Hilde Seipp fotografiert von Alexander Schmoll (18801945); Quelle: www.cyranos.ch Die Sängerin und Schauspielerin Hilde Seipp wurde am 28. Oktober 1909 in Berlin geboren. Die Tochter des Werkmeisters Wilhelm Seipp und dessen Frau Alma begann ihre sängerische Karriere im Berliner Opernchor, verzeichnete dann als Solistin ab Mitte der 1930 Jahren erste Erfolge beim Kabarett und in Musikrevuen. Beispielsweise begeisterte sie in der Revue "Ein Kuss reist um die Welt", welche am 19. Februar 1939 in der "Deutschlandhalle" am Funkturm in Berlin-Charlottenburg mit Publikumslieblingen wie Gretl Theimer1), Rudolf Platte1) und Aribert Mog1) Premiere feierte; die Musik komponierte Josef Rixner2), als Gesangsgruppe erlebte man auch die "Melodisten"2).
Erste Kontakte zum Film hatte die attraktive Künstlerin geknüpft, indem sie Schauspieler-Kolleginnen ihre schöne Stimme in musikalischen Tonfilmen lieh, so wurde sie auch für das von Willi Forst in Szene gesetzte Melodram "Mazurka"3) (1935) engagiert, um die Gesangspartien für den einstigen Stummfilmstar Pola Negri1) zu übernehmen. Die Musik hatte unter Verwendung fremder Kompositionen Peter Kreuder2) beigesteuert, der Hilde Seipp als geeignet ansah, die hohen Töne für die Lieder "Ich spür in mir" und "Mazurka" zu meistern.
 
Hilde Seipp fotografiert von Alexander Schmoll2) (1880 – 1945)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
"Die Aufnahmen waren sehr kompliziert" schildert Kreuder die Dreharbeiten zu "Mazurka": "Albrecht Schoenhals dirigierte ein stummes Orchester, hinter der Kamera dirigierte ich das große Symphonie-Orchester, das wirklich spielte. Auf der Bühne stand Pola Negri – seitwärts von ihr Hilde Seipp. Die ersten dunklen Töne sang Pola selbst: "Ich spür in mir, ich fühl in mir das wilde heisse Blut"… Aber "Blut" ging bereits über einen bestimmten Ton hinauf, den Pola nicht erreichen konnte. Also machte sie nur den Mund auf und Hilde Seipp setze ein "Blut". In dieser Form wurde "Mazurka" aufgenommen – ein Film, der die Welt eroberte.4) "Obwohl das nicht publik gemacht und auch nicht in den Filmrezensionen erwähnt wurde, machte ihr Name in der Musikbranche die Runde. Dabei kam sie mit dem Filmgeschäft in Kontakt und erhielt nun auch Engagements als Schauspielerin." notiert Wikipedia.
So wurde sie mit eine kleinen Part in dem Kassenschlager "Amphitryon"2) (1935; Regie: Reinhold Schünzel) betraut, einen ersten größeren Auftritt hatte sie in dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen" zählenden NS-Propagandastreifen "Togger"2) (1937). In diesem, im Zeitungsmilieu angesiedelten Drama präsentierte sie sich an der Seite der Protagonisten Paul Hartmann, Renate Müller und Mathias Wieman als verschwenderische Sängerin Maria de Costa und trällerte unter anderem die Lieder "Ich bin in das Leben verliebt" und "Die Liebe ist ein Spiel mit dem Feuer". Regie führte Jürgen von Alten2) (1903 – 1994), aus der beruflichen Zusammenarbeit ergab sich eine private Beziehung, am 22. Mai 1937 heiratete das Paar in Berlin.
 
Jürgen von Alten besetzte seine Frau erneut als Sängerin bzw. verführerische Ehefrau des Kapitän Holm (Paul Westermeier), die in dem melodramatischen Abenteuer "Heimweh"5) (1937) zur Gangsterbraut mutiert und den rechtschaffenden Matrosen Christof Peleikis (Gustav Knuth) ins Unglück stürzt; aus diesem Film stammt der Schlager "Das große Glück gesucht". Als von Alten Gerhart Hauptmanns Diebeskomödie "Der Biberpelz"3) (1937) werkgetreu nach dem Drehbuch von Georg C. Klaren2) unter anderem mit Heinrich George als Baron von Wehrhahn, Ida Wüst als Auguste Wolff und Rotraut Richter als Adelheid in Szene setzte, tauchte Hilde Seipp einmal mehr als Sängerin auf.
1938 folgten Auftritte in drei Kurzspielfilmen, erst 1943 zeigte sich die Künstlerin wieder in einer abendfüllenden Kinoproduktion. Unter der Regie von Robert A. Stemmle trat sie in dem satirischen Lustspiel "Johann"5) als vermeintliche Diebin bzw. Gräfin Alice von Heiningen neben Theo Lingen auf, der als Autor für die turbulente Geschichte verantwortlich zeichnete und in der Doppelrolle des dienstfertig-diskreten Kammerdieners Johann bzw. des angehenden Hotelbesitzers Hans Pietschmann glänzte. Nach Erich Engels Revue-Streifen "Es lebe die Liebe"2)  (1944) und der Rolle der Sängerin Fritzi Lindner, die für den erkrankten Revue-Star Manuela del Orta (Lizzi Waldmüller) an der Seite des berühmten Tenors Manfred Richter (Johannes Heesters) einspringt, beendete Hilde Seipp zunächst ihre kurze, wenn auch intensive Leinwandkarriere. Erst Jahre nach Kriegsende ließ sie sich für die parodistische Gangster-Komödie "Die Sterne lügen nicht" (1950) von ihrem Mann noch einmal vor die Kamera locken und übernahm neben Publikumslieblingen wie Magda Schneider, Carl-Heinz Schroth oder Hubert von Meyerinck den kleinen Part einer Operettensängerin. Danach zog sie sich endgültig vom Filmgeschäft bzw. aus der Öffentlichkeit zurück.
 
Als Leinwanddarstellerin ist Hilde Seipp nahezu in Vergessenheit geraten, als Schlager-Interpretin sind etliche ihrer Titel der 1930er Jahre jedoch bis heute recht populär und auf Schallplatte (bzw. neuerdings "You Tube") der Nachwelt erhalten geblieben. Zu ihren erfolgreichsten Stücken zählen das Tangolied "Nachts, ging das Telefon" (Text und Musik: Willi Kollo) und "Schön war die Zeit" (Musik: Peter Kreuder) aus dem Film "Serenade" (1937) oder das Lied "Das ist der Can Can von Paris".
 
Hilde Seipp starb am 4. November 1999 – eine Woche nach ihrem 90. Geburtstag – in der Gemeinde Lilienthal bei Bremen, wo sie lange Jahre mit ihrem Ehemann Jürgen von Alten, der bereits am 28. Februar 1994 von ihr gegangen war, gelebt hatte.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch
Ein Foto bei www.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) filmportal.de, 5) Murnau Stiftung
4) Quelle: peter-kreuder.de
Lizenz Foto Hilde Seipp (Urheber: Alexander Schmoll): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
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Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia)
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