Der am 15. Januar 1931 in Berlin geborene Peter Bosse machte ab Mitte der 1930er Jahre eine kurze Karriere als Kinderstar. Der Sohn des Rechtsanwaltes Kurt Bosse und dessen Ehefrau Hildegard, die unter dem Namen Hilde Maroff1) (1904 – 1984) eine bekannte Stummfilmdarstellerin war, kam durch seine Mutter schon früh mit der Rundfunk- bzw. Filmszene in Berührung; bereits als Dreijährigen hörte man ihn wöchentlich im Kinderfunk. Seinen ersten Leinwandauftritt hatte der kleine Peter als jüngster Sohn des legendären Weiß-Ferdl bzw. des von dem unvergessenen Komiker dargestellten hundehassenden Postassistenten Neumeyer in der von Fred Sauer inszenierten Komödie "Alles weg'n dem Hund" (1935), wenig später folgte ein Auftritt in Augusto Geninas musikalischem Melodram "Vergiss mein nicht" (1935) an der Seite des Star-Tenors Beniamino Gigli. Hier mimte er den kleinen Benvenuto, Sohn des verwitweten Tenors Enzo Curti (Beniamino Gigli), der sich in die Sekretärin Liselotte (Magda Schneider) verliebt. Der "Film-Kurier" (Nr. 251, 26.10.1935) schrieb damals unter anderem: "Bezaubernd natürlich ist der kleine Peter Bosse, der es an Unbefangenheit mit den berühmten amerikanischen Filmkindern aufnehmen kann."2)
Mit seinem unbekümmerten Spiel und spitzbübischen Lachen avancierte Peter Bosse zum Publikumsliebling und tauchte in weiteren Unterhaltungsstreifen wie Max Obals Stummfilm-Remake "Schloss Vogelöd" (1936, u.a. mit Carola Höhn) sowie Douglas Sirks melodramatischen Romanze "Schlussakkord"3) (1936) an der Seite von Stars wie Lil Dagover, Maria von Tesnady und Willy Birgel auf.

Foto: Peter Bosse 1937 mit Magda Schneider4) (1909 – 1996)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
aus: Kinoprogrammheft "Das Programm von heute", Verlag R. Leminger, Wien 1937
Urheber unbekannt; Angaben zur Lizenz siehe hier

Peter Bosse mit Magda Schneider 1937; Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia aus: Kinoprogrammheft "Das Programm von heute", Verlag R. Leminger, Wien 1937; Urheber unbekannt
Neben Hans Moser rührte er die Herzen des Publikums als der aus einem Waisenhaus ausgerissene Frechdachs Peter, der sich in der Tragikomödie "Das Gässchen zum Paradies" (1936) mit dem armen Hundefänger Tobias Haslinger (Moser) anfreundet. "Der in Prag gedrehte Film hebt sich von anderen Produktionen der Zeit durch seine realistische Darstellung des Armeleute-Milieus ab und vermeidet gerade in den Szenen der beiden so unterschiedlichen Hauptdarsteller jede Rührseligkeit." notiert CineGraph2) → filmportal.de. Der kurze Streifen "Heinz hustet"3) (1937) war ganz auf seinen jungen Protagonisten zugeschnitten, erneut mit Gigli drehte er Carmine Gallones "Mutterlied" (1937/38, Solo per te) und spielte Giglis Filmsohn Mario. Zuvor hatte Bosse für Augusto Geninas sentimentale Geschichte "Frauenliebe – Frauenleid" (1937) mit Magda Schneider und Iván Petrovich vor der Kamera gestanden. Nach Josef von Bákys "Die Frau am Scheidewege"4) mit dem Untertitel "Das Schicksal einer Ärztin" (1938) mit Ewald Balser, Magda Schneider und Hans Söhnker wurde der im Nazi-Jargon als "Halbjude" bezeichnete Bosse – seine als Hildegard Jarchoff geborene Mutter gehörte der jüdischen Gemeinschaft an – nur noch nur noch mit "Sondererlaubnis" in kleinen Rollen und als Synchronsprecher wie unter anderem in "Tarzan Finds a Son!" (1939, Tarzan und sein Sohn) eingesetzt. Wenig später entzog man ihm auch diese Sondergenehmigung und die Karriere des Kinderstars fand damit ein abruptes Ende.
 
Nachdem der Vater 1939 als Soldat eingezogen worden war, tauchte die Mutter mit Peter und den beiden Schwestern unter, es folgt eine jahrelange Odyssee durch Österreich und Deutschland.2) Nach Kriegsende nahm Peter Bosse seine schulische Ausbildung wieder auf, besuchte das "Schiller-Gymnasium" in Berlin-Charlottenburg und ließ sich ab 1946 parallel zum Schulbesuch drei Jahre lang privat von Helene Lackner an deren Schauspielschule unterrichten. Ein erstes Engagement erhielt Bosse 1949 nach erfolgreichem Abschluss an der Märchenbühne im Berliner "Theater am Schiffbauerdamm", wechselte dann jedoch zum Hörfunk, wo er ab 1950 als Synchron-, Kommentar- und Rundfunksprecher 40 Jahre lang für sämtliche Sender der DDR erfolgreich tätig war. Zwischen 1954 und 1957 vertiefte er seine Kenntnisse zudem an der Rundfunk-Journalistenschule, arbeitete seither auch als Redakteur und Reporter. Mit Beginn der 1960er Jahre führte er zudem Regie bei vom Rundfunk übertragenen Shows und Kabarettsendungen. Seit 1958 war er auch für den "Deutschen Fernsehfunk" (DFF) der DDR tätig, erhielt eigene Kindersendungen wie "Steckenpferd Kunterbunt" (1958–1960), "Peter Bosse und sein Kasus Knorsus" (1960–1963), "Vade-Mecum – Haste Töne" (1963–1967), "Eine Frage Herr Professor" (1967–1970), "Postfach 70" (1970–1974) sowie "Wie Wärs" (1974–1983), einem wöchentlichen 30-minütigen Ratgeber für Kinder ab zehn Jahren. Auch in der Kultsendung "Unser Sandmännchen" war er ab 1958 auf dem Bildschirm präsent, darüber hinaus arbeitete Bosse für das Werbefernsehen, trat beim "Telespiegel" oder bei "Tausend Tele-Tips" in Erscheinung.
Zu seinen wenigen Auftritten als Schauspieler im DEFA-Nachkriegsfilm zählen kleinere Rollen in Herbert Ballmanns Drama "
Der Prozess wird vertagt"5) (1958), Martin Hellberg Abenteuer "Kapitäne bleiben an Bord"6) (1959) und Kurt Maetzigs Spionagestreifen "Der Traum des Hauptmann Loy"6) (1961).

Ab Mitte der 1980er Jahre verlegte sich Bosse altersbedingt auf die Moderation von Seniorenprogrammen, die zum Teil vom Rundfunk übertragen wurden, und fand auch dort ein begeistertes Publikum. Nach der Wiedervereinigung bzw. der Beendigung seines alten DDR-Rundfunkvertrages im Jahre 1991, gründete Bosse den privaten Sender "Radio 50 plus", der dann ab Anfang Juni 1995 umbenannt in "105'5 Spreeradio"4) fortgeführt wurde; bis 1998 fungierte Bosse noch als Programmdirektor und Moderator.
Der einstige Kinderstar und über Jahrzehnte erfolgreiche Radio- und TV-Moderator Peter Bosse war vier Mal verheiratet und ist Vater von fünf Kindern. Mit seiner vierten Frau Ilka lebt er nach wie vor in seiner Geburtsstadt Berlin.

Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 50*)
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung,  4) Wikipedia, 5) defa-stiftung.de, 6) filmportal.de
Quelle: 2) CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 50
*) Mit den Quellen: Wedekind, Kadidja: "Mein Freund Peter Bosse" in "Die Gartenlaube" (Heft 24, 16.06. 1937) sowie "Peter Bosse. The Moving Picture Boy" in: John Holmstrom "An International Encyclopedia from 1895–1995 (Norwich: Ed. Michael Russell 1996)
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Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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