Eugen Rex (links) auf einer Künstlerkarte mit Hilde Wörner und Kurt Vespermann; Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch (1863–1942)); Quelle: www.cyranos.ch Der Schauspieler und Autor Eugen Rex erblickte am 8. Juli 1884 in Berlin das Licht der Welt. Bevor er sich für eine künstlerische Laufbahn entschloss, hatte er eine Lehre als Bauzeichner absolviert und eine Zeit lang diesen Beruf in Wiesbaden ausgeübt. Hier wurde sein Interesse für das Theater geweckt, Rex verfasste eigene Einakter, nahm Unterricht bei dem Hofschauspieler Max Adriano. Auf dessen Vermittlung erhielt er 1905 ein erstes Engagement am Sommertheater in Schlangenbad-Soden (Taunus), weitere Stationen wurden das "Apollo-Theater" in Nürnberg (1905/06) und das "Stadttheater" St. Gallen (Schweiz). Während Rex 1907 seinen Militärdienst in Mainz ableistete, erhielt er die Genehmigung, gleichzeitig am dortigen "Stadttheater" zu spielen, dessen Ensemble er bis 1911 angehörte. Dann wechselte er für drei Jahre an das "Hoftheater" in Karlsruhe, wirkte ab 1914 am Berliner "Theater in der Königgrätzer Straße"; parallel dazu diente er ab 1915 als Offizier im Ausbildungsdienst.
1916 ging Eugen Rex an das "Deutsche Theater", zwei Jahre später an das "Metropoltheater", trat dann zur Spielzeit 1919/20 am "Theater am Nollendorfplatz" ein Engagement an. Als dort am 15. April 1921 Eduard Künnekes Operette "Der Vetter aus Dingsda"1) uraufgeführt wurde, gestaltete er den Roderich de Weert. Lori Leux2) gab die reiche Erbin Julia de Weert, Johannes Müller1) den Titelhelden und Fremden August Kuhbrot, Gottfried Huppertz1) Julias Onkel Josef und Ilse Marvenga Julias Freundin Hannchen.
Danach band sich Eugen Rex nicht mehr fest an ein Haus, arbeitete als freischaffender Schauspieler an verschiedenen Berliner Bühnen, an denen er ab Mitte der 1920er Jahre auch mitunter eigene Stücke und Sketche realisieren konnte. Während dieser Zeit "profiliert er sich in klassischen Komödien, vor allem aber in Possen, Schwänken und Volksstücken, auch als Komiker in Operetten."*)
  
Eugen Rex (links) auf einer Künstlerkarte mit Hilde Wörner2) und Kurt Vespermann2)
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch1) (1863–1942))
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
1918 trat Eugen Rex erstmals auf der Leinwand in Erscheinung und etablierte sich in den stummen Lustspielen, Melodramen und Abenteuern jener Jahre zu einem viel beschäftigten Darsteller. Einen ersten Erfolg konnte er als Partner des beleibten Komikers Henry Bender in "Hannemann, ach Hannemann" (1919, → www.earlycinema.uni-koeln.de) verzeichnen, ein sogenannter "Sing-Film", in denen Sänger und Musiker im Kino live auftraten. In den nachfolgenden Jahren stand der Schauspieler unermüdlich vor der Kamera, drehte mit renommierten Filmemachern wie Henrik Galeen (1929, "Der verbotene Weg"3)), Lupu Pick (1921, "Der Dummkopf"3)), Reinhold Schünzel (1921, "Der Roman eines Dienstmädchens") oder Friedrich Wilhelm Murnau (1922, "Der brennende Acker"1)). Er stand unter anderem als Corpsdiener für Hans Behrendts Adaption "Alt-Heidelberg"3) (1923) nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Wilhelm Meyer-Förster neben Paul Hartmann und Eva May vor der Kamera, mimte den Geheimsekretär Eichel in den beiden letzten Teilen des Historienfilms "Fridericus Rex"1) (1922; Regie: Arzén von Cserépy) mit Otto Gebühr als König Friedrich II., den Diener der Gräfin Manon Moreau (Mia May) in Joe Mays Vierteiler "Tragödie der Liebe"1) (1923) oder den 1. Kavalier in Arthur Robisons expressionistischem Meisterwerk "Schatten – Eine nächtliche Halluzination"1) (1923) an der Seite von Fritz Kortner, Ruth Weyher und Gustav von Wangenheim. Überwiegend gestaltete Eugen Rex die unverzichtbaren Randfiguren, wie zuvor auf der Bühne porträtiert und karikiert er vor allem den "kleinen Mann". Mit fast unbewegtem Gesicht zeichnet er schrullige Typen, verklemmte Biedermänner, bissige Beamte – die ganze Palette deutscher Kleinbürger mit Schrebergarten-, Turnhallen- und Bierfestmentalität".*)
1925 führte er auch mit Helene Lackner Regie und fungierte mit ihr als Co-Autor bei dem Streifen "O alte Burschenherrlichkeit", bereits 1919 hatte er bei den Stummfilmen "Der Harlekin" und "Der blasse Albert" seine Handschrift als Regisseur hinterlassen.
  
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Eugen Rex problemlos, blieb auch hier ein unverzichtbarer Darsteller von Alltagstypen jedweder Couleur. Seine Rollennamen waren mitunter Programm, so der Husar Schnösel in Carl Boeses Streifen "Kasernenzauber" (1931) mit dem Untertitel "Bunter Rock und Unterrock" oder der Stadtkapellmeister Wilhelm Klobig in dem Alt-Berliner Schwank "Kyritz – Pyritz. Flotte Ehemänner" (1931, Regie: Carl Heinz Wolff) mit Henry Bender als Kyritzer Apotheker Anton Piepenberg, der gemeinsam mit seinen Freunden, dem Weinhändler Rux (Paul Hörbiger) und dem Bürgermeister Lietzow (Max Adalbert), heimlich eine Spritztour nach Berlin zu unternimmt, die wegen der misstrauisch gewordenen Ehefrauen nicht ohne Verwicklungen bleibt.
Vor allem kann er im Tonfilm die Beherrschung sämtlicher deutscher Dialekte demonstrieren: In Harry Piels "Schatten der Unterwelt" (1931) ist er ein Schweizer Gendarm, in "Der Kongreß tanzt"1) (1931) ein sächsischer Gesandter, ein Wiener Original in "In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt" (1931), ein hanseatischer Seepolizist in "Das Schiff ohne Hafen" (1932) und die Berliner Urtype Rutschke in "Schwarzwaldmädel" (1933).*)
 
1933 schloss sich Eugen Rex der NSDAP an und übernahm verschiedene Posten, so wurde er Führerrat der "Reichsfachschaft Film"1) (RFF), 1934 Aufsichtsrat der "Pensionsanstalten der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger", im darauffolgenden Jahr leitete er die "Heidelberger Reichsfestspiele"1).
Neben seiner weiteren Mitwirkung an Kinoproduktionen, zu denen auch rund 20 Kurz-Spielfilme zählten, konzentrierte sich der Schauspieler Ende der 1930er Jahre wieder verstärkt auf die Arbeit am Theater. So feierte er beispielsweise zur Spielzeit 1938/39 nicht nur am "Lessingtheater" mit der Hauptrolle des Bauern Krischan Lampken Erfolge in "Krach um Jolanthe" Triumphe, einem volkstümlichen Lustspiel um eine preisgekrönte Zuchtsau von August Hinrichs. 1939/40 glänzte er am "Theater des Volkes" in der komischen Oper "Boccaccio" von Franz von Suppé, in der romantischen Operette "Zigeunerliebe" von Franz Lehár und in Karl Zellers "Der Vogelhändler". Am "Metropol-Theater" gehörte er 1940 zur Besetzung der Revue-Operette "Lauf ins Glück" mit der Musik von Fred Raymond, am "Rose-Theater" spielte er in dem von ihm selbst verfassten Volksstück "Aufruhr in Spatzenwerder". Andere Arbeiten, die er als Autor für die Bühne ablieferte, wurden erfolgreich an verschiedenen deutschen Theatern aufgeführt, etwa das Kriminalstück in drei Akten "Das grüne Licht" und der Schwank "Kreuz-Junge" sowie die beiden Operetten "Stern von Araschi" und "Güldüna". Außerdem schrieb Rex Neufassungen der Libretti zu der Komödie mit Liedern "Dichter und Bauer" von Franz von Suppé sowie den Operetten "Eine Nacht in Venedig" und "Karneval in Rom" von Johann Strauss. Darüber hinaus war Eugen Rex auch beim Rundfunk als Sprecher tätig.
 
Auf der Leinwand trat er weiterhin mit Chargenrollen in Erscheinung, mimte beispielsweise den Diener des Konsuls Larsen (Franz W. Schröder-Schrom) in dem ganz auf das Komiker-Duo Pat & Patachon zugeschnittenen, turbulenten Lustspiel "Pat und Patachon als Mädchenräuber"4) (1936), einen skurrilen Artistin in dem Zirkusstreifen "Menschen, Tiere, Sensationen"1) (1938) von und mit Harry Piel oder in dem Krimi "Verdacht auf Ursula"4) (1939) "den Gerichtsrevisor Hobelglas, der in seinem Büro bei der Prüfung von Büchern eines Angeklagten dauernd durch seinen kranken Hund abgelenkt wird."*) Zu seinen letzten Arbeiten vor der Kamera zählte der bis heute den "Vorbehaltsfilmen"1) zuzurechnende anti-jüdische Hetzfilm "Die Rothschilds"1) (1940; Regie: Erich Waschneck), in Alfred Zeislers Komödie "Der Hochtourist"4) (1942) gab er neben dem biederen Titelhelden bzw. Seifenfabrikanten Lallinger (Joe Stöckel) ein herrliches Bürofaktotum ab. Bereits von Krankheit gezeichnet trat er noch einmal als Schuldirektor in der Komödie "Fritze Bollmann wollte angeln"4) (Regie: Volker von Collande) auf, die Erstaufführung am 24. September 1943 erlebte er nicht mehr.
 
Eugen Rex, der seit 1940 am Berliner "Theater am Schiffbauerdamm" engagiert war, starb am 21. Februar 1943 mit nur 58 Jahren in Berlin-Dahlem. Seine letzte Ruhest fand er auf dem Städtischen Friedhof "In den Kisseln" im Berliner Bezirk Spandau in einer Grabstätte, in der seine bereits 1931 (?5)) verstorbene Ehefrau Helene6) (→ www.bildindex.de) beigesetzt worden war; die Grabstelle existiert nicht mehr bzw. wurde inzwischen neu belegt.7)
Trotz seiner beeindruckenden, mehr als 120 Produktionen umfassenden Filmografie als Schauspieler sowie vereinzelter Regiearbeiten ist Eugen Rex in Vergessenheit geraten. Auch mit seinen Bühnenwerken (→ Katalog der Deutschen Nationalbibliothek) konnte er keinen nachhaltigen Ruhm erlangen, seine Stücke sind heute so gut wie auf keinem Theater-Spielplan mehr zu finden.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 11*)
Fotos bei www.virtual-history.com
*) CineGraph LG 11
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) Murnau Stiftung
5) In dem Buch "Briefe an Hitler: Ein Volk schreibt seinem Führer. Unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven – zum ersten Mal veröffentlicht" (Hrg.: Henrik Eberle, Bastei Lübbe, 2007, S. 391) wird aufgeführt, dass Eugen Rex am 11. November 1939 nach dem Bombenattentat auf Adolf Hitler im Münchener "Bürgerbräukeller" (08.11.1939) folgenden Brief schrieb: ":Mit dem ganzen deutschen Volke möchte auch ich Ihnen meine herzlichsten Wünsche zu Ihrer wunderbaren Errettung aussprechen. Wir danken Gott und bitte ihn, Sie uns noch recht lange in voller Gesundheit und Kraft zu erhalten." Unterzeichnet war der Brief "Mit deutschem Gruß. Ihre Parteigenossen Eugen  Rex und Frau". → books.google.de
6) Bei der genannten Ehefrau Helene könnte es sich um Helene  Lackner (→ filmportal.de) handeln, mit der Eugen Rex den Film "O alte Burschenherrlichkeit" (1925) realisierte.
7) Quelle: www.berlin.friedparks.de
Lizenz Foto Eugen Rex/Hilde Wörner/Kurt Vespermann (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgef&uuiml;hrt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
einige frühe Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia (deutsch/englisch))
Stummfilme Tonfilme
  • 1929: 8. Lignose Hörfilm (Kurzfilm; Lignose-Hörfilm System)
  • 1930: Besuch um Mitternacht. Das Nachtgespenst von Berlin (Kurzfilm)
  • 1930: Die Lindenwirtin
  • 1930: Die Csikosbaroneß
  • 1930: Bockbierfest
  • 1930: Verklungene Träume
  • 1931: Kasernenzauber
  • 1931: Schatten der Unterwelt / Ombres des bas fonds
  • 1931: Der Weg nach Rio
  • 1931: Kopfüber ins Glück
  • 1931: Sonntag des Lebens
Noch: Tonfilme
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