Die Schauspielerin Ria Jende zählt zu den Publikumslieblingen der Stummfilm-Ära, die wie etliche ihrer Kolleginnen vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Geboren wurde sie am 29. Oktober 1898 in der belgischen Hauptstadt Brüssel und kam Ende der 1910er Jahre nach Deutschland. Erste Versuche vor der Kamera startete sie in dem frühen Tonbild "Das Stelldichein der Verehrer" (1912; Regie: Manfred Noa) sowie bei der Berliner "Messters Projektions GmbH" mit dem kurzen Streifen "Problematische Naturen"1) (1913), von Hans Oberländer2) gedreht nach dem gleichnamigen vierbändigen Roman von Friedrich Spielhagen2) aus dem Jahre 1861.
Danach konzentrierte sich Ria Jende jedoch zunächst auf die Arbeit am Theater, soll laut eines Berichtes der kurzlebigen Filmpublikation "Die Filmhölle" (→ www.difarchiv.deutsches-filminstitut.de) auch als Assistentin einem Zauberkünstler zugearbeitet haben.
Sie wandte sich dann noch während des 1. Weltkrieges erneut dem Film zu, erschien in den nachfolgenden Jahren mit Hauptrollen in den Kriminalgeschichten, Melodramen und Komödien, die bei den Zuschauern äußerst beliebt waren, aus heutiger Sicht jedoch keine nachhaltigen Spuren in der Filmgeschichte hinterließen bzw. bedeutungslos blieben.
Als Stummfilmdarstellerin trat sie erstmals wieder für Viggo Larsen3) in Erscheinung, zeigte sich als dessen Partnerin in den von Larsen in Szene gesetzten Detektiv-Geschichten "Der graue Herr"1) (1917) und "Die blaue Mauritius"1) (1918) sowie in dem Lustspiel "Die Kunst zu Heiraten"1) (1918).

Foto: Ria Jende vermutlich 1919
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Ross-Karte Nr. 264/1; Quelle: Wikimedia Commons 
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Ria Jende vermutlich 1919; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder) (1888 – 1929); Ross-Karte Nr. 264/1; Quelle: Wikimedia Commons
Ria Jende; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Ross-Karte Nr. 264/2; Quelle: www.flickr.com Weitere Krimis waren unter anderen die von E. A. Dupont gedrehten Streifen "Der Teufel" (1918), "Die Japanerin"4) (1919) und "Das Geheimnis des Amerika-Docks"4) (1919) mit Max Landa3) als findigem Detektiv sowie das Abenteuer "Die Pantherbraut"1) (1919) mit Carl Auen3) als Detektiv Joe Deebs. Ria Jende wurde von den renommierten Regisseuren jener Jahre besetzt, beispielsweise mehrfach von Erik Lund2) und Paul Legband2). Für Legband war sie die weibliche Protagonistin in "Die Prinzessin von Urbino" (1919), "Der Fürst der Nacht" (1919) und "Die Kronjuwelen des Herzogs von Rochester" (1920), präsentierte sich hier an der Seite von Hans Albers3), mit dem sie auch in dem von ihrer eigenen Firma "Ria Jende-Film" produzierten Melodram "Madeleine" (1919; Regie: Siegfried Philippi) sowie in "Der Schuss aus dem Fenster" (1920), "Die Schlange mit dem Mädchenkopf" (1920; Regie: Rudolf Walther-Fein) und "Versunkene Welten" (1922; Regie: Siegfried Philippi) spielte. Als Partnerin des berühmten Alexander Moissi3) tauchte sie in dem Drama "Der Ring der drei Wünsche" (1918; Regie: Arthur Wellin) auf, präsentierte sich mit Georg Alexander3) als Titelheldin in einem weiteren Drama mit dem Titel "Nixchen" (1920; Regie: Paul Legband). Hier hatte sie bei den Dreharbeiten den Schriftsteller und Drehbuchautoren Franz W. Koebner kennengelernt, der angeblich ihr Ehemann werden sollte5); "Andere Quellen nennen einen gewissen F. W. Boecker als Gatten" notiert Wikipedia laut "Filmstern" (1922. S. 43) und führt weiter aus: "Dies dürfte jedoch ein Verständnisfehler des "Filmstern" sein, denn es existiert ein Franz W. Koebner, der Regisseur und Drehbuchautor war (siehe hierzu Franz W. Koebner in der Internet Movie Database (englisch) und auch Franz W. Koebner bei filmportal.de)." Aber auch das bleibt zweifelhaft, nach dem Artikel über Koebner (1886 – 1978) in "Das Magazin"  dürfte dieser wohl kaum Jendes Ehemann gewesen sein.
 
Foto: Ria Jende
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
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Ria Jende mimte laszive Verführerinnen wie in der von der Zensur verbotenen Literaturadaption "Seelenverkäufer. Das Schicksal einer Deutsch-Amerikanerin" (1919; Regie: Carl Boese → www.difarchiv.deutsches-filminstitut.de) nach dem gleichnamigen, 1914 erschienenen, autobiografischen Roman von Margarete Schuck2) mit Magnus Stifter3), oder Damen edlen Geblüts wie in dem Krimi "Die Nacht und der Leichnam" (1920; Regie: Adolf Abter), wo sie neben Max Pallenberg3) dessen Ehefrau, die Lady Cunterby verkörperte.
Einen schönen Erfolg feierte Ria Jende als Komödiantin Orzelcka in der Produktion "Der galante König"4) (1920), mit der Regisseur Alfred Halm die Liebesabenteuer des Kurfürsten Friedrich August2), dargestellt von dem ebenfalls vergessenen Rudolf Basil, nacherzählte. Nach weiteren Auftritten in Filmen mit so reißerischen Titeln wie "Die Irre von Schloss Ihörringhuus" (1921), "Der Leidensweg eines Achtzehnjährigen" (1921) und "Das blinde Glück" (1922) zog sich Ria Jende vom Filmgeschäft zurück. Lediglich in "Die Abenteuer des Kapitän Hasswell" (1925) war sie neben Regisseur und Titelheld Rolf Randolf als Baronin Mary noch einmal auf der stummen Leinwand zu sehen. "Ria Jende heiratete und beendete damit ihre künstlerische Laufbahn", stellte die "Revue des Monats" im April 1927 fest.6) Zwischenzeitlich veröffentlichte sie 1926 einen Reisebericht über Malta in der Maiausgabe des Magazins "Das Magazin" aus Berlin. Im selben Heft befindet sich ein Artikel ihres angeblichen Ehemanns.7)
 
Über den weiteren Lebensweg von Ria Jende ist derzeit ebenso wenig bekannt wie über das Datum ihres Todes.

Foto: Ria Jende
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
Photochemie-Karte K 3842; Quelle: www.flickr.com
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Ria Jende; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Photochemie-Karte K 3842; Quelle: www.flickr.com
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Ein Foto bei www.virtual-history.com
Link: 1) Murnau Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) filmportal.de
5) vgl. P. H. Honig / H. G. Rodek: "100.001. Die Showbusiness-Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts". Showbiz Data (Villingen-Schwenningen 1992, S. 479)
6) Max Magnus: "Vergänglicher Ruhm". In: "Revue des Monats" (April 1927, S. 587)
7) Quelle: Wikipedia (abgerufen 09.12.2013)
Lizenz Fotos Ria Jende (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
verschiedene Filme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, Kurzportrait innerhalb dieser HP, filmportal.de)
  • 1919: Nur ein Diener (Regie: Erik Lund)
  • 1919: Der Fürst der Nacht / Der Fürst (Regie: Max Maschke)
  • 1919: Die Prinzessin von Urbino (Regie: Paul Legband)
  • 1919: Madeleine (auch Produktion; Regie: Siegfried Philippi)
  • 1920: Nixchen (Regie: Paul Legband)
  • 1920: Die Kronjuwelen des Herzogs von Rochester
    (Regie: Paul Legband)
  • 1920: Die Schlange mit dem Mädchenkopf (Regie: Rudolf Walther-Fein)
  • 1920: Der Schuss aus dem Fenster (Regie: ?)
  • 1920: Das Welträtsel Mensch / Darwin (Regie: Fritz Bernhardt)
  • 1920: Schwarzwaldmädel (Regie: Arthur Wellin)
  • 1920: Die Nacht und der Leichnam (Regie: Adolf Abter)
  • 1920: Der galante König – August der Starke
    (Regie: Alfred Halm)
  • 1921: Die Präriediva (Regie: Carl Boese)
  • 1921: Unter der Dornenkrone / Mexikos Kaisertragödie
    (Regie: Rolf Randolf)
  • 1921: Der Held des Tages (Regie: Rudi Bach)
  • 1921: Die Irre von Schloss Ihörringhuus (Regie: August Weigert)
  • 1921: Der Leidensweg eines Achtzehnjährigen /
    Ketten der Leidenschaft (Regie: Eberhard Frowein)
  • 1921: Das Geheimnis der Santa Margherita (Regie: Rolf Randolf)
  • 1922: Versunkene Welten (auch Produktion; Regie: Siegfried Philippi)
  • 1922: Das blinde Glück / Das Schicksal der Comtessa Dolores
    (Regie: Iwa Raffay)
  • 1925: Die Abenteuer des Kapitän Hasswell (Regie: Rolf Randolf)
Ria Jende; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Ross-Karte Nr. 1018/1; Quelle: www.flickr.com Ria Jende; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Photochemie-Karte K.3239; Quelle: www.flickr.com
Ross-Karte Nr. 1018/1; Quelle: www.flickr.com Photochemie-Karte K.3239; Quelle: www.flickr.com
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder2) (1888 – 1929)
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