Der Schauspieler und Regisseur Ernst Stahl-Nachbaur erblickte am 6. März 1886 als Ernst Julius Emil Guggenheimer in München das Licht der Welt. Der Sohn des Staatsanwaltes1) Dr. Guggenheimer besuchte 1904 die Kadettenschule in München, um auf Wunsch des Vaters eine Offiziers-Laufbahn einzuschlagen. "Meine schauspielerische Begabung wurde schon gelegentlich einer Kadetten-Aufführung von "Wallensteins Lager", in der ich den Kapuziner gab, entdeckt. Später marschierte ich als jugendlicher Held auf die Bretter. Vorher hatte es aber noch einen sehr schlichten Abschied zu Hause gegeben, denn mein Vater gab jeden Verkehr mit dem Komödiantensohn auf. Erst ein volles Jahrzehnt später, als ich mich durchgesetzt hatte, söhnten wir uns wieder aus." ließ Stahl-Nachbaur sein Publikum später wissen.*)
Nach einer Ausbildung in Dresden (1904/05) bei dem Schauspieler, Theaterwissenschaftler und Regisseur Professor Adolf Winds (1855 – 1927) erhielt Stahl-Nachbaur 1905 ein erstes Engagement in Hanau und debütierte als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe". Bis 1913 sammelte er weitere Bühnenerfahrungen in der Provinz, trat unter anderem in Stralsund, Neustrelitz, Lübeck und Straßburg (Elsass) auf. Zur Spielzeit 1913/14 wurde er an die "Münchner Kammerspiele" verpflichtet, wo er mit Unterbrechungen bis 1916 blieb – zwischen 1914 und 1916 leistete er als Freiwilliger seinen Dienst während des 1. Weltkrieges ab. Noch während des Krieges zog es ihn Anfang 1918 nach Wien an die "Neue Wiener Bühne", anschließend in die Metropole Berlin. Hier wirkte Stahl-Nachbaur zunächst an der "Volksbühne" (1918–1921), wo man ihn 1918 in Inszenierungen von Friedrich Kayßler erlebte, so im Oktober in Tschechows "Der Kirschgarten" und im November in Schillers "Wilhelm Tell". Anschließend ging er an das "Staatliche Schauspielhaus", an die "Barnowsky-Bühnen" (ab 1924), an die "Tribüne" und an das "Theater in der Königgrätzer Straße". Daneben spielte bei Max Reinhardt am "Deutschen Theater" (1926), bei Erwin Piscator am "Theater am Nollendorfplatz" (1927/28, "Piscator-Bühne"), gab Gastspiele in Wien am "Theater in der Josefstadt " und am "Zürcher Schauspielhaus" (1926/27).
Ernst Stahl-Nachbaur 1919 in dem Drama "Die Bürger von Calais"an der Berliner "Volksbühne" auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch"; Urheber Siegmund Labisch1) (1863–1942); Quelle: www.cyranos.ch Noch während des Krieges zog es ihn Anfang 1918 nach Wien an die "Neue Wiener Bühne", anschließend in die Metropole Berlin. Hier wirkte Stahl-Nachbaur zunächst an der "Volksbühne" (1918–1921), wo man ihn 1918 in Inszenierungen von Friedrich Kayßler erlebte, so im Oktober in Tschechows "Der Kirschgarten" und im November in Schillers "Wilhelm Tell". Anschließend ging er an das "Staatliche Schauspielhaus", an die "Barnowsky-Bühnen" (ab 1924), an die "Tribüne" und an das "Theater in der Königgrätzer Straße". Daneben spielte bei Max Reinhardt am "Deutschen Theater" (1926), bei Erwin Piscator am "Theater am Nollendorfplatz" (1927/28, "Piscator-Bühne"), gab Gastspiele in Wien am "Theater in der Josefstadt " und am "Zürcher Schauspielhaus" (1926/27).
Anfangs als jugendlicher Held und Liebhaber, später als Grandseigneur oder mit väterlichen Figuren besetzt, avancierte Stahl-Nachbaur rasch zum gefeierten Bühnenstar. Er brillierte in Stücken von Georg Kaiser2), so 1919 mit der Hauptrolle des Milliardärssohns in dem expressionistischen Schauspiel "Gas" und als reicher Bürger Eustache de Saint-Pierre in dem Drama "Die Bürger von Calais"2) – jeweils an der "Volksbühne" inszeniert von Paul Legband2). Hier zeigte er sich im Frühjahr 1920 in den Aufführungen von Hebbels "Gyges und sein Ring" (Regie: Guido Herzfeld), Strindbergs "Nach Damaskus, Teil 1" (Regie: Friedrich Kayßler), Pedro Calderóns " Der Richter von Zalamea" (Regie: Guido Herzfeld), zur Spielzeit 1920/21 in Schillers "Kabale und Liebe" (Regie: Johannes Klaudius) sowie erneut unter der Regie von Friedrich Kayßler in dem 2. und 3. Teil von Strindbergs "Nach Damaskus".
 
Ernst Stahl-Nachbaur 1919 in dem Drama "Die Bürger von Calais" an der Berliner "Volksbühne"
auf einer Fotografie des Fotoateliers "Zander & Labisch"
Urheber Siegmund Labisch1) (1863–1942)
Quelle: www.cyranos.c; Angaben zur Lizenz siehe hier
Stahl-Nachbauer arbeitete mit den renommierten Regisseuren jener Ära zusammen, überzeugte sowohl in Stücken der Moderne als auch mit klassischen Rollen. Unter der Regie von Jürgen Fehling gestaltete er den König von Theben Kreon in der Tragödie "Antigone" von Sophokles (03.1921; "Volksbühne") und Eduards "Lustjungen" Gaveston in Bertolt Brechts Frühwerk "Leben Eduards des Zweiten von England" (1924), mit Leopold Jessner erarbeitete er den Herzog von Alba in Schillers "Don Karlos" (1922; "Staatliches Schauspielhaus"). In der gleichzeitig in mehreren Städten präsentierten Uraufführung (20.11.1926) von Gerhart Hauptmanns Drama "Dorothea Angermann" interpretierte er in der Inszenierung von Max Reinhardt am "Deutschen Theater" den Vater der Titelheldin, den gestrengen Dorfpastor Angermann, konnte ein Jahr später (12.11.1927) in einer weiteren Uraufführung mitwirken – als Ministerpräsident Alexander Kerenski in dem von Erwin Piscator an seiner eigenen Bühne in Szene gesetzten Stück "Rasputin, die Romanows, der Krieg und das Volk, das gegen sie aufstand" von Alexei Graf Tolstoi und Pawel Schtschegolew.
  
Neben seiner Arbeit als Bühnendarsteller trugen auch verschiedene Inszenierungen Stahl-Nachbaurs Handschrift, zur Spielzeit 1932/33 ging er als Regisseur und Schauspieler an das "Neue Schauspielhaus" in Königsberg, wurde dort jedoch aus "rassischen Gründen" entlassen, da sein Vater Jude war. Dieser "Tatbestand" hatte bereits im Jahr der Machtübernahme zu seiner sofortigen Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis mit dem im städtischen Besitz der (nunmehr nationalsozialistisch kontrollierten) Ostpreußen-Metropole Königsberg befindlichen "Neuen Schauspielhaus", für das er als Regisseur wie als Schauspieler tätig gewesen war, geführt. Dass Ernst Stahl-Nachbaur nicht sofort automatisch einem Totalboykott zum Opfer fiel, verdankte er anderen Besitzverhältnissen, die bei seinen anschließenden Arbeitgebern (der Spielzeit 1933/34), dem Berliner "Theater in der Stresemannstraße" (Berliner Hypothekenbank A.G.) und dem Frankfurter "Neuen Theater" (Theaterbau A.G.), herrschten.**)   
Seit April 1934 aus der "Reichstheaterkammer" (RTK) ausgeschlossen, konnte Stahl-Nachbaur nur noch an Privatbühnen arbeiten, mit Antritt seines Engagements am Berliner "Schiller-Theater" wurde ihm im April 1937 auf besondere Fürsprache des Intendanten Heinrich George3) eine weitere Mitgliedschaft in der RTK bestätigt, was auch eine neuerliche Zulassung in der "Reichsfilmkammer" (RFK) nach sich zog. Im Tauziehen zwischen RTK und RFK wurde am 12. Januar 1939 ein neuerlicher Ausschlußbescheid der RFK erlassen mit dem ausdrücklichen Hinweis: "Diese Entscheidung ist endgültig, da sie im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ergeht"; ebenfalls im Januar 1939 verständigten sich RFK und RTK dahingehend, "daß mit Herrn George Einigkeit darüber bestände, daß Stahl-Nachbaur sein jetziges Engagement noch erfülle und dann (aus dem Schiller-Theater) ausscheide. Im übrigen wisse Stahl-Nachbaur bereits, daß er ausscheiden müsse. Eine Begründung des Ausschlusses sei daher nicht notwendig" (mögliches Motiv: Stahl-Nachbaur hatte dort im Februar 1939 mit George in der Titelrolle Selma Lagerlöffs "Der Kaiser von Portugallien"2) inszeniert. Staatskommissar Hans Hinkel2) äußerte sich zu Stahl-Nachbaurs erfolgreichen Inszenierung folgendermaßen: "Ein Mann in ihrer Situation hätte sich klar darüber sein müssen, daß er sich einen solchen Erfolg nicht gestatten kann"; anschließend Verbot der Aufführung); das Engagement blieb aber auch über diesen Zeitpunkt hinaus bestehen; schließlich folgte Oktober 1939 ein nächster Erlaß der RFK, daß in Abänderung der früheren Entscheidung nunmehr "keine Bedenken bestehen, wenn der Schauspieler Ernst Stahl-Nachbaur im Film in Nebenrollen beschäftigt wird"; er spielte dann ca. 10 Filmrollen und wechselte 1943/44 vom "Schiller-Theater" ans "Theater in der Saarlandstraße" (vorher "Theater in der Stresemannstraße").***)
In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass auch Stahl-Nachbaur nach Kriegsende von den Sowjets zur nationalsozialistischen Haltung Heinrich Georges befragt wurde. George befand sich, nach einer Denunziation im Juni 1945 vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet, zunächst im Internierungslager Hohenschönhausen (Speziallager Nr. 32)), später im sowjetischen "Speziallager Nr. 7"2), dem ehemalige KZ Sachsenhausen bei Oranienburg. In der "Akte George" des KGB befindet sich ein Brief von Ernst Stahl-Nachbaur, der zwar auf die "väterliche Fürsorge des Intendanten" hinweist, George habe sich aber während des Krieges immer öfter zu "Lobhudeleien und 'Sieg Heil'-Wünschen" hinreißen lassen. Nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 habe George dem Schicksal gedankt und von allen verlangt, sich für den Sieg einzusetzen: "Wenn ihr nicht richtig arbeitet, schicke ich euch alle an die Front!" soll George geäußert haben.6)

Schon früh kam Ernst Stahl-Nachbaur zum Film, erhielt 1917 von Alfred Halms eine erste Aufgaben in dem Streifen  "Das Geschlecht der Schelme" neben Friedrich Zelnik und dessen späteren Ehefrau Lya Mara. Seit Ende des 1. Weltkrieges stand er dann regelmäßig vor der Kamera und etablierte sich mit meist prägnanten Nebenrollen in der Stummfilmszene. Überwiegend mimte er in den Melodramen und Abenteuern jener Ära Personen adligen Geblüts wie Fürsten, Barone und Grafen, Herren der Gesellschaft wie Minister, Professoren oder Direktoren. Wie schon am Theater arbeitete er intensiv mit Paul Legband zusammen, der ihn unter anderem mit der Titelrolle in der Frank Wedekind-Verfilmung "König Nicolo" (1919) an der Seite von Wedekind-Ehefrau Tilly (geborene Tilly Newes2)) als Prinzessin Alma sowie mit der Figur des Felippo in der Kleist-Adaption "Die Marquise von O." (1920) neben Hans Albers (Marquis von O.) und Herta Heden (dessen Tochter) besetzte. Weitere von Legband realisierte Filme waren "Aus eines Mannes Mädchenjahren"2) (1919) mit Erika Glässner als "Bubmädchen" und Stahl-Nachbaur als "Bösewicht", gedreht nach dem 1907 von Karl M. Baer2) unter dem Pseudonym "N. O. Body" veröffentlichten gleichnamigen autobiografischen Buch, sowie das Drama "Nixchen" (1920) mit der heute vergessenen Ria Jende3) und Georg Alexander.
Karl Gerhardt betraute ihn mit der Titelrolle in der Tragödie "Johannes Goth"4) (1920) mit Carola Toelle3) (1893 – 1958) als Partnerin, die seine dritte Ehefrau wurde. Mit ihr spielte er unter anderem auch in dem Drama "Hazard"4) (1921; Regie: Frederik Larsen) und in dem Historienfilm "Christoph Columbus" (1923; Regie: Márton Garas), wo er neben Albert Bassermann den Herzog von Medina-Celli gab. Stahl-Nachbaur präsentierte sich auch schon mal als Kommissar wie in den Krimis "Vom Täter fehlt jede Spur"4) (1928) und "Kolonne X"5) (1929), seinen letzten Stummfilm drehte er mit Fred Sauer und tauchte in "Stud. chem. Helene Willfüer"5) (1930) als unglücklich verheirateter Professor Ambrosius auf, der von der Chemiestudentin Helene Willfüer (Olga Tschechowa) verehrt wird und schließlich nach melodramatischen Umwegen sein Glück mit ihr findet.
 
Im Tonfilm sowie später im Fernsehen blieb Ernst Stahl-Nachbaur ein begehrter, vielbeschäftigter Darsteller, stand zwischen 1930 und Ende der 1950er Jahre für rund 70 Produktionen vor der Kamera. Eine seiner ersten Erfahrungen mit dem neuen Medium war der Krimi "Der Schuss im Tonfilmatelier" (1930; Regie: Alfred Zeisler), wo er sich als Kriminalrat Holzknecht zeigte. Er "spielte soignierte Herren und hochgestellte Staatsrepräsentanten wie Ludwig XVI. in Hans Behrendts Revolutionsepos "Danton"2), den Polizeichef in Fritz Langs frühem Tonfilm-Meisterwerk "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"2) und den Kaiser Napoleon Bonaparte in Erik Charells Operettenkassenschlager "Der Kongreß tanzt"2) – alle drei kurz hintereinander abgedrehte Spitzenproduktionen der Spielzeit 1930/31."**) Seine Arbeit für den Film schätzte Stahl-Nachbaur folgendermaßen ein: "Zuerst glaubte ich, als Bühnenschauspieler meine Filmaufgaben ohne weiteres bewältigen zu können, doch bald wurde mir der Unterschied klar. Der Film ist Bild- Gestaltung und wird immer nur im Bildlichen seinen Ausdruck finden können. Der Film-Schauspieler muß immer unmittelbar, scheinbar absichtslos, körperlich und mimisch das Leben der von ihm ganz erfühlten Rolle ausstrahlen. (…) Ich bin glücklich in meiner Tätigkeit als Filmschauspieler, der täglich, wenn gedreht wird, ganz da und gegenwärtig zu sein hat. Ich bin stolz darauf, einer Sache zu dienen, von deren ganz großer künstlerischer und dadurch menschlicher Bedeutung ich tief überzeugt bin."*)
  
Seine Domäne waren Honoratioren und "gravitätische Gentlemen der alten Schule"**), immer wieder wusste er sich als Arzt, Professor oder ranghoher Militär gekonnt in Szene zu setzten. In dem ganz auf Zarah Leander zugeschnittenen Historienfilm "Das Herz der Königin"2) (1940; Regie: Carl Froelich) über das Leben der schottischen Königin Maria Stuart trat er als Calvinistenführer John Knox auf, in Paul Verhoevens "Der große Schatten"2) (1942), mit Heinrich George gedreht nach Motiven von Calderóns Stück "Der Richter von Zalamea", als Intendant des Provinztheaters, in Veit Harlans Melodram "Opfergang"2) (1944) als Sanitätsrat Terboven. Der bereits 1942/43 von Herbert Selpin gedrehte tendenziöse NS-Katastrophenfilm "Titanic"4) mit Stahl-Nachbauer als Oberrichter gelangte erst Anfang Februar 1950 in die Lichtspielhäuser.
Im Nachkriegsfilm konnte der Schauspieler, wenn auch nur mit Nebenrollen problemlos Fuß fassen. In dem von der DEFA produzierten, im Zirkus- und Varietémilieu angesiedelten Streifen "Allez Hopp"7) (1946; Regie: Hans Fritz Köllner) sollte er als alter Artist Karl Urmann eine Hauptrolle spielen, die Dreharbeiten wurden jedoch bereits nach wenigen Tagen abgebrochen. Mehrfach zeigte er sich in Uniform, so als deutscher Abwehr-General in dem melodramatischen Spionagefilm "Rittmeister Wronski"2) (1954; Regie: Ulrich Erfurth) mit Willy Birgel, als Oberbefehlshaber einer Heeresgruppe in "Der 20. Juli"2) (1955; Regie: Falk Harnack) mit Wolfgang Preiss als Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und einmal mehr als General in der Satire "Der Hauptmann und sein Held"5) (1955), von Max Nossek, mit Ernst Schröder und Jo Herbst gedreht nach der gleichnamigen Tragikomödie von Claus Hubalek. Für Helmut Käutner verkörperte er in "Der Schinderhannes"2) (1958) an der Seite von Protagonist Curd Jürgens als Räuberhauptmann Johannes Bückler2), genannt "Schinderhannes", dessen Vater Kaspar Bückler; bereits ein Jahr zuvor hatte er diese Rolle in Peter Beauvais' TV-Fassung übernommen, in der Hans-Christian Blech den "Schinderhannes" darstellte. Mit der Figur des Fürsten von Sachsen-Karlsburg in Ernst Marischkas Romanze "Alt Heidelberg"5) (1959) verabschiedete sich Ernst Stahl-Nachbaur von seinem Kinopublikum.
 
Nach Kriegsende wirkte Ernst Stahl-Nachbaur als Regisseur und Schauspieler weiterhin erfolgreich an Berliner Bühnen, unter anderem am "Theater am Kurfürstendamm", am "Hebbel-Theater", "Renaissance-Theater", "Schlosspark Theater", der "Freien Volksbühne" und der "Tribüne"; daneben übernahm er Gastverpflichtungen am "Düsseldorfer Schauspielhaus" und den "Münchner Kammerspielen". Am "Renaissance-Theater" spielte er beispielsweise im Juni 1945 in einer der ersten Inszenierung nach der Wiedereröffnung, gegeben wurde Arthur Schnitzlers Groteske "Der grüne Kakadu"2) (Regie: Karl Heinz Martin). Im Dezember 1949 gehörte er zur Besetzung von in Ibsens Drama "Die Wildente" (Regie: Kurt Raeck), im Oktober 1957 wirkte er in der von Leonard Steckel inszenierten deutschen Erstaufführung von Terence Rattigans Einakter "An Einzeltischen" mit. Eine letzte Bühnenrolle übernahm er in der deutschsprachigen Erstaufführung der amerikanischen Komödie "Der Lockvogel" von Samuel Taylor und Cornelia Otis-Skinner, die am 13. April 1960 unter der Regie von Viktor de Kowa am "Renaissance-Theater" Premiere feierte.
In Berlin inszenierte Stahl-Nachbaur unter anderem im August 1945 am "Hebbel-Theater" Zuckmayers Drama "Des Teufels General", im Mai 1946 an der "Komödie" Georg Kaisers Schauspiel "Adrienne Ambrossat" und am "Renaissance-Theater" 1947 "Rebekka" nach dem gleichnamigen Roman2) von Daphne du Maurier. Als Filmregisseur hatte er sich nur ein einziges Mal versucht, 1920 realisierte er das Lustspiel "Der siebente Tag" mit Carola Toelle in der Hauptrolle.
 
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und den Kinofilm erlebte man den Künstler ab 1953 auch in verschiedenen Fernsehspielen, unter anderem war er als Richter Nash in dem vom "Sender Freies Berlin" (SFB) produzierten Krimi "Der Prozeß Mary Dugan" (1956) nach dem Bühnenstück "The Trial of Mary Dugan" von Bayard Veiller zu sehen → Die Krimihomepage. Als Oberst Pickering erfreute er die Zuschauer beispielsweise in der Fernsehfassung von George Bernard Shaws "Pygmalion" (1956; Regie: Hannes Tannert), Axel von Ambesser3) gab den Professor Higgins, Agnes Fink3) die Eliza Doolittle. Seit Mitte der 1920er Jahre betätigte sich Stahl-Nachbaur zudem beim Berliner Rundfunk, arbeitete in späteren Jahren auch für die Synchronisation.
 
Ernst Stahl-Nachbaur starb wenige Wochen nach seinem 74. Geburtstag am 13. Mai 1960 im Berliner Stadtviertel Schlachtensee (Bezirk Steglitz-Zehlendorf).
In erster Ehe war er mit der Soubrette Erna Croissant verheiratet, aus dieser Verbindung stammte die am 3. Mai 1914 in Straßburg (Elsass) geborene Tochter Eva Stahl-Nachbaur (= Ernestine Guggenheimer), ebenfalls Schauspielerin. Nach einer weiteren Ehe bzw. Scheidung heiratete er seine Kollegin Carola Toelle3) (1893 –1958). 1955 wurde Ernst Stahl-Nachbaur mit dem "Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet, im gleichen Jahr hatte er das "Goldene Ehrenzeichen" der "Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger" (GDBA) erhalten.***)

Quelle (unter anderem*) **): Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945***)
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Ernst Stahl-Nachbaur. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
**) Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945" (Metropol, Berlin 2008, S. 324 ff)
***) Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945; Herausgeber: Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider; Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler von Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß (Teil 2, L-Z; K G Saur, München 1999)
1) Laut eigenen Angaben; bei Kay Weniger ist Stahl-Nachbauer der Sohn eines Fabrikanten.
Link: 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung, 5) cyranos.ch, 5) filmportal.de, 7) defa.de
6) Quelle: einestages.spiegel.de

Lizenz Foto Ernst Stahl-Nachbaur (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
einige Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), Murnau Stiftung, filmportal.de, defa.de)
Stummfilme

*) Das Erscheinungsjahr 1913 (= Murnau Stiftung) bezieht sich auf den
heiteren Kurzfilm bzw. die Messter-Produktion "Aus eines Mannes Mädchenzeit", 
 u.a. mit Olga Engl und Wilhelm Bendow

Tonfilme / Fernsehen
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