Max Schreck 1906; Quelle: Wikimedia Commons von sites.google.com/site/grabsteinfuermaxschreck; Urheber: Unbekannt Der Name des am 6. September 1879 in Berlin als Sohn eines Rechnungsrats geborenen Schauspielers Maximilian "Max" Schreck bleibt bis heute untrennbar mit Friedrich Wilhelm Murnaus stummem Meisterwerk "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens"1) (1922) bzw. seiner Rolle des Grafen Orlok (Nosferatu) verbunden. Die nicht autorisierte Adaption von Bram Stokers Roman "Dracula"1) erzählt die Geschichte des Grafen Orlok, eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen (Greta Schröder2)) entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. "Nosferatu" gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als wichtiges Werk des Kinos der Weimarer Republik. Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen und ist heute in mehreren restaurierten Fassungen verfügbar.3)
Bevor Max Schreck durch Murnaus Film Jahrzehnte später auch international bekannt wurde, hatte er sich nach einer kaufmännischen Lehre in Berlin an der "Marie-Seebach-Schule"*) des "Königlichen Schauspielhauses"1) zum Schauspieler ausbilden lassen, sammelte dann erste Bühnenerfahrungen unter anderem an Theatern in Zittau, Erfurt, Bremen, Luzern, Gera und Frankfurt am Main.

Foto: Max Schreck 1906
Quelle: sites.google.com/site/grabsteinfuermaxschreck
Urheber: Unbekannt; Angaben zur Lizenz siehe hier

1917 erhielt er ein Engagement in Berlin an Max Reinhardts "Deutschem Theater", wirkte zwischen 1919 und 1922 dann bei Otto Falckenberg an den "Münchner Kammerspielen". Anschließend wechselte er wieder nach Berlin an das inzwischen als "Preußisches Staatstheater" firmierende ehemalige "Königliche Schauspielhaus" (1922 – 1926), gehörte danach bis zu seinem Tod erneut zum Ensemble der "Münchner Kammerspiele." Schreck machte sich als herausragender Charaktermime einen Namen, glänzte beispielsweise als alter hartherziger Oberstleutnant Schwartze in Sudermanns Schauspiel "Heimat" oder mit der Titelrolle des Harpagon in Molières Komödie "Der Geizige". So notiert  unter anderem www.br.de: "Für die klassischen Heldenrollen taugt er mit seiner langen, dürren Statur nicht. Dafür ist ihm eine andere Rolle beinahe wie auf den Leib geschrieben: die des Harpagon in Molières "Der Geizige". Hier kann er seine Begabung für das Groteske, Gespenstische, Tragikomische zeigen. In dieser Rolle wird er auch später in München seinen größten Theatererfolg feiern."
Zum Film kam Schreck Mitte der 1910er Jahre und trat erstmals mit der eher kleinen Rolle des "unheimlichen Verschwörers" in Murnaus als verschollen geltendem kurzen Streifen "Teufelsmädel" (1917) auf der Leinwand in Erscheinung → www.murnaugesellschaft.de. Drei Jahre später intensivierte Schreck seine Arbeit für den Film, spielte kleinere Parts in Ludwig Bergers Historiendrama "Der Richter von Zalamea"4) (1920; Rolle: Don Mendo), gedreht unter anderem mit Lil Dagover und Albert Steinrück nach dem gleichnamigen Versdrama von Pedro Calderón de la Barca, oder in dem ebenfalls von Berger realisierten Drama "Der Roman der Christine von Herre"5) (1921; Rolle: Diener Peter) mit Agnes Straub in der Titelrolle und Werner Krauß als altem grausamen Grafen von Herre.
Nachhaltigen Ruhm erlangte der Schauspieler dann – wie erwähnt –- mit Murnaus, bei der "Prana-Film" gedrehten Geschichte "Nosferatu" (1922), der jedoch finanziell ein Misserfolg wurde und erst später eine umfassende Würdigung erhielt → Wikipedia. Mit seiner Interpretation des Grauen erregenden, gespenstisch-dämonischen, blutrünstigen Vampirs setzte Schreck jedoch Maßstäbe für alle nachfolgenden Schauspieler, die die Vampir-Figur gestalteten, etwa auch Klaus Kinski in Werner Herzogs Hommage "Nosferatu – Phantom der Nacht"1) (1979). "Die Gestaltung der Rolle durch Max Schreck, die den relativ unbekannten Schauspieler in der öffentlichen Wahrnehmung mitunter mit der Film-Persona verschmelzen ließ, und die Konzeption der Maske mit kahlem Schädel, spitzen Ohren, den beiden mittig sitzenden Beißzähnen und verlängerten Extremitäten gingen in den Kanon populärkultureller Standards ein" notiert Wikipedia.
 

Abbildung DVD-Cover freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Süddeutsche Zeitung Cinemathek";
die DVD ist im Rahmen der "SZ Stummfilm Edition" (→ Murnau Stiftung) veröffentlicht worden und erschien im Oktober 2012.
© "Süddeutsche Zeitung Cinemathek" und "Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung" (FWMS)

Abbildung DVD-Cover "Nosferatu" zur Verfügung gestellt von "Süddeutsche Zeitung Cinemathek"; Copyright "Süddeutsche Zeitung Cinemathek" und "Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung" (FWMS)
Auch wenn Max Schreck mit seinen nachfolgenden filmischen Arbeiten nicht mehr eine solch exponierte Hauptrolle verkörperte, erregte er jedoch auch mit seinen weiteren Darstellungen Aufmerksamkeit. So spielte er unter anderem in Manfred Noas Lessing-Adaption "Nathan der Weise"1) (1921) neben Protagonist Werner Krauß den Templer-Großmeister, mimte für Franz Seitz sen. in "Der Favorit der Königin" (1922; ; → dhm.de) den grotesken Leichenhändler. "Max Schreck gibt eine grotesk-komische Nebenrolle. Den Leichenhändler Jack formt er zu einem Halunken Shakespearscher Prägung. Er verleiht dem Film einen kräftigen Schuss bizarrer Phantastik und überspitzten Humors." kann man bei www.filmblatt.de lesen. In Karl Grunes Sozial-Drama "Die Straße"1) (1923) zeigte er sich als ein Blinder, in Peter Paul Felners Shakespeare-Adaption "Der Kaufmann von Venedig"1) 1923) konnte Schreck neben Werner Krauss (Shylock), Henny Porten (Porzia) und Harry Liedtke (Bassanio) als Doge von Venedig einmal mehr beweisen, welch großartiger Charakterdarsteller er war. In Murnaus heiteren Geschichte "Die Finanzen des Großherzogs"1) (1924, mit Harry Liedtke) kam er als finster-unheimlicher Verschwörer daher, erhielt glänzende Kritiken für die Gestaltung des Apothekers Willibald Hofmeister in Carl Boeses "Krieg im Frieden" (1925). In Paul Czinners Verwechslungskomödie "Doña Juana"5) (1928), gedreht nach dem Bühnenstück "Don Gil von den grünen Hosen"1) von Tirso de Molina, gab er den Vater der Titelheldin, gespielt von Elisabeth Bergner, oder verlieh dem italienischen Kardinal Hieronymus Aleander1) in Hans Kysers Biografie "Luther – Ein Film der deutschen Reformation"1) (1928, mit Eugen Klöpfer) Kontur.
 
Der Schauspieler, der neben seiner Arbeit vor der Kamera stets der Bühne treu blieb, übernahm auch im Tonfilm regelmäßig kleinere bis kleinste Aufgaben, zeigte sich unter anderem als Komödiant Muff in Max Ophüls' Smetana-Verfilmung "Die verkaufte Braut"1) (1932) oder als ein Auswanderer in Reinhold Schünzels Abenteuer "Donogoo Tonka: Die geheimnisvolle Stadt"5) (1935). Letztmalig stand er für Werner Klinglers See-Abenteuer "Die letzten Vier Von Santa Cruz"5) (1936) als William Dunbar vor der Kamera.
Von seinen rund 65 Kinoproduktionen ist nur "Nosferatu" in nachhaltiger Erinnerung geblieben, die Rollen, welche er am Theater verkörperte, gehen weit in die Hunderte. "Denn Schreck war vor allem ein Bühnendarsteller, mit nur gelegentlichen Ausflügen ins Filmfach. Einer der Gründe übrigens, warum so wenig von seiner Arbeit im Gedächtnis geblieben ist" kann man bei www.filmhistoriker.de lesen.
 
Max Schreck, der als "Vampir-Ikone" Filmgeschichte schrieb, starb überraschend im Alter von 56 Jahren am 20. Februar 1936 in einem Münchener Krankenhaus an den Folgen eines Herzinfarktes – noch kurz zuvor hatte er als Großinquisitor in Schillers "Don Karlos" auf der Bühne gestanden. Die letzte Ruhe fand der Schauspieler in einem lange Zeit unbekannten Urnengrab auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde1) südlich von Berlin (Gräberfeld U-UR 670), in dem auch seine Mutter Pauline beigesetzt worden war. Seit 2011 erinnert ein neuer Grabstein bzw. eine von dem Steinmetz-Meister Heinz-Otto Melior geschaffene 138 Zentimeter hohe Granitstele mit Inschrift an den heute weitgehend vergessenen Schauspieler, die anlässlich des 75. Todestages enthüllt wurde → Foto bei www.knerger.de.
Seit 1909 (oder 1910) war Max Schreck mit der Schauspielerin Franziska Ott (1877 – 1951) verheiratet, die sich fortan Fanny Schreck2) nannte und in "Nosferatu" die kleine Rolle einer Krankenschwester gespielt hatte. Die Schauspielerin Gisela Uhlen2) (1919 – 2007) war seine Nichte bzw. die Tochter seines Bruders, des Opern-Baritons bzw. späteren Spirituosen-Fabrikanten Augustin Schreck.
 
Im Juni 2009 erschien im "belleville-Verlag" von dem Journalisten Stefan Eickhoff das reich bebilderte Buch "Max Schreck – Gespenstertheater", mit dem der Autor den Lebensweg des Schauspielers nachzeichnet → www.max-schreck.com sowie www.filmhistoriker.de, wo unter anderem vermerkt wird: "So wird nicht nur mit der Legende aufgeräumt, der Schauspieler Schreck sei selbst ein unfassbares Gespenst gewesen, sondern auch sein "Gespenstertheater" wird in unglaublicher Präzision erfasst: Schreck war durch seine Gestalt – groß, hager, kleiner Kopf, spitze Ohren – weniger für die Haupt- als für die Chargenrollen geeignet, und diese werden nicht nur im biographischen Teil des Buches beschrieben (S. 19–233), sondern auch in einem umfangreichen Anhang so komplett wie möglich erfasst, inklusive Stabsangaben, genauen Aufführungsdaten und Auszügen aus Kritiken (Theater- und Filmliste, S. 295–511). Ein Rollenverzeichnis (S. 531–543) und ein Namens-Register (S. 551–575) erleichtern die Arbeit mit dem umfangreichen Werk."
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.vampyrbibliothek.de, www.filmhistoriker.de
sowie die Website von Jens Geutebrück
Siehe auch www.cyranos.ch, filmportal.de, www.film-zeit.de
Fotos aus "Nosferatu" bei www.virtual-history.com
*) Hinweis: Marie Seebach1) (1834–1897), Schauspielerin in Hamburg, Wien, München, Hannover, Berlin, seit 1887 am "Königlichen Schauspielhaus", stiftete 1893 ein Heim für hilfsbedürftige Bühnenkünstler, 1895 in Weimar als "Marie Seebach-Stift" eingeweiht und noch heute existierend. Die Schule ihres Namens war ebenfalls eine Stiftung.
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP,  4) filmportal.de, 5) Murnau Stiftung
Quelle: 3) Wikipedia (Artikel zu "Nosferatu", abgerufen 22.01.2013)
Lizenz Foto Max Schreck (Urheber unbekannt): Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia, dieterleitner.de)
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