Der am 15. Mai 1909 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm geborene Rolf von Nauckhoff besuchte in Stockholm die "Königliche Akademie der freien Künste"1) (Kungliga Akademien för de fria konsterna) sowie zwischen 1933 und 1935 die Kunstakademie in Göteborg, da er sich zur Malerei hingezogen fühlte. Parallel dazu nahm er bereits in den 1920er Jahren privaten Schauspielunterricht und stand schon während seiner Studien auf der Bühne, schließlich entschied er sich ganz für die "Bretter, die die Welt bedeuten". Er begann am Stadttheater in Göteborg, erhielt dann von Theaterstar Gösta Ekman2) ein Angebot, an dessen "Vasa-Theater" in Stockholm zu spielen. Rasch erwarb sich Rolf von Nauckhoff einen Ruf als Charakterdarsteller, der sowohl als jugendlicher Liebhaber als auch mit komischen Rollen zu überzeugen wusste.
Erste Erfahrung vor der Kamera sammelte der Schauspieler noch in seinem Heimatland mit einer kleinen Rolle in dem Film "Johan Ulfstjerna" (1936), ein von Gustaf Edgren inszeniertes Drama mit Gösta Ekman in der Titelrolle. Wenig später verließ von Nauckhoff Schweden und setzte in Deutschland bzw. Österreich seine Karriere fort – Sprachschwierigkeiten bestanden nicht, hatte er doch mit seinem Vater, einem schwedischen Konsul, mehrere Jahre in Lübeck gelebt. Er wirkte an Theatern in Wien und Berlin und konnte auch in der Filmszene Fuß fassen. So erhielt er von Heinz Rühmann2) in dessen ersten Regiearbeit, der Komödie "Lauter Lügen"3) (1938), den Part eines Rechtsanwaltes, spielte mit Rühmann in der von Kurt Hoffmann in Szene gesetzten heiteren Geschichte "Hurra! Ich bin Papa!"1) (1939) und mimte dessen Freund. Mit Rühmann verband von Nauckhoff nicht nur eine berufliche Beziehung: Der populäre Heinz Rühmann war seit Anfang August 1924 mit der vier Jahre älteren Theaterschauspielerin Maria Bernheim (1897 – 1957; Künstlername: Maria Herbot) verheiratet, die Ehe des ungleichen Paares galt jedoch in den letzten Jahren als zerrüttet, am 19. November 1938 erfolgte, auch auf Drängen der Nationalsozialisten, in beiderseitigem Einvernehmen die Scheidung. Die Situation der einstigen Schauspielerin mit jüdischen Wurzeln drohte im Nazi-Deutschland zunehmend gefährlicher zu werden, zu ihrem Schutz wurde wenig später eine Scheinehe mit dem die schwedische Staatsbürgerschaft besitzenden, zwölf Jahre jüngeren Rolf von Nauckhoff eingefädelt und Maria Bernheim konnte als Maria von Nauckhoff zunächst weiterhin unbehelligt in Berlin leben. Die Verbindung mit von Nauckhoff endete 1942 vor dem Scheidungsrichter, mit Rühmanns Hilfe und ihrem schwedischen Pass reiste Maria von Nauckhoff Ende März 1943 nach Stockholm aus. Rühmann selbst hatte bereits am 1. Juli 1939 die Schauspielerin Herta Feiler2) geheiratet, unterstützte seine Ex-Ehefrau jahrelang noch finanziell.
 
Rolf von Nauckhoffs Filmkarriere war durch den 2. Weltkrieg zum Erliegen gekommen, erst Ende der 1940er Jahre trat er wieder in einer Kinoproduktion in Erscheinung und zeigte sich bis zu seinem Tod in etlichen, oftmals zu vernachlässigenden Unterhaltungsstreifen mit mehr oder weniger prägnanten Rollen. Zu einer seiner wenigen tragenden Filmfiguren zählt der Dr. Ernst Romberg, mit dem er in dem von Paul May und Georg Wilhelm Pabst realisierten antifaschistischen Film bzw. Gerichtsdrama "Duell mit dem Tod"4) (1949) nachhaltigen Eindruck hinterließ: Wegen eines Mordes, den er während des Krieges als SS-Offizier begangen haben soll, wird der Physik-Professor Ernst Romberg von den Amerikanern vor Gericht gestellt. Doch seine Geschichte und mit ihr der Blick auf die Vergangenheit erscheinen verworrener, als es den Richtern lieb ist. Denn Romberg war 1942 aus der deutschen Armee desertiert und hatte eine Widerstandsgruppe gegründet, die – getarnt als SS-Mitglieder – Häftlingen der Gestapo zur Flucht verhalf. Dann aber drohte die Gruppe aufzufliegen, und Romberg musste sich entscheiden zwischen dem Tod eines Unschuldigen und dem Leben jener, die er retten wollte. Wie andere Nachkriegsfilme des einst so kühlen Gesellschaftsanalytikers G. . Pabst, dreht sich auch "Duell mit dem Tod" um eine Anklage, um Selbstbefragung und Erklärungsversuche, Schuld und Sühne.5) → www.spiegel.de
 
Der Schauspieler war nicht auf ein spezielles Film-Genre festgelegt, verkörperte jedoch überwiegend Männer der Gesellschaft oder hochrangige Persönlichkeiten. So mimte er einen Pastor in Helmut Käutners Polit-Thriller "Epilog – Das Geheimnis der Orplid"1) (1950), einen Minister in František Cáps melodramatischem Krimi "Kronjuwelen"4) (1950) oder einen Arzt in der "lebensfremd konstruierten Kolportage"6) mit dem Titel "Frühlingsromanze" (1951) und dem populären Sänger bzw. Bassbariton Hans Hotter in der männlichen Hauptrolle. Als spendabler, wortgewandter und graumelierter Kunsthändler Thormann tauchte er in der Urlaubsromanze "Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein"1) (1953; Regie: Paul Martin) auf, präsentierte sich neben O. W. Fischer und Ruth Leuwerik in dem Melodram "Ein Herz spielt falsch"1) (1953) als Direktor Hersbach, schlüpfte in die Uniform eines SS-Unterführers in dem Spionagestreifen "Rittmeister Wronski"1) (1954) mit Willy Birgel als Titelheld.
Für Veit Harlan mimte der Mann mit den ausdrucksstarken Gesichtszügen den Inder Pahana in den beiden exotischen (kitschigen) Abenteuern "Sterne über Colombo"4) (1953) und "Die Gefangene des Maharadscha"4) (1954), 1962 gelangten die beiden Teile als Zusammenschnitt unter dem Titel "Die blonde Frau des Maharadscha"4) erneut in die Kinos. Er war der Leiter des Expeditionsteams Professor Danner in dem wegen seiner spärlich bekleideten Hauptdarstellerin (Marion Michael) Aufsehen erregenden Streifen "Liane, das Mädchen aus dem Urwald"1) (1956; Regie: Eduard von Borsody), eine Rolle, die er auch in der Fortsetzung "Liane, die weiße Sklavin"1) (1957; Regie: Hermann Leitner) übernahm. In den 1960er Jahren folgten eher untergeordnete Auftritte in Produktionen wie dem Zweiteiler "Herrin der Welt"1) (1960; Regie: Wilhelm Dieterle), dem Psychodrama "Begegnung in Salzburg"1) (1964; Regie: Max Friedmann) oder dem Krimi "Der Chef wünscht keine Zeugen" (1964). Verschiedentlich erhielt Rolf von Nauckhoff auch kleinere Aufgaben in internationalen Kinofilmen, so beispielsweise in der französisch-italienischen Produktion "Ich und die Kuh"1) (1959, La vache et le prisonnier) oder in dem preisgekrönten Drama "Frage Sieben"1) (1961, Question 7), einer von Regisseur Stuart Rosenberg inszenierten deutsch-amerikanischen Koproduktion. Zu seinen letzten Arbeiten vor der Kinokamera zählen das deutsch-italienische, triviale B-Movie "Das Rasthaus der grausamen Puppen"1) (1967; Regie: Rolf Olsen) sowie das Melodram "Gib mir Liebe" (1968), ein "schmuddelig-schwül konfektioniertes Frauenschicksal" wie das Filmlexikon notiert.
  
Neben seiner Bühnentätigkeit – Rolf von Nauckhoff spielte bis zu seinem Tod intensiv Theater in Städten der Bundesrepublik, zum Beispiel in Frankfurt/M und München – sowie der Arbeit für den Kinofilm war der Schauspieler seit Mitte der 1950er Jahre auch in verschiedenen Fernsehspielen und -serien auf dem Bildschirm präsent. Beispielsweise gehörte er zur Besetzung des TV-Dramas "Staatsbegräbnis" (1956; → Die Krimihomepage) und der Krimikomödie "Keine Angst vor der Hölle?" (1965; → Die Krimihomepage). Mehrfach übernahm er Episodenrollen in der Serie "Das Kriminalmuseum", zur Filmografie gehören in den 1960ern weiterhin Gastauftritte in den Krimiserien "Alarm in den Bergen", "Kommissar Freytag", "Die fünfte Kolonne" oder "Von Null Uhr Eins bis Mitternacht". Auch in dem spannenden Fünfteiler "Zu viele Köche" (1961; → Die Krimihomepage) hatte er als Arzt einen kleinen Part. Rolf von Nauckhoff war zudem sporadisch für das Hörspiel und die Synchronisation tätig, lieh unter anderem Carleton Young in "Die Glenn Miller Story"1) (1954) seine Stimme.
 
Rolf von Nauckhoff starb rund fünf Wochen nach seinem 59. Geburtstag am 25. Juni 1968 in München; über die Todesursache ist derzeit nichts bekannt.
Quelle: Wikipedia
Ein Foto bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 39 Murnau Stiftung, 4) filmportal.de
5) Quelle: www.dhm.de
6) Quelle: www.zweitausendeins.de
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
*) Einteilige Schnittfassung der Filme
"Sterne über Colombo" (1953) und "Die Gefangene des Maharadschas" (1954)
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