Marianne Hoppe vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Marianne Hoppe wurde am 26. April 1909 als Marianne Stefanie Paula Henni Gertrud Hoppe in Rostock geboren und verbrachte ihre Kindheit auf dem Rittergut Felsenhagen (Mecklenburg) ihres Vaters, wo sie Privatunterricht erhielt. Ab 1924 besuchte sie zwei Jahre lang das Berliner Königin-Luise-Stift, ging dann zu einer Handelsschule in Weimar. Danach absolvierte sie gegen den Willen ihrer Eltern die Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin und nahm bei Lucie Höflich*) (1883 – 1956) privaten Unterricht.
Ihr Theaterdebüt gab sie 1928 in Berlin bei einer Matinee der "Bühne der Jugend" in dem Stück "Mörder für uns!" von Willi Schäferdieck, spielte dann bis 1930 am "Deutschen Theater", danach zwei Jahre am "Neuen Theater" Frankfurt/Main und von 1932 bis 1934 an den "Münchner Kammerspielen" unter der Intendanz von Otto Falckenberg1) (1873 – 1947). Ihre ersten Erfolge erlebte sie ab 1935 am "Staatlichen Schauspielhaus" Berlin unter der Intendanz von Gustaf Gründgens*) (1899 – 1963), dessen zweite Ehefrau sie am 22. Juni 1936 wurde. Mit klassischen Shakespeare-Heldinnen wie der "Katharina" in "Der Widerspenstigen Zähmung", der "Isabella" in "Maß für Maß" oder der "Viola" in "Was ihr wollt" beeindruckte sie Publikum und Kritik gleichermaßen, Titelrollen in Schillers "Die Jungfrau von Orleans" oder Lessings "Minna von Barnhelm" ließen sie zur Theaterikone avancieren.

Marianne Hoppe vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
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Marianne Hoppe verkörperte den Typus der emanzipierten Frau, soweit das damals möglich war, so auch in ihrem ersten Tonfilm, "Der Judas von Tirol" (1933), einem Kostümfilm um Andreas Hofer. Rasch geriet die junge Schauspielerin zum Ufa-Star, bis Kriegsende war sie in zwanzig Tonfilmen zu sehen und spielte überwiegend den Typus der "schönen Spröden" und tragisch Liebenden – Frauenrollen, für die sie prädestiniert schien. Ein Gesicht von herber Klarheit und nordischer Strenge: Ihr seherischer Blick und das kehlige Lachen schienen sie vorherzubestimmen für hehre Frauengestalten. Das Mädchen vom Lande auf dem Weg zur Lady in den gehobenen Mittelstand des Melodrams, hingebungsvoll und verschlossen, ein gemartertes Herz.2)  
 
Filme wie "Heideschulmeister Uwe Karsten"3) (1933) oder die Rolle der Tochter des Deichgrafen (Mathias Wieman) in Hans Deppes "Der Schimmelreiter" nach der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm machten sie populär. In "Schwarzer Jäger Johanna"1) (1934), einem Heldenepos aus den Befreiungskriegen, spielte sie die Hauptrolle, war 1937 neben Emil Jannings die Inken Peters in Veit Harlans "Der Herrscher"1), einer ideologisch verfälschten Verfilmung des Dramas "Vor Sonnenuntergang" von Gerhart Hauptmann; bereits am "Neuen Theater" in Frankfurt/Main hatte sie die Figur interpretiert. Aber auch in unverfänglichen Komödien bewies Marianne Hoppe mit ihrem etwas unterkühlt wirkenden Spiel ihre darstellerische Bandbreite, eiferte etwa in "
Capriolen"1) (1937) den Vorbildern in amerikanischen "screwball comedies" nach. Gründgens, der auch die männliche Hauptrolle spielte, hatte die Gesellschaftskomödie im englischen Milieu nach einem Drehbuch von Willi Forst in Szene gesetzt, die Hoppe mimte die Atlantikfliegerin Mabel Atkinson, deren Ehe mit dem Journalisten Jack Warren (Gustaf Gründgens) wegen ihrer ehrgeizigen Pläne zu scheitern droht.
1939 verkörperte sie eindringlich erneut unter der Regie ihres Ehemannes Gründgens die Effie Briest in "
Der Schritt vom Wege"3), der Verfilmung des Fontane-Romans "Effie Briest", 1943 gab sie die Madeleine in Käutners Maupassant-Adaption "Romanze in Moll"1), einer modernen jungen Frau, die nach einer platonischen Liebesaffäre erpresst wird und sich das Leben nimmt; dieser Streifen ist wohl filmisch gesehen als Marianne Hoppes künstlerischer Höhepunkt anzusehen. Mit einer schönen, verhüllenden, verklärenden Ruhe geht ihre Madeleine durch den Film, – mit edlem Anstand sich der Ausweglosigkeit ihres Schicksals beugend. Eine menschlich bewegende, künstlerisch wohl abgewogene Leistung: phrasenlos, klar, erlebt. Ergreifend, weil man die Ergriffenheit der Darstellerin spürt.4)

1946 wurde ihre Ehe mit Gründgens geschieden, obwohl die Hoppe von der homosexuellen Neigung ihres Mannes wusste, wies sie die Unterstellung, eine "Alibi-Frau" gewesen zu sein, immer von sich und betonte stets, dass sie Gründgens geliebt habe. Die Schauspielerin zog ins oberbayerische Siegsdorf; zur damaligen Zeit war sie mit ihrem Sohn Benedikt Johann Percy aus einer Affäre mit dem langjährigen Freund und britischen Journalisten Ralph Izzard5) (1910 – 1992) schwanger.
Auch im deutschen Nachkriegsfilm fand die Hoppe vielfältige Aufgaben und übernahm prägnante Rollen. Eine ihrer stärksten Leistungen der Nachkriegszeit wurde 1948 die Rolle einer Schizophrenen in Kurt Hoffmanns "Das verlorene Gesicht". Wolfgang Staudte besetzte sie als Partnerin von Ernst Wilhelm Borchert in dem fesselnden Melodram "Schicksal aus zweiter Hand" (1949), mit Hans Söhnker stand sie für "Nur eine Nacht"1) (1950) vor der Kamera, einem Drama über zwei Entwurzelte im Nachkriegsdeutschland. Nach Erich Engels Rührstück "Der Mann meines Lebens"3) (1954) mit René Deltgen als Partner mimte die Hoppe in dem Albers-Streifen "Dreizehn alte Esel"1) (1958) die strenge Leiterin eines Kinderheimes, deren abenteuerlustiger Ehemann (Hans Albers), nach einer Weltreise heimgekehrt, für viel Wirbel nicht nur bei den Kindern sorgt. In nachhaltiger Erinnerung bleibt die Hoppe auch in Josef von Bákys Wallace-Verfilmung "Die seltsame Gräfin"1) (1961), eher unbedeutend waren ihre Rollen in Harald Reinls "Der Schatz im Silbersee"1)  (1962) und in dem Abenteuer "Die Goldsucher von Arkansas"1) (1964). Einen ihrer weiteren Leinwandauftritte hatte der ehemalige Ufa-Star in Wim Wenders' "Falsche Bewegung"1) (1975), einer Variation auf Goethes "Wilhelm Meister". Mit einer schönen Altersrolle zeigte sie sich 1983 als "Marianne" neben Sofie Keeser in Rainer Söhnleins "Marianne und Sophie – Zwei ausgeflippte Omas" (1983), einem Streifen über die Emanzipationsbestrebungen zweier Witwen. Gemeinsam mit den Ufa-Legenden Camilla Horn*), Marika Rökk*) und Carola Höhn*) trat sie dann 1988 als Gräfin Hohenlohe in Peter Schamonis Film "Schloss Königswald"1) auf, der im Fernsehen unter dem Titel "Die letzten Tage von Schloss Königswald" ausgestrahlt wurde  → www.schamoni.de.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Marianne Hoppe 01
Seit den 1960er Jahren intensivierte Marianne Hoppe neben ihrer umfangreichen Theatertätigkeit ihre Arbeit für das Fernsehen, neben verschiedensten Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Der Kommissar", "Der Alte" oder "Tatort", erlebte man sie beispielsweise als Madame Brassac in dem Mehrteiler "Der Tod läuft hinterher"*) (1967) oder als Präsidentin in der Marlitt-Verfilmung "Im Hause des Kommerzienrates" (1975). In der Komödie "Ich bin Elsa" (1989) mimte sie herrlich die Rentnerin Elsa, die bei Freunden als "entfernte Verwandte" Unterschlupf sucht, zuletzt sah man sie in Nico Hofmanns Thriller "Der Tod kam als Freund" (1991) auf dem Bildschirm.

Vornehmlich konzentrierte sich Marianne Hoppe nach Kriegsende jedoch auf ihre Theaterarbeit, startete eine zweite Bühnenkarriere, spielte zwischen 1947 und 1955 als Ensemblemitglied in Düsseldorf, weitere Stationen waren München, Hamburg und Wien; darüber hinaus gastierte sie unter anderem bei den Salzburger Festspielen. Beispielsweise glänzte sie in der Gründgens-Inszenierung bei der deutschen Uraufführung von Sartres "Die Fliegen" als "Elektra", aber auch in anderen Stücken der Moderne erwies sie sich als Idealbesetzung für Starregisseure wie Claus Peymann oder Robert Wilson, entfaltete in Schauspielen von Thomas Bernhardt oder Heiner Müller die ganze Bandbreite ihres Könnens. Hoppes Spielweise ist gekennzeichnet durch eine Mischung aus Burschikosität und Kraft auf der einen und kühler Distanziertheit und Zerbrechlichkeit auf der anderen Seite, verbunden sowohl durch äußerliche wie charismatische Anziehungskraft. Nicht selten trat sie auch mit selbstgestalteten literarischen Programmen hervor – so stellte sie nach dem tragischen Tod Ingeborg Bachmanns einen Rezitationsabend mit Texten der Schriftstellerin zusammen, der auch als Sprechplatte erschien.6)
Im Jahre 2000 drehte Werner Schroeter die Filmbiografie "Marianne Hoppe – Die Königin"7), der Dramatiker Rolf Hochhuth widmete ihr 1996 seinen Bühnenmonolog "Effis Nacht". Bei einer Wiederaufführung der Gründgens-Verfilmung des Effi Briest-Romans meinte Hoppe 1999 in ihrer lakonischen Art: "Wenn ich alte Filme von mir sehe, dann denke ich, was läuft denn da für'n hübsches Mädel rum, auch wenn ich immer etwas schlaksig war."
  
Marianne Hoppe 02 Marianne Hoppe 03
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Marianne Hoppe, die Grande-Dame des deutschen Sprechtheaters, starb am 23. Oktober 2002 im Alter von 93 Jahren in einem Seniorenheim im bayerischen Siegsdorf; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Friedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der damalige Bundespräsident Rau würdigte sie als "eine große deutsche Schauspielerin", die Darstellerin "habe durch ihre Interpretation klassischer und moderner Rollen ein Stück Theatergeschichte geschrieben"; hier geht es zu Nachrufen bei www.spiegel.de sowie in der taz anlässlich des Todes von Marianne Hoppe.
Zahlreiche Auszeichnungen belegen die Leistungen der großen Mimin, die seit 1965 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin war. Neben einem "Bambi"1) (1965), zwei "Goldenen Kameras"1) (1981, 2000) war sie seit 1976 Trägerin des "Hermine-Körner-Rings"1). Ein Jahr zuvor war ihr das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" verliehen worden. 1986 wurde sie mit dem "Kunstpreis der Stadt Berlin"1) geehrt, 1988 erhielt sie den "Deutschen Darstellerpreis"1) des "Bundesverbandes der Fernseh- und Filmregisseure", 1989 würdigte man ihre Leistung in dem TV-Spiel "Bei Thea" mit dem "Bayerischen Fernsehpreis"1). Das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" (1987) sowie das "Silberne Blatt" der "Dramatiker-Union"1) (1992) sind weitere Ehrungen, die ihr zuteil wurden.
Von Carola Stern erschien 2005 das Buch "Auf den Wassern des Lebens. Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe", in dem die Autorin über das hochdramatische Leben zweier genialer Schauspieler erzählt; siehe auch www.spiegel.de. Bereits 2001 veröffentlichte Petra Kohse die Biografie "Marianne Hoppe. Ein Schritt vom Wege" und schildert auf gelungene Weise die berufliche Entwicklung Hoppes vor dem film- und theatergeschichtlichen Hintergrund.
 
Im Frühjahr 2016 erwarb das "Deutsche Theatermuseum" (→ www.deutschestheatermuseum.de) in München mit Unterstützung der "Kulturstiftung der Länder"1), der "Deutschen Forschungsgemeinschaft"1) sowie des Freistaates Bayern den Nachlass der Schauspielerin Marianne Hoppe von deren Sohn Benedikt Johann Percy. "Neben persönlichen Aufzeichnungen und zahlreichen Dokumenten ergänzen Arbeitsmanuskripte sowie über 1.000 Briefe und mehr als 1.500 Fotografien das Konvolut zu einem Schatz deutscher Theater- und Filmgeschichte." kann man auf der Website der " Kulturstiftung der Länder" (www.kulturstiftung.de) lesen. "In ihrem Nachlass ist fast das ganze 20. Jahrhundert abgebildet", würdigt der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle1) die bedeutsame Rolle der Schauspielerin für die jüngere deutsche Theatergeschichte.

Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: *) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia (deutsch),  3) Murnau-Stiftung, 5) Wikipedia (englisch), 7) prisma.de
Quellen:
2) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 164/165
4)  Film-Kurier, 28.06.1942
6) Wikipedia
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Kinofilme (Auszug)
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