Johannes Heesters 1934; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora (1881–1963) / Arthur Benda (1885–1969); Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 205241-C); Datierung: 01.09.1934; Quelle: www,cyranos.ch Johannes Heesters wurde am 5. Dezember 1903 als Jüngster von vier Söhnen des Kaufmanns Jacobus Heesters und dessen Ehefrau Gertruida im niederländischen Amersfoort geboren, sein vollständiger Name lautet: Johan Marius Nicolaas Heesters. Nach Beendigung seiner Schulzeit wollte er ursprünglich katholischer Geistlicher werden, machte dann jedoch eine kaufmännische Lehre in einem renommierten Bankhaus. An seinem 16. Geburtstag besuchte er mit seinem Vater eine Theateraufführung und fasste den Entschluss, Schauspieler zu werden. Nach einer Gesangs- und Schauspielausbildung in Amsterdam stand Heesters 17-jährig dort zum ersten Mal auf der Bühne. Es folgten Engagements an Sprechbühnen in Den Haag, Brüssel und Rotterdam und der junge Schauspieler interpretierte die großen Klassiker der Theaterliteratur. 1924 kam er erstmals mit dem Film in Berührung und wirkte in dem niederländischen Stummfilm "Cirque Hollandais" mit.
1923 übernahm der Schauspieler Heesters seine erste Gesangsrolle in Strindbergs "Traumspiel" mit Hauptrollen in diversen Operetten wie "Walzertraum", "Dreimäderlhaus" oder "König der Vagabunden" avancierte Heesters rasch zum Publikumsmagneten.

Johannes Heesters 1934
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora1) (1881–1963) / Arthur Benda1) (1885–1969)
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 205241-C); Datierung: 01.09.1934
Quelle: www,cyranos.ch; Link: Wikipedia

1930 heiratete Johannes Heesters die belgische Schauspielerin und Operettensängerin Louise "Wieske" Ghijs (1902 – 1985), mit der er bis zu deren Tod verheiratet war. Beide Töchter traten später in die künstlerischen Fußstapfen der Eltern. Wiesje Heesters (geb. 1931) ist heute eine bekannte Pianistin in Wien, Nicole Heesters1) (geb. 1937) eine erfolgreiche und bekannte Theater- und Fernsehschauspielerin, die hauptsächlich in Hamburg lebt und arbeitet.
 

Johannes Heesters 1928 mit seiner späteren Frau Louisa Ghijs2)
Urheber: Adri Mosel (1887 – 1935)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
von www.johannes-heesters.de
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Johannes Heesters 1928 mit seiner späteren Frau Louisa Ghijs; Urheber: Adri Mosel (1887 – 1935); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons von www.johannes-heesters.de
Johannes Heesters als Dr. Roger Fleuriot mit Anneliese Rothenberger (Dolly) in dem musikalischen Singspiel "Meine Schwester und ich" von Ralph Benatzky; 1956 für das Fernsehen inszeniert von von Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Vom Erfolg des niederländischen Künstlers hörte man auch in Wien, der Hauptstadt der Operette, und so holte man Heesters an die Volksoper, wo er 1934 mit Millöckers "Der Bettelstudent"2) debütierte. Presse und Publikum jubelten damals, Johannes Heesters avancierte zum Liebling der Wiener und zum Inbegriff der "leichten Muse"; er gastierte danach in Salzburg, Innsbruck und Graz. 1936 folgt dann mit seinem Engagement bei der Ufa Babelsberg der Wechsel nach Berlin. Seine erste bedeutendere Leinwandrolle war die des Simon Rymanowics in "Der Bettelstudent"3), neben Carola Höhn. Es folgten zahlreiche Hauptrollen für den gutaussehenden Schauspieler in musikalischen Unterhaltungsfilmen wie Georg Jacobys Operettenadaption "Gasparone"3) (1937) oder Herbert Maischs "Nanon"3) (1938) nach Richard Genée. In der musikalischen Komödie "Hallo Janine!"3) (1939) agierte er neben seiner "Traumpartnerin" Marika Rökk, mit Marte Harell als Partnerin drehte er "Rosen in Tirol"2) (1940), mit Dora Komar "Immer Nur Du"3) (1941) – um nur einige der zahlreichen Kinoproduktionen jener Jahre zu nennen, mit denen sich Heesters charmant und leichtfüßig in die Herzen seines Publikums sang und tanzte und so für kurze Momente die Kriegswirren vergessen ließ.
 

Johannes Heesters als Dr. Roger Fleuriot mit Anneliese Rothenberger1) (Dolly)
in dem musikalischen Singspiel "Meine Schwester und ich" von Ralph Benatzky
1956 für das Fernsehen inszeniert von von Franz Peter Wirth
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Dass Heesters nicht nur als unbekümmerter Herzensbrecher überzeugen konnte, dokumentierte er in der Romanze "Illusion"3) (1941) an der Seite von Brigitte Horney, hier mimte er einen verlassenen Liebhaber und wechselte erstmals in das Charakterfach. Lange Zeit sollte "Illusion" sein Lieblingsfilm bleiben und erst Mitte der 1950er Jahre durch Louis Daquins Guy de Maupassant-Adaption "Bel Ami"2) (1957) abgelöst werden. Diesen eher ernsten Streifen sehen sowohl Kritiker als auch Johannes Heesters selbst heute als Höhepunkt seines Filmschaffens an. Dass Heesters während des Nazi-Regimes in vielen so genannten "Ablenkungsfilmen" auftrat, wurde ihm von seinen niederländischen Landsleuten später verübelt, obwohl dem Schauspieler stets ein eher distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachgesagt wurde.
Holländischer Akzent, blitzende Zähne, Glitzern in den Augen und eine dekorative Schmalzlocke waren seine Kennzeichen. Der stattliche Operettentenor mit der hellen Stimme schien manchmal nach Atem zu ringen, was er aber problemlos durch seine Jungenhaftigkeit wettmachte. Sein Credo lautete "man müsste Klavier spielen können"; dieses Glück hatte der Herr in Frack und Zylinder jederzeit.4)
  
1942 wirkte das Multitalent Heesters in Berlin bei ersten Fernsehversuchen mit; im gleichen Jahr spielte er in der Uraufführung der Operette "Hochzeitsnacht im Paradies", 1948 gastierte er wieder in Wien, diesmal am "Theater in der Josefstadt" mit dem Schauspiel "Lied der Taube". Damit gelang dem Künstler endgültig der Sprung ins Charakterfach. Während der ersten Nachkriegsjahre sang und spielte Johannes Heesters in Wien, München und Berlin, unter anderem in den Operetten "Der Graf von Luxemburg"2), "Der Zarewitsch"2) und "Die lustige Witwe"2) von Franz Lehár. Das Auftrittslied des leichtlebigen Grafen Danilo "Heut geh ich ins Maxim" wurde durch Heesters zum Evergreen, und hat bis heute nichts an seiner Popularität verloren. Heesters sang später immer wieder dieses Lied, als "sein " Lied und bleibt mit dieser Paraderolle der "Graf Danilo" schlechthin – mit Nelke im Knopfloch, weißen Handschuhen und langem, weißem Seidenschal. Erstmals hatte er diese Figur Ende 1938 am "Gärtnerplatztheater" in München verkörpert, wenig später brillierte er in einer Inszenierung am "Admiralspalast" in Berlin und wurde vom Publikum frenetisch gefeiert –  bis April 1941 sahen über 440.000 Zuschauer die stets ausverkaufte Aufführung.

Johannes Heesters Ende Januar 1964 in Amsterdam in dem Musical "The Sound of Music"
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 915-9766)
Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons;
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL

Johannes Heesters Ende Januar 1964 in Amsterdam in dem Musical "The Sound of Music"; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 915-9766); Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL
Auch im deutschen Nachkriegsfilm blieb Heesters ein vielgefragter Darsteller, Unterhaltungsstreifen wie "Leckerbissen" (1948), "Wenn eine Frau liebt" (1950) oder Operettenverfilmungen wie "Die Czardasfürstin" (1951) und "Im weißen Rössl" (1952) ließen die Kinokassen klingeln. Heesters war gut im Geschäft und konnte auch international Erfolge verbuchen. 1953 engagierte Otto Preminger den Schauspieler nach Hollywood; in der Gesellschaftskomödie "Die Jungfrau auf dem Dach" spielte Heesters an der Seite von Hardy Krüger und Johanna Matz die Rolle des David Slader, welche in der amerikanischen Fassung "The Moon is Blue" von David Niven verkörpert wurde.
Johannes Heesters 01; Copyright Virginia Shue In den 1960er und 1970er Jahren war Heesters in zahlreichen Fernsehfilmen, Theateraufzeichnungen und TV-Shows zu sehen; 1978 z. B. verzeichnete er riesige Erfolge in München als alternder desillusionierter Lebemann Honoré Lachaille in Frederick Loewes Musical "Gigi"2), 1982 begeisterte er neben Carl-Heinz Schroth in der Verfilmung "Sonny Boys" von Neil Simon; im gleichen Jahr stiftete das "Theater an der Wie" den "Johannes-Heesters-Ring". 1986 ging der Künstler mit einer Paraderolle als alternder Casanova in "Casanova auf Schloss Dux" auf Tournee. Zu den Vorbereitungen dieses Stückes lernte er seine zweite Frau, die 46 Jahre jüngere Simone Rethel2) kennen, die er 1992 heiratete.
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Gemeinsam mit seiner Frau stand Heesters in verschiedenen Stücken auf der Bühne, von 1996 bis zum Sommer 2001 spielte in dem Flatow Stück "Ein gesegnetes Alter" und verkörperte in dieser schwarzen Komödie 97-jährig den 90-jährigen Georg Neumann. Umjubelte Vorstellungen in Berlin, Hamburg, München oder Wien und in verschiedenen anderen Tourneestädten in Deutschland, Österreich und der Schweiz brachten ihn in das "Guiness-Buch" der Rekorde als "ältesten und aktivsten Schauspieler der Welt". 2002 stand er in München als greiser Diener Firs in Anton Tschechows "Kirschgarten" auf der Bühne und ein Jahr später verkörpert er sich selbst in der Hauptrolle des Musicals "Heesters", welches eigens für ihn geschrieben worden war.
Die Popularität von Johannes Heesters, dem Grandseigneur des deutschsprachigen Films, der Musik und des Theaters, war bis zuletzt ungebrochen. Seine zahlreichen TV-Auftritte in allen großen Shows, seine Liederabende, seine Tourneen durch ganz Deutschland, wurden immer wieder begleitet von Ehrungen und Preisverleihungen; der Titel "Kammersänger" war ihm 2004 bei den Elblandfestspielen Wittenberge verliehen worden. Noch 2002 übereichte man dem Ausnahmekünstler die "Goldene Kamera" für sein Lebenswerk, die "Platin Romy" hatte er 2001 ebenfalls für sein Lebenswerk entgegen nehmen können. Sechs Mal erhielt Heesters bisher einen "Bambi" (1967, 1987, 1990, 1997, 2003) sowie am 29. November 2007 – wenige Tage vor seinem 104. Geburtstag – bei der Verleihung des Medienpreises im Düsseldorfer "Congress Center" einen "Überraschungs-Bambi".
Den Preis nahm die Film-Legende mit den Worten entgegen "Dass ich heute Abend hier bin, ist für mich ein Rätsel", danach bereicherten noch weitere "Bambis" seine Trophäensammlung mit nach Hause nehmen, für jedes weitere Jahr sollte er den Preis erneut bekommen. Weitere Auszeichnungen sind unter anderem das "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" (1975), der "Bayerische Verdienstorden"2) (1984) und der "Verdienstorden des Landes Berlin"2) (1993) → Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.

Foto: © Rainer Binder
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)

Johannes Heesters; Copyright Rainer Binder
Kein anderer Künstler der Welt hat über so einen langen Zeitraum seinen Beruf so erfolgreich ausüben können wie Johannes Heesters. Trotz aller Erfolge war der Schauspieler und Sänger ein Star ohne Allüren, eine Persönlichkeit, die nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst hat, ein Künstler, der es  verstand, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Ein Mensch, der im Heute lebte arbeitete – ganz unter seinem Motto: "Was spiele ich als nächstes?" Anlässlich seines 100. Geburtstages war in der Presse zu lesen, dass Heesters erneut Gesang studieren möchte. "Meine letzte Gesangsstunde ist schließlich schon 40 Jahre her", meinte er damals humorvoll in einem Interview.
 
Zu seinem 95. Geburtstag hatte der Jahrhundert-Charmeur Heesters 1998 bei einer "Wetten dass…"-Sendung als Wetteinsatz angeboten, dass er zu seinem 100. Geburtstag wieder in die Sendung käme, falls er mit seiner Meinung falsch läge und das mit dem Lied "Ich werde 100 Jahre alt, darauf könnt ihr bauen!" untermauert. 2003 konnte er sein Versprechen wahr machen, zum seltenen 100. Geburtstag erhielt "Jopie" Heesters am 5. Dezember 2003 Glückwünsche auch von der politischen "Bühne". Unter anderem würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder das vielfältige Talent des Weltstars und Entertainers mit den Worten "Sie können singen, spielen, plaudern mit Elan, Witz und Charme – unglaublich".
Heesters hatte in einem Luxushotel in Pöcking am Starnberger See in seinen runden Geburtstag hineingefeiert; zuvor hatten die 100 geladenen Gäste zusammen mit dem Jubilar auf einer Großleinwand die ARD-Geburtstagsgala verfolgt, die eine beachtliche Publikumsresonanz verzeichnen konnte. Der Grandseigneur der Operette bewies in dieser Sendung erneut einem Millionenpublikum und den Zuschauern im Saal, welches die Filmlegende mit "standing Ovations" feierte, seine unglaubliche Vitalität und sang wie eh und je mit kräftiger Stimme.
Johannes Heesters 01; Copyright Heinz Hammer

Im Oktober 2002 veröffentlichte Johannes Heesters seine Erinnerungen unter dem Titel "Johannes Heesters. Auch hundert Jahre sind zu kurz"; bereits 1980 hatte der Künstler in dem Buch "Es kommt auf die Sekunde an. Erinnerungen an ein Leben im Frack" aus seinem Leben erzählt sowie erneut 1993 in "Ich bin gottseidank nicht mehr jung". Im November 1998 publizierte Simone Rethel zusammen mit Beatrix Ross den Bildband "Schönheit des Alters – Johannes Heesters"; die Fotografien zeigen den ältesten Schauspieler wie ihn nur sehr wenige kennen und – das macht diese Sammlung so besonders – wie ihn nur ein einziger Mensch fotografieren kann: seine Ehefrau Simone Rethel-Heesters.
Von Jürgen Trimborn erschien rechtzeitig zum 100. Geburtstag der Schauspieler-Legende im Herbst 2003 die Biografie "Der Herr im Frack. Johannes Heesters", welche facettenreich das Bild eines der größten deutschen Bühnen- und Filmstars zeichnet. "Seine Waffen waren der Rosenstrauß und das Champagnerglas, in dem die Lebenslust perlte", schreibt Hellmuth Karasek in seinem Vorwort zu der Biografie. " Anhand zahlreicher bislang unbekannter Quellen sowie Gesprächen mit Angehörigen und Kollegen wie Marika Rökk, Peter Alexander, Artur Brauner, Carola Höhn und nicht zuletzt mit Heesters selbst zeichnet Trimborn die Stationen des ehemaligen Operettentenors nach. An zentraler Stelle steht dabei die Frage nach seiner ambivalenten Rolle im Dritten Reich. Einerseits machte er als Lieblingsschauspieler Hitlers unter den Nazis Karriere. Andererseits stellte er wiederholt unter Beweis, dass er seine ablehnende Distanz zur Nazi-Ideologie niemals aufgab."5)
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Heinz Hammer zur Verfügung gestellt.
© Heinz Hammer (www.hammer-fotografie.de)

Im Sommer 2006 brachte Simone Rethel-Heesters einen weiteren Bildband auf den Markt: Die handsignierte Ausgabe "Johannes Heesters – Ein Mensch und ein Jahrhundert" enthält auf ca. 300 Seiten Fotografien von frühester Kindheit und Jugend über sämtliche Stationen seiner großartigen und einmaligen Karriere bis ins hohe Alter. Herausgegeben wird dieses Buch von Simone Rethel-Heesters, der Ehefrau von Johannes Heesters, die in wahrhaft aufopferungsvoller Arbeit über viele Monate hinweg in zahllosen Fotoalben und in noch viel mehr Archiven von Fotografen, Filmproduktionen, TV-Sendern, Theatern und etlichen weiteren Institutionen für dieses Buch recherchiert hat. Parallel zum Buch wird eine große Fotoausstellung in der Akademie der Künste den Lebensweg von Johannes Heesters würdigen.6)

  

Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem
Fotografen Heinz Hammer zur Verfügung gestellt.
© Heinz Hammer (www.hammer-fotografie.de)

Johannes Heesters 02; Copyright Heinz Hammer
Die Ausstellung "Johannes Heesters – Auf den Spuren eines Phänomens" war vom 25. August bis Mitte Oktober 2006 in der Berliner Akademie der Künste zu sehen. Die erste Ausstellung über Heesters überhaupt begibt sich auf die Spuren dieses Phänomens. Mit einzigartigen Dokumenten, Fotos, Rollenbüchern, persönlichen Notizen, Briefen sowie zahlreichen Film- und Tonbeispielen werden sein Lebensweg und seine Karriere vor dem Hintergrund von fast 100 Jahren politischer und Unterhaltungsgeschichte nachgezeichnet. Neben der biographischen Darstellung werden in Exkursform Themen wie "Operette", "Musical" und "Künstler und Nationalsozialismus" dargestellt. Sein Markenzeichen, der elegante Frack, ist ebenso zu bewundern wie das Kostüm des Danilo, seiner Paraderolle, die er weit über 1.500 Mal gespielt hat. Die gezeigten Exponate entstammen größtenteils dem Archiv Johannes Heesters, das er 2004 der Akademie der Künste übergeben hat.7)
Seinen 104. Geburtstag beging Heesters am 5. Dezember 2007 mit einem Galaabend im Berliner Admiralspalast und präsentierte auch sein neues Lied "Generationen". Anschließend bereitete der älteste noch aktive Künstler der Welt trotz voranschreitender Sehschwäche ein Konzert in seiner niederländischen Heimat vor. Nach Jahrzehnten trat er dort am 16. Februar 2008 erstmals wieder auf und stand in seiner Geburtsstadt Amersfoort auf der Bühne.

Am 5. Dezember 2008 wurde "Jopi" Heesters unglaubliche 105 Jahre alt. An diesem Ehrentag stand der älteste aktive Schauspieler der Welt auf der Bühne. Seit der Premiere am 21. November 2008 gab er täglich den Kaiser Franz Joseph in dem Singspiel "Im weißen Rößl"2) von Ralph Benatzky im Hamburger Theater "Komödie im Winterhuder Fährhaus", bis 18. Januar 2009 waren die Vorstellungen geplant, Daniela Maria Kiefer spielte die Wirtin Josepha, Marcus Ganser den Leopold und Hans Teuscher den Siegesmund. Bereits 1952 hatte Heesters in Willi Forsts musikalischen Filmversion mitgespielt und an der Seite von Johanna Matz als hübscher Wirtin Josepha den flotten Anwalt Dr. Siedler, Konkurrent des Oberkellners Leopold (Walter Müller), gemimt; den Kaiser Franz Josef gab damals Rudolf Forster. 
Den 2007 versprochen "Sonder-Bambi", der ihm anlässlich der Gala am 27. November 2008 in Offenburg verliehen werden sollte, konnte Heesters wegen seiner Theaterverpflichtung leider nicht persönlich entgegen nehmen; auch der achte "Bambi" wurde ihm am 26.11.2009 im Rahmen der Gala in der Metropolis-Halle in Potsdam-Babelsberg in Abwesenheit verliehen.
Der weltweit älteste noch aktive Schauspieler hatte für den Sommer 2009 eine neue Aufgabe übernommen, im Stuttgarter "Alten Schauspielhaus" war der 105-Jährige in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" als "Gottvater" zu bewundern. Heesters verlieh bereits vor einigen Jahren in einer Kölner "Jedermann"-Inszenierung dem "Gott" seine Stimme. Die Premiere war am 11. Juni, bis 24. Juli 2009 stand das von Klaus Hemmerle inszenierte Stück auf dem Spielplan. 
Den seltenen 106. Geburtstag am 5. Dezember 2009 feierte der betagte Künstler bereits am Vorabend mit zahlreichen prominenten Gästen aus Film und Fernsehen in Wien. Im Rahmen einer Veranstaltung im Steinernen Saals des Wiener Rathauses wurde Heesters, seit 1984 Ehrenmitglied der Wiener Volksoper mit einer "Goldenen Wien-Plakette" für seine schauspielerischen Leistungen geehrt. Zur Feier gab es einige musikalische Einlagen mit Stücken von Franz Lehár und Robert Stolz. Auch Johannes Heesters selbst griff am Ende der Feier zum Mikrofon und sang zwei Stücke: "Ich knüpfte manche zarte Bande" und das "Zigarettenlied".8)
 
Heesters blieb trotz Verlust des Sehvermögens – nach einer Makula-Degeneration und eines 2007 aufgetretenen Glaukoms erblindete Heesters 2009 vollständig – "unverwüstlich", als König in Rolf Hochhuths "Inselkomödie – oder Lysistrate und die NATO" feierte auch er im "Theater am Schiffbauerdamm", der Spielstätte des "Berliner Ensembles", am 28. Juli 2010 die Vorpremiere; die eigentliche Premiere fand zwei Tage später am 30. Juli statt. In der von Regisseur Heiko Stang inszenierten Musicalfassung (Musik: Florian Fries) des bereits 1974 uraufgeführten Hochhuth-Stücks "Lysistrate und die NATO" sang Heesters allerdings nicht, sondern sprach – auf einem prachtvollen Thron sitzend – zwei kurze Monologe. Weitere prominente Gesichter waren die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Caroline Beil2) in der Titelrolle der Amazone Lysistrate sowie der langjährige "Lindenstraßen"-Wirt Kostas Papanastasiou2) als Vater von Lysistrate; bis 8. August 2010 konnten die Zuschauer Heesters in dieser Rolle bewundern → www.stern.de und www.rbb-online.de).
 
Auch seinen (unglaublichen) 107. Geburtstag beging Johannes Heesters auf der Bühne, zwei Tage nach seinem Ehrentag, den er im Kreise seiner Familie verbrachte, lud er am 7. Dezember 2010 zu einer großen Geburtstags-Gala im Erfurter Kaisersaal ein. Er trat vor das Publikum, wie man ihn liebte, im Frack, weißer Weste und Seidenschal und erfreute die rund 600 Gäste mit seinen Erfolgs-Hits wie "Ich knüpfte manche zarte Bande" oder "Ich bin Gott sei Dank nicht mehr jung". Begleitet wurde er vom Salonorchester Weimar, das ihm bereits ihm 2008 das Programm "Jopie – Eine Jahrhundert-Revue" gewidmet hatte. Durch den Abend führte unter anderem Caroline Beil, Schauspieler Thomas Fritsch las aus Heesters Erinnerungen. Das Publikum feierte den Jubilar, dem anlässlich der Gala ein weiterer "Sonder-Bambi" verliehen wurde, mit stehenden Ovationen, Heesters versprach "Ich werde auch 108, das könnt ihr mir glauben."
Dieses Versprechen löste er ein, allerdings konnte er seine Pläne, diesen Ehrentag wie gewohnt mit einer Geburtstagsgala zu feiern, nicht verwirklichen. Wegen eines Ende November erlittenen Schwächeanfalls musste Heesters das Konzert im südbadischen Breisach absagen; auch die Premiere von Stefan Herings Kurzfilms "TEN", wo er als Petrus in Erscheinung tritt, musste am 30. November 2011 ohne den Star stattfinden. Rechtzeitig zum 108. Geburtstag am 5. Dezember konnte der momentan zweitälteste in Deutschland lebende Mann die Klinik jedoch wieder verlassen und ließ sich im Kreise seiner Familie feiern. Am 17. Dezember 2011 wurde Heesters erneut im Klinikum Starnberg stationär aufgenommen. In der Pressemitteilung auf seiner Webseite hieß es: "Herr Johannes Heesters wurde am Samstag, 17. Dezember 2011, abends im Klinikum Starnberg stationär aufgenommen und wird seitdem auf unserer Intensivstation behandelt. Sein Gesundheitszustand hat sich seit seinem letzten Aufenthalt in unserer Klinik akut verschlechtert und er befindet sich in einem kritischen Zustand. Seine Familie ist bei ihm …"

Am 24. Dezember 2011 verließ die Schauspielerlegende Johannes Heesters für immer die Bühne des Lebens, laut Medienberichten sei er im Beisein seiner Ehefrau Simone Rethel und Enkelin Wiesje Herold gegen 10:15 Uhr im Krankenhaus Starnberg "friedlich gestorben". Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ehrte den Schauspieler und Sänger, Träger des " Bayerischen Verdienstordens, nach dessen Ableben als "Grandsegnieur der leichten Muse". "Mit seiner einzigartigen Bühnenausstrahlung eroberte er die Herzen des Publikums. Charme, Eleganz und Leichtigkeit waren sein Markenzeichen", teilte die Staatskanzlei in München mit. Mit seiner optimistischen Ausstrahlung und Lebensbejahung, die ihn bis ins hohe Alter nicht verließen, habe Heesters vielen Menschen Freude bereitet und Mut gemacht. Sein Publikum habe ihn verehrt und geliebt.9)
"Ich hab mein Leben gelebt und bin zufrieden mit meiner Karriere, ich habe mich auch stets bemüht, den Weg meines Lebens geradezugehen, auch im Sturm der Zeit", sagte Heesters rückblickend auf sein langes Leben. Seinen künstlerischen Nachlass hat er der Berliner "Akademie der Künste" übergeben.10)
→ Nachrufe unter anderem bei www.spiegel.de, Hamburger Abendblatt, WELT-ONLINE, www.sueddeutsche.de.
 
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Johannes Heesters 02; Copyright Virginia Shue
Seit dem 29. Dezember 2011 lagen in der Aussegnungshalle des Münchener Nordfriedhofs Kondolenzbücher für den verstorbenen Johannes Heesters aus, zahlreiche Trauernde trugen sich ein. Die auf Wunsch der Fanilie nicht öffentliche Trauerfeier für Heesters fand am Freitag, dem 30. Dezember 2011, auf dem Münchner Nordfriedhof statt. Neben den Familienangehörigen erwiesen rund 200 geladene Gäste, Freunde und Kollegen dem Ausnahmekünstler die letzte Ehre. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle, Jürgen Wölffer, früherer Leiter des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm, sowie der Düsseldorfer Theaterdirektor René Heinersdorff erinnerten in ihren Reden an die künstlerische Lebensleistung von Heesters, geleitet wurde die Trauerfeier von dem früheren Starnberger Pfarrer Konrad Schreiegg. Heesters' Sarg war mit einem weißen Blumengebinde und einer Trauerschleife seiner Frau geschmückt. Fast ein Dutzend Blumenkränze und -gebinde waren in der Aussegnungshalle um den Sarg drapiert. Die Feier im geschlossenen Kreis wurde von Bekannten und Weggefährten des Schauspielers gestaltet. (…) Die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die über viele Jahre mit Heesters aufgetreten waren, begleiteten die Feier musikalisch. Sie spielten Lieder, die dem Entertainer "am Herzen lagen", sagte Kofler vor Beginn der Zeremonie. Darunter seien "Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne", "Lippen schweigen" und der Walzer "Illusion" aus Heesters' gleichnamigem Film.11) Im Rahmen der sich anschließenden Beisetzung in einer von einer runden Mauer umgebenen Grabstätte konnten dann auch Hunderte Fans von dem Grandseigneurs der Operette und ihrem Leinwandidol Abschied nehmen → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Webpräsenz: www.johannes-heesters.de mit vielen Informationen zu der Bühnen- und Filmlegende
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.whoswho.de
sowie die Artikel zum Thema "Johannes Heesters" bei www.spiegel.de
Johannes-Heesters-Archiv bei der Berliner "Akademie der Künste"
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung
Quelle:
4) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 151
5) Zitat der amazon-Redaktion
6) Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
7) Akademie der Künste
8) wien.orf.at
9) www.abendblatt.de bzw. www.spiegel.de
10) www.spiegel.de (am 7. Juni 2004 übergab Heesters seinen Nachlass der "Akademie der Künste)
11) www.welt.de
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(Link: Murnau-Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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