Über die Herkunft bzw. den Werdegang der am 27. März 1892 geborenen Stummfilm-Darstellerin Dorrit Weixler ist nur wenig bekannt, schon der Großvater soll in Ungarn ein bekannter Schauspieler gewesen sein*). Erstmals trat sie 1911 in kurzen Streifen der aufstrebenden Kinematographie in Erscheinung, spielte neben Alwin Neuss1) in den ganz auf Neuss zugeschnittenen und vom Schauspieler selbst in Szene gesetzten heiteren Geschichten "Alwin auf der Hochzeitsreise" und "Seine erste Liebe". Es folgten weitere Lustspiele mit Dorrit Weixler als weiblicher Hauptdarstellerin wie "Fräulein Chef" (1913; Regie: Fritz Bernhardt) und die Militärsatire "Das Töpfchen"2) (1913; Regie: Emil Albes), im gleichen Jahr begann eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Filmpionier Franz Hofer3) (1892 – 1945) bzw. der Berliner "Luna Film". Hofer präsentierte die hübsche Frau, mit der er laut Wikipedia (vgl. Kurzportrait zu Schwester Grete4) auch verheiratet gewesen sein soll,  in über zehn Produktionen bzw. einer "Hofer-Weixler"-Serie als temperamentvoll-aufmüpfigen Backfisch oder als Frechdachs, der erst, wie in "Das rosa Pantöffelchen" (1913) oder "Das Liebesbarometer" (1914), durch den richtigen Mann gezähmt wird. "Weixler, eine kokette Erscheinung, temperamentvoll und intelligent, kreiert erfolgreich den Typ des Backfischs. Mit großer Schleife im Haar, Korkenzieherlocken und Matrosenkragen."*) Die "Lichtbild-Bühne" (Nr. 50, 13.12.1913) notierte nach der Aufführung von "Das rosa Pantöffelchen" unter anderem. "Diese hübsche dreiaktige Sache ist richtig angepackt, mit Geschmack und Humor durchgeführt und wird dem Kino-Publikum viel Vergnügen bereiten."

Foto: Dorrit Weixler vor 1916 auf einer
Fotografie von Nicola Perscheid3) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Angaben zur Lizenz siehe hier

Dorrit Weixler vor 1916 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 – 1930); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Oft spielte sie in Hofers Komödien mit dem heute vergessenen Mimen Franz Schwaiger3) (1880 – 1926), zeigte sich auch mit ihm sowie dem später berühmten Ernst Lubitsch3) (1892 – 1947) in "Fräulein Piccolo"3) (1914), spielte mit Lubitsch zudem in ein "Ein verliebter Racker" (1915). In der Verwechslungskomödie "Fräulein Piccolo" tauchte sie mit einer Doppelrolle auf, mal als Zimmermädchen, mal als Piccolos in Hosen, um Aufgaben des durchgebrannten Personals im Hotel der Eltern zu übernehmen. Als dann mit dem Leutnant Clairon (Franz Schwaiger) Liebe ins Spiel kommt, sind bis zum Happy End allerlei lustige Verwicklungen vorprogrammiert.
Unter Hofer avancierte die Mimin mit "den herrlichen, lustigen Mädchengestalten, die sie mit ihrem eigenen pikanten Reiz so trefflich wiederzugeben wußte, denen sie im toten Bilde urwüchsiges Leben einzuimpfen verstand" (Lichtbild-Bühne, Nr. 49, 9.12.1916) zum Publikumsliebling. Der Versuch Hofers, sie in den patriotisch-gefärbten Streifen "Todesrauschen" (1914), "Deutsche Helden"3) (1914) mit dem Untertitel "Um des Lebens Glück betrogen" und "Weihnachtsglocken 1914. Heimgekehrt" (1914) als "dramatische" Schauspielerin zu etablieren, misslang, die Zuschauer wollten "ihre Dorrit" in dem bedrückenden Kriegsjahr vornehmlich im heiteren Fach sehen.
Als Dorrit Weixler im Jahre 1915 zur Berliner "Oliver-Film GmbH" wechselte, blieb sie auch hier ihrem Image treu und agierte weiterhin als das freche junge Mädchen in ganz auf sie abgestellten Komödien. "Dorrits Chauffeur" (1915), "Aschenbrödelchen" (1915) oder "Dorrits Eheglück" (1916) hießen die Filmchen, in denen sie nun unter der Regie von Paul Otto1) (1878 – 1943) das Publikum erheiterte. 
Bruno Kastner, Dorrit Weixler (Mitte) und Frida Richard (rechts) in dem Stummfilm "Dorittchens Vergnügungsreise" von Paul Heidemann (Oliver-Film, 1921); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000862) aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 37) bzw. Bilder aus dem Sammelwerk Nr. 10 / Ross-Verlag 1935; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf; Quelle: www.deutschefotothek.de Ihre beiden letzten Stummfilme der "Klein-Dorrit"-Reihe, "Dorrit bekommt eine Lebensstellung" (1916) und "Dorritchens Vergnügungsreise" (1916), drehte sie unter der Regie des Schauspielers Paul Heidemann1) (1884 – 1968), der seit Mitte der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch als Regisseur und Produzent in Erscheinung trat; letztgenannter Film kam erst fünf Jahre nach Weixlers Tod in die Lichtspielhäuser.
 
Bruno Kastner1), Dorrit Weixler (Mitte) und Frida Richard1) (rechts) in dem Stummfilm "Dorittchens Vergnügungsreise" von Paul Heidemann (Oliver-Film, 1921)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000862) aus
"Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus
(Berlin 1935, S. 37) bzw. Bilder aus dem Sammelwerk Nr. 10 / Ross-Verlag 1935
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Am Theater zeichnete sich für die Mimin eine vielversprechende Karriere ab, Ende Mai 1916 stand sie im Berliner "Theater am Nollendorfplatz" im Rahmen einer "Dorrit-Weixler-Woche" erstmals vor ausverkauftem Haus auf der Bühne. Ihr Auftritt geriet zum Fiasko, während eines Sketchs mit Tanzeinlage brach sie plötzlich zusammen, als Gründe wurden Liebeskummer kolportiert, die zeitgenössische Presse vermutete ein Nervenleiden. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Sanatorium, das sie auf eigenen Wunsch bald wieder verließ, änderte sich ihr schlechter Gesundheitszustand kaum, Dreharbeiten zu einem geplantem neuen Film mussten abgebrochen werden.
 
Wenig später lieferte man sie aufgrund ihrer Morphiumsucht erneut in ein Berliner Sanatorium ein, wo sich die (vermutlich) erst 24-Jährige am 30. November 1916 durch Erhängen das Leben nahm. Ihre letzte Ruhestätte fand die junge Frau vier Tage später auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.
Trotz ihrer mehr als zwanzig Stummfilme, die sie in rund drei Jahren in rascher Folge drehte, ist Dorrit Weixler vollkommen in Vergessenheit geraten.
Das Schicksal teilt sie mit ihrer um 1900 geborenen jüngeren Schwester Grete Weixler1), die ebenfalls zu den populären Stummfilm-Darstellerinnen jener Ära gehörte.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 34**)
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Laut Interview Grete Weixler bei sophie.byu.edu bzw.: Grete Weixler in: "Die Frau im Film" (Altheer & Co., Zürich 1919, S. 41)
**) Quellen CineGraph:
  • Lichtbild-Bühne, Nr. 49; 09.12.1916: Zu Dorrit Weixlers Gedächtnis
  • Der Film, Nr. 46; 09.12.1916: Dorrit Weixier
  • Die Filmwoche, Nr.190; 16.12.1916: An Dorrit Weixier (Gedicht)
  • Der Stern, Nr. 51; 18.12.1955: Curt Riess: Das gab's nur einmal (auch in mehreren Buchausgaben)

Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia
4) Wikipedia Stand 04.12.2012
Lizenz Fotos Dorrit Weixler (Urheber: Nicola Perscheid): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.

    
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
  • 1914: Weihnachtsglocken 1914. Heimgekehrt → Wikipedia
  • 1914: Fräulein Piccolo → Wikipedia
  • 1915: Kammermusik
  • 1915: Ein verliebter Racker
  • 1915: Sein Kind aus erster Ehe (Teil 2)
  • 1915: Die Mieze von Bolle
  • 1915: Dorrits Chauffeur
  • 1915: Aschenbrödelchen
  • 1916: Die gestörte Hochzeitsnacht
  • 1916: Maria
  • 1916: Dorrits Eheglück
  • 1916: Dorrit bekommt eine Lebensstellung
  • 1921: Dorritchens Vergnügungsreise
    (gedreht 1916)
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