Annie Markart wurde am 5. August 1907 als Tochter eines Bauunternehmers in Frankfurt am Main geboren. Als die Mutter 1920 starb, verließ die 13-Jährige die Realschule und absolvierte zunächst eine zweijährige Schneiderlehre, nahm dann an der Frankfurter Oper Unterricht bei der Ballettmeisterin Ilse Petersen und ließ sich auch im Gesang ausbilden. Anschließend erhielt Annie Markart erste kleine Soubretten-Rollen in Operetten wie "Zigeunerliebe" oder "Schwarzwalmädel" sowie in Revuen. Auch im Fach der Komödie konnte sie Fuß fassen, spielte unter anderem 1928/29 neben Hans Junkermann in dem musikalischen Schwank "Liebe und Trompetenblasen". 1929 von Franz Wenzler1) an die Wiener "Kammerspiele" engagiert, wurde Annie Markart bald als "die schönste Bühnenkünstlerin Wiens" gefeiert, spielte in der Kabarettrevue "Wie werde ich reich und glücklich?" (1930; Musik: Mischa Spoliansky1))/Text: Felix Jackson1) oder der Boulevard-Komödie "Chichinette und ihre Väter" von Armin Friedman. Zur Spielzeit 1929/30 trat sie an der Kleinkunstbühne "Femina"1) in den beliebten Mitternachts-Revuen auf, etwa in "Achtung – Kurve!" (Musik: Willy Engel-Berger1)/Text: Erwin W. Spahn1); 1932 nahm sie ein Engagement am Berliner "Theater am Kurfürstendamm" an.
 
Ihr Leinwanddebüt gab Annie Markart noch im Stummfilm und spielte unter der Regie von Alfred Deutsch-German in dem Streifen "Die Tat des Andreas Harmer"2) (1930) die Filmtochter von Annie Rosar. Erzählt wird "die (allzu beschönigend dargestellte) Karriere eines ethisch-moralisch makellosen Polizisten (Oscar Marion)" wie Kay Weniger*) notiert. Im Tonfilm konnte sich die Schauspielerin mit prägnanten Rollen in etlichen Produktionen etablieren und startete eine zweite, wenn auch kurze Karriere als Leinwanddarstellerin. So wurde sie in ihrem ersten Tonfilm, Robert Siodmaks Justizdrama "Voruntersuchung"1) (1931), an der Seite von Gustav Fröhlich als Prostituierte und Mordopfer Erna Kabisch besetzt, mimte das Revuegirl Susi Moor in Carl Boeses Komödie "Der ungetreue Eckehart" (1931) neben Titelheld Ralph Arthur Roberts oder die weibliche Protagonistin Marietta in dem Abenteuer "Bobby geht los"4) (1931) von und mit Harry Piel; auch in der französischsprachigen Version "L'auberge du père Jonas" (1931) mimte sie diese Figur. Annie Markart verkörperte in den nachfolgenden Filmen meist eine Mischung aus "nettes Mädel von nebenan" und Diva"*), war immer für eine Tanz- oder Gesangseinlage gut. Sie stand beispielsweise für Max Neufeld turbulente Komödie "Glück über Nacht"4) (1932) mit Magda Schneider und Hermann Thimig vor der Kamera, drehte erstmals mit Regisseur Herbert Selpin1) (1902 – 1942) die heitere Geschichte "Mädels von heute" (1933). Aus der beruflichen Zusammenarbeit wurde eine private, im November 1933 heiratete das Paar.3)
 
Als Revuestar Gabi tauchte Annie Markart in Carl Boeses "Das Blumenmädchen vom Grand-Hotel"4) (1934) neben Elsa Merlini und Georg Alexander auf, in Herbert Selpins Sportlerstreifen "Der Springer von Pontresina"5) (1934) war sie die junge Engländerin Violett Moore, in die sich der junge Skispringer Tielko Groots (Vivigenz Eickstedt) verliebt und damit den Mannschaftsführer Dr. Uli Boeker (Sepp Rist) vor Probleme stellt. Aus diesem Film stammt übrigens der von Hauptdarsteller Eric Helgar1) gesungene populäre Schlager "Wir wollen Freunde sein für's ganze Leben".
Sie agierte in weiteren Komödien, beispielsweise in der ganz auf Meisterboxer Max Schmeling und dessen Ehefrau Anny Ondra zugeschnittenen Geschichte "Knockout – Ein junges Mädchen, ein junger Mann"4) (1935; Regie: Carl Boese), gab die Miss Mabel Chiltern und Schwester von Sir Robert Chiltern (Karl Ludwig Diehl) in Selpins Oscar Wilde-Adaption "Ein idealer Gatte"5) (1935). In Carl Lamačs Operettenverfilmung "Im weißen Rößl"4) (1935) nach Ralph Benatzky erfreute Annie Markart als Ottilie, Tochter des Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke (Willi Schaeffers), Hermann Thimig spielte den Oberkellner Leopold, Christl Mardayn die Wirtin Josefa Voglhuber. Sie gehörte zur Besetzung des Hans Albers-Abenteuers "Henker, Frauen und Soldaten"1) (1935; Regie: Johannes Meyer) und zum Sängerfilm "Du bist mein Glück"4) (1936; Regie: Karlheinz Martin) mit Startenor Benjamino Gigli. In der Wiener Produktion "Silhouetten"4) (1936; Regie: Walter Reisch) konnte sie als russische Ballerina Ellinor letztmalig an ihre erfolgreiche Tanz- und Revue-Zeit anknüpfen.
Danach stand Annie Markart nur noch für drei Filme vor der Kamera, lediglich in Paul Verhoevens Abenteuer "Gold in New Frisco" (1939) hatte sie als Dolly Pepper bzw. Ehefrau des windigen Bankiers Pepper (Otto Wernicke) eine größere Rolle.
In diesem Film spielte auch Alexander Golling6) (1905 – 1989) als Inspektor Jim de Lacy mit, den Annie Markart nach der Scheidung von Herbert Selpin im Jahre 1937 geheiratet hatte. Als Golling 1938 die Intendanz des "Bayerischen Staatsschauspiels" in München übernahm, folgte sie ihm in die bayerische Hauptstadt und übernahm zunehmend Repräsentationspflichten. Aber auch dieser Verbindung war nur ein kurzes Glück beschieden, bereits 1941 endete die Ehe vor dem Scheidungsrichter.
 
Nach Kriegsende konnte Annie Markart weder am Theater noch im Film an frühere Erfolge anknüpfen, arbeitete vorübergehend als Dolmetscherin für die 7. US-Armee. 1955 trat sie noch einmal mit kleinen Parts in zwei Kinoproduktionen in Erscheinung: In "Hanussen"2), der Verfilmung der Autobiografie des zwiespältigen Magiers und Hellsehers Erik Jan Hanussen1), von und mit O. W. Fischer sowie in dem Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (Regie: Hans F. Wilhelm) nach den Gebrüdern Grimm, wo auch Alexander Golling als Teufel Schwarzbart zu sehen war.
Annie Markart zog sich danach endgültig vom Filmgeschäft bzw. ins Privatleben zurück. Über die nachfolgenden Jahre bis zu ihrem Tod ist nichts bekannt. Die einst gefeierte Schauspielerin starb – von der Öffentlichkeit vergessen – am 23. Januar 1991 im Alter von 83 Jahren in München. Ihre letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Waldfriedhof in einer Grabstätte (Neuer Teil, 426-3-662), in der rund zwei Jahrzehnte zuvor ihre Kollegin Gretl Theimer6) (1910 – 1972) beigesetzt worden war  → Foto der Grabstätte.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 18*)
Fotos bei film.virtual-history.com
*) CineGraph LG 18
Link: 1) Wikipedia, 2) film.at, 4) filmportal.de, 5) Murnau Stiftung, 6) Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) Quelle: Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. (ACABUS Verlag, Hamburg 2011, S. 137)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: film.at, Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilm Tonfilme
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de