Igo Sym vor 1937; Quelle: Wikimedia Commons (Quelle: "Kino" 1937); Urheber: Unbekannt Der Schauspieler Igo Sym wurde am 3. Juli 1896 als Karol Juliusz Sym im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Innsbruck als Sohn aus Galizien stammender Eltern geboren. Nach Abschluss der Schulzeit sowie einem Studium diente Sym während des 1. Weltkrieges im österreichischen Heer, ab 1918 war er Infanterie-Offizier in der polnischen Armee, die er 1921 als Oberleutnant der Reserve verließ. Anschließend arbeitete er als Angestellter und Prokurist bei der Warschauer Wirtschaftsbank "Gospodarstwa Krajowego".
Der blenden aussehende junge Mann entschied sich dann für eine Karriere als Schauspieler und trat erstmals in dem polnischen Horrorstreifen "Die Vampire von Warschau" (1925, Wampiry Warszawy) auf der Leinwand in Erscheinung. Nach einem weiteren Einsatz in den Dramen "O czym się nie myśli" (1926) und "Die Geliebte des Szamota" (1927, Kochanka Szamoty) ging er nach Wien, erhielt von der "Sascha Film" einen Vertrag und mimte in Gustav Ucickys Melodram "Die Pratermizzi"1) (1927) neben Anny Ondra den jungen Baron Christian von B. → www.stummfilm.at.

Foto: Igo Sym vor 1937
Quelle: Wikimedia Commons (Quelle: "Kino" 1937)
Urheber: Unbekannt; Angaben zur Lizenz siehe hier

Bis 1928 drehte Sym ausschließlich für die "Sascha-Film", zu deren Vorsitzender er 1928 gewählt wurde. In zahlreichen stummen Komödien und Melodramen verkörperte Sym meist elegante Kavaliere, Adelige und fesche Offiziere, mit denen er auch später in deutschen Produktionen vor allem das weibliche Publikum für sich zu gewinnen wusste. Der Frauenschwarm spielte mit etlichen Stars jener Jahre, als junger Schriftsteller Jean Dardier verliebte er sich in Wilhelm Thieles Literatur-Adaption "Adieu Mascotte"3) (1929) in das von Lilian Harvey gespielte schöne Künstlermodell Mascotte, mit der Harvey stand er auch für Johannes Guters Komödie "Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst"3) (1929) vor der Kamera. Unter anderem drehte er mit Max Neufeld die mit Zwischentiteln aufwartende Stummfilm-Operette "Erzherzog Johann"2) (1928; Verleihtitel Deutschland: "Herzog Hansl"), mit der der Regisseur dem "volksverbundenen" Erzherzog Johann von Österreich1) (1782 – 1859) ein Denkmal setzte, und gab den Titelhelden. In Manfred Noas "Meine Schwester und ich" (1929), nach dem gleichnamigen Lustspiel von Georges Berr (auch Drehbuch) und Louis Verneuil,, tauchte er neben Mady Christians (Prinzessin Margarete von Marquardstein) als Dr. Gustav Müller auf, agierte in dem Drama "Stud. chem. Helene Willfüer"4) (1930) und mimte den jungen Medizinstudenten Fritz Rainer, zu dem sich die Titelheldin (Olga Tschechowa) hingezogen fühlt.
Robert Wohlmuths Streifen "Das Wolgamädchen" (1930), der nachträglich mit Geräuschen und Gesang unterlegt worden war, gehörte zu seinen letzten Stummfilmen. Erzählt wurde die in Russland spielende Liebesgeschichte zwischen dem Offizier Leutnant Wladimir Trojanowski und der Bauernmagd Katja (Evelyn Holt).
 
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Igo Sym problemlos, für Regisseur Emmerich Hanus, der sich von weltberühmten Schlager "Schöner Gigolo, armer Gigolo"1) hatte inspirieren lassen, war er beispielsweise der "Gigolo" Rudi von Dokonal in der gleichnamigen Romanze (1930, auch "Der Arme Tanzleutnant"). Erich Waschneck besetzte ihn neben Lil Dagover als Baron Hans von Langen in dem Liebesdrama "Das alte Lied" (1930), in Carl Boeses Schwank "Kasernenzauber" (1931) machte er als schneidiger Leutnant von Rhoden einmal mehr eine gute Figur.
Während seiner Arbeit für den Film hatte Igo Sym eine Schauspiel-Ausbildung absolviert und erfolgreich abgeschlossen, konzentrierte sich nun verstärkt auf seine Arbeit am Theater und nahm nur noch sporadisch Filmangebote an. 1931 gab er in Wien in der Operette "Majestät lässt bitten…" von Walter Kollo sein Bühnendebüt, feierte in den kommenden Jahren vor allem in Warschau als Revue- und Operettenstar Erfolge. Dabei glänzte er mit akrobatischen Einlagen und seinen musikalischen Fähigkeiten an der Singenden Säge1). Mit Willi Forsts Melodram "Serenade"5) (1937) drehte er seinen letzten Film in Deutschland und spielte den verwitweten Geigenvirtuosen Ferdinand Lohner, der sich mit beruflichem Erfolg über den Tod seiner Frau hinwegzutrösten versucht. Als sich die junge Irene (Hilde Krahl) in ihn verliebt, scheint das Glück vollkommen, wäre da nicht die intrigante Mutter (Lina Lossen) von Lohners ersten Frau …
 
Als deutschen Truppen am 1. September 1939 in Polen einmarschierten und das Land annektierten, kooperierte Sym, der sich als "Reichsdeutscher" verstand, mit den deutschen Besatzern und übernahm die Direktion des neuen, deutschsprachigen Theaters der Stadt Warschau. Außerdem beteiligte er sich an dem von Gustav Ucicky inszenierten anti-polnischen NS-Propagandastreifen "Heimkehr"1) (1941) und rekrutierte im Auftrage der "Wien-Film" polnische und jüdische Darsteller als Statisten. Die polnische Widerstandsbewegung sah in Sym einen Verräter, zumal dessen Zusammenarbeit mit der Gestapo bekannt wurde; so soll er an der Verhaftung der berühmten Künstlerin Hanka Ordonówna1) (1902 – 1950) beteiligt gewesen sein.
Noch während der Dreharbeiten zu "Heimkehr" verurteilte ein Untergrund-Gericht den Schauspieler zum Tode, worauf ihn ein Exekutionskommando der ZWZ ("Bund zum bewaffneten Kampf") am 7. März 1941 in seiner Warschauer Wohnung erschoss. Dieser Tat folgten als "Vergeltungsmaßnahme" der Nazis eine einwöchige Schließung der Warschauer Theater sowie zahlreiche Morde und Verhaftungen polnischer Staatsbürger, unter denen sich auch renommierte Schauspieler und Theaterleute wie Stefan Jaracz6) oder Leon Schiller1) befanden, die nach Auschwitz deportiert wurden.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) stummfilm.at, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de, 5) www.film.at, 6) Wikipedia (englisch)
Lizenz Foto Igo Sym (Urheber unbekannt): Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
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Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de, stummfilm.at, film.at)
Stummfilme Tonfilme
  • 1930: Wien, Du Stadt der Lieder
  • 1930: Was kostet Liebe?
  • 1930: Gigolo / Der Arme Tanzleutnant
  • 1930: Nur am Rhein…
  • 1930: Kasernenzauber
  • 1931: Das alte Lied / Zu jedem kommt einmal die Liebe
  • 1931: Du bist meine ganze Welt / Das Lied der Nationen
  • 1931: Moritz macht sein Glück / Meier und Co.
  • 1931: Ich heirate meinen Mann
  • 1931: Ein Auto und kein Geld
  • 1932: Palast auf Rädern (Pałac na kołach)
  • 1933: Der Spion (Szpieg w masce)
  • 1934: Das Erwachen (Przebudzenie)
  • 1937: Abenteuer in Warschau (Dyplomatyczna żona)
  • 1937: Serenade → filmportal.de
  • 1940: Die goldene Maske (Złota maska)
  • 1941: Zona i nie żona
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