Lissy (auch Lissi) Arna) wurde am 20. Dezember 1904 als Elisabeth Arndt in Berlin geboren. Nach dem Besuch einer Volksschule sowie anschließend einer Handelsschule in ihrer Geburtsstadt war sie zunächst bei einem Immobilienmakler tätig, wurde dann für den Film entdeckt: "Eines schönen Tages sitze ich allein in einer Konditorei. Auf die Frage eines einzelnen Herrn, ob ich noch frei wäre, schüttelte ich stolz mit dem Kopfe. Das legte er für Ja aus und engagierte mich für einen Film." ließ sie später ihr Publikum wissen.*) Nach einigen Komparsen-Rollen besetzte man sie 1919/20 als "niedliche" Partnerin des Komikers Ottchen Mücke in einigen humoristischen Einaktern, "Lissy, der Spatzenschreck", "Lissys Brautnacht", "Lissys Flimmerkur" und "Ottchen macht alles" hießen die kurzen Streifen. Ihre 1920 geschlossene Ehe mit dem Regisseur Hanns Schwarz1) (1888 – 1945) wurde bereits nach zwei Jahren geschieden, die angehende Schauspielerin intensivierte nun ihre Arbeit für den Film. Eine erste beachtenswerte Hauptrolle erhielt Lissy Arna in dem Harry Piel-Film "Abenteuer einer Nacht" (1923), wo sie sich als "eine pikante Halbweltdame mit rassigem Temperament" präsentierte, wie "Der Film" (03.01.1926) notierte.2) 
Nach einem zweijährigen Aufenthalt in New York folgten eine Reihe von Produktionen unterschiedlichsten Genres, sie zeigte sich in Lustspielen und Krimis ebenso wie in Melodramen und Volksstücken. 

Foto: Lissy Arna vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Lissy Arna vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (18881929); Quelle: www.cyranos.ch
Aufgrund ihrer "exotischen Ausstrahlung bevorzugt als Prostituierte, leichtes Mädchen oder Straßendirne besetzt"3), mimte sie meist verführerische Halbweltdamen und verkörperte den Typus der "femme fatale". Zu ihren bekanntsten Filmer jener Ära zählt die Rolle der Dienstmagd Regine in Gerhard Lamprechts Historiendrama "Der Katzensteg"4) (1927) nach dem Roman von Hermann Sudermann, die Dirne Josefa in "Das Frauenhaus von Rio" (1927; Regie: Bud Pollard/Hans Steinhoff) und die Prostituierte in Leo Mittlers "Jenseits der Straße – Eine Tragödie des Alltags"4) (1929). Als verführerischer Vamp Vivian tauchte sie in Zoltan Kordas Streifen "Die elf Teufel"1) (1927) auf, einer der ersten "Fußballfilme" im deutschen Kino, gestaltete das Julchen Blasius in Kurt Bernhardts Zuckmayer-Verfilmung "Schinderhannes"4) (1928) mit Hans Stüwe in der Titelrolle. Vor allem Carl Boese besetzt sie als leichtlebiges, verworfenes Geschöpf, so in "Schwere Jungens, leichte Mädchen" (1927), "Eva in Seide" (1928) und seinem Zille-Film "Kinder der Straße" (1929).2) Sie selbst sagte einmal über ihre Schauspielerei: "Am Film reizt mich die schwere Arbeit, das unerhört zeitgemäße Tempo, und daß es mir vergönnt ist, armen Menschen der breiten Masse für ein geringes Eintrittsgeld mein Bestes zu geben, sie zu unterhalten, ja sie so zu interessieren, daß sie zwei Stunden lang im Weinen wie im Lachen mit mir gehen."*)
  
Nach ihrer Rolle der biederen Arbeiterfrau Ellen in dem Drama "Giftgas"4) – erneut als Partnerin von Hans Stüwe und zugleich ihre letzte Arbeit im Stummfilm – ging Lissy Arna mit Wilhelm Dieterle5) nach Hollywood, der dort als Regisseur für deutschsprachige Versionen der "First National Pictures", einer Tochtergesellschaft der "Warner Brothers", verantwortlich zeichnete. Hier übernahm sie unter dessen Regie Hauptrollen in mehreren deutschsprachigen Versionen amerikanischer Produktionen, stand unter anderem für das Abenteuer "Dämon des Meeres" (1931) nach dem Roman "Moby Dick" von Herman Melville vor der Kamera – Dieterle selbst spielte den Kapitän Ahab; die US-amerikanische Version "Demon of the Sea", ebenfalls mit Dieterle als Ahab, stammte von Regisseur Michael Curtiz. In Dieterles Chicagoer Unterwelt-Episode "Der Tanz geht weiter" (1930) spielte sie eine junge Frau, der es mithilfe eines wackeren Polizisten gelingt, die Unschuld ihres des Mordes verdächtigen Bruders zu beweisen, sie erhielt auch eine Hauptrolle in seinem Mississippi-Drama "Die Maske fällt" (1931).2)
Doch schon bald kehrte Lissy Arna nach Deutschland zurück und gehörte als verführerisch-gefährliche Lillie Trent zur Besetzung der vierten deutschsprachigen Edgar-Wallace Verfilmung "Der Zinker"1) (1931; Regie: Carl Lamac/Mac Fric). In ihren nachfolgenden Filmen machte Lissy Arna einen Image-Wandel durch, trat in Lustspielen, Militärschwänken und nationalen Dramen in Erscheinung, konnte jedoch an ihren Stummfilm-Ruhm nicht mehr anknüpfen. Einen vielbeachteten Part hatte sie noch in dem von Luis Trenker mit sich selbst in der Hauptrolle des Bergführers Florian Dimai gedrehten Drama "Berge in Flammen"1) (1931) als dessen Ehefrau, in den nachfolgenden Produktionen musste sie sich vermehrt mit Nebenrollen begnügen. Ihren letzten größeren Part spielte sie in Harry Piels harmlosem Spaß "Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt"4) (1933, → www.filmhistoriker.de) und mimte die Schauspielerin Lissy Verhagen, diese Rolle "wirkt fast wie eine Selbstparodie: sie spielt eine affektierte Diva, eine "talentlose Bestie" (Filmzitat), die nur durch Bestechung zum Bühnenerfolg gelangt."2)
 
Mit dem Nachlassen ihrer Popularität konzentrierte sich Lissy Arna mehr auf die Arbeit am Theater, wirkte unter anderem in Berlin am "Theater am Kurfürstendamm" und am "Theater am Schiffbauerdamm". Im August 1939 heiratete sie den Arzt Dr. Kleiber und zog mit ihm noch vor Ausbruch des 2. Weltkrieges nach Venezuela, wo dieser eine Chefarzt-Stelle antrat. Erst nach dem Tod ihres Ehemannes Ende der 1950er Jahre kehrt sie nach Deutschland bzw. Berlin zurück. 1962 übernahm sie noch einmal eine kleinere Aufgabe in Michael Kehlmanns Kino-Drama um einen alternden erfolglosen Schauspieler "Das Leben beginnt um acht" neben O.E. Hasse und Johanna Matz.
Zwei Jahre später erlag Lissy Arna Lissy Arna am 23. Januar6) 1964 im West-Berliner "St. Gertrauden-Krankenhaus" mit nur 59 Jahren ihrem Krebsleiden.
Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 15
Foto bei www.virtual-history.com
*) Lissy Arna. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
Link: 1) Wikipedia, 4) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quellen:
2) CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 15
3) www.film-zeit.de
6) Sterbedatum laut Wikipedia, CineGraph und www.filmzeit.de; bei filmportal.de und IMDb wird der 22. Januar 1964 ausgewiesen.
Lizenz Foto Lissy Arna (Urheber Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch, englisch), filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1919: Taumel
  • 1919: Lissy, der Spatzenschreck
  • 1919: Lissys Brautnacht
  • 1919: Lissys Flimmerkur
  • 1919: Ottchen macht alles
  • 1921: Aus dem Schwarzbuch eines Polizeikommissars
    • 1. Teil: Loge Nr. 11
    • 2. Teil: Verbrechen aus Leidenschaft
  • 1923: Abenteuer einer Nacht
  • 1925: Elegantes Pack
  • 1925: Die Frau ohne Geld
  • 1925: Abenteuer im Nachtexpreß
  • 1926: Die von der Waterkant
  • 1926: Schatz, mach Kasse
  • 1926: Die Königin des Weltbades
  • 1926: Gern hab ich die Frauen geküsst
  • 1926: Wenn Menschen irren. Frauen auf Irrwegen
  • 1926: Die Villa im Tiergarten
  • 1927: Wenn der junge Wein blüht
  • 1927: Der Katzensteg
  • 1927: Das Frauenhaus von Rio / Plüsch und Plümowski
  • 1927: Die berühmte Frau
  • 1927: Die elf Teufel
  • 1927: Die berühmte Frau
  • 1927: Wochenendzauber
  • 1927: Schwere Jungens, leichte Mädchen
  • 1927: Eins + Eins = Drei. Ehe man Ehemann wird
  • 1928: Schinderhannes
  • 1928: The Physician
  • 1928: Eva in Seide
  • 1928: Unter der Laterne. Trink, trink, Brüderlein, trink
  • 1928: Lemkes sel. Witwe
  • 1929: Achtung! – Kriminalpolizei!. Gefangene Nr. 7
  • 1929: Kinder der Straße
  • 1929: Die Verführerin
Noch: Stummfilme Tonfilme
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