Die Filmschauspielerin Elga Brink wurde am 2. April 19051) als Elisabeth Margarete Frey und nach eigenen Angaben*) als Tochter eines Bankiers in Berlin-Waidmannslust geboren; laut CineGraph**) kurz nach der Geburt adoptiert, trug sie seither den Nachnamen "Brink"2). Aufgewachsen in Berlin, besuchte das junge Mädchen eine Handelsschule, kam dann per Zufall mit der Stummfilmszene in Berührung. "Auf einer Gesellschaft bei Albert Pommer, dem Bruder Erich Pommers3), wurden Bilder von mir gezeigt, die so zusagten, daß Herr Pommer mich überredete, eine Probeaufnahme machen zu lassen. Gesagt, getan! Man schminkte mich mit einer neuen Leichnerschminke, die aus transparentem Grün bestand, aber mehr für das amerikanische als das Deutsche Atelierlicht geeignet war. Diese Schminke versagte bei mir vollkommen, es schien schon alles verloren. Doch ein neues Schminkverfahren brachte mir den Erfolg. Unter Léo Laskos Regie filmte ich zum ersten Male." ließ sie ihr Publikum später wissen.*)
"Lebenshunger" (1922) hieß die von Léo Lasko und Johannes Guter inszenierte romantische Komödie, in der die blonde, schlanke Schönheit Elga Brink neben dem mondänen Stummfilmstar Ressel Orla mit einem tragende Part betraut wurde.
 

Foto: Elga Brink vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder3) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Elga Brink vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Es folgten Produktionen wie Arthur Robisons "Zwischen Abend und Morgen" (1923) mit Werner Krauss und Agnes Straub, wenig später lernte sie Regisseur Georg Jacoby kennen, der seine Ehefrau, die Schauspielerin Edith Meller4) (1897 – 1953), für die blutjunge Elga Brink verließ und eine Reihe von Stummfilmen mit ihr realisierte. In "Das Paradies im Schnee" (1923), "Komödianten des Lebens" (1924) und "Husarenfieber" (1925) war Elga Brink Jacobis Protagonistin, wie zuvor Edith Meller und ein Jahrzehnt später Marika Rökk stellt Jacoby seine jeweilige Lebensgefährtin groß heraus, schneidet seine Filme auf deren Persönlichkeit zu. (Pikanterweise spielen Meller wie Brink zunächst in mehreren Filmen gemeinsam unter Jacobys Regie.)**)
  
Während eines einjährigen Aufenthaltes in Rom entstand der von Georg Jacoby und Gabriellino D'Annunzio in Szene gesetzten Monumentalfilm "Quo Vadis?" (1925), nach dem gleichnamigen, mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman3) von Henryk Sienkiewicz. Der legendäre deutsche Schauspieler Emil Jannings4) brillierte als geistesgestörter Kaiser Nero, Alphons Fryland4) stellte die zentrale Figur des römischen Kommandanten bzw. Patriziers Marcus Vinicius dar, der sich in die lygische Geisel Licia (im Roman Lygia), gespielt von dem britischen Stummfilmstar Lilian Hall-Davis1)), verliebt. Die anderen tragenden Rollen wurden von bekannten italienischen Stummfilm-Mimen verkörpert. So Neros zweite Frau Poppaea von Elena Sangro, der Prätorianerpräfekt Tigellinus und Günstling Neros von Raimondo Van Riel4) oder der römische Senator Petronius von dem in Frankreich geborenen Andrea Habay. Elga Brink konnte in dieser hochkarätigen Darstellerriege als Christin Domitilla überzeugen. Sienkiewicz' Liebesgeschichte zwischen einem römischen General und einer Christin geriet zum Publikumsmagneten, der Film galt lange als verschollen. Anfang August 2012 gab die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" bekannt, dass im Vatikanischen Filmarchiv eine Kopie dieser frühen Verfilmung aufgetaucht sei.
 
Mit seinem gesamten Filmteam ging Jacoby für einige Zeit auf Weltreise, drehte erotisch-exotische Stoffe wie den Zweiteiler "Die Frau ohne Namen"3) (1927) und "Liebe im Rausch" (1927), in denen die attraktive Elga Brink jeweils die weibliche Hauptrolle übernahm. In Großbritannien entstanden die Streifen "The Fake"5) (1927) und "Der Arzt" (1928, The Physician5)) sowie in Dänemark bei der "Nordisk Film" der komödiantische Krimi "Jokeren" (1928), gedreht nach dem Bühnenstück "The Joker" von Noel Scott. Bereits kurz zuvor hatte Jacoby diese Vorlage in Deutschland unter dem Titel "Der Faschingskönig" (1928, → www.stummfilmkonzerte.de) mit dem Briten Henry Edwards1), dem Franzosen Gabriel Gabrio und seiner "Muse" Elga Brink in Szene gesetzt. "Sie ist die Frau im mondänen Ambiente, dekorativ und umschwärmter Mittelpunkt allen gesellschaftlichen Geschehens." notiert CineGraph.**)  
Nach der intensiven Zusammenarbeit mit Jacoby stand Elga Brink in Georg Wilhelm Pabsts Drama "Abwege"3) (1928) erstmals für einen anderen Regisseur vor der Kamera, hatte hier jedoch nur einen eher unbedeutenden Part. Wenig später betraute sie Hans Steinhoff in der deutsch-britischen Co-Produktion "Angst" (1928 → www.stummfilmkonzerte.de), gedreht nach der gleichnamigen Novelle3) von Stefan Zweig, neben Gustav Fröhlich und Henry Edwards mit der weiblichen Hauptrolle. Für Jakob und Luise Fleck war sie "Die schönste Frau von Paris" (1928), erneut für Georg Jacoby "Die Wochenendbraut"  (1928), der sie auch als Partnerin von Gustav Diessl in dem Melodram "Frauen am Abgrund"6) (1929) besetzte. Elga Brinks vorletzte Arbeit für den Stummfilm war Richard Oswalds nicht minder dramatischer Streifen "Ehe in Not"6) (1929), wo sie die Filmehefrau von Walter Rilla mimte, der ein Doppelleben mit seiner jungen Geliebten (Evelyn Holt) führt.
Bei Carmine Gallones Literaturadaption "Das Land ohne Frauen"6) (1929) mit Conrad Veidt und Elga Brink in den Hauptrollen, wurden, wie damals im Übergang zum Tonfilm-Zeitalter allgemein üblich, einige Szenen nachträglich mit Gesang und Sprache synchronisiert. Der Streifen ging, obwohl noch kein hundertprozentiger Ton- und Sprechfilm, dennoch als der erste abendfüllende deutsche Tonfilm in die Filmgeschichte ein. Basierend auf dem Roman "Die Braut Nr. 68" von Peter Bolt, handelt die Geschichte von britischen Goldsuchern in Australien Ende des 19. Jahrhunderts, deren "Frauen-Notstand" durch heiratswillige Mädchen aus der Heimat behoben werden soll. So richtig erfolgreich wurde dieser psychologische Sitten- und Abenteuerfilm auch für Elga Brink nicht, erst mit Georg Jacobys Komödien "Der keusche Joseph"7) (1930) und "Pension Schöller"1) (1930) fasste sie in der Tonfilmszene, wenn auch mit zum Teil unbedeutenderen Produktionen Fuß. Eine ihrer nachhaltigeren Rolle war die mit dem Rittmeister von Wustrow (Harry Frank) verheiratete österreichische Adlige Komtesse Charlotte in dem Historienfilm "Der Choral von Leuthen" (1933), in dem die legendäre Schlacht Friedrich II. von Preußen (Otto Gebühr) im Dezember 1757 melodramatisch nachgezeichnet wird. Auch in einem weiteren "Preußenfilm", Heinz Pauls "Marschall Vorwärts" (1932), hatte sie als Schwiegertochter von Generalfeldmarschall Blücher1) (Paul Wegener), der wegen seiner Schnelligkeit und der Art seiner Angriffe von den Russen den Beinamen "Marschall Vorwärts" erhalten hatte, eine prägnante Rolle. Elga Brink tauchte in dem Harry Piel-Abenteuer "Sprung in den Abgrund"6) (1932) als dessen Partnerin auf, im abenteuerlichen "Nacht der Versuchung" (1932) ist sie die Sängerin Vera van Straaten (die eigentlich Anni Schultze heißt), die im glühenden Sand der Sahara einen schönen Fremdenlegionär (Werner Fuetterer) liebt, doch auf ihn verzichtet, um ihre Karriere nicht zu gefährden.**)
  
Nach den Komödien "Der kühne Schwimmer"7) (1934; Regie: Georg Jacoby), "Spiel mit dem Feuer"7) (1934; Regie: Ralph Arthur Roberts) und "Da stimmt was nicht"1) (1934; Regie: Hans H. Zerlett) bekam die Schauspielerin zunehmend Probleme mit den nationalsozialistischen Machthabern. Laut CineGraph seit 30. Januar 1934 von Ehemann Friedrich Goldbaum geschieden, wurde ihr die Aufnahme in die "Reichsfilmkammer" (RFK) "mit dem Hinweis, sie sei mit einem Juden verheiratet gewesen und die eigene Abstammung zudem dubios"**), zunächst verwehrt. Mit einer Sondergenehmigung trat sie in einigen Kurz-Spielfilmen auf, erhielt dann bis Kriegsende überwiegend nur Nebenrollen. "Brink spielt nahezu ausschließlich elegante Gattinnen und Mütter aus Patriziertum und Aristokratie."**) Die Rollennamen sprechen für sich: Frau Frieda von Rambow (1936, Onkel Bräsig), Frau von Werner (1939, Heimatland7)), Gräfin Ebba Douglas (1941, Die schwedische Nachtigall7)), Ingeborg von Stahl (1941, Clarissa6)) oder Frau von Schenk (1942, Mit den Augen einer Frau). Zuletzt wurden ihre Rollen immer kleiner, wie als Zimmervermieterin in dem Drama "Zwischen Herz und Gewissen"7) (1945, auch "Das fremde Leben"), welches erst Mitte März 1951 in die Lichtspielhäuser gelangte; ihr 1944/45 gedrehter Film "Frühlingsmelodie"7) blieb unvollendet.
 
Nach Kriegsende lebte Elga Brink mit ihrem Ehemann Franz Biermann zunächst in München, bezog dann ein Domizil in Hamburg; Biermann war noch kurz vor dem Umzug verstorben. Nur noch einmal ließ sie sich mit der kleinen Rolle einer Krankenschwester von Regisseur Georg C. Klaren für die Filmbiografie bzw. die DEFA-Produktion "Semmelweis – Retter der Mütter"1) (1950) vor die Kamera locken. Ihre Bemühungen, als Bühnenschauspielerin Fuß zu fassen, blieben erfolglos.
Anfang der 1950er Jahre zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück, war unter dem Ehenamen Elisabeth Biermann als Sachbearbeiterin in einer Hamburger Anwaltskanzlei tätig.
Der einst gefeierte Leinwandstar Elga Brink starb – von der Filmszene und dem Publikum vergessen – am 28. Oktober 1985 im Alter von 80 Jahren in Hamburg.
Quellen (unter anderem)*): Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 38
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Elga Brink. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
**) CineGraph LG 38
1) Laut Angaben des Hamburger Meldeamts. Verschiedentlich werden in der Literatur die falschen Geburtsjahre 1895 bzw. 1906 angegeben; siehe auch: Kay Weniger: "Das große Personenlexikon des Films"
2) Der bei Kay Weniger genannte Geburtsname "Biermann" ist laut CineGraph ein späterer Ehename.
Link: 3) Wikipedia (deutsch), 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Wikipediua (englisch), 6) filmportal.de, 7) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Elga Brink (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), stummfilm.at, filmportal.de, Murnau Stiftung)
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