Der Name Willi Schaeffers ist untrennbar verbunden mit dem legendären, ursprünglich politisch orientierten "Kabarett der Komiker"1) (Kadeko), wo er bereits nach dem 1. Weltkrieg als Kabarettist und Conférencier ungemein populär wurde. Als die Gründer Paul Morgan2), Kurt Robitschek1) und Max Hansen2) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierten, übernahm er als Nachfolger von Hanns Schindler 1938 die Leitung der Bühne, die er durch völligen Verzicht auf jede Art von zeitkritischen Anspielungen bis zur allgemeinen Theaterschließung 1944 erhalten konnte.
  

Willi Schaeffers 1938 im "Kabarett der Komiker" zusammen mit
Lene Ludwig (1908 – 1995), deren Spezialität parodistische
Tänze mit der Maske populärer Persönlichkeiten waren.
Urheber: Willy Pragher1); Lizenz: CC BY 3.0;
Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons

Willi Schaeffers 1938 im "Kabarett der Komiker" zusammen mit Lene Ludwig (1908 – 1995), deren Spezialität parodistische Tänze mit der Maske populärer Persönlichkeiten waren.Urheber: Willy Pragher1); Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons
Die Programme in den 1940ern hießen beispielsweise "Der Tee von Berlin" (1940) oder "Der Wunderteppich" (1942) mit dem Untertitel "Eine Willi Schaeffers-Kleinkunstschau aus bunten Fäden gewebt" (Inszenierung: Jo Hanns Rösler1)), bei der Revue "Träum von mir" (1941) stammte die Musik von dem einstigen "Comedian Harmonists"2)-Mitglied Erwin Bootz2.
Bereits kurz nach Kriegende eröffnete Schaeffers im Juni 1945 – zunächst bis 1949 unter dem Namenszusatz "Neue Scala" – das Haus erneut und führte es bis 1950 als "Willi Schaeffers Kabarett der Komiker"; der Schwerpunkt lag jedoch nicht mehr beim Kabarett, vielmehr bot er Kleinkunst jedweder Form an. Mit dem Programm "Wir sind übern Berg" verabschiedete sich Schaeffers 1950 vom "Kabarett der Komiker", zuletzt war er seit 1958 Chef der von ihm gegründeten Berliner Kleinkunstbühne "Tingel-Tangel" in der Wielandstraße, Ecke Kurfürstendamm, entdeckte und förderte auch hier, wie im "Kadeko", junge Nachwuchstalente. Zu den Künstlern, die bei Schaeffers erste Bühnenerfahrungen sammelten und damit eine große Karriere starteten, zählen vor 1945 so prominente bzw. unvergessene Namen wie Heinz Erhardt2), Brigitte Mira2) oder Iska Geri2), nach dem Krieg Peter Frankenfeld2), Georg Thomalla2) oder Trude Herr2). Auch der Erfolgsautor Curt Flatow1) trat im Juni 1945 erstmals mit eigenen Gedichten bei Willi Schaeffers auf – die Liste der berühmten Künstler, die sich bei Schaeffers im Laufe der Jahrzehnte ein Stelldichein gaben, ließe sich beliebig fortsetzen; unfangreiche Informationen zur Geschichte des "Kabaretts der Komiker" findet man in dem 2010 von Klaus Völker veröffentlichten Buch "Kabarett der Komiker Berlin 1924–1950".
Das Mulitalent Schaeffers war darüber hinaus ein gern gesehener Mime auf der Leinwand und veröffentlichte als Autor verschiedene humoristische Bücher sowie (gemeinsam mit Hans Gerbeck) die Komödie "Revolution im Bienenkorb" (1936). Die Anthologie "Bunte Platte. Ein Vortragsbuch für Jedermann" publizierte er 1953.
 
Geboren wurde Wilhelm "Willi " Schaeffers am 2. September 1884 in Landsberg an der Warthe (Provinz Brandenburg; heute Gorzów Wielkopolski, Polen) als Sohn eines Journalisten. Die Kindheit verbrachte er in Berlin, besuchte ein Realgymnasium in Seesen (Harz). Seit 1902 tingelte er mit Wanderbühnen durch Ostpreußen und Schlesien, sammelte weitere Bühnenerfahrungen an einem Berliner Vorort-Theater und war kurzzeitig Schüler der legendären Louise Dumont1) an deren, dem "Düsseldorfer Schauspielhaus" angegliederten Theaterakademie. Danach ging Schaeffers als Ensemblemitglied an das Stadttheater in Posen und veranstaltete bereits erste kabarettistische Abende.
Im Jahre 1909 zog es Schaeffers zurück nach Berlin, wirkte am "Lustspielhaus" in der Friedrichstraße, wandte sich nun aber verstärkt dem Kabarett und der Kleinkunst zu. Er tat sich als Conférencier in Rudolf Nelsons1) literarisch-musikalischem Kabarett "Chat noir" Unter den Linden hervor, gab seit 1912 Gastspiele im Hamburger Kabarett "Hölle" und in der Münchener "Bonbonniere". Während des 1. Weltkrieges kämpfte er an der Ostfront und in Frankreich, betätigte sich, nach einer Verwundung vom Kriegsdienst befreit, als Unterhaltungskünstler in Lazaretten und Kasernen. Nach Kriegsende kam es ab 1918 zu einer erneuten Zusammenarbeit mit Rudolf Nelson, der vom Publikum geliebte Schaeffers absolvierte Gastauftritte an zahlreichen Berliner Bühnen, unter anderem in den berühmten Revuen von Herman Haller1) und in Erik Charells1) flotten Operetten-Neufassungen wie "Die lustige Witwe" (1927) oder dem Benatzky-Singspiel "Im weißen Rößl"1), das am 8. November 1930 im "Großen Schauspielhaus" uraufgeführt wurde. Charell, der selbst am Libretto mitgewirkt hatte, bot dem Publikum ein Star-Ensemble, Camilla Spira2) gab die Rößl-Wirtin Josepha Vogelhuber, Max Hansen den Kellner Leopold, in weiteren Rollen erlebte man beispielsweise Sigfried Arno2) als Sigismund, Paul Hörbiger2) als Kaiser Franz Josef – Willi Schaeffers glänzte als der Berliner Fabrikant Giesecke; der einzige Opernsänger im Ensemble war Walter Jankuhn1) als Dr. Siedler. Die Aufführung der Revue-Operette nach dem gleichnamiges Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg geriet nicht zuletzt wegen der schmissigen Lieder zum Ereignis des Jahres und war einer größten Theatererfolge der Weimarer Republik, trat anschließend seinen Siegeszug rund um den Globus an; Charell inszenierte das Stück in den Folgejahren selbst in London (1931), Paris (1932) und New York (1936).
 
Als Regisseur Karel Lamač die Erfolgs-Aufführung Mitte der 1940er Jahre mit Christl Mardayn als Wirtin Josepha und Hermann Thimig als Leopold verfilmte, war Schaeffers in "Im weißen Rößl"3) (1935) als einziger der Ur-Besetzung wieder mit von der Partie und mimte erneut den Fabrikanten Giesecke. Schon zu Stummfilmzeiten hatte Schaeffers bereits vor der Kamera gestanden, schon 1913 in Max Macks Lustspiel "Die blaue Maus" mitgewirkt. Doch erst ab Ende der 1910er Jahre tauchte er wieder in verschieden Produktionen auf, intensivierte dann zwischen 1931 und 1938 seine Arbeit für den Film. Seine Spezialität war die Darstellung humoriger Sketche, als Komödiant karikierte er brillant Wichtigtuer und Besserwisser. Eine seiner Paraderollen und Höhepunkt seiner Leinwandkarriere war der Kaiser von China in Gerhard Lamprechts Literatur-Adaption "Turandot, Prinzessin von China"4) (1934) mit Käthe von Nagy und Willy Fritsch. Schaeffers lieferte mit seinen Nebenrollen kleine Kabinettstückchen seiner Schauspielkunst ab, mimte beispielsweise einen Impressario in Lupu Picks musikalischem Streifen "Gassenhauer"4) (1931), einen Araber in E. A. Duponts Romanverfilmung "Peter Voß, der Millionendieb"1) (1932), einen Gerichtsvollzier in Arthur Maria Rabenalts musikalischen Komödie "Was bin ich ohne Dich"3) (1934) oder einen Schriftsteller – der Name Gründlich schien Programm – in der heiteren Geschichte "Spiel mit dem Feuer"4) (1934). Stärker im Mittelpunkt stand Schaeffers bei einer Reihe von Kurzspielfilmen, die im Vorprogramm gezeigt wurden, hier konnte der beleibte Mann komödiantisches Talent voll ausleben. So etwa als Direktor eines Automobilwerks in "Ich tanke, Herr Franke" (1934), als Amtsgerichtsrat in "Das Patentkunstschloss"4) (1935) oder als Juwelier Moldenhauer in "Jürgens riecht Lunte"4) (1937). Zu seinen vorerst letzten Auftritten in Vorkriegsproduktionen zählte die Rolle des Professors Konstantin in der Komödie "Narren im Schnee"3) (1938; Regie: Hans Deppe) mit Anny Ondra und Paul Klinger sowie der Krimi "Der Fall Deruga"3) (1938; Regie: Fritz Peter Buch), wo er neben Hauptdarsteller Willy Birgel einen Privatdetektiv spielte.
 
Zwischen 1933 und 1938 hatte Schaeffers in Berlin Engagements am "Künstler-Theater", am "Metropol-Theater" und an der "Scala", danach übernahm er dann ab 1. September 1938 bis 1944 die künstlerische Leitung des "Kabaretts der Komiker". Seine Aktivitäten nach Kriegende wurden bereits kurz beschrieben, darüber hinaus gastierte er mit verschiedenen, von ihm geleiteten Kabarett-Ensembles unermüdlich in der Bundesrepublik, der Schweiz und in Österreich. Sporadisch übernahm er in den 1950er Jahren kleinere Aufgaben in einigen Schlagerfilmen und musikalischen Komödien, die jedoch von eher untergeordneter Bedeutung blieben.
Willi Schaeffers starb wenige Wochen vor seinem 78. Geburtstag am 10. August 1962 in München an einem Gehirnschlag. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem Ehrengrab auf dem Prominenten-Friedhof Heerstraße (Feld 15–157) in Berlin-Charlottenburg. Der Stein trägt die Inschrift: "Was wir sammeln, was wir speichern, mag's die Erben noch bereichern, einst vergeht's. Nur der Schatz der Seelenspenden wächst je mehr wir ihn verschwenden jetzt und stets.". 2001 wurde der Ehrengrab-Status nach rund vier Jahrzehnten wohl aus Kostengründen aufgehoben → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de.
Nach dem Krieg war Willi Schaeffers für seine Verdienste um den Wiederaufbau des Berliner Kulturlebens mit dem "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse" ausgezeichnet worden. Bereits 1928 erhielt er als erster Preisträger den "Lamberts-Paulsen Ring", gestiftet vom Herausgeber des "8-Uhr-Abendblatts" Victor Hahn auf Initiative von Peter Sachse zum Gedenken an den Schauspieler, Kabarettisten und Komiker Harry Lamberts-Paulsen2) (1895 – 1928) mit der Inschrift "Bester, gedenke des Besten!".
Willi Schaeffers ist der Vater des Musikverlegers und Filmproduzenten Peter Schaeffers, der in den 1950er Jahren zu den führenden westdeutschen Verlegern der Unterhaltungsmusikbranche zählte.
Aufgezeichnet von Erich Ebermayer, erschien bereits 1959 im Hamburger "Broschek Verlag" die Autobiografie von Willi Schaeffers "Tingel Tangel – Ein Leben für die Kleinkunst" mit einigen Fotos aus dem Leben des Künstlers.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch, www.berlin.friedparks.de sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 7*)
Fotos bei film.virtual-history.com
*) CineGraph LG 7
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) Murnau Stiftung
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia)
Stummfilme
  • 1913: Die blaue Maus
  • 1919: Charly Bill
  • 1919: Der geheimnisvolle Fremde
  • 1920: Wo du bist, wird meine Liebe sein
  • 1920: Der Reigen – Ein Werdegang
  • 1921: Ein Erpressertrick
  • 1920: Der Fakir der Liebe
  • 1921: Cocain (nur Regie)
  • 1922: Sie und die Drei
  • 1927: Die Frau ohne Namen (2 Teile)
  • 1928: Küsse, die man nicht vergisst
  • 1928: Ein Tag Film (Kurzfilm)
  • 1929: Gestörtes Ständchen (Kurzfilm)
Tonfilme
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