Der Schauspielerin Christa Tordy stand gerade am Beginn einer vielversprechenden Leinwandkarriere, als sie bei den Dreharbeiten zu der stummen Romanze "Amor auf Ski" (1928) den gefeierten "Gentleman des deutschen Films" Harry Liedtke1) (1882 – 1945) kennen und lieben lernte. In dieser von Rolf Randolf inszenierten heiteren Geschichte mimte Liedtke den feschen Erbprinz Heinrich von Altenberg-Gauda, der mit der jungen verliebten Elli (Christa Tordy) sein Glück (nicht nur im Film) findet. Wenig später trat das Paar auch im realen Leben vor den Traualtar, "Die Filmwoche" schrieb in ihrer Ausgabe Nr. 14 (04.04.1928) zu der Traumhochzeit unter der Überschrift "Liedtke heiratet: Nun also doch, und zwar … seine Partnerin Christa Tordy, – genauer gesagt: Dr. phil. Christa Tordy. Die Trauung, rein standesamtlich, fand sogar schon statt, – am 27. März (hat er selbst erzählt!) … Man wollte es erst für einen Aprilscherz halten, – doch nein! Dementi über Dementi! So soll es also wahr sein: Harry ist wieder Ehemann, seit dem 27. März 1928. Amor ist auf Skiern gekommen. Wir müssen's glauben."2)
Für Liedtke war es nach zwei gescheiterten Verbindungen – Ehefrau Nummer 1 war Hanne Schutt, danach ab 1920 die Schauspielerin Käthe Dorsch1) (1890 – 1957) – der dritte Anlauf in den Hafen der Ehe mit der über 20 Jahre jüngeren Christa Tordy.
 
  

Foto: Christa Tordy um 1928
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder3) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3439/1 (Ausschnitt)
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Christa Tordy um 1928; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3439/1 (Ausschnitt)
Geboren wurde Christa Tordy am 30. Juni 1904 als Anneliese Uhlhorn in Bremen, verbrachte ihre Jugend in Wiesbaden, nachdem sich ihr Vater dort zur Ruhe gesetzt hatte.*) Dort besuchte sie ein Gymnasium und machte mit 17 Jahren ihr Abitur. Für eine junge Frau in jenen Jahren außergewöhnlich, begann sie anschließend ein Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Philosophie und Literaturgeschichte in Berlin und München, beendete die Studien in Breslau mit der Promotion zum "Dr. phil." Nebenbei trat sie auch am Studententheater auf und beteiligte sich an der Erstellung und Inszenierung von Theaterstücken mit humoristischem Einschlag. "So in Unterprima wurde der "künstlerische Stein des Anstoßes" gegeben, und nun rollte er ganz munter. Wir pflegten nämlich auf der Studienanstalt sehr lebhaft das Theaterspielen, brachten "Aristophanes" heraus, schrieben uns auch selbst kleine Stücke, an denen ich besonders schriftstellerisch-dramaturgischen Anteil nahm, ja schrieben selbst ein ganz großes Stock "Kaiser Nero", frisierten die Sache aber humoristisch à la Offenbach und hatten einen Riesenerfolg damit." ließ Christa Tordy später ihr Publikum wissen.*)
 
Durch ihre Kusine, den Stummfilmstar Mady Christians1) (1896 – 1951), die gerade in Berlin mit Regisseur Ludwig Berger3) die Komödie "Ein Walzertraum"4) (1925) drehte, kam Anneliese Uhlhorn mit der Filmszene in Berührung. Als sie Mady Christians während der Dreharbeiten im Studio besuchte, wurde die aparte Frau& von Berger bzw. dem Kameramann Werner Brandes3) zu Probeaufnahmen überredet, nach Ende des Studiums entschied sich Dr. Anneliese Uhlhorn für das Filmgeschäft und wählte den Künstlernamen "Christa Tordy". Obwohl ihre erste Arbeit vor der Kamera, Carl Boeses Streifen "Der Seekadett" (1926), zunächst wegen der Beschlagnahme durch die englische Besatzungsmacht nicht in allen Lichtspielhäusern gezeigt werden durfte, ließ sich Christa Tordy nicht entmutigen. Der zweite Film, Fritz Wendhausens turbulente Kriminalgeschichte "Sein großer Fall"4) (1926) war da schon erfolgreicher, hier mimte sie die Tochter des Lord Malcolm (Alexander Murski), die in die Hände von Erpressern fällt und nach der Ermordung des Vaters zum "großen Fall" des Kriminalkommissars Bernhard (Carl Ebert) wird. "Ich bin von dem Filmberuf begeistert" schwärmte Christa Tordy, "auch meine Eltern sind bereits mit meinem neuen Berufe ausgesöhnt. Die Rollen, die mir vorschweben, sind junge Mädchen, die nicht nur lustig-vergnügt, sondern zugleich gesetzte und reife Charaktere sind."*)
Dies konnte die aufstrebende Schauspielerin dann in ihren folgenden Filmen unter Beweis stellen, in Hans Behrendts Historienstreifen "Potsdam, das Schicksal einer Residenz" (1926) spielte sie die weibliche Hauptrolle an der Seite von Hans Stüwe, mit dem sie wenig später in dem ebenfalls von Hans Behrendt in Szene gesetzten, zur Zeit Napoléons angesiedelten Film "Prinz Louis Ferdinand" (1927) auftauchte. Stüwe gab den bei Hofe einflussreichen Titelhelden bzw. den musisch begabten preußischen Prinzen Louis Ferdinand3), der als Kommandant einer preußischen Vorhut am 10. Oktober 1806 im Gefecht bei Saalfeld, vier Tage vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt fiel, Christa Tordy die Königin Luise3); in weiteren Rollen sah man unter anderem Eduard von Winterstein als General von Scharnhorst3) und Kurt Junker als Luises Ehemann, den preußischen König Friedrich Wilhelm III.3) Der Film mit dem Untertitel "Der Held von 1806" existiert heute nur noch als 20-minütiges Fragment. 
Auch die Entstehungszeit ihres Films "Die Beichte des Feldkuraten" fällt noch in das Jahr 1927. Dieser österreichische Film, der in Deutschland unter dem Titel "Das Feldgericht von Gorlice" laufen sollte, wurde ebenfalls von der Rheinlandkommission beschlagnahmt. 2) Danach folgte die weibliche Hauptrolle in Willy Reibers "Das Geheimnis von Genf" (1927) mit der Figur der amerikanischen Journalistin Betty Marshall an der Seite von Alfred Abel, sowie Hans Steinhoffs "Die Sandgräfin" (1928).Mit ihrem letzten und zugleich bekanntesten Film "Amor auf Ski" (1928) verabschiedete sich Christa Tordy aus bekannten Gründen von ihrem Publikum: Ein Skispringer von blauem Blut (Harry Liedtke) nimmt inkognito an einer Skisprung-Konkurrenz teil und rettet ein unbedarftes und unvorsichtiges Mädchen (Christa Tordy) vor dem Kältetod. Diese verliebt sich in ihren Retter, den vermeintlichen Bauernburschen Sepp, der auf diese Weise vor einer arrangierten Ehe fliehen will …2)
 
Ihrem Mann zuliebe zog sich Christa Tordy nach nur acht Produktionen ins Privatleben zurück und wohnte seit Anfang der 1930er Jahre mit Harry Liedtke ständig in einer Villa in der Künstlerkolonie "Meckerndorf" in Bad Saarow-Pieskow am Ostufer des Scharmützelsees. Im "Illustrierten Filmbuch"5) von 1931 heißt es dazu: "Harry Liedtke "wohnt weit draußen vor den Toren Berlins in Pieskow in einem riesengroßen, unendlichen Garten. Sein Stolz ist, dass in diesem fast unübersehbaren Komplex jede Baumgruppe, jedes Blumenbeet, jede Terrasse und jeder Weg nach seinen eigenen Ideen entstand und geschaffen wurde. Er ist selbst dabei und legt selbst Hand an, wenn man eine kleine Schonung aufforstet, oder wenn man ein Gehege für die jungen zahmen Rehe errichtet, die er besonders liebt. Seine einzige Leidenschaft ist die Jagd, und seine größte Freude die imposante Sammlung von Gehörnen …"2)
Liedtke, der mit Aufkommen des Tonfilms mehr und mehr in die zweite Reihe rückte und ab Mitte der 1930er Jahre kaum noch Filmangebote erhielt, hatte sich seitdem mit seiner Ehefrau – von der Öffentlichkeit fast vergessen – auf seinem Anwesen in Bad Saarow-Pieskow zurückgezogen. Dort starben Christa Tordy und Harry Liedtke am 28. April 1945 unter mysteriösen, nicht ganz geklärten Umständen. Es wird vermutet, dass beide beim Einmarsch der Roten Armee von Soldaten in ihrem Haus erschlagen wurden. DER SPIEGEL (52/1949) notiert in einem Artikel zu Käthe Dorsch unter anderem "Als die Russen Berlin einnahmen, ereilte Liedtke, der gerade in dem Stück "Sophienlund" ein come back als père noble mit den obligaten grauen Schläfen geschafft hatte, ein grausiges Schicksal. Als er seinen Keller verließ und sich schützend vor seine Gattin stellte, wurde er mit einer Bierflasche erschlagen." Dem tragischen Tod soll ein ein missglückter Selbstmordversuch vorausgegangen sein. Im Oktober 1948 wurden die Leichen des Paares exhumiert und in aller Stille auf dem Friedhof von Pieskow beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Quellen (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
www.spd-scharmuetzelsee.de (mit Foto, untere Hälfte des Artikels von Martin Kramberg)
Weitere Fotos bei www.virtual-history.com
*) Aus: "Filmkünstler: Wir über uns selbst", Hrsg. Dr. Hermann Treuner, Sibyllen Verlag, Berlin 1928
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung
2) Quelle: Martin Kramberg bei www.spd-scharmuetzelsee.de mit 5) "Harry Liedtke – Ein Leben für den Film", Reihe "Illustrierte Filmbücher", Berlin 1931
Lizenz Foto Christa Tordy (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung)
  • 1926: Sein großer Fall
  • 1926: Der Seekadett
  • 1927: Potsdam, das Schicksal einer Residenz / Ehre
  • 1927: Prinz Louis Ferdinand. Der Held von 1806 → Wikipedia (englisch);
    nur noch fragmentarisch erhalten
  • 1927: Das Feldgericht von Uszok / Die Beichte des Feldkuraten
  • 1927: Das Geheimnis von Genf
  • 1928: Die Sandgräfin
  • 1928: Amor auf Ski
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