Pina Menichelli in "Il fuoco" (1915); Urheber: itala film; Quelle: Wikimedia Commons Die Schauspielerin Pina Menichelli wurde am 10. Januar 1890 als Giuseppa Iolanda Menichelli in dem kleinen Ort Castroreale nahe Messina (Sizilien) geboren. Ihre Eltern Cesare und Francesca Malvica Menichelli tourten mit einer kleinen Wanderbühne durchs Land, die vornehmlich Stücke im sizilianischen Dialekt darbot. Die Familie konnte auf eine lange Schauspielertradition zurückblicken, auch Pinas Geschwister, die ältere Schwester Lilla (1884 – 1974) und die jüngere Dora (1892 – 1993) sowie Bruder Alfredo (1900 – 1979) ergriffen den Schauspielerberuf.
Pina Menichelli besuchte die katholische Schule "Sacre Cuore" in Bologna, stand durch ihre Eltern schon als Kind auf der Bühne. 1907 gab sie dann ihr professionelles Debüt bei dem von der Schauspielerin Irma Gramatica geführten Theaterunternehmen, mit dem sie 1908 auch auf eine Tournee durch Argentinien ging.
 
Foto: Pina Menichelli in "Il fuoco" (1915, Das Feuer)
Urheber: Itala film1); Quelle: Wikimedia Commons
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1913 trat Pina Menichelli erstmals auf der Leinwand in Erscheinung und avancierte drei Jahre später mit ihrem dämonisch-verführerischen Spiel neben Francesca Bertini2) (1892 – 1985) und Lyda Borelli2) (1884 – 1959) zu einer der bekanntesten und bestbezahlten Diven im italienischen Stummfilm der 1910er Jahre. Nach einer Reihe von mehr oder minder prägnanten Auftritten in verschiedenen Melodramen erreichte sie unter der Regie von Giovanni Pastrone1) (Künstlername "Piero Fosco") den Höhepunkt ihrer Karriere mit zwei, auch international Aufsehen erregenden Produktionen: "Il fuoco" (1916, Das Feuer), zu dem Gabriele d'Annunzio1) (gemeinsam mit Giovanni Pastrone) nach seinem gleichnamigen Roman1) das Drehbuch geschrieben hatte, und "Tigre reale"3) (1916) nach dem Roman des sizilianischen Schriftstellers Giovanni Verga1), jeweils mit Febo Mari als Partner. Als der Roman "Il fuoco" im Jahre 1900 auf den Markt kam, glaubte die italienische Leserschaft enge Parallelen zu der Liebesbeziehung D'Annunzios mit der legendären Eleonora Duse2) (1858 – 1924) zu erkennen, mit der der Schriftsteller zwischen 1897 und 1902 eine leidenschaftliche Affäre hatte. Wegen seiner erotischen Stimmung protestierte die katholische Kirche vehement gegen den Streifen, Pina Menichelli jedoch war als mondäner, männerbetörender Vamp, der einen naiven Maler in den Wahnsinn treibt, der Magnet an den Kinokassen. "Vor erlesenen Decors entwickelt sich um eine Femme fatale in "Il fuoco" eine Amour-Fou-Geschichte, die sich außerhalb jeden bürgerlichen Rahmens bewegt. In dieser Geschichte kann es nur Sieger und Verlierer geben. Eine Konzeption der Liebe, die sie unweigerlich mit dem Tod in Verbindung bringt. Je heftiger die Leidenschaften empor flackern, desto bedrohlicher werden die Schatten des Todes. Das Verrücktsein, der Verlust der Identität ist nur eine Vorstufe des endgültigen Vergehens. Im Feuer der Leidenschaft." kann man bei karlsruher-stummfilmtage.de lesen.
In "Tigre reale" wurde Pina Menichelli als Gräfin Natka ihrem Image der "Femme fatale", der die Männer gleich scharenweise zu Füssen liegen, einmal mehr vollends gerecht: Sie "spielt", nein, sie ist eine russische Gräfin, deren Liebhaber, ein Revolutionär, von ihrem rasend eifersüchtigen Gatten in die Verbannung und – auf Umwegen – schließlich in den Tod geschickt wird. Aufgelöst in unerträglicher Verzweiflung sinkt sie in neuerliche Liebesabenteuer. notiert www.film.at. Pina Menichelli war für Italien das, was Musidora1) (1889 – 1957) für Frankreich oder Theda Bara1) (1885 – 1955) für die USA war – eines der ersten Sexsymbole des Films.

Anfang der 1920er Jahre begann der Stern Pina Menichellis zu sinken, sie versuchte zwar mit Rollen in Literaturverfilmungen bzw. im heiteren Fach einen Imagewandel zu erreichen, konnte aber nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. "La dama de Chez Maxim's"4) (1923, Die Dame vom Maxim) nach einer Farce von Georges Feydeau1) zählt zu ihren letzten Arbeiten für das Kino. Nach der Komödie "Occupati d'Amelia" (1925) – ebenfalls nach Feydeau ("Occupe-toi d'Amélie"/ dt. "Kümmere dich um Amélie") – beendete der Stummfilmstar seine Karriere und zog sich mit nur 34 Jahren ins Privatleben zurück. Quellen zufolge habe sie anschließend unter ihrem bisherige Leben als Filmschauspielerin einen endgültigen Schlussstrich gezogen und alle Erinnerungen wie Fotos, Filmplakate oder sonstige Dokumente vernichtet.
Seit ihrer Theatertournee durch Südamerika im Jahre 1908 war sie mit dem Italo-Argentinier bzw. Journalisten Libero Pica verheiratet gewesen. Ein Junge erblickte im gleichen Jahr das Licht der Welt, verstarb jedoch kurz nach der Geburt; ein zweiter Sohn, Manolo, wurde 1910 geboren. Noch vor der Geburt der Tochter Cesarina, die Pina Menichelli 1912 in Mailand zur Welt brachte, hatte sich das Paar getrennt. Nach dem Tod von Libero Pica, der sich einer Scheidung stets widersetzte, ehelichte der Star 1924 den Baron Carlo Amato († 1933), der 1919 in Rom für sie die Produktionsfirma "Rinascimento Film" gegründet hatte.
 
Die einstige "Filmgöttin" Pina Menichelli starb am 29. August 1984 im hohen Alter von 94 Jahren in Mailand.
Der von dem niederländischen Regisseur Peter Delpeut geschaffene, inzwischen auf DVD veröffentlichte, nostalgische 70-minütige Kompilationsfilm "Diva Dolorosa" (1999) enthält neben Szenen mit Lyda Borelli, Francesca Bertini und Helena Makowska2) (1893 – 1964) sowie anderen italienischen Stummfilm-Heroinen auch Archiv-Material von Pina Menichelli.

Quellen (unter anderem): Wikipedia (deutsch) sowie englisch (mit weiterführenden Quellenangaben)
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) film.at, 4) Wikipedia (englisch)
Lizenz Szenenfoto Pina Menichelli: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
sowie einige (frühe Stummfilme): www.earlycinema.uni-koeln.de
(R = Regie; Link: Wikipedia (englisch, deutsch), film.at)
  • 1913: Le mani ignote (R: Enrique Santos)
  • 1913: Zuma (R: Baldassarre Negroni)
  • 1913: Il lettino vuoto (R: Enrico Guazzoni)
  • 1913: Il romanzo (Der Roman; R: Nino Martoglio)
  • 1913: La porta chiusa (R: Baldassarre Negroni)
  • 1913: Checco è sfortunato in amore (Wamperl hat in der Liebe kein Glück; R: ?)
  • 1913: Una tragedia al cinematografo (Eine Fürchterliche Tragödie im Kino-Theater; R: Enrico Guazzoni)
  • 1914: Retaggio d'odio (Im Taumel des Hasses; R: Nino Oxilia)
  • 1914: Scuola d’eroi (Die Schule der Helden; R: Enrico Guazzoni)
  • 1914: a parola che uccide (R: Augusto Genina)
  • 1914: Il grido dell’innocenza (R: Augusto Genina)
  • 1914: Giovinezza trionfa!, R: Augusto Genina)
  • 1914: Lulù (Lulu; R: Augusto Genina)
  • 1914: I misteri del castello di Monroe (R: Augusto Genina)
  • 1914: Ninna nanna (R: Guglielmo Zorzi)
  • 1914: Cajus Julius Caesar (R: Enrico Guazzoni)
  • 1915: La morta del lago (R: Enrico Guazzoni)
  • 1915: Alla deriva (R: Enrico Guazzoni)
  • 1915: Il sottomarino n. 27 (R: Nino Oxilia)
  • 1915: Alma mater (R: Enrico Guazzoni)
  • 1915: Papà( Der Herr Papa; R: Nino Oxilia)
  • 1915: La casa di nessuno (R: Enrico Guazzoni)
  • 1915: Il fuoco (Das Feuer; R: Giovanni Pastrone)
  • 1916: Tigre reale (R: Giovanni Pastrone)
  • 1916: La trilogia di Dorina (R: Gero Zambuto)
  • 1916: Gemma di Sant'Eremo (R: Alfredo Robert)
  • 1916: Una sventatella (R: Gero Zambuto)
  • 1918: La passeggera (R: Gero Zambuto)
  • 1918: La moglie di Claudio (R: Gero Zambuto)
  • 1918: L'olocausto (Die Goldene Flechte; R: Gero Zambuto)
  • 1918: Il giardino incantato (R: Eugenio Perego)
  • 1919: Il padrone delle ferriere (R: Eugenio Perego)
  • 1919: Noris (R: Augusto Genina and Eugenio Perego)
  • 1920: La storia di una donna (R: Eugenio Perego)
  • 1920: La disfatta dell’Erinni (R: Eugenio Perego)
  • 1920: Il romanzo di un giovane povero (R: Amleto Palermi)
  • 1921: La verità nuda (R: Telemaco Ruggeri)
  • 1921: Le tre illusioni (R: Eugenio Perego)
  • 1921: L'età critica (R: Amleto Palermi)
  • 1922: La seconda moglie (R: Amleto Palermi)
  • 1923: L'ospite sconosciuta (R: Telemaco Ruggeri)
  • 1923: La donna e l'uomo (R: Amleto Palermi)
  • 1923: La dama de Chez Maxim's (Die Dame vom Maxim; R: Amleto Palermi)
  • 1923: Una pagina d’amore (R: Telemaco Ruggeri)
  • 1923: La biondina (R: Amleto Palermi)
  • 1925: Occupati d’Amelia (R: Telemaco Ruggeri)
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