Die Stummfilmschauspielerin mit dem international klingenden Namen Mary Parker stammte aus Polen und erblickte am 3. November 1902 als Magdalena Prohaska in Breslau das Licht der Welt. Nach eigenen Angaben*) wurde sie in einem Kloster der Ursulinerinnen1) (Ordo Sanctae Ursulae) erzogen, kam dann als junges Mädchen nach Berlin. Hier wurde sie von dem Regisseur und Produzenten Richard Eichberg1) für den Film entdeckt, der sie mit einem kleinen Part in dem Streifen "Die Schönste Frau der Welt" (1924) neben Lee Parry betraute. Mary Parker startete nun eine kurze, dennoch intensive Karriere im Stummfilm, erhielt bald tragende Rollen von renommierten Filmemachern wie Erich Waschneck oder Richard Oswald.
Gleich in ihrem zweiten Film spielte sie zusammen mit Asta Nielsen in dem Drama "Die Schmetterlingsschlacht" (1924), in Szene gesetzt von Dr. Franz Eckstein nach einem Drehbuch seiner Ehefrau Rosa Porten2) (gemeinsam mit Willy Rath), und mimte in dieser Hermann Sudermann-Adaption die Schwester der Nielsen. Es folgte der melodramatische Heimatfilm "Kampf um die Scholle"3) (1925; Regie: Erich Waschneck), wo sie als Tochter des alten Gutsinspektors Merten (Otto Kronburger) in Erscheinung trat, in Richard Oswalds Lustspiel "Lumpen und Seide"4) (1925) tauchte sie als die reiche, gelangweilte Ehefrau Irene auf, deren nicht minder gelangweilter Ehemann (Johannes Riemann) in einem Tanzlokal das einfache Mädchen Hilde (Mary Kid) "aufgegabelt", um aus ihr eine vornehme Dame zu machen. Im Schlepptau folgt Hildes vermeintlicher Verlobter Max (Reinhold Schünzel), ein halbseidener Charmeur und Aufschneider. Im herrschaftlichen Zuhause angekommen, sorgt das ungleiche Quartett mit seinen frivolen Eskapaden für gehörige Aufregung.5) "Oswald inszeniert eine derbe erotische Komödie als Sittenfilm, aber den mit einem Augenzwinkern" kann man bei stummfilm.at lesen; weitere Infos bei www.cinegraph.de.
 
Nach "Um Recht und Ehre" (1925; Regie: Richard Löwenbein) mit Harry Liedtke als Partner, stand sie erneut für Richard Oswald vor der Kamera und tauchte in dem Melodram "Halbseide" (1925) als Ehefrau von Bernd Aldor auf. Auch in Oswalds satirischen, anfangs von der Zensur mehrfach wegen "Entsittlichung" verbotenen Milieu-Schilderung "Vorderhaus und Hinterhaus"6) (1925  → www.cinegraph.de) wurde sie mit einer Hauptrolle besetzt und agierte als leichtgeschürzte, aufreizende Nachtlokal-Tänzerin Iduna, die der Witwer Marx (Max Adalbert) bzw. Eigentümer der "Maxim-Bar" für sich gewinnen will; die Rolle des Geschäftsführers und späteren Besitzers der Bar spielte übrigens Hans Albers, der nach Turbulenzen sein Glück mit Iduna findet. Als Oswald mit "Dürfen wir schweigen?"4) (1926) ein Remake seines 1917/1918 erschienenen, vierteiligen Aufklärungs- und Sittenfilms "Es werde Licht"1) ablieferte, besetzte er Mary Parker neben Protagonist Conrad Veidt, der als sich gegen die Behandlung seiner Geschlechtskrankheit sträubender charmanter Künstler auftrat.
Nach Produktionen wie der Heimat-Romanze "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren" (1926; Regie: Artur Bergen), der Operetten-Adaption "Das süße Mädel"1) (1926; Regie: Manfred Noa) oder dem Abenteuer "Der Todessturz im Zirkus Cesarelli" (1927; Regie: Károly Lajthay) gehörte Mary Parker mit der kleinen Rolle eines Edelpagen zur hochkarätigen Schauspielerriege von Hans Kysers Historienfilm "Luther – Ein Film der deutschen Reformation"1) (1927), an der Seite des den Reformator Martin Luther1) verkörpernden Eugen Klöpfer. Sie selbst meinte später: "Im Luther-Film wurde mir von einer Reihe von Kritikern bestätigt, daß ich in der einzigen sonnigen Szene dieses Films (die Pagenszene auf der Wartburg) der Mittelpunkt gewesen sei."*)
  
Zu Mary Parkers letzten Arbeiten für den Stummfilm, in denen sie noch einmal mit einer Hauptrolle Aufsehen erregen konnte, gehört die der Frieda in Siegfried Philippis "Heut' war ich bei der Frida" (1928), gedreht nach dem gleichnamigen, frivolen Gassenhauer, mit Hans Albers und Hans Brausewetter als Partner, sowie die Nanette von Tankerfang in Fred Sauers Marine-Schwank "Fräulein Fähnrich" (1929), unter anderem mit Leo Peukert, Albert Paulig und Willi Forst.
Der Übergang zum Tonfilm gelang Mary Parker nicht, in dem ganz auf die Hauptdarstellerin zugeschnittenen Komödie "Susanne macht Ordnung"7) (1930) hatte sie zwar neben Truus van Aalten als deren Freundin Dolores noch einen tragenden Part, bekam dann aber kaum noch Rollenangebote. Nach ihrem Auftritt als Verlobte des Reporters Frank Briggs (Harald Paulsen) in Richard Oswalds Episoden-Horror-Streifen "Unheimliche Geschichten"1) (1932), unter anderem an der Seite von Paul Wegener als verrücktem Wissenschaftler bzw. Mörder, war ihre Karriere praktisch beendet. Lediglich in Géza von Bolvárys turbulenten Musikkomödie "Der Unwiderstehliche"1) (1937) mit Anny Ondra und Hans Söhnker trat sie noch einmal mit einer winzigen Rolle auf der Leinwand in Erscheinung.
 
Danach verliert sich die Spur der Mary Parker, über ihren weiteren Lebensweg ist nichts bekannt; auch ihr Todesdatum bleibt im Dunkeln.
Ihr Wunsch, "Ich möchte einmal ein großer Star werden, der sich selbst spielt, aus reinem Leiden das Leid besiegt und damit den Zuschauer für einige Stunden von der Last des Alltags befreit."*) ging – was die Nachhaltigkeit ihrer filmischen Arbeiten anbelangt – nicht in Erfüllung. Mary Parker gehört zu den vergessenen Schauspielerinnen der Stummfilm-Ära.
Quellen (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch
*) Mary Parker. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung, 4) stummfilm.at, 6) filmportal.de, 7) film.at
Quelle: 5) filmportal.de
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de,  Murnau Stiftung, Wikipedia, stummfilm.at, film.at)
Stummfilme Noch: Stummfilme
  • 1927: Dydsdragonen
  • 1927: Luther – Ein Film der deutschen Reformation
  • 1927: Wer das Scheiden hat erfunden
  • 1928: Saxophon-Susie
  • 1928: Heut' war ich bei der Frida
  • 1929: Fräulein Fähnrich
  • 1929: Ja, ja, die Frauen sind meine schwache Seite
Tonfilme
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