Anton (Franz) Edthofer wurde am 18. September 1883 in Wien geboren; über seinen familiären Hintergrund ist nichts bekannt. Sein Bühnendebüt gab er 1904 am "Intimen Theater" in München, seine wenigen Gastauftritte am Linzer Stadttheater blieben ein Intermezzo. 1906 wechselte er an das Wiener "Raimundtheater", drei Jahre später an das "Volkstheater", dem er bis 1920 als Ensemblemitglied verbunden blieb. Hier erregte er beispielsweise 1914 Aufmerksamkeit in dem Lustspiel "Im bunten Rock" von Franz von Schönthan und Freiherr von Schlicht, die "Wiener Zeitung" (07.09.1914) schrieb damals unter anderem: "Herr Edthofer gab mit der ihm eigenen humoristischen Grazie einen verzärtelten Einjährigen, ein rechtes Vatersöhnchen."1)
Anfang der 1920er Jahre zog es Edthofer nach Berlin, wo er zunächst am "Staatlichen Schauspielhaus", später am "Deutschen Theater" unter der Intendanz von Max Reinhardt wirkte. Ab 1923 stand er sowohl in Berlin wie in Wien ("Volkstheater") auf der Bühne, seit 1929 gehörte er zum Ensemble des "Theaters an der Josefstadt", das für Jahrzehnte seine künstlerische Heimat bleiben sollte.
Hatte sich Edthofer anfangs im Fach des jugendlichen Bonvivant oder mit komischen Rollen hervorgetan, etablierte er sich mit zunehmendem Alter als herausragender Charakterdarsteller, gestaltete klassische Rollen ebenso bravourös wie Figuren in Stücken der Moderne, etwa von Gerhart Hauptmann, Maxim Gorki, Frank Wedekind oder Bernard Shaw.

Anton Edthofer in der Wiener Zeitschrift
"Sport und Salon"2) (1. Dezember 1918, S. 9)
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Unbekannt
digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek; Angaben zur Lizenz siehe hier

Anton Edthofer in der Wiener  Zeitschrift "Sport und Salon" (1. Dezember 1918, S. 9); Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Unbekannt; digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek
Sein Repertoire war breit gefächert, er glänzte am "Theaters an der Josefstadt" unter anderem als Haushofmeister Malvolio in Shakespeares Komödie "Was Ihr wollt" ebenso wie als König Philipp II. in Schillers "Don Karlos" oder mit der Titelfigur in Hugo von Hofmannsthals Lustspiel "Der Schwierige". Edthofer feierte Erfolge als Professors Henry Higgins in Shaws Schauspiel "Pygmalion", als Pastor Manders in Ibsens Familiendrama "Gespenster" oder als Willy Loman in Arthur Millers Drama "Tod eines Handlungsreisenden". Eine seiner eindrucksvollsten Interpretationen war der Baron in Maxim Gorkis Schauspiel "Nachtasyl".
 
Anton Edthofer, der sich in erster Linie als Theaterschauspieler verstand und in den 1920er Jahren zu den meistbeschäftigten Mimen in Wien und Berlin zählte, machte bereits 1912 erste Erfahrungen mit der noch jungen Kinematografie: Wie etliche seiner Theaterkollegen gehörte er zur Besetzung der ersten "Wiener Kunstfilm"-Großproduktion "Der Unbekannte", basierend auf einem Kriminal-Drama von Oskar Bendiener. Regie führte Luise Kolm2), (später Ehefrau des Regisseurs und Produzenten Jakob Fleck2)). Neben anderen Wiener Theaterstars wie Eugénie Bernay2), Karl Ehmann2), Karl Blasel2) oder Viktor Kutschera3) zeigte sich auch Edthofer hier mit einem kleineren Part.
Ab 1918 stand Edthofer regelmäßig für die "Wiener Kunstfilm" vor der Kamera, zeichnete hier unter anderem seine Bühnenrolle des Künstlersohns Oswald in Otto Kreislers Ibsen-Verfilmung "Gespenster" (1918). Wie am Theater konnte Edthofer auch im Stummfilm mit den unterschiedlichsten Rollen überzeugen, renommierte Regisseure wie Otto Rippert, Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau, Karl Grune oder Robert Wiene nutzten seine darstellerische Ausdruckskraft in den Melodramen, Krimis und Abenteuer jener Jahre.
So spielte er beispielsweise mit Lil Dagover und Conrad Veidt in "Das Geheimnis von Bombay. Das Abenteuer einer Nacht"4) (1921; Regie: Artur Holz), mimte eine Doppelrolle in dem Krimi "Kämpfende Herzen"5) (1921; Regie: Fritz Lang) oder den Dichter Carlo Spini in dem Melodram "Das Spiel mit dem Feuer"5) (1921; Regie: Georg Kroll/Robert Wiene). Für Friedrich Wilhelm Murnau übernahm er den Part des zwielichtigen Wigottschinski in der Gerhart Hauptmann-Adaption "Phantom"2) (1922), für Berthold Viertel war er der Arzt Dr. Rank in der Ibsen-Verfilmung "Nora"5) (1923) und für Johannes Guter der Mniewski neben Titelheldin Xenia Desni in "Die Prinzessin Suwarin"5) (1923) nach dem Roman von Ludwig Wolff. Als Arzén von Cserépy seinen vierteiligen Historienfilm "Fridericus Rex"2) (1921/23) mit Otto Gebühr in der Hauptrolle des Friedrich II. drehte, besetzte er Edthofer in Teil 3 ("Sanssouci"2)) als Friedrichs jüngeren Bruder August Wilhelm von Preußen2), in Karl Grunes nächtlichem Großstadt-Drama "Die Straße"2) (1923) zeigte er sich als Mörder des Kleinbürgers (Eugen Klöpfer) bzw. des Zuhälters der Prostituierten (Aud Egede  Nissen). Danach wirkte Edthofer nur noch sporadisch in einigen Stummfilmproduktionen mit, zuletzt als Baron in Ludwig Bergers Melodram "Das brennende Herz"4) (1929) mit Gustav Fröhlich und Mady Christians.
 
Im Tonfilm beschränkte sich der Schauspieler auf wenige, dennoch prägnante Auftritte, gab beispielsweise den Generaldirektor Baron Thomas von Ullrich in Richard Oswalds Komödie "Arm wie eine Kirchenmaus"4) (1931, → film.at) nach dem ungarischen Bühnenstück "A templom egere" von Ladislaus (Lászlo) Fodor mit der Musik von Ralph Benatzky. In Paul Czinners Melodram "Der träumende Mund"2) (1932) machte er als Orchestermusiker Peter neben Czinner-Ehefrau Elisabeth Bergner eine gute Figur, erfreute in Erich Engels Shaw-Verfilmung "Pygmalion"4) (1935) als Oberst Pickering an der Seite von Jenny Jugo (Eliza Doolittle) und Gustaf Gründgens (Professor Higgins) das Publikum. Eine beachtenswerte Rolle war auch die des französischen Königs Ludwig XV.2) in Willy Schmidt-Gentners Historienstreifen "Die Pompadour" (1935, → www.madamedepompadour.com) mit Käthe von Nagy als der berühmten Mätresse Ludwig XV., Madame de Pompadour2). In Karl Hartls historischem Spionagestreifen "Die Leuchter des Kaisers" (1936) tauchte er neben Sybille Schmitz, Karl Ludwig Diehl und Johannes Heesters als österreichischer Erzherzog Ludwig2) auf, als Professor Dr. Karl Henning in E. W. Emos heiteren Geschichte "Die unentschuldigte Stunde"6) (1937), u.a. mit Hans Moser, Theo Lingen und Gusti Huber. Die noch gegen Ende des Krieges gedrehten Produktionen "Wie ein Dieb in der Nacht"6) (1944; Regie: Hans Thimig) und "Wiener Mädeln"2) (1944/45; Regie: Willi Forst) kamen erst 1949 in die Kinos. In letztgenanntem Film, einem beschwingten Biopic über den von Forst selbst verkörperten österreichischen Musiker und Walzerkomponisten Carl Michael Ziehrer2), verlieh Edthofer dem Hofrat Munk Kontur.
Im Nachkriegsfilm trat der Schauspieler nur noch drei Mal in Erscheinung: Rudolf Steinböck besetzte ihn als Generals Rissius in seinem Drama "Das andere Leben"4) (1948, → www.das-manuskript.de) nach der Novelle "Der 20. Juli" von Alexander Lernet-Holenia, Karl Hartl als Kaiser Franz Joseph I.2) in dem Historienepos "Der Engel mit der Posaune"2) (1948) nach dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Ernst Lothar aus dem Jahre 1946. Diese Rolle spielte Edthofer dann noch einmal in Anthony Bushells Remake "The Angel with the Trumpet"7) (1950).
 
Danach beendete der inzwischen über 65-Jährige seine Filmkarriere und konzentrierte sich ausschließlich auf seine Arbeit am Theater, noch kurz bis vor seinem Tod stand er auf der Bühne. Mehrfach wurde er für seine schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet, 1949 erhielt er als erster Schauspieler (gemeinsam mit Paula Wessely) den vom "Theater in der Josefstadt" gestifteten "Max-Reinhardt-Ring". Das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" konnte er 1955 entgegennehmen, 1960 folgte die "Kainz-Medaille"2) für die Darstellung des Daniel Monnerie in dem Schauspiel "Der verborgene Strom" von Ruth und Augustus Goetz sowie 1963 der Titel "Kammerschauspieler".
Anton Edthofer starb am 25. Februar 19718) im Alter von 87 Jahren in seiner Geburtsstadt Wien. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem dortigen Südwestfriedhof (Gruppe W, Nr. 1).
Der Charaktermime war seit Ende Juli 1948 bis zuletzt mit seiner Kollegin Helene Thimig3) (1889 – 1974) bzw. der Witwe Max Reinhardts2) (1873 – 1943) verheiratet.
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de, austria-forum.org
Fotos bei www.virtual-history.com mit einem Artikel aus "Filmwelt" (Nr. 3, 17.01.1932, S. 8)
1) Quelle: www.karlheinz-everts.de
Link: 2) Wikipedia (deutsch), 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) filmportal.de, 5) Murnau Stiftung, 6) film.at, 7) Wikipedia (englisch)
8) laut "Österreich-Lexikon" (AEIOU) und IMDb; nach Wikipedia gestorben am 21..02.1971
Lizenz Foto Anton Edthofer (Urheber Unbekannt): Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia (deutsch, englisch), film.at)
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  • 1925: Pension Groonen
  • 1926: Der Gardeoffizier / Der Leibgardist
  • 1927: Die große und die kleine Welt
  • 1927: Die Strecke
  • 1928: Artisten / Im Zauberbann der Manege
  • 1928: Sensations-Prozess
  • 1929: Das brennende Herz
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