Paul Henckels wurde am 9. September 1885 im rheinischen Hürth bei Köln als Sohn eines Industriellen geboren. Sein Vater Paul Abraham Henckels stammte aus der Solinger "Zwilling-Stahl"-Fabrikantenfamilie, hatte ein eigenes Unternehmen und betätigte sich auch als Kunstmaler, seine Mutter war die Schauspielerin Cäcilia Warszawska. Er wuchs zunächst in Köln auf, als der Solinger Betrieb des Vaters 1903 Konkurs anmelden musste, zog die Familie nach Düsseldorf. Henckels besuchte das Gymnasium bis zur so genannten "Mittleren Reife", machte anschließend eine Lehre in einer Lokomotivfabrik und in der väterlichen Stahlwaren-Handlung.
Doch seine Leidenschaft galt dem Theater, folglich nahm er zunächst privaten Schauspielunterricht, machte ein Volontariat am Krefelder Stadttheater und ließ sich danach ab 1905 zwei Jahre lang von Louise Dumont1) (1862 – 1932) und deren Ehemann Gustav Lindemann1) (1872 – 1960) an der "Hochschule für Bühnenkunst" in Düsseldorf weiter ausbilden. 1907 gab Henckels sein Bühnendebüt als " Sperling" in Kotzebues Schauspiel "Die deutschen Kleinstädter". Einer seiner größten Bühnenerfolge wurde 1913 die Titelrolle in "Schneider Wibbel"1) von Hans Müller-Schlösser, die er auch auf der Leinwand 1931 eindrucksvoll interpretierte. Später wirkte er auch als Regisseur am "Düsseldorfer Schauspielhaus", dessen stellvertretender Direktor er 1919/20 gemeinsam mit Fritz Holl1) (1883 – 1942) wurde. 1921 hatte er auch zeitweise die  Leitung des Berliner "Schlossparktheaters" inne, dessen Mitbegründer er war.

Paul Henckels als allwissender TV-Professor in der unterhaltsamen,
zehnteiligen Vorabendserie "Nachsitzen für Erwachsene" (1960; → Infos)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion auf DVD herausbrachte (Erscheinungsdatum: 23.01.2015)

Paul Henckels als allwissender TV-Professor in der unterhaltsamen, zehnteiligen Vorabendserie "Nachsitzen für Erwachsene" (1960; ? Infos); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"
1920 hatte ihn Max Reinhardt1) (1873 – 1943) nach Berlin geholt, wo Henckels rheinische Art und sein menschliches, warmes Spiel das Publikum begeisterte. Henckels wirkte in der Folgezeit an fast allen wichtigen Bühnen Berlins und gehört zwischen 1936 und 1945 unter der Intendanz von Gustaf Gründgens2) (1899 – 1963) zum Ensemble des "Preußischen Staatstheaters Berlin".
  
Seit Anfang der 1920er Jahre war der Vollblutmime auf der Leinwand präsent, nachdem er von Henny Porten2) (1890 – 1960) entdeckt worden war. Sein Filmdebüt gab er in dem stummen Streifen "Das Geheimnis der sechs Spielkarten, 5. Teil – Das Herz König" (1921), seitdem war der Schauspieler in der Folgezeit in über 180 Filmen zu sehen. Durch seine Rolle in "Therese Raquin" (1928) von Jacques Feyder schon früh auf seinen Rollentypus des verknöcherten Beamten festgelegt, wurden seine Darstellungen erst spät auch liebenswürdiger. Der besinnliche Humor, der von ihm ausstrahlte, das verschmitzte Lächeln und eine etwas kauzige Hintergründigkeit, die er seinen Gestalten mit gab, fesselten die Zuschauer immer wieder aufs Neue. Unvergessen bleibt seine Hauptrolle in der Filmfassung des "Schneider Wibbel" (1930), die er auch selbst in Szene setzte, ebenso wie sein Kommerzienrat Apel in Carl Boeses "Der Ungetreue Eckehart" (1931). 
Weitere Vorkriegsfilme waren unter anderem "Abschiedswalzer" (1934), "Der Herr Senator" (1934), "Der Lustige Witwenball" (1936) und die Curt Goetz-Komödie "Napoleon ist an allem schuld"1) (1938), wo er mit der Rolle des Lord Cunningham brillierte. Als "Plattenbruder" Wimm glänzte er in Erich Engels Spoerl-Adaption "Der Maulkorb"1) (1938), ebenso wie als Baron Bubi von Sarabant in Wolfgang Liebeneiners heiteren Geschichte "Der Florentiner Hut"1) (1939) neben Heinz Rühmann. 1941 zeigte er sich unter der Regie Theo Lingens in dessen Paul Lincke-Adaption "Frau Luna"3) als Geheimrat Schmidt, ein Jahr später in Willi Forsts Operettenverfilmung "Wiener Blut"1) als Fürst Ypsheim, in Erich Engels heiteren Geschichte "Altes Herz wird wieder jung"3) mimte er 1943 den Justizrat Flinth und 1944 den Professor Bömmel in Helmut Weiss' legendären Spoerl-Verfilmung "Die Feuerzangenbowle"1) mit Heinz Rühmann – eine Rolle, die zu Henckels Glanzleistungen zählt. Wer hat sie nicht noch im Ohr, die Worte: "Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de Dampfmaschin. Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle merß uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is en jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung, un dat andere Loch, dat krieje mer später…"
  
Henckels erster Nachkriegsfilm war die frühe DEFA-Produktion "Wozzeck"1) (1947) nach dem Bühnenstück von Georg Büchner, es folgten Auftritte in zahlreichen Unterhaltungsfilmen wie "Der Fröhliche Weinberg"1) (1952), "Fräulein Casanova" (1953) oder "Der Zarewitsch" (1954). In "Die Mädels vom Immenhof"1), "Hochzeit auf Immenhof"1) und "Ferien auf Immenhof"1) mimte Henckels 1955, 1956 und 1957 an der Seite von Margarethe Haagen einzigartig den Dr. Pudlich, 1957  den "Schimmelpreester" in "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1), seinen letzten Leinwandauftritt hatte der Schauspieler 1961 in Paul Mays Knittel-Verfilmung "Via Mala"1).
DVD-Cover: Nachsitzen für Erwachsene; Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film" Neben seiner Arbeit für den Film ging Henckels mit Rezitationen beispielsweise von Wilhelm Busch auf Tourneen, führte Hörspielregie und spielte als Gast unter anderem an Theatern in Berlin, Düsseldorf und Köln. Die Fernsehzuschauer erfreute er als Moderator bzw. allwissender TV-Professor in der zehnteiligen Serie "Nachsitzen für Erwachsene". Hierzu kann man bei "Pidax film", welche diese fast vergessene Produktion auf DVD herausbrachte, lesen: "Paul Henckels bereitet als Professor, der unmittelbar der "Feuerzangenbowle" entsprungen zu sein scheint, Wissenswertes aus allen Bereichen unterhaltsam für das große und kleine Publikum auf. Dabei schult er gemeinsam mit seinen erwachsenen Schülern dank humorvoller und spritziger Dialoge die Allgemeinbildung. Mit interessanten Details und Erklärungen verblüfft er mehr als einmal. In Zeiten ohne Internetzugang war "Nachsitzen für Erwachsene" sicherlich eine Bereicherung für jeden Zuseher. Wetten, dass Sie aber auch heute noch jede Menge dazulernen können, wenn Sie sich diese doch recht amüsant aufbereiteten Episoden ansehen?"
Zudem war Henckels Dauergast bei der Gesangs- und Plauderreihe "Die fröhliche Weinrunde" mit Margit Schramm als Wirtin und Willy Schneider als Kellermeister. Er führte außerdem Regie und inszenierte, machte sich mit drei Büchern einen Namen: 1956 erschienen seine ersten Erinnerungen unter dem Titel "Ich war kein Musterknabe", 1960 folgte "Heiter bis wolkig", in denen er in launiger Weise über sein abwechslungsreiches Leben berichtet; zuletzt schrieb er an seinem dritten Buch "Allerlei Heiterei – Hobelspäne von den Brettern, die die Welt bedeuten".

  
Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film"

Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde Henckels 1960 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" sowie als Senatsgabe der "Berliner Bär" verliehen, 1962 überreichte man ihm das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Seines 80.Geburtstages wurde in der deutschen Presse eingehend gedacht, bis zuletzt hatte der Schauspieler auf der Bühne gestanden. 
 
Paul Henckels starb am 27. Mai 1967 mit 81 Jahren in Kettwig (heute Essen-Kettwig). Er war in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Thea Grodtczinsky1) (1893 – 1978) verheiratet. Seine erste Frau war die ehemalige Schauspielerin Cecilia Brie, mit der er drei Kinder hatte. Der Schauspieler lebte zuletzt im Schlosshotel "Hugenpoet" bei Kettwig, seine letzte Ruhe fand er auf dem Düsseldorfer Südfriedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
In Berlin-Steglitz erinnert der "Paul-Henckels-Platz" an den legendären Mimen.
 
 

Paul Henckels 1947 mit Thea Grodtczinsky in dem Theaterstück
"Der Kreis" von William Somerset Maugham1) an der
Berliner "Tribüne" Regie: Viktor de Kowa2)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000546_003)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 01.1947
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Paul Henckels 1947 mit Thea Grodtczinsky in dem Theaterstück "Der Kreis" von William Somerset Maugham an der Berliner "Tribüne" Regie: Viktor de Kowa; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000546_003); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 01.1947; Quelle: www.deutschefotothek.de
Henckels spielte Figuren wie von Spitzweg: Schulmeister, Buchhalter, Oberkellner, Eigenbrötler, Käuze. Mal schnurrig, mal charmant-verschmitzt, mal grantig. Der rheinische Akzent seiner unverwechselbaren meckernden, plänkelnden Stimme akzentuierte auch die seelische "Tonlage" seiner Charaktere.4) "Er entwickelte ein spezifisches Talent für Kleinmalerei, ohne kleinlich zu werden, er spielte die Schrulligen, die Eigensinnigen, die Wunderlichen, verwinkelt und vermenschlicht zugleich. Äußerlich gern ein bißchen zerknittert, innerlich immer glattgebügelt; ironisch und gutmütig, cholerisch und sanftmütig, zuweilen allzu verliebt in ein üppiges Schnörkelwesen, immer aber klar und präzise und sehr rheinländisch." schrieb der Schriftsteller und Theaterkritiker Wolfgang Drews 1955 anlässlich des 70. Geburtstages von Paul Henckels.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 155
  
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, defa-stiftung.de)
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