Der Schauspieler und Kabarettist mit dem international klingenden Namen Bobby Todd erblickte am 22. Juni 1904 als Hans Karl Rohrer in Hinterzarten (Südschwarzwald) das Licht der Welt. Der Sohn eines Arztes studierte nach seinem Schulabschluss zunächst in München mehrere Semester lang Medizin sowie Theaterwissenschaften, fühlte sich dann jedoch zur Schauspielerei hingezogen und brach die Studien ab. Erste Erfahrungen vor der Kamera sammelte er in der von Norman Dix in Szene gesetzten stummen, heiteren Geschichte "Miss Evelyne – die Badefee"1) (1929), der von der "Deutschen Reichsbahn" als Werbefilm für das Heilbad Reichenhall im Verkehrsmuseum Nürnberg produziert worden war. "Der 71-minütige Stummfilm war der erste Werbefilm der Reichsbahn mit einer inhaltlichen Handlung und sollte für Bahnreisen nach Bad Reichenhall werben. Darin wird unterhaltsam über die Reise der amerikanischen Millionärstochter Miss Evelyne berichtet, die in den goldenen zwanziger Jahren im mondänen Heilbad Bad Reichenhall Urlaub macht und für einige Turbulenzen unter den männlichen Kurgästen sorgt."2) Bobby Todd tauchte hier neben Titelheldin Pilar Munza als Ritter Karlheinz von und zu Dax auf, als Kurarzt sah man unter anderem Leo Peukert.
Doch dies sollte zunächst ein erster Kontakt mit der Filmszene bleiben, stattdessen wandte sich Todd dem Kabarett zu und trat ab 1930 mit seinen Freunden Helmut Käutner3) (1908 – 1980), Kurd E. Heyne3) (1906 – 1961) und dem Pianisten bzw. Komponisten Werner Kleine3) (1907 – 1980) in Revuen auf. Wenig später gründete das Quartett in München das Kabarett "Die vier Nachrichter"3) (in Anlehnung an die legendären "Elf Scharfrichter"3) um Frank Wedekind), das erste abendfüllende Programm hieß Ende Juli 1930 "Die Sonderbar". Zwischen 1932 und 1935 ging das Ensemble in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee und war mit Programmen wie "Hier irrt Goethe!"3) (1932), "Der Esel ist los" (1933) – hier machten sie mit glossierende Bemerkungen zur Machtübernahme der Nationalsozialisten von sich reden – oder die Parodie auf die Hochflut der Kriminalromane mit dem Titel "Die Nervensäge" (1934) auch außerhalb Münchens sehr erfolgreich. Die Popularität hatte sich mit "Hier irrt Goethe" eingestellt, Einladungen in renommierte Theater, Gastspiele außerhalb Münchens, begeisterte Rezensionen – unter anderem auch durch den einflussreichen Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr – sowie ein gemeinsamer Cameo-Auftritt als singende Matrosen bei dem Tonfilm "Kreuzer Emden"1) (dies war übrigens für den späteren Filmregisseur Käutner der erste Kontakt zum Film) waren die Folgen des durchschlagenden Erfolgs der Operettenparodie. Nachdem die Plattenfirma "Telefunken" den Kabarettisten einen Exklusivvertrag angeboten hatte, folgten auch eine Reihe von meist musikalischen Plattenaufnahmen. notiert Wikipedia.
 
Den Nationalsozialisten war die Gruppe ein Dorn im Auge, als "zersetzend und destruktiv" eingestuft, musste sie sich am 1. Oktober 1935 auflösen. Bobby Todd wurde von den braunen Machthabern als politisch unberechenbar eingestuft und als "nicht-arisch" klassifizierter Kabarettist mit einem Berufsverbot belegt. Das geplante "Nachrichter"-Programm bzw. die als Kabarettrevue angelegte Posse "Der Apfel ist ab"3) blieb zunächst unaufgeführt, gelangte dann jedoch 1938/39 als Einakter gekürzt auf die Bühne des "Kabaretts der Komiker", nach dem Krieg wurde der Stoff von Käutner verfilmt.
Bobby Todd verließ Deutschland und emigrierte 1936 nach Italien bzw. Rom, wo er als Produktions-Assistent beim Film Fuß fassen konnte. Als Darsteller erhielt er in Carmine Gallones freien "Madame Butterfly"-Verfilmung "Premiere der Butterfly" (1939, Il sogno di Butterfly) mit Maria Cebotari in der Hauptrolle einen kleinen Part als Inspizient. Einen nächsten Auftritt hatte er erst wieder in der noch vor 1945 begonnenen österreichisch-italienischen Produktion "Im Banne des Monte Miracolo" (1945, Monte Miracolo), bei der Luis Trenker als Regisseur verantwortlich zeichnete und als Hauptdarsteller in Erscheinung trat.
 
Nach Kriegsende kam Bobby Todd nach Deutschland zurück und fand ab 1947 zunächst bei "Radio München" als Abteilungsleiter des Unterhaltungsressorts Beschäftigung. Bald konnte er sich wieder in der Kabarett-Szene etablieren und begann auch als Filmschauspieler zu arbeiten. Als Helmut Käutner das Kabarett-Programm "Der Apfel ist ab"1) (1948) zur Filmparodie umschrieb, beteiligte sich Todd am Drehbuch und übernahm die Hauptrolle des Apfelsaftfabrikanten Adam Schmidt, der in seiner Phantasie noch einmal die biblische Geschichte durchlebt. Der Film kam jedoch beim Publikum und bei der Kritik nicht an, Käutners gemeinsam mit Helmut Beck im März 1946 gegründete Produktionsfirma "Camera-Filmproduktion GmbH" musste nach einem weiteren Misserfolg (1950, "Königskinder"3)) Bankrott anmelden.
Bobby Todd zeigte sich in den nachfolgenden Jahren in etlichen Unterhaltungsfilmen und übernahm oftmals prägnante Nebenrollen. Unter anderem präsentierte sich der hagere Mime mit den markanten Gesichtszügen als (harmloser) Gauner "Taschen-August" in Géza von Cziffras Krimikomödie "Gefährliche Gäste"1) (1949) neben Wolf Albach-Retty als charmantem, aber verarmtem Playboy, oder als Kammerherr von Kleewitz in der Heimat-Schmonzette "Hochzeitsglocken" (1954; Regie: Georg Wildhagen) mit Marianne Hold. Mehrfach stand er mit prägnanten Figuren für Kinder- bzw. Märchenfilme vor der Kamera, mimte in der von Jürgen von Alten inszenierten Gebrüder Grimm-Adaption "Tischlein deck dich"3) (1956) den Schneider, dessen Ziege für ihn wichtiger ist, als seine drei Söhne. Ebenfalls als Schneider kam er in Erich Koblers Verfilmung "Die Heinzelmännchen"3) (1956) daher, der ihn als Bauern Veit auch in "Rübezahl – Herr der Berge"3) (1957) besetzte.
Auftritte in Erfolgsproduktionen wie "Monpti"3) (1957) und "Der Schinderhannes"3) (1958) gehören zu Bobby Todds Filmografie, eine schöne Nebenrolle war die des "Maitre de plaisir" in Helmut Käutners Kostüm-Komödie "Das Glas Wasser" (1960 → film.at), die Käutner nach dem Lustspiel "Un verre d'eau" von Eugène Scribe mit Liselotte Pulver (Königin Anna von England) und Gustaf Gründgens (Lord Bolingbroke) in Szene gesetzt hatte. Letztmalig übernahm Bobby Todd eine Aufgabe in dem Wallace-Krimi "Die toten Augen von London"3) (1961; Regie: Alfred Vohrer) und spielte den Lew Norris, Freund des unter Mordverdacht stehenden blinden Jack (Ady Berber).
Gelegentlich sah man ihn auch im Fernsehen, so unter anderem als Tanzmeister Despréaux in John Oldens Victorien Sardou-Adaption "Madame Sans-Gêne" (1960) mit Inge Meysel in der Titelrolle oder in dem humorvollen Vierteiler "Die merkwürdigen Erlebnisse des Hansjürgen Weidlich" (1963) mit Ralf Wolter als Titelheld.
 
Seinen Lebensabend verbrachte Bobby Todd in Italien, bereits 1962 hatte er Deutschland den Rücken gekehrt. Der vielseitige Künstler, der vor allem die Kabarettszene der beginnenden 1930er Jahre nachhaltig prägte, starb am 7. September 1980 im Alter von 76 Jahren in Turin. Sein Nachlass mit unter anderem Rollen- und Szenenfotos, Programmheften, Besetzungszetteln, Zeitungsausschnitten und Material zu der Kabarettgruppe "Die vier Nachrichter" wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet → www.adk.de.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia
Siehe auch den Artikel zu "Die vier Nachrichter" bei grammophon-platten.de
Ein Foto von Bobby Todd bei www.virtual-history.com
*) Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945" (Metropol, Berlin 2008, S. 344)
Link: 1) filmportal.de, 3) Wikipedia
2) Quelle: Deutsche Bahn AG
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
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