Marianne Simson wurde am 29. Juli 1920 als Marianne Lena Elisabeth Clara Simson in Berlin geboren. Die Tochter des Versicherungsangestellten John Eduard Simson (1885 – 1945) und dessen Frau Frida (1888 – 1979) war die jüngere Schwester des SPD-Politikers Helmut Simson1) (1916 – 2013), der zwischen 1974 und 1976 das Amt des Oberbürgermeisters in Wolfsburg (Niedersachsen) inne hatte und Ehrenbürger der Stadt war.
Marianne Simson absolvierte eine Ausbildung in klassischem Tanz bei dem Balletttänzer bzw. Tanzpädagogen Victor Gsovsky1) (1902 – 1974), erhielt 1935 ein erstes Engagement in Berlin am "Theater am Nollendorfplatz" (heute: Neue Schauspielhaus). Im darauffolgenden Jahr wechselte sie als Tänzerin an das "Deutsche Opernhaus" (heute: Deutsche Oper Berlin), seit 1939 wirkte sie am "Preußischen Staatstheater" (heute: Schauspielhaus Berlin) bei Intendant Gustaf Gründgens.
Parallel zu ihrer Bühnenkarriere knüpfte die schöne Blondine Kontakte zum Film, gab ihr Leinwanddebüt als Schauspielerin in dem von Willi Krause (Pseudonym "Peter Hagen") in Szene gesetzten Drama "Friesennot"1) (1935), einem "platt naturalistisch aufgezogenen NS-Tendenzstück, dessen Polemik gegen "Artfremde" seinerzeit als "staatspolitisch besonders wertvoll" belobigt wurde" wie das "Lexikon des internationalen Films" (1987) im 2. Band (S. 1140) notiert. Der Streifen zählt bis heute zu den sogenannten "Vorbehaltsfilmen"1), die nicht für den allgemeinen Vertrieb freigegeben sind bzw. nur mit Zustimmung und unter den Bedingungen der "Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung"1) gezeigt werden dürfen.
 
Ab Ende der 1930er Jahre stand Marianne Simson dann regelmäßig vor der Kamera, spielte bis auf wenige Ausnahmen meist prägnante, für die Handlung unverzichtbare Nebenfiguren. So wurde sie von Peter Paul Brauer in der Komödie "Das Verlegenheitskind"1) (1938) besetzt und mimte die Tochter des Gärtnereibesitzers Jupp Spriestersbach (Josef Sieber), die dem Sohn (Paul Klinger) des Weinbauern Peter Vierköttel (Ludwig Schmitz) versprochen ist, aber den Junggärtner Bock (Werner Stock) liebt. In Robert A. Stemmles Propagandastreifen bzw. Abenteuer "Mann für Mann"1) (1939) präsentierte sie sich als Tänzerin, im gleichen Jahr als Titelheldin in Carl Heinz Wolffs Verfilmung des Grimm'schen Märchens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1939) neben Elisabeth Wendt als böse Stiefmutter und Walter Kynast als König, der in den Krieg zieht, um sein Land zu verteidigen. "Die Propagandamaschine der Nazis machte auch vor den Kleinsten nicht halt. Systematisch trimmte die deutsche Filmindustrie Kindergeschichten auf Linie – das Umschreiben der Klassiker trieb dabei oft abstruse Blüten. (…) Auch "Schneewittchen und die sieben Zwerge" von 1939 – das deutsche Realfilm-Pendant zu Disneys "Snow White and the Seven Dwarfs" (1937) – wurde der Gegenwart angepasst. Obwohl bei den Brüdern Grimm Schneewittchens Vater keine tragende Rolle spielt, hatte er im NS-Märchenfilm seinen großen Auftritt: Er zog als oberster Heerführer mit seinen Soldaten in den Krieg. Die Uraufführung das Märchenfilms fand im Oktober 1939 statt – nur einen Monat nach Deutschlands Angriff auf Polen."2)
 
Es folgten weitere, überwiegend propagandistisch gefärbte Kinoproduktionen, in denen Marianne Simson einmal mehr auch ihre Tanzkünste zeigte wie in Erich Engels Krimi "Zentrale Rio"3) (1939). In der von Gustaf Gründgens inszenierten turbulenten Verwechslungskomödie "Zwei Welten"3) (1940), nach 1945 nur wegen des NS-Prädikats "künstlerisch wertvoll" von der Alliierten Militärregierungen verboten, war sie die junge, auf einem Rittergut lebende Agnes, die sich zusammen mit Schwester Brigitte (Antje Weißgerber) über die Erntehelfer Hans Schulz (Joachim Brennecke) und Werner von Rednitz (Max Eckard) freut. Mit dem Biopic "Die schwedische Nachtigall"1) (1941; Regie: Peter Paul Brauer) wurde die Geschichte der tragischen Liebe des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen1) (Joachim Gottschalk) zu der gefeierten Sängerin Jenny Lind1) (Ilse Werner) erzählt; hier verkörperte Marianne Simson die Karin Nielsson, Freundin der Titelheldin. Auch die von Volker von Collande für Frontsoldaten gedrehte amüsante Urlaubs-Geschichte "Zwei in einer großen Stadt"1) (1942) sollte die düsteren Kriegswirren vergessen machen, erneut tauchte Simson als Freundin der weiblichen Hauptdarstellerin (Monika Burg, alias Claude Farell) auf. Von Herbert Maisch wurde sie als Tochter von Andreas Schlüter (Heinrich George) in der gleichnamigen Filmbiografie1) (1941) besetzt, mit dem das Leben des spätbarocken Baumeisters Andreas Schlüter1) portraitiert wurde. Wenig später erfreute Marianne Simson in dem im flandrischen Dorf- und Kaufmannsmilieu des 18. Jahrhunderts angesiedelten Schwank "Das Bad auf der Tenne"1) (1943; Regie: Volker von Collande) das Publikum als Jungmagd Nina, die bei dem Bürgermeister von Terbrügg (Will Dohm) beschäftigt ist. Auch wenn Propagandaminister Goebbels die Produktion damals als "ordinären Bauernfilm" abqualifizierte, tat dies dem Erfolg an den Kinokassen keinen Abbruch.
Ein weiterer Film mit Marianne Simson war Paul Verhoevens Familienkomödie "Ein glücklicher Mensch"3) (1943), wo sie als reiche Braut des Rennstallbesitzers Philipp (Viktor de Kowa) überzeugen konnte, der wie seine Geschwister von seinem Vater Professor Lorenz (Ewald Balser) finanziell unterstützt wird. Doch bald gerät der "glückliche Mensch" Lorenz in Geldnöte …
 
Die nachhaltig bekannteste Rolle von Marianne Simson ist wohl die Figur der Frau im Mond in Josef von Bákys starbesetztem, opulent gedrehten Abenteuer "Münchhausen"1) (1943), dem dritten abendfüllenden deutschen Farbfilm mit Hans Albers in der Rolle des Lügenbarons. Erfolge feierte sie auch mit Carl Froelichs aufwendigen Literaturadaption "Familie Buchholz"1) (1944) bzw. der Fortsetzung "Neigungsehe"1) (1944), in Szene gesetzt nach der Familienchronik "Die Familie Buchholz" von Julius Stinde1) aus dem Jahre 1884 mit dem einstigen Stummfilmstar Henny Porten als der Berliner Hausfrau Wilhelmine Buchholz und Paul Westermeier als deren Ehemann Carl. Hier konnte Marianne Simson als beider Tochter Emmi punkten, die von den Eltern in "Familie Buchholz" wie Schwester Betti (Käthe Dyckhoff) unter die Haube gebracht werden soll, und mit dem Lied "Ich sende diese Blumen dir" konnte sie auch ihr gesangliches Talent unter Beweis stellen. In "Neigungsehe" ist Emmi nun inzwischen mit dem Frauenarzt Dr. Franz Wrenzchen (Gustav Fröhlich) verheiratet und Mutter von Zwillingen, Schwester Betti sorgt mit ihrer Liebesbeziehung zu dem Kunstmaler Holle (Albert Hehn) für Turbulenzen in der standesbewussten Familie.
Die von Günther Rittau noch in den letzten Kriegtagen 1945 gedrehte Komödie "Eine alltägliche Geschichte"3) mit Gustav Fröhlich als Partner wurde erst 1948 von der DEFA fertiggestellt und gelangte am 26. November 1948 in die Lichtspielhäuser. Werner Klingers heitere Geschichte "Dr. phil. Döderlein"3) (1945) mit Heinrich George in der Titelrolle eines Studienrates blieb unvollendet.

Die Künstlerin zeigte schon früh eine Affinität für die Ideale bzw. totalitären Ziele der NS-Politik, trat bereits 1935 dem "Bund Deutscher Mädel"1) (BDM) bei, 1943 stellte sie einen Antrag auf Mitgliedschaft in der "NSDAP", der jedoch abgelehnt wurde. Ihre Verstrickung in das NS-Regime bzw. ihre "Rolle während des 2. Weltkriegs waren von Gerüchten geprägt, so soll sie eine Gespielin von Joseph Goebbels gewesen sein." vermerkt www.cyranos.ch. Im Juli 1944 denunzierte Marianne Simson Fritz Goes, einen damaligen Major der Wehrmacht, bei der Gestapo, da er sich in ihrer Gegenwart positiv zum Attentat auf Hitler geäußert habe. Goes wurde anschließend drei Monate lang in der Gestapo-Haft misshandelt. In der Vernehmung durch den SS-Obersturmbannführer Karl Radl (Adjutant von Otto Skorzeny1)) und in der Gerichtsverhandlung vor einem Sondergericht des Heeres hielt sie an ihrer Aussage fest, die aber als unglaubwürdig bewertet wurde: Aussagen u.a. von Victor de Kowa, Anneliese Uhlig, dem Filmproduzenten Herbert Engelsing und General Jesco von Puttkamer sorgten für den Freispruch des Angeklagten. Simson beschwerte sich in der Folge noch bei Joseph Goebbels, dass ihrer Denunziation nicht geglaubt wurde.4)
Wenige Tage nach Kriegsende wurde die Tänzerin bzw. Schauspielerin im Mai 1945 zusammen mit ihren Eltern von den Russen bzw. dem sowjetischen Geheimdienst NKWD1) (Operative Gruppe Charlottenburg) inhaftiert, der Vorwurf lautete, Mitarbeiter der Gestapo gewesen zu sein. Die Familie wurde in das "Speziallager Nr. 5"1) am südlichen Stadtrand von Ketschendorf (heute Fürstenwalde/Spree) verbracht, wo Marianne Simsons Vater im Juli 1945 verstarb. Im Januar 1947 wurde sie in das "Speziallager Jamlitz"1) (Speziallager Nr. 6) bei Lieberose verlegt, drei Monate später in das "Speziallager Nr. 1"1) nahe Mühlberg/Elbe, im September 1948 erfolgte eine weitere Verlegung in das "Speziallager Nr. 2"1) auf dem Gelände des ehemaligen KZs Buchenwald bei Weimar. 1950 verurteilte man sie im Rahmen der "Waldheimer Prozesse"1) zu acht Jahren Zuchthaus, 1952 gehörte sie zu dem Personenkreis, der im Zuge einer allgemeinen Amnestie anlässlich des 3. Gründungstages der DDR vorzeitig entlassen wurde → Artikel "Geschichten zwischen Gestapo-Keller und Buchenwald" zum Fall "Goes" bei www.welt.de.
 
Marianne Simson ließ sich in der Bundesrepublik nieder und versuchte, als Künstlerin wieder Fuß zu fassen. Ein Engagement an der "Württembergischen Landesbühne Esslingen" bedeutete den erneuten Einstieg in ihre unterbrochene Karriere. Sie wirkte zudem – vornehmlich als Tanz-Choreographin – am Theater "Die Insel" in Karlsruhe, einer Außenspielstätte des "Badischen Staatstheaters". Nach ihrem Umzug ins niedersächsische Oldenburg arbeitete sie am dortigen "Staatstheater", ging darüber hinaus Gast-Verpflichtungen am "Stadttheater Konstanz" ein. Vor der Kamera war sie nur noch einmal aktiv, übernahm einen kleinen Part in der Episode "Sergeant Cuff kann den Mondstein nicht finden" (EA: 30.04.1955) aus der Krimi-Reihe "Die Galerie der großen Detektive"5).
 
Marianne Simson starb – rund zwei Wochen vor ihrem 72. Geburtstag – am 15. Juli 1992 im bayerischen Füssen (Allgäu). Anfang der 1970er hatte sie sich als Leiterin des Projektes "Freiwilliges Soziales Jahr" im Paritätischen Wohlfahrtsverband Schwaben-Allgäu engagiert.
Sie war mit dem Intendanten Wilhelm List-Diehl (1915 – 1992) verheiratet, der zwischen 1953 und 1963 die "Württembergische Landesbühne Esslingen", zwischen 1963 und 1968 das "Oldenburgische Staatstheater" sowie anschließend bis Ende Juni 1980 das "Stadttheater Konstanz" leitete.
Als Tänzerin erlangte sie nachhaltigen Ruhm: Lore Friedrich-Gronau1) (1908 – 2002) entwarf 1941 (Ausformung nach 1957) für die Kunstabteilung der "Rosenthal AG"1) im Rahmen der Reihe "Porzellan-Figuren nach dem lebenden Modell" eine 33,5 cm große, in Pastelltönen bemalte Figur, welche Marianne Simson als Ballerina zeigt; am Boden ist das unterglasurgrüne Firmensignet sowie der Name der Dargestellten angebracht.

Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 5) Die Krimihomepage
2) Quelle: Spiegel Online-Artikel: "NS-Propaganda: Einmarsch ins Märchenreich" von Ron Schlesinger
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen 09.11.2013) nach: Leserbrief von Fritz Goes an die "Berliner Illustrierte"(1953)  → Abdruck 
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
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