Rotraut Richter; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Ross-Karte Nr. 7454/1 Rotraut Richter wurde am 15. Mai 1915 als Tochter des Architekten und Regierungsbaurats Erich Richter (1882 – 1969) in Berlin geboren; ihre Mutter Lis Happe-Richter (1889 – 1985) machte sich als Malerin einen Namen. Zunächst besuchte Rotraut Richter ein Lyzeum in Berlin-Steglitz, von dem sie dann aber wegen mangelnder Leistungen und ungenügenden Betragens verwiesen wurde. Die Eltern schickten ihre Tochter daraufhin in ein Pensionat sowie in ein Landschulheim, ihre Ausbildung beendete Rotraut Richter in einer Frauenschule.
Schon früh war das junge Mädchen vom Theater fasziniert, entschloss sich nun für eine Laufbahn als Schauspielerin. Nach Sprechunterricht bei dem Charaktermimen und Regisseur Lothar Müthel1) (1895 – 1964) setzte die erst 16-Jährige ihre Studien für sechs Monate an der "Staatlichen Schauspielschule" in Berlin fort.
 
Foto: Rotraut Richter
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Ross-Karte Nr. 7454/1; Angaben zur Lizenz siehe hier
Ein erstes Engagement erhielt die blutjunge Rotraut Richter 1932 von Intendant Gustav Hartung am "Landestheater Darmstadt", gab ihr Bühnendebüt mit der Rolle der Tochter Selma in Gerhart Hauptmanns Tragikomödie "Die Ratten". Zurück in Berlin trat sie an verschiedenen Theatern auf, unter anderem auch an dem 1933/1934 von Trude Hesterberg2) gegründeten Kabarett "Die Musenschaukel" sowie in der "Katakombe" von Werner Finck2) und Robert Stemmle1). Mit dem volkstümlichen Lustspiel "Krach im Hinterhaus" von Maximilian Böttcher gelang ihr 1934 am "Theater am Schiffbauerdamm" der Durchbruch zum gefeierten Bühnenstar. Der im darauffolgenden Jahr von Veit Harlan gedrehte gleichnamige Film3) mit Henny Porten als pfiffiger Witwe Bock ließ Rotraut Richter in der Rolle der Berliner Göre Edeltraud auch auf der Leinwand endgültig zum Publikumsliebling avancieren.
Bereits in Fritz Wendhausens Streifen "Das erste Recht des Kindes"1) (1932) hatte sie eine erste kleine Filmrolle erhalten, war von Hans Steinhoff in dem NS-Propagandafilm "Hitlerjunge Quex"1) (1933) mit einer größeren Aufgabe betraut worden. Sie tauchte als freche Tochter in Rolf Randolfs Heimat- und Försterfilm "Die spork'schen Jäger" (1934) auf, zeigte sich in Arzén von Cserépys "Nur nicht weich werden, Susanne!"1) (1934) mit dem Untertitel "Eine Groteske aus vergangener Zeit".
 
Nach ihrem Erfolg in "Krach im Hinterhaus" erhielt sie von Regisseur J. A. Hübler-Kahla in dem Film "Das Veilchen vom Potsdamer Platz"1) (1936) die Titelrolle des tierlieben, gewitzten Blumenmädchens Mariechen Bindedraht und begeisterte in diesem "Volksstück aus dem Kleine-Leute-Milieu"4) einmal mehr als kesse "Jöre" mit Herz und Berliner Schnauze. Eine ähnlich gelagerte Rolle war auch die des Berliner Ferienkindes Hedwig bzw. Enkelin des bayerischen Kleinbauern Alois Brüggler (Josef Eichheim) in Hans Deppes Gaunerkomödie "Meiseken"3) (1937; auch "Die Erbschleicher") nach dem gleichnamigen, 1927 erstmals aufgeführten Bühnenschwank von Hans Alfred Kihn. Es geht um ein raffgieriges Wirtshaus-Ehepaar (Fritz Kampers/Irmgard Hoffmann), dass den Tod ihres Verwandten, des Lebkuchenbäckers Meiseken, verschwiegen hat und seit drei Jahren dessen Rente kassiert. Als eines Tages überraschend der Juniorchef (Franz Zimmermann) des Lebkuchenwerkes auftaucht, muss ein Double für Meiseken her …
In Jürgen von Altens frühen, gelungenen Adaption der Diebeskomödie "Der Biberpelz" (1937) von Gerhart Hauptmann überzeugte sie an der Seite von Heinrich George (Amtsvorsteher Baron von Wehrhahn) als jüngste Tochter der resoluten Wäscherin Mutter Wolffen (Ida Wüst). Die letzte Hauptrolle in einer Vorkriegsproduktion spielte Rotraut Richter als Lenchen in "Der nackte Spatz" (1938; Regie: Albert Hörrmann). Erzählt wird die Geschichte von Albert (Aribert Mog) und Lenes Tante Frau Holzapfel (Margarete Kupfer), die in Erwartung einer großen Geldsumme in einen Kaufrausch verfällt. Doch der angebliche Ankauf ihres Häuschens zerschlägt sich …
"Während des zweiten Weltkriegs geht Rotraut Richter auf Wehrmachtstournee, singt die für sie im Zille-Jargon geschriebenen Lieder und spielt Theater. Mit einer Ausnahme, "Krach im Vorderhaus" kann sie keine Filme drehen, da sie während des Krieges Filmverbot hat." notiert CineGraph.*) "Krach im Vorderhaus"3) (1941; Regie: Paul Heidemann) war im Grunde eine Neuauflage des Kassenschlagers "Krach im Hinterhaus", die Witwe Bock wurde diesmal von Lotte Werkmeister gespielt, in weiteren Rollen sah man unter anderem Ernst Waldow als Bäckermeister und Hausbesitzer Gustav Kluge, Grethe Weiser als dessen Ehefrau und Paul Westermeier als diebischen Portier Eduard Panse, Pflegevater der jungen Edeltraud – erneut glänzend dargestellt von Rotraut Richter.
 
Nach Kriegsende nahm Rotraut Richter ihre Bühnentätigkeit wieder auf, konnte sich nun als Charakterdarstellerin beweisen und feierte 1946 mit der Figur der feschen Magd Louka in George Bernard Shaws Komödie "Helden"1) am Berliner "Renaissance-Theater" Erfolge. Auf der Leinwand verkörperte sie in der DEFA-Produktion bzw. Georg C. Klarens Büchner-Verfilmung des Dramenfragments "Wozzeck"1) (1947) neben Protagonist Kurt Meisel die Kellnerin Käthe.
Kurz nach den Dreharbeiten übernahm sie ab Juli 1947 am "Theater am Schiffbauerdamm" in der Altberliner Lokalposse "Hunderttausend Taler" von David Kalisch die Rolle des Dienstmädchens Wilhelmine – es sollte ihr letzter Auftritt werden.
Rotraut Richter starb am 1. Oktober 1947 in Berlin-Wilmersdorf mit nur 32 Jahren an den Folgen bzw. Komplikationen einer Blinddarmoperation. Ihre letzte Ruhe fand die gefeierte Schauspielerin in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Dahlem im Berliner Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Der Nachlass wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet ("Rotraut Richter Archiv"); von Dorothee Perthes stammt das 1957 veröffentlichte Buch "Rotraut Richter, die Unvergessene. Bildnis der jungen Schauspielerin". In der Gropiusstadt, Ortsteil des Berliner Bezirks Neukölln, erinnert seit Mitte Mai 1969 der "Rotraut-Richter-Platz" an die viel zu früh verstorbene, einst so beliebte Schauspielerin.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 1*)
Fotos bei www.virtual-history.com
*) CineGraph LG 1 mit der Quelle: Dorothee Perthes: "Rotraut Richter, die Unvergessene" (Berlin/West: W. Hoffmann 1957, 143 S)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung
4) Quelle: Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945" (Metropol, Berlin 2008, S. 184)
Lizenz Foto Rotraut Richter (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
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(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
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