Die Film-Pionierin Wanda Treumann ist heute trotz ihrer umfangreichen Arbeit als Stummfilmdarstellerin sowie als Produzentin nahezu in Vergessenheit geraten. Geboren am 25. November 1888 (nach anderen Quellen am 17. November 1889) im oberschlesischen Koclo (heute Koclin, Polen), ging sie als junge Frau nach Berlin und nahm bei Emanuel Reicher1) (1849 – 1924) an dessen Institut "Reichersche Hochschule für dramatische Kunst" Schauspielunterricht; Emanuel Reicher war der Vater von Ernst Reicher2) (1885 – 1936), der später ebenfalls im Stummfilm Furore machte.
Inzwischen mit Karl Treumann verheiratet, gab sie ihr Bühnendebüt am Berliner "Trianon-Theater", wirkte anschließend an verschiedenen Theatern, unter anderem am "Neuen Theater" sowie am "Lustspielhaus". Etwa 1909 kam die Schauspielerin mit der aufstrebenden Kinematographie in Berührung: "Eines Tages wurde ich von einem Hilfsregisseur angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, in einem Film die Hauptrolle zu spielen. Ganz erschrocken lehnte ich ab, denn ich hatte noch nie gefilmt und fürchtete, etwas zu verderben; doch Zureden half, und ich filmte zum ersten Male. Aus meinem Filmdebüt habe ich viel gelernt; ich sah so manches an mir, das mir nicht gefiel, vieles, das besser hätte sein müssen. Merkwürdigerweise wurde der Film viel verkauft, und eine Berliner Firma begann sich für mich als Filmdarstellerin zu interessieren. Ich verließ die Bretter, die die Welt bedeuten, und ging zum Film, dem ich bis heute treu blieb."*)
 
 

Foto: Wanda Treumann vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. filmstarpostcards.blogspot.nl
NPG-Karte, Nr. 269; Angaben zur Lizenz siehe hier

Wanda Treumann vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888  1929); Quelle: Wikipedia; NPG-Karte, Nr. 269
Wanda Treumann vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888  1929); Quelle: www.flickr.com; Photochemie-Karte K. 210 Etwa 1910 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Dänen bzw. dem Schauspieler Viggo Larsen2) (1880 – 1957), der Wanda Treumann am Berliner "Lustspielhaus" entdeckt hatte. Nach dem Debüt-Film "Entsühnt" (1910) bei der "Vitascope-Gesellschaft" entstanden eine Reihe weiterer Kurzfilm-Produktionen mit Larsen und Treumann als Protagonisten, die als "Treumann-Larsen-Serie" vermarktet wurde. 1912 gründeten beide, zusammen mit Wanda Treumanns Ehemann Karl, die "Treumann-Larsen Film GmbH", 1922 wurde der letzte Film produziert. Um 1912, etwa gleichzeitig mit den Glashäusern in Weißensee (Lixie-Atelier, May-Atelier) baut die "Treumann-Larsen-Film-GmbH" in Lankwitz am Teltowkanal ein ebenerdiges Glashaus (möglicherweise ein Doppelatelier) mit einigen Baracken für die notwendigen Nebenräume. Wegen seiner etwas dürftigen Ausstattung scheint diese Produktionsstätte nicht sehr beliebt zu sein und gerät in den 20er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten. Ein Heimatforscher berichtet: "In einer trockenen Maiennacht des Jahres 1925 ging der ganze, mehrere tausend Quadratmeter umfassende Komplex in Flammen auf."3)
Bei der "Treumann-Larsen Film GmbH" arbeiten unter anderem Rosa Porten2) (1884 – 1972), jüngere Schwester des Stummfilmstars Henny Porten2) (1890 – 1960), und deren Ehemann Franz Eckstein, die beide als Drehbuchautoren bzw. Regisseure, oft auch unter dem Pseudonym "Dr. R. Portegg", verschiedene Filme realisierten.
 
  
Foto: Wanda Treumann vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.flickr.com; Photochemie-Karte K. 210; Angaben zur Lizenz siehe hier
Zu nennen ist beispielsweise der ganz auf seine Hauptdarstellerin Wanda Treumann zugeschnittene Film "Wandas Trick" (1918): "Wandas Trick" spielt im dokumentarisch nachgezeichneten Milieu der Zigarettenarbeiterinnen. Der Firmenchef verliebt sich in Wanda, will sie aber nicht heiraten. Erst als sie in einer Lotterie das große Los zieht, hält er um ihre Hand an, um sein vom Bankrott bedrohtes Unternehmen zu retten. Mit einer klugen Reklameidee kann Wanda die Pleite abwenden. (Quelle: www.filmblatt.de)
Wanda Treumann zeigte sich als Darstellerin zusammen mit Viggo Larsen überwiegend in kurzen heiteren Geschichten, aber auch etlichen Melodramen wie in "Der Tag der Vergeltung"4) (1914/15). In über 80 stummen Filmen trat sie als Schauspielerin in Erscheinung, fungierte zwischen 1912 und 1922 mit der "Treumann-Larsen Film GmbH" überdies als Produzentin in mindestens ebenso so vielen Produktionen. 1922 erschien unter der Regie von Robert Misch mit "Die Tugendhafte Tänzerin" der letzte Film der Gesellschaft, in dem Wanda Treumann noch einmal als Tänzerin Ada Franchini mit einer Hauptrolle glänzte. 
Danach verliert sich die Spur der erfolgreichen Schauspielerin bzw. Produzentin Wanda Treumann, die wie Asta Nielsen und Henny Porten sowie als Partnerin von
Viggo Larsen und zu den beliebtesten Darstellerinnen jener Ära zählte. Über ihr Todesdatum ist nichts bekannt, Kay Wenigers " Das großes Personenlexikon des Films" datiert ihren Tod auf die Zeit nicht vor der Spätphase des Zweiten Weltkriegs, "möglicherweise aber noch in den 40er Jahren."5)

Foto: Wanda Treumann vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle:www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Wanda Treumann vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888  1929); Quelle:www.cyranos.ch
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei www.virtual-history.com sowie filmstarpostcards.blogspot.nl
*) Text aus "Wanda Treumann Interview" bei sophie.byu.edu ("Die Frau im Film", Verlag Altheer & Co., Zürich 1919)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung
Quelle: 3) www.cinegraph.de, 5) Wikipedia (Artikel zu Wanda Treumann, abgerufen 18.01.2012)
Lizenz Fotos Wanda Treumann (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Stummfilme (als Darstellerin)
(auch P = Produktionsfirma "Treumann Larsen Film GmbH")
Filmografie bei der Internet Movie Database und www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
  • 1917: Teufelchen (auch P)
  • 1917: Und er lebt doch (auch P)
  • 1917: Versiegelte Lippen
  • 1918: Der Dieb / Moderne Frauen (auch P)
  • 1918: Im Schloss am See (auch P)
  • 1918: Elly und Nelly (auch P)
  • 1918: Wandas Trick (auch P)
  • 1918: Und es kam, wie es kommen musste (auch P)
  • 1918: Zu Dir gehöre ich (auch P)
  • 1919: Die da sterben, wenn sie lieben (auch P)
  • 1919: Das Geheimnis des Schafotts (auch P)
  • 1919: Das Geheimnis der Wera Boranska (auch P)
  • 1919: Eine Nacht, gelebt im Paradies (auch P)
  • 1919: Gezeichnete Mädchen (auch P)
  • 1919: Das Hexenlied/Die Elixiere des Teufels (auch P)
  • 1919: Liebe, die sich frei verschenkt (auch P)
  • 1919: Der Violette Tod (auch P)
  • 1920: Die Schmugglerin (auch P)
  • 1920: Das Land der Verheißung (auch P)
  • 1920: Ninon de Lenclos (auch P)
  • 1920: Der Kelch der Keuschheit (auch P)
  • 1920: Salome (auch P)
  • 1920: Seelen im Sumpf (auch P)
  • 1921: Der wird geheiratet (auch P)
  • 1921: Die Frau mit den zehn Masken (auch P)
    • 1. Begebenheit – Das Grab ohne Toten!
    • 2. Begebenheit: Der Schatten des Gehenkten
    • 3. Begebenheit: Tote, die leben
    • 4. Begebenheit: Das Haus der Verrufenen
  • 1922: Die Tugendhafte Tänzerin (auch P)
Wanda Treumann auf einer Fotografie von Alexander Binder (1888  1929); Quelle: farm9.staticflickr.com; Verlag Hermann Wolff, Berlin, Nr. F 7
Wanda Treumann auf einer
Fotografie von Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Verlag Hermann Wolff, Berlin, Nr. F 7
Quelle: farm9.staticflickr.com bzw.
filmstarpostcards.blogspot.nl
Angaben zur Lizenz siehe hier
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