Anton Pointner vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Der Schauspieler Anton Pointner erblickte am 8. Dezember18901) in Salzburg (Österreich) das Licht der Welt. Schon früh zog es ihn nach eigenen Angaben zur Bühne, auf Wunsch der Eltern besuchte er jedoch zunächst in Wien eine Handelsakademie, da er eine kaufmännische Laufbahn einschlagen sollte. "Doch eines Tages hielt ich es nicht mehr dort aus. Ich brannte nach München durch, um hier mein Heil zu versuchen, doch das Glück ließ auf sich warten. Eines Tages sitze ich in sehr geknickter Stimmung im Hofbräuhaus. Da ließ sich ein junger Mann an meinem Tische nieder, der Sohn eines Schmierendirektors. Instinktiv merkte er, daß hier ein Objekt für das lukrative Unternehmen seines Vaters vorhanden sei – ein Objekt, das wenig oder gar nichts kosten würde… Anderthalb Jahre irrte ich nun von Schmiere zu Schmiere. Heute war es Romeo, morgen Falstaff, übermorgen Charleys Tante. Man verachte jedoch die Schmiere nicht! Unsere Größten, wie Matkowsky und Kainz erhielten bei ihr ihre Feuertaufe2). Hier lernten sie Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, die den Grundstein zu ihrer späteren künstlerischen Vielseitigkeit legten." ließ Pointner später sein Publikum wissen.*) Ein erstes festes Engagement erhielt Pointner 1907 in Lahr beim Württembergischen "Städtebund-Theater", Verpflichtungen in Offenbach, Tölz, Düsseldorf (1911) sowie Brünn schlossen sich an, wo er unter der Regie von Richard Oswald in französischen Einaktern auftrat.*)  

Anton Pointner vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch;
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Erste Aufmerksamkeit erregte der aufstrebende Schauspieler dann in Wien, nachdem er von Josef Jarno3) an das "Theater in der Josephstadt" berufen wurde. Hier feierte er Erfolge mit der Titelrolle in dem Schauspiel "Staatsanwalt Alexander" von Karl Schüler. 1920 wechselte Pointner nach Berlin, wirkte unter anderem am "Theater in der Königgrätzer Straße" (= Hebbel-Theater), am "Lessingtheater" und am "Staatstheater". Zu seinen wichtigsten Rollen zählten die Titelfigur in Shakespeares Tragödie "Hamlet", der Arnold vom Melchtal in Schillers Drama "Wilhelm Tell" und der Prinz Karl-Heinz in dem Schauspiel "Alt-Heidelberg" von Wilhelm Meyer-Förster.
 
Ab 1920 startete Pointner eine intensive Karriere beim Film, bereits früh hatte er erste Erfahrungen vor der Kamera gesammelt, 1911 in den Streifen "Halbwelt" und "Lebensfreude" mitgewirkt. Eine erste größere Aufgabe erhielt er in Richard Oswalds stummem Historienportrait "Lady Hamilton"3) (1921) neben Liane Haid (Lady Hamilton) und Conrad Veidt (Lord Nelson) als Charles Greville und Geliebter der Titelheldin( → Wikipedia), bevor diese die berühmt gewordene Liebebeziehung mit dem englischen Seehelden Lord Nelson einging. Mit Hauptrollen in Produktionen wie dem Dreiteiler "Die Abenteuerin von Monte Carlo" (1921; Regie: Adolf Gärtner) oder dem Drama "Thamar, das Kind der Berge"4) (1924; Regie: Robert Dinesen) hatte sich der athletische Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen in der Stummfilmszene etabliert. In den Abenteuern, Melodramen, Lustspielen und Historienfilmen übernahm er prägnante Nebenrollen, spielte meist kraftvolle und robuste, mitunter finster dreinblickende Charaktere. Er mimte Uniformträger wie in "Der Mann aus dem Jenseits" (1926; Regie: Manfred Noa) mit Paul Wegener und "Die Sporck'schen Jäger" (1927; Regie: Holger-Madsen), Grafen wie in der Komödie "Gauner im Frack" (1927; Regie: Manfred Noa) mit Nils Asther und dem Zweiteiler "Maria Stuart" (1927; Regie: Friedrich Fehér) mit Magda Sonja oder historische Persönlichkeiten wie den Friedrich Wilhelm im zweiten Teil von Gerhard Lamprechts Biopic "Der alte Fritz"3) (1928) mit Otto Gebühr als Friedrich der Große.
 
1930 fuhr Anton Pointner mit mehreren anderen deutschen Schauspielern – darunter Heinrich George5), Gustav Fröhlich5), Gustav Diessl5) und Dita Parlo5) – nach Hollywood. "Warner Brothers" hatte ihn für deutsche Versionen amerikanischer Filme verpflichtet. Unter der Regie von Wilhelm Dieterle (= William Dieterle) spielte er in dem Krimi "Der Tanz geht weiter" (1930) sowie in der Abenteuerkomödie "Kismet" (1931, englische Fassung mit Marlene Dietrich), in "Die Maske fällt" (1931) und in der Somerset Maugham-Adaption Die heilige Flamme"4) (1931; Co-Regie: Berthold Viertel). Das Abenteuer "Dämon des Meeres" (1931) nach dem Roman "Moby Dick" von Herman Melville inszenierte Regisseur Michael Curtiz mit Dieterle als Kapitän Ahab, der auch in der US-amerikanischen Version "Demon of the Sea" diese Figur verkörperte. Seinen letzten Film in Hollywood drehte Pointner mit Paul Fejos, der ihn in "Menschen hinter Gittern"3) (1931), der deutschsprachige Version von "The Big House"3) (Regie: George W. Hill), als Gefängnisaufseher Wallace besetzte.
Zurück in Europa, blieb Pointner nach anfänglichen Schwierigkeiten – er soll Probleme mit der Aussprache gewisser Vokale gehabt haben – im Tonfilm ein vielbeschäftigter Darsteller, kam jedoch in den 1940er Jahren oftmals über Nebenrollen kaum hinaus. Seine Domäne blieben Personen adeligen Geblüts, Uniformträger und historische Persönlichkeiten. Wiederholt präsentierte er sich als Graf wie in "Johann Strauss, k. u. k. Hofkapellmeister" (1932; Regie: Conrad Wiene, mit Michael Bohnen) oder Baron wie in der Operettenverfilmung "Gräfin Mariza" (1932; Regie: Richard Oswald; mit Dorothea Wieck). Er gab Generäle wie in Carl Boeses "Drei von der Kavallerie"4) (1932) oder in Heinz Pauls "Preußenfilm" mit dem Titel "Marschall Vorwärts" (1932), wo er neben Paul Wegener als Feldmarschall von Blücher3) dem Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg3), Oberbefehlshaber der verbündeten Streitkräfte gegen Napoleon (Alfred Durra) in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, Kontur verlieh. Er war der wilde ungarische Pandur Franz Freiherr von der Trenck3) in dem Liebesdrama "Trenck – Der Roman einer großen Liebe"4) (1932) mit Hans Stüwe als dessen Vetter Friedrich Freiherr von der Trenck3) und Dorothea Wieck als preußische Prinzessin Amalie3) oder der fanatische Preußenfeind und Pandurenoberst Rawitsch in einer weiteren Kostüm-Spektakel, "Der Choral von Leuthen"4) (1933; Regie: Carl Froelich) um die Schlacht von Leuthen3) (1757) mit Otto Gebühr als Friedrich II. von Preußen. Er spielte unter anderem mit Asta Nielsen in Erich Waschnecks Drama "Unmögliche Liebe"3) (1932) den Diplomaten von Möllenhof, in den sich Nielsen-Tochter Nora (Ery Bos) verliebt hat, in Johannes Meyers "Schwarzer Jäger Johanna"3) (1934) neben Titelheldin Marianne Hoppe den Feldmarschall oder in der Komödie "Königswalzer"6) (1935) an der Seite von Paul Hörbiger (König Max II. von Bayern) und Carola Höhn (Herzogin Elisabeth in Bayern, genannt Sisi) den österreichischen Gesandten Graf Tettenbach, "Postillon d'Amour" des österreichischen Kaisers Franz Joseph (Curd Jürgens). In Werner Hochbaums heiter-melodramatischen Geschichte "Der Favorit der Kaiserin"4) (1936) machte er als Fürst Iwan Potozky, Kanzler und erklärter "Favorit" der Zarin Elisabeth von Russland (Olga Tschechowa), eine ebenso gute Figur wie als Fürst Prosorowsky in dem von Alexander Wolkow (= Alexandre Volkoff) in Szene gesetzten Streifen "Stjenka Rasin" (1936) mit Hans Adalbert Schlettow in der Titelrolle des des Donkosaken und Rebellen Stenka Rasin3) (1630 – 1671). In Géza von Bolvárys Nestroy-Adaption "Lumpacivagabundus"3) (1936) kam er als Graf von Monte Cristo daher, als österreichischer Kaiser Franz I. in "Fridericus"3) (1936; Regie: Johannes Meyer).
 
In den Produktionen der 1940er Jahren musste sich Pointner mit Chargenrollen zufrieden geben, wirkte unter anderem mit dem kleinen Part des österreichischen Staatsmannes Johann Ludwig Graf von Cobenzl3) in dem dritten abendfüllenden deutsche Farbfilm "Münchhausen"3) (1943) an der Seite von Protagonist Hans Albers mit. Nach dem Krieg stand er nur noch drei Mal vor der Kamera, in Hans Thimigs Melodram "Der Angeklagte hat das Wort" (1948; auch "Maresi4)") mit Attila Hörbiger und Maria Schell agierte er als Oberst, die beiden Filme "Verspieltes Leben"4) (UA: 27.09.1949; Regie: Kurt Meisel) und "Die seltsame Geschichte des Brandner Kaspar"4) (UA: 21.12.1949) – hier gab er neben Hauptdarsteller Carl Wery den Baron Schrumpf – kamen erst nach Pointners Tod in die Lichtspielhäuser. Arthur Maria Rabenalts noch 1945 fertiggestelltes Melodram "Regimentsmusik"6) mit Pointner als Heinrich von Stammer feierte ebenfalls erst nach dem Krieg am 1. September 1950 seine Premiere und wurde auch unter dem Titel "Die Schuld der Gabriele Rottweil" aufgeführt; die Hauptrollen spielten Heidemarie Hatheyer und Siegfried Breuer.
   
Anton Pointner starb am 8. September 1949 laut Kay Weniger7) in München, filmportal.de dagegen gibt als Sterbeort Salzburg an, die "Internet Movie Database (IMDb) und Wikipedia nennen Hintersee, Ortsteil der Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden. Ebenso unklar, wie der Ort seines frühen Ablebens zu sein scheint, ist die Todesursache.
Quellen (unter anderem*) **)): Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
*) Anton Pointner. In: Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
**) Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon (1961)
1) Geburtsdatum laut Kay Weniger "Das große Personenlexikon des Films" und "Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon"; Wikipedia, filmportal.de und IMDb geben als Geburtsjahr 1894 an.
2) Gemeint sind Adalbert Matkowsky (1857–1909) und Josef Kainz (1858–1910)
Link: 3) Wikipedia, 4) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) Murnau Stiftung
7) Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films
Lizenz Foto Anton Pointner (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, film.at)
Stummfilme
  • 1911: Halbwelt (→ early cinema)
  • 1911: Lebensfreude  (→ early cinema)
  • 1915: Der Todesritt auf dem Riesenrad (→ early cinema)
  • 1917/18: Wenn die Liebe auf den Hund kommt (→ early cinema)
  • 1918: Beethovens Lebensroman
  • 1920: Die Schlange mit dem Mädchenkopf
  • 1921: Die Liebschaften des Hektor Dalmore (→ stummfilm.at)
  • 1921: Lady Hamilton (→ stummfilm.at)
  • 1921: Die Abenteuerin von Monte Carlo
    • Teil 1: Die Geliebte des Schahs
    • Teil 2: Marokkanische Nächte
    • Teil 3: Der Mordprozess Stanley
  • 1923: Die Sonne von St. Moritz
  • 1923: Das Geheimnis des Renngrafen
  • 1923: Erdgeist (→ stummfilm.at)
  • 1923: Die Frau mit den Millionen
    • Teil 1. Der Schuss in der Pariser Oper
    • Teil 2: Der Prinz ohne Land
    • Teil 3: Konstantinopel – Paris
  • 1923: Der zweite Schuss
  • 1923: Das Geheimnis des Renngrafen
  • 1923: Frauenmoral
  • 1924: Die Marionetten der Fürstin
  • 1924: Nelly, die Braut ohne Mann
  • 1924: Thamar, das Kind der Berge
  • 1924: Der Matrose Perugino
  • 1925: Der Fluch
  • 1925: Der Flug um den Erdball
    • Teil 1: Paris bis Ceylon
    • Teil 2: Indien, Europa
  • 1925: Das Geheimnis der alten Mamsell
  • 1925: Der Trödler von Amsterdam
  • 1925: Freies Volk
  • 1926: Der Bankkrach unter den Linden
  • 1926: Der Mann aus dem Jenseits / Feldgrau
  • 1926: Der dumme August des Zirkus Romanelli
  • 1926: Die drei Mannequins / Die drei Probiermamsells
  • 1926: Die dritte Eskadron
  • 1926: Im weißen Rößl (→ stummfilm.at)
  • 1926: Als ich wiederkam
  • 1927: Der Fahnenträger von Sedan / Feinde von Gestern
  • 1927: Die Sporck'schen Jäger
  • 1927: Gauner im Frack
  • 1927: Liebeshandel / Agentur Übersee
  • 1927: Die Hochstaplerin
  • 1927: Kopf hoch, Charly!
  • 1927: Das Meer / Insel der Leidenschaft
  • 1927: Acht Akte aus dem Leben lediger Leute
  • 1927: Arme kleine Sif / Sif, das Weib, das den Mord beging
  • 1927: Funkzauber / Ein Volksstück von 
    der Liebe und des Rundfunks Wellen
  • 1927: Maria Stuart (2 Teile)
  • 1928: Der Sprung ins Glück
  • 1928: Der alte Fritz, Teil 2: Ausklang
  • 1928: Frau Sorge
  • 1928: Liebe und Diebe / Die Hotelratte
  • 1928: Sensations-Prozess
  • 1928: Charlott etwas verrückt
  • 1928: Das Karussell des Todes
  • 1928: Liebe im Kuhstall
  • 1928: Sechzehn Töchter und kein Papa
  • 1928: Dornenweg einer Fürstin
  • 1928: Fünf bange Tage
  • 1928: Geschlecht in Fesseln / Sexualnot der Gefangenen
  • 1929: Aus dem Tagebuch eines Junggesellen
  • 1929: Das brennende Herz
  • 1929: That Murder in Berlin
  • 1929: Held aller Mädchenträume
  • 1929: Der lustige Witwer
  • 1929: Solang' noch untern Linden…
  • 1929: Die Halbwüchsigen
  • 1929: Spiel um den Mann
  • 1929: Vater und Sohn
  • 1929: Geheimpolizisten
  • 1929: Erpresser
  • 1930: Der Detektiv des Kaisers (mit Tonverfahren)
  • 1930: Die Frau ohne Nerven
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