bahnwärterhäusl
  • 1919: König Krause
  • 1919: Bis früh um fünfe
  • 1919: Die Liebe der Marion Bach
  • 1919: Die Geliebte des Verbrecherkönigs
  • 1920: Hasemanns Töchter
  • 1920: Die Mali
  • 1920: Professor Rehbein und der Meistersinger (auch Regie)
  • 1920: Er, sie und der Dackel (auch Regie)
  • 1921: Der Herr Impresario (auch Regie)
  • 1921: Professor Rehbein und sein Schüler (auch Regie)
  • 1921: Der Herr Papa
  • 1921: Alles für die Firma (auch Regie)
  • 1922: Prof. Rehbein hilft aus
  • 1922: Lohengrins Heirat (auch Regie)
  • 1922: Der Herr Landrat
  • 1922: Das kommt vom Sekt
  • 1922: Schwarzwalkinder (nur Regie)
  • 1923: Gestörte Flitterwochen
  • 1923: Die Fahrt ins Glück
  • 1823: Die Puppenklinik (nur Regie)
  • 1924: Mein Leopold
  • 1925: Die zweite Mutter
  • 1925: Im Strudel des Verkehrs. Ein Film für Jedermann
    (Dokumentarfilm; nur Regie)
  • 1926: Liebe und Naturgeschichte (Dokumentarfilm; nur Regie)
  • 1927: Wer wirft den ersten Stein?
  • 1927: Bilderbogen der Ehe
  • 1927: Der fidele Bauer
  • 1927: Funkzauber.
    Ein Volksstück von der Liebe und des Rundfunks Wellen
  • 1927: Steh' ich in finstrer Mitternacht
  • 1927: Zwei unterm Himmelszelt
  • 1927: Soli Deo Honor – Gott allein die Ehre (nur Regie)
  • 1928: Ich hatte einst ein schönes Vaterland
  • 1928: Almenrausch und Edelweiß
  • 1928: Herbstzeit am Rhein
  • 1928: Ein besserer Herr
  • 1928: Die Hölle von Cayenne / Flucht aus der Hölle
  • 1929: Die lustigen Vagabunden
  • 1928: Mikosch rückt ein
  • 1929: Der Herr vom Finanzamt
  • 1929: Die Süsse Yvonne (Kurzfilm)
  • 1929: Skandal in Baden-Baden / Die Geliebte Roswolsky's
  • 1929: Fräulein Fähnrich
  • 1929: Hütet euch vor leichten Frauen
  • 1929: Der Mitternachtswalzer
  • 1929: Der Sträfling aus Stambul
  • 1929: Madame Lu, die Frau für diskrete Beratung
  • 1930: Alimente
Tonfilme
Noch: Tonfilme
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