Camilla Horn (ca 1928 – 1930); Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Ross-Karte Nr. 4845/1; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Camilla Horn  wurde am 25. April 1903 in Frankfurt am Main als Tochter eines Reichsbahnbeamten geboren. Zunächst dachte sie an eine Karriere als Modedesignerin und ließ sich deshalb an einer Kunstgewerbeschule zur Schneiderin ausbilden. Anschließend arbeitete sie unter anderem als Akkordnäherin , doch dann entschied sie sich für eine Schauspielausbildung in Berlin. Um diese zu finanzieren, nahm sie diverse Jobs an, arbeitete beispielsweise als Kindermädchen. Ihr schauspielerisches Rüstzeug erwarb sie sich bei Lucie Höflich1) (1883 – 1956), außerdem ließ sie sich in der Schule des Tanzpädagogen und Choreographen Rudolf von Laban2) zur Tänzerin ausbilden.

Camilla Horns Theater- bzw. Filmkarriere begann mit kleinen Statistenrollen, sie tingelte durch Kleinkunstbühnen, auf der Leinwand tauchte sie erstmals 1921 in dem stummen Streifen "Kean" auf. Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis sie zum Filmstar avancierte, der Durchbruch gelang ihr 1926 in Friedrich Wilhelm Murnaus legendären Filmversion von Goethes "Faust", "Faust – Eine deutsche Volkssage"2). Hier brillierte sie als "Gretchen" an der Seite von Gösta Ekman als "Faust" und Emil Jannings als "Mephisto".
 
 
Foto: Camilla Horn vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.flickr.com bzw. filmstarpostcards.blogspot.de; Ross-Karte Nr. 4845/1
Angaben zur Lizenz siehe hier
Über Nacht war Camilla Horn zum Star geworden, für den sich sogar Hollywood interessierte. Nach weiteren Stummfilmen wie "Madame wünscht keine Kinder" (1926) und "Die Frauengasse von Algier"3) (1927) stand sie in Amerika mit dem Stummfilmidol John Barrymore für Sam Taylors Melodram "Tempest"2) (1928, Sturm) vor der Kamera und bezauberte als russische Prinzessin Tamara. Ein weiterer Kassenschlager mit dem Paar Barrymore/Horn  wurde unter der Regie von Ernst Lubitsch die Romanze "Eternal Love" (1929, Der König der Bernina). Einige Kritiker verglichen die Schauspielerin mit der "Madonna" von Raphael, festgelegt auf das Rollenklischee der naiven Schönheit verließ Camilla Horn nach insgesamt sieben Produktionen die amerikanische Filmmetropole.
  
Zurück in Deutschland brillierte der Star in weiteren Erfolgsfilmen und konnte endlich ihre schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen, gab elegante Salondamen und jugendliche Liebhaberinnen, die sie häufig mit leichter, angenehmer Erotik spielte. In den 1930ern war Camilla Horn eine der größten deutschen Leinwandstars, Filme wie die Militärromanze "Rakoczy-Marsch" (1933, von und mit Gustav Fröhlich), "Der rote Reiter" (1934, mit Ivan Petrovich), "
Der Doppelgänger"2) (1934) oder "Fahrendes Volk"2) (1938, mit Hans Albers) ließen die Kinokassen klingeln.

Foto: Camilla Horn vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Camilla Horn vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Camilla Horn 1927; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora (1881–1963) / Arthur Benda (1885–1969); Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204796-D); Datierung: 10.03.1927 Zur Filmografie gehört auch der antibolschewistische Propaganda-Streifen "Weiße Sklaven"2) (1936), der auch unter dem Titel "Panzerkreuzer Sebastopol" in die Kinos kam. Eine Chansonette mimte sie in dem Krimi "Zentrale Rio"3) (1939), eine frivole Tänzerin bzw. Freundin des Protagonisten Eddie alias Attila Hörbiger in Werner Klinglers Boxerdrama "Die Letzte Runde"3) (1940). In dem Historienepos "Friedemann Bach"3) (1941) mit Gustaf Gründgens in der Titelrolle erlebte man sie als Tänzerin Mariella Fiorini, mit Viktor de Kowa stand sie für Paul Martins Komödie "Intimitäten"3) (1944) vor der Kamera, ein Film, der jedoch erst nach Kriegsende 1948 in die Kinos kam. Camilla Horn beschrieb die Situation zu diesem Film in ihren Erinnerungen wie folgt: "Mein letzter im Krieg gedrehter Film hieß "Intimitäten", ein reizendes, burleskes Verwechslungsspiel mit dem einmaligen Viktor de Kowa. Der Regisseur Paul Martin hatte zusammen mit Peter Groll nach einer Komödie von Pal Barabas ein witziges Drehbuch verfasst, und alle Beteiligten hatten ihren Spaß an der Freud. Die reizende Gretl Schörg, der zwielichtige-verschusselte Harald Paulsen, Ernst Waldow und Hans Stiebner waren die Kollegen. "Intimitäten" war ein herrlich alberner Film in einer schrecklichen, traurigen Zeit. Heute kommt mir das pervers vor."
Nebenher war Camilla Horn auch in britischen, französischen und italienischen Produktionen zu sehen, etwa in "Matinee Idol" (1933), "The Luck of a Sailor" (1934), "Vertigine" (1941, Tragödie einer Liebe) oder "Angelo del crepuscolo" (1942). 1943 legte sich die Schauspielerin mit der Reichsfilmkammer an und zog sich wenig später vorerst vom Film zurück.

Camilla Horn 1927
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek2) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora2) (1881–1963) / Arthur Benda2) (1885–1969)
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204796-D); Datierung: 10.03.1927

Nach dem Krieg war Camilla Horn vorübergehend als Dolmetscherin für die US-Army beschäftigt, ab 1949 nahm sie wieder sporadisch Filmangebote an. Ihre erste Nachkriegsarbeit mit der Rolle einer kapriziösen Barsängerin war der eher unbedeutende Krimi "Gesucht wird Majora"2) (1949), es folgte der von Rolf Meyer nach einer Erzählung von Gerhart Hauptmann in Szene gesetzte Zirkusfilm "Königin der Arena"2) (1952) mit der Rolle der Dompteuse Diana Bianca. Weitere Auftritte hatte sie unter anderem in der Komödie "Vati macht Dummheiten" (1953) und in der internationalen Krimi-Produktion "Rebus" (1969), zuletzt sah man sie in Peter Schamonis "Schloss Königswald"2) (1988) als schrullige Adelige auf der Leinwand. In dieser nach einer Novelle von Horst Bienek, der auch das Drehbuch schrieb, entstandenen Hommage an die großen weiblichen Ufa-Stars wirkten unter anderem auch die Filmlegenden Marika Rökk1) (1913 – 2004), Carola Höhn1) (1910 – 2005) und Marianne Hoppe1) (1909 – 2002) mit  → www.schamoni.de.
Wenige Male agierte Camilla Horn im Fernsehen, so unter anderem in dem Mehrteiler "Die Löwenlotte" (1965) und "Frankies Braut" (1982). Hauptsächlich kümmerte sie sich als Landwirtin um ihren Hof in in Neuruppin, dazwischen gab sie immer mal wieder Theatergastspiele in Frankfurt und Stuttgart und war auch für den Hörfunk tätig.

Als den Mann ihres Lebens bezeichnete der ehemalige Ufa-Star ihren Schauspielerkollegen Gustav Diessl1) (1899 – 1948), eine zeitlang war sie mit dem britischen Filmkollegen Louis Graveure (1888 – 1965) liiert, dessen Partnerin sie in dem Streifen "Ein Walzer für dich" (1934) war. Außerdem war sie vier Mal verheiratet, mit dem Kaufmann Klaus Geerts, dem Architekten Kurt Kurfis, mit Robert Schnyder und mit Rudolf Mühlfenzl2), dem Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. 1985 hatte sie ihre Erinnerungen unter dem Titel "Verliebt in die Liebe" veröffentlicht.

Camilla Horn, die 1974 mit dem "Filmband in Gold "für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden war, starb am 14. August 1996 im Alter von 93 Jahren. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Herrsching am Ammersee, wo sie ihren Lebensabend verbracht hatte → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
2003 widmete ihr das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt a.M. eine Sonderausstellung mit dem Titel "Camilla Horn – Von Frankfurt nach Hollywood": In den 1930er Jahren avancierte die Darstellerin zum Vamp, sie personifizierte weltläufige und sinnliche Frauenfiguren wie die fordernde Geliebte, die grande dame und femme fatale. Die Ausstellung basierte auf Exponaten aus dem Nachlass der Künstlerin. Zu sehen waren Szenen-, Werkfotos und Starporträts, ferner Theatermaterialien, Produktionsunterlagen sowie persönliche Dokumente. (Quelle: www.deutschesfilmmuseum.de)
Das Gretchen des deutschen Stummfilms. Später zunehmend Rollenwandlungen von der verführten Unschuld zum gefallenen Mädchen oder Vamp. Nach dem Albers-Film "Hans in allen Gassen" (1930) konnte sie auch flotte Gegenwartstypen spielen, Sekretärinnen, Mannequins, Krankenschwestern und auch schöne Frauen in prächtigen Garderoben. "Eine mondäne Frau, aufgeschlossen und modern" (Hans Söhnker). Im letzten Teil ihrer Karriere spezialisierte sie sich auf zweifelhafte Damen der Lebewelt und auf skurrile, dubiose und muntere Seniorinnen.4)  

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
den Artikel bei www.faz.net
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP,  2) Wikipedia,  3) Murnau-Stiftung
4) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S.  169/170
Lizenz Foto Camilla Horn (Urheber Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia (deutsch/englisch), filmportal.de)
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