Die Schauspielerin Charlott Daudert erblickte am 27. Dezember 1913 als Charlotte Irma Martha Amalie Daudert im ostpreußischen Königsberg1) (heute Kaliningrad, Russische Exklave) das Licht der Welt. Die Tochter eines Arztes wuchs in ihrer Geburtstadt auf, besuchte nach dem Abitur eine Handelsschule und arbeitete anschließend als Redakteurin bei einer Zeitung. Hier war sie als "Tante Charlotte" für den Kinderteil zuständig, wechselte dann jedoch und betätigte sich als Modezeichnerin. Mehr durch Zufall kam sie zur Schauspielerei – sie begleitete eine Freundin, die sich am Königsberger Schauspielhaus bewarb; die Freundin hatte das Nachsehen, stattdessen engagierte man Charlott Daudert. Ihre Karriere begann mit einer winzigen Rolle in der Shakespeare-Komödie "Viel Lärm um nichts", nach einem dreijährigen Engagement am Stadttheater in Tilsit kam sie nach Berlin, ging mit dem Ende Juni 1934 auf tragische Weise ums Leben gekommenen legendären Charakterkomiker Max Pallenberg2) auf eine Gastspielreise, welche sie nach Kopenhagen, Oslo und Stockholm führte.
Zurück in Berlin, wirkte sie an verschiedenen Bühnen, spielte an Trude Hesterbergs im November 1933 eröffneten Kabarett "Musenschaukel" im Pavillon "Mascotte" in der Behrenstraße, trat auch in Werner Fincks politisch-literarischem Kabarett "Die Katakombe"3) auf.
 
Etwa zeitgleich begann Charlott Daudert eine Karriere als Filmschauspielerin, nach der Mitwirkung in zwei Kurzfilmen (1933) sowie einem ungenannten Auftritt als Schwimmlehrerin in dem Weiß-Ferdl-Spaß "Der Meisterboxer" (1934) erhielt die attraktive Blondine in Georg Jacobys Operetten-Adaption "Die Czardasfürstin"4) (1934) eine kleine Rolle, mit der sie erstmals im Vorspann des Films namentlich erwähnt wurde. Im Laufe der kommenden Zeit etablierte sich die temperamentvolle und hübsche Charlott Daudert in der Filmszene, wurde meist in den Lustspielen und musikalischen Unterhaltungsstreifen jener Jahre mit prägnanten Nebenrollen besetzt und konnte auch als elegant-komische Naive ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. "Das Ostreußenblatt" (26.08.1995) notierte in dem Artikel mit dem Titel "Verführerisch auf der Leinwand" unter anderem "Sie verkörperte nicht nur das burschikose Element, sondern durchaus auch das der erotischen Anziehungskraft, ja eigentlich bis zum Vamp, der im deutschen Film dieser Epoche nicht gerade dicht gesät gewesen ist. Sie konnte es sich sogar leisten, den Dialekt ihrer Heimat vor der Kamera ein wenig anklingen zu lassen, ein Faktum, das ansonsten im Scheinwerferlicht verpönt war, es sei denn, die Rolle hätte es dramaturgisch zwingend erfordert". (→ archiv.preussische-allgemeine.de, S. 6)
 
Verschiedentlich mimte sie Töchter wie die des Ehepaares Lampe (Erhard Siedel/Lina Carstens) in Detlef Siercks witzigen Geschichte "April, April"4) (1935), des Bürgermeisters (Will Dohm) in Jacques Feyders Satire "Die klugen Frauen"3) (1935) oder der resoluten "klugen Schwiegermutter" (Ida Wüst), die in Hans Deppes gleichnamigem musikalischen Lustspiel (1939) ihre Jüngste (Daudert) an den Mann bringen will. Mit Paul Kemp und Fita Benkhoff spielte sie in Karel Lamačs Komödie "Der schüchterne Casanova"4) (1936), hatte mit der Doppelrolle der Hutverkäuferin Inge bzw. deren angeblichen Zwillingsschwester, der Bardame Ursula, in Carl Boeses Verwechslungsgroteske "Engel mit kleinen Fehlern"3) (1936) eine ihrer wenigen Hauptrollen. Mit Günther Lüders und Leni Marenbach präsentierte sie sich in dem unverwüstlichen Militärschwank "Der Etappenhase" (1937), in dem Zirkusfilm "Die große Nummer"4) (1943) als Fahrradartistin Mariettchen, die den schüchternen Assistenten des Raubtierdompteurs Otto (Paul Kemp) liebt (→ "Filmwelt" Nr. 31/32).
Bis Kriegsende wirkte Charlott Daudert in mehr als fünfzig Kinoproduktionen mit, darunter neben verschiedenen Kurzfilmen in Komödien wie Helmut Käutners "Kitty und die Weltkonferenz"2) (1939) und Joe Stöckels "Der Hochtourist"4) (1942), Melodramen wie "Johannisfeuer"4) (1939) und Abenteuern wie "Männer müssen so sein"4) (1939), jeweils von Arthur Maria Rabenalt in Szene gesetzt. Zur Filmografie zählen aber auch verschiedene NS-Propagandastreifen, beispielsweise die bis heute als "Vorbehaltsfilm"2) geltenden Produktionen "Venus vor Gericht"2) (1941; Regie: Hans H. Zerlett) und "Besatzung Dora"2) (1943; Regie: Karl Ritter). Die bereits 1944 von Hans Schweikart gedrehte Komödie "Frech und verliebt"2), wo Charlott Daudert neben Johannes Heesters und Carl-Heinz Schroth als Sängerin Isolde auftauchte, gelangte erst nach Kriegsende Ende Dezember 1948 in die Lichtspielhäuser.
 
In den 1950er Jahren konnte die von ihren Kollegen "Charly" genannte Schauspielerin ihre Bühnen- aber auch Leinwandkarriere erfolgreich fortsetzten, gehörte in etlichen in Deutschland und Österreich produzierten Unterhaltungsstreifen zur Besetzung. Eine tragende Rolle spielte sie als mondäne Charlotte und Braut des Hoteldirektors Josef 'Pepi' Schmitz (Karl Schönböck) in der Liebeskomödie "Die Nacht ohne Sünde"2) (1950), agierte in Kassenschlagern wie der heiteren Geschichte "Klettermaxe"5) (1952; Regie: Kurt Hoffmann) mit Liselotte Pulver oder Heimatfilmen wie "Heidemelodie"2) (1956; Regie: Ulrich Erfurth) mit Antje Weisgerber und Martin Benrath. Ein Mal stand Charlott Daudert auch für eine DEFA-Produktion vor der Kamera und wirkte als Frau Steiner in Ernesto Remanis losen Bühnenadaption "Die Schönste"2) (1957) mit. Der Film wurde nach mehreren erfolglosen Schnittfassungen und Nachdrehs vollständig verboten und konnte in restaurierter Fassung erst am 24. Mai 2002 im Berliner Filmkunsthaus "Babylon" uraufgeführt.
 
Im Sommer 1960 verlegte die an einer Blutkrankheit leidende Schauspielerin ihren Wohnsitz von Berlin nach Monte Carlo (Fürstentum Monaco), erhoffte sich aufgrund des milden Klimas eine Besserung und hatte Pläne, dort eine Künstlerpension zu eröffnen. Dazu kam es nicht mehr, am 19. Januar 1961 erlag Charlott Daudert wenige Wochen nach ihrem 47. Geburtstag in einem Krankenhaus in Monte Carlo ihrem Leiden, Ihre letzte Ruhestätte fand die von Kollegen wie Publikum gleichermaßen geschätzte und sympathische, heute weitgehend vergessene Mimin auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe in der Grabstelle ihres 1954 verstorbenen Vaters Gustav Daudert (1884 – 1954) → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de mit dem Hinweis, dass die Grabstelle inzwischen nicht mehr existiere.
Wie DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 44 vom 30. Oktober 1948 berichtete, hatte die Künstlerin in Köln den britischen Kaufmann George Nether Burgess geheiratet, den sie bereits 1938 kennengelernt hatte. Seither nannte sie sich Charlotte Daudert-Burgess, ob sie zum Zeitpunkt ihres Todes noch mit Burgess verheiratet war, ist unklar.
Anmerkung: Sowohl bei Wikipedia als auch in "Das Ostpreußenblatt" (02.10.1976; → PDF-Datei, S. 9) wird ausgesagt, dass Charlott Daudert die Tochter eines Arztes gewesen sei. Aus letztgenanntem Artikel stammt die Information, sie sei auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe "an der Seite ihres 1954 verstorbenen Vaters zur letzten Ruhe gebettet" worden, was das Foto bei www.knerger.de belegt. Wikipedia wiederum nennt als Namen der Mutter "Wilhelmine Daudert" (laut Grabstein: 1886 – 1971). Sollte es sich bei der nebenstehenden Todesanzeige ("Das Ostpreußenblatt", 20.11.1954) um den Vater von Charlott Daudert handeln, wird hier jedoch ein anderer Beruf angegeben. Es bleiben also Fragen offen bzw. einiges im Dunkeln.
Als weitere Information gibt Wikipedia an, dass Charlott Daudert mit Erika Pahlke (geb. Daudert) eine Schwester gehabt habe.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch, www.wissen48.net
Fotos bei www.virtual-history.com
1) nach einer anderen Quelle (www.wissen48.net) geboren in Wilna (heute Vilnius, Litauen) nach dem Artikel "Sie war ein Engel mit kleinen Fehlern" in "Das Ostpreußenblatt" (02.10.1976, Jahrgang 27 → PDF-Datei, S. 9)
Link: 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung, 5) filmportal.de
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de