Cilly Feindt ca. 1927/28; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.flickr.com bzw. filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 1900/1 Auch wenn Cilly Feindt in den 1920er Jahren eher als Artistin bzw. Kunstreiterin Furore machte, soll sie dennoch nicht bei den deutschsprachigen Stummfilm-Darstellerinnen fehlen. Am 8. April 1909 in Berlin als Tochter des wohlhabenden Unternehmers Wilhelm Feindt geboren, der unter anderem in Berlin eine Film-Verleihfirma sowie in Frankfurt/M die "Saalburg-Lichtspiele" betrieb, entdeckte Cilly Feindt schon als Kind ihre Leidenschaft für die Reiterei. "Im Alter von neun Jahren, da sich andere Mädchen mit den schweren Problemen des Rechnens und fremder Sprachen abplagen müssen, entdeckte ich in mir die Liebe zur Reitkunst. Schon nach Ablauf von drei Jahren, als ich zwölf Jahre alt war, gab es kaum ein Pferd, das ich nicht imstande war, zu meistern." ließ sie einmal selbst die Öffentlichkeit wissen.*) Ausgebildet zur klassischen Reiterin von Karl Hess, einem bekannten Schulreiter des "Circus Paul Busch"1), trat das blonde, zierliche Mädchen bereits im Alter von 14 Jahren im "Circus Paul Busch" auf, gastierte mit Pferdenummern an der Berliner "Scala"1) und im Varieté "Wintergarten"1) und avancierte auch bei Gastspielreisen mit ihren Pferd Nestor bzw. ihren Nummern zum Star in der Manege.
Dieser Erfolg ließ die Filmproduzenten auf Cilly Feindt aufmerksam werden, mit Adolf Gärtners stummem Streifen "Die Zirkusprinzessin" (1925) nach der gleichnamigen Operette1) von Emmerich Kálmán wurde die erst 16-Jährige nun auch einem breiteren Publikum bekannt. "Reitsport ist für mich die liebste Beschäftigung, aber noch schöner ist es, wenn ich auf dem Rücken meines Pferdes über die Leinwand rasen kann, umjubelt von dem großen Publikum der Welt."*) sagte sie zu ihrer neuen Rolle als Filmschauspielerin.


Foto: Cilly Feindt ca. 1927/28
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.flickr.com bzw. filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 1900/1
Angaben zur Lizenz siehe hier
Neben ihren Auftritten in der Manege trat Cilly Feindt in weiteren stummen Produktionen auf, in denen sie ihre Reitkünste zeigen konnte. So unter der Regie von Romano Mengon in "Der Feldmarschall" (1927) an der Seite von Harry Liedtke und in "Ein Mordsmädel" (1927; Regie: Sidney Morgan) mit Werner Pittschau. Im darauffolgenden Jahr tauchte sie mit ihrem Pferd Nestor in Hans Otto Löwensteins Melodram "Betrogene Unschuld" (1928) auf, auch als Victor Janson erneut "Die Zirkusprinzessin" (1929, u.a. mit Harry Liedtke und Trude Berliner) verfilmte, war Cilly Feindt wieder mit von der Partie.
In den folgenden Jahren wechselte sie zwischen ihren Karrieren als Filmschauspielerin und Artistin, absolvierte Tourneen in Europa, Nord- und Südamerika. Der britische Zirkusbesitzer Bertram Mills3) (1873 – 1938) soll von ihren Fähigkeiten so beeindruckt gewesen sein, dass er sie im Winter 1931/32 für seine berühmte Live-Show im Londoner " Olympia"1) engagierte und Cilly Feindt als "die größte Kunstreiterin aller Zeiten" ankündigte.
 
 
Foto: Cilly Feindt im September 1928 mit Hermelinschal und Hund
Historische Originalbeschreibung: Das große Herbst-Auto-Turnier des Automobil-Clubs! Die bekannte Kunstreiterin Cilly Feindt als Zuschauerin im Stadion während des Blumen-Korsos.
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 102-06577;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: September 1928 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz
wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 102-06577 bzw. Wikimedia Commons
Cilly Feindt im September 1928 mit Hermelinschal und Hund; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 102-06577; Fotograf: Unbekannt / Datierung: September 1928 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 102-06577 bzw. Wikimedia Commons
Eine Hauptrolle spielte sie in ihrem ersten Tomfilm, dem von Leo Mittler inszenierten Melodram "Der Sprung ins Nichts" (1932) mit Aribert Mog als Partner, zeigte ihr reiterisches Können in Hans Deppes Paul Keller-Adaption "Ferien vom Ich" (1934) und in Werner Hochbaums musikalischem Zirkusfilm "Leichte Kavallerie"2) (1935), einer Unterhaltungs-Komödie, mit der Marika Rökk ihre Filmkarriere in Deutschland begann.
Bald darauf verließ Cilly Feindt Deutschland, ging auf ausgedehnte Tourneen durch halb Europa und konnte auch in den USA bzw. New York das Publikum begeistern. Mit Ausbrechen des 2. Weltkrieges musste Cilly Feindt ihre Karriere unterbrechen und nahm erst nach Kriegsende ihre Arbeit als Kunstreiterin beim "Zirkus Althoff"1) wieder auf, gehörte dann zwischen 1948 und 1951 zu den Künstlern des US-amerikanischen Unternehmens "Ringling Brothers Circus"1), mit dem sie durch Kanada und die USA tingelte und zu den Attraktionen der Vorstellungen zählte. Wie DER SPIEGEL (13/1948) damals berichtete, war sie mit ihrer Mutter, fünf Pferden und ihrem Wohnwagen von Bremen aus per Schiff nach New York gereist, wo sie am 2. April 1948 im "Madison Square Garden" ihren ersten Auftritt hatte.
 
Anfang der 1950er Jahre  beendete Cilly Feindt ihre Karriere als Kunstreiterin, ließ sich in Kalifornien nieder, widmete sich ihren Pferden und arrangierte Tourneen für andere Artisten-Kollegen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten ließ sie sich noch einmal vor die Kamera locken und hatte in Vincente Minnellis Film-Musical "Gigi"1) (1958) neben den Protagonisten Maurice Chevalier und Leslie Caron einen kleinen Auftritt als Reiterin. Vincente Minnelli ließ sie dann vier Jahre später in seinem Melodram "Zwei Wochen in einer anderen Stadt"1) (1962, Two Weeks in Another Town) als "Lady Godiva" durch die Stadt reiten.
 
Die einst gefeierte Kunstreiterin Cilly Feindt, die auch auf der Leinwand trotz ihrer überschaubaren Auftritte nachhaltige Spuren hinterließ, starb am 21. August 1999 im Alter von 90 Jahren in Los Angeles (Kalifornien).
Über ihr Privatleben ist so gut wie nichts bekannt, laut des Berliner Publizisten Volker Kluge bzw. dessen Buch "Max Schmeling. Eine Biographie in 15 Runden" (2004) soll Cilly Feindt Mitte der 1920er Jahre zeitweilig eine Beziehung mit der Box-Legende Max Schmeling4) (1905 – 2005) gehabt haben → Artikel "Die Kunstreiterin und der Flirt auf dem Atlantik" bei www.welt.de.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Aus: "Filmkünstler: Wir über uns selbst", Hrsg. Dr. Hermann Treuner, Sibyllen Verlag, Berlin 1928
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia (englisch), 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Lizenz Foto Cilly Feindt (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1925: Die Zirkusprinzessin
  • 1927: Der Feldmarschall
  • 1927: Ein Mordsmädel
  • 1928: Gefährdete Mädchen / Betrogene Unschuld
  • 1929: Die Zirkusprinzessin
Tonfilme
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