Der Schauspieler, Theaterregisseur bzw. -intendant Hans Schlenck erblickte am 14. März 1901 im unterfränkischen Bischofsheim an der Rhön das Licht der Welt. Nach seinem Schulabschluss ergriff er in München zunächst ein Hochschulstudium, entschied sich dann für die "Bretter, die Welt bedeuten". Im Jahre 1921 gab er in Kassel sein Bühnendebüt, sammelte weitere Erfahrungen als Schauspieler im Rahmen einer Tournee bei einer Wanderbühne; anschließend setzte er an der Universität Göttingen sein Studium fort.
Er ging dann wieder nach Kassel und wirkte als Schauspieler am "Staatstheater", 1927 folgte er einem Ruf nach München an das "Bayerische Staatstheater", konnte sich hier sowohl als Darsteller wie auch als Regisseur und Dramaturg profilieren. Zu seinen großen Rollen zählten der Graf Fiesco in Schillers Trauerspiel "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", der Major von Tellheim in Lessings Lustspiel "Minna von Barnhelm" oder der Malteserritter Marquis von Posa in Schillers Drama "Don Carlos". Er wusste jedoch auch in Stücken der Moderne zu überzeugen, etwa als ambitionierter Student Falk in Ibsens "Komödie der Liebe", zudem erfreute Schlenck das Publikum in verschiedenen Stücken des leichten Fachs, wo er vornehmlich Liebhaber und Bonvivants gestaltete.
Im November 1933 wurde er zum Oberspielleiter des "Bayerischen Staatstheaters" ernannt, fungierte zudem als künstlerischer Direktor der "Bayerischen Landesbühne" sowie als Fachberater im Bayrischen Kultusministerium. Drei Jahre später wechselte der als überzeugter Nationalsozialist geltende Schlenck nach Oldenburg und übernahm 1936 die Generalintendanz des "Oldenburgischen Staatstheaters", wo er beispielsweise am 16. April 1938 anlässlich der Premiere von Goethes "Faust" in der Titelrolle gefeiert wurde. Seit der Spielzeit 1940/41 war er als Nachfolger von Max Berg-Ehlert Generalintendant der "Städtischen Bühnen" in Breslau. Hier inszenierte er unter anderem Gerhart Hauptmanns dramatische Dichtung "Die Tochter der Kathedrale" – anlässlich des 80. Geburtstages des Dramatikers am 15. November 1942 wurde das Stück auf persönlichen Wunsch Hauptmanns und in seinem Beisein in der Hauptstadt seines Heimatlandes Schlesien mit großem Erfolg aufgeführt. Weitere Inszenierungen waren etwa das Trauerspiel "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel sowie die Opern "Die Meistersinger" (Richard Wagner), "Der Freischütz" (Carl Maria von Weber) und "Peer Gynt" (Werner Egk).1)
 
Nicht nur am Theater konnte Hans Schlenck künstlerische Erfolge verbuchen, auch als Leinwanddarsteller erlangte er Popularität. Erstmals hatte er als Adjutant für den Kriegsfilm "Kreuzer Emden"2) (1932) vor der Kamera gestanden, ein von Louis Ralph inszeniertes Remake seines Stummfilms "Unsere Emden" aus dem Jahre 1926. Nach einem kleineren Part in Géza von Bolvárys Komödie "Ein Mann mit Herz" (1932) machte Schlenck mit der Titelrolle in dem Melodram "Heideschulmeister Uwe Karsten"3) (1933; Regie: Carl Heinz Wolff) Furore, der seine Verlobte Ursula (Marianne Hoppe) fast an den leichtfertigen Reeder Heinrich Heinsius (Heinrich Heilinger) verliert. Erneut mit Regisseur Géza von Bolváry drehte er die rührselige Geschichte "Abschiedswalzer"4) (1934; auch "Zwei Frauen um Chopin") und verkörperte neben den Protagonisten Wolfgang Liebeneiner (Frédéric Chopin), Sybille Schmitz (Schriftstellerin George Sand) und Hanna Waag (Constantia Gladowska) den Komponisten Franz Liszt. Als Dampfwagen-Ingenieur Ferdinand Miller, der sich in dem Lustspiel "Die Liebe und die erste Eisenbahn"3) (1934; Regie Hasso Preis) in die hübsche Tochter (Karin Hardt) des Zehlendorfer Posthalters Friedrich Eichmann (Jakob Tiedtke) verliebt, machte eine ebenso gute Figur wie als Frontkamerad Hans in dem propagandistischen, die Freikorps heroisierenden Streifen "Um das Menschenrecht"2) (1934). Schlenck spielte den Maler Werner Forbeck in Hans Deppes sentimentalen Ganghofer-Adaption "Schloss Hubertus" (1934) mit Friedrich Ulmer als der alte, von seiner Jagdleidenschaft besessene Graf Egge und Hansi Knoteck als dessen unschuldige Tochter Kitty, die in Forbeck verliebt ist.
 
Von Regisseur Franz Seitz sen. entstand die Komödie "Der Kampf mit dem Drachen"4) (1935), in der Schlenck als Fritz Carsten, Sohn des Leiters der "Sonnenbrauerei" (Walter Lantzscht), das Herz der Komtesse Helene (Gretl Theimer) erobern konnte, Nichte der von der Gräfin von Drachenstein (Adele Sandrock) geleiteten Konkurrenzfirma. Eine weitere heitere Geschichte war der von Carl Boese inszenierte Film "Der Gefangene des Königs"4) (1935). In dieser, frei nach der Lebensgeschichte des berühmten Erfinders des Meißner Porzellans Johann Friedrich Böttgers2) (Paul Kemp) gedrehten Komödie, präsentierte sich Schlenck als Leutnant von Pahl – in weiteren Rollen sah man mit unter anderem Adele Sandrock (Tante Sophie) sowie Opernstar Michael Bohnen (König August der Starke). Auch als Dr. Breitner, Assistent des Veterinärs Dr. Bergriedel (Eugen Klöpfer), wusste Schlenck in Herbert Maischs Melodram "Liebeserwachen"3) (1936) nicht nur die Zuschauer für sich einzunehmen, sondern nach einigen Irrungen und Wirrungen auch Bergriedels Tochter Hanni (Karin Hardt). Die männliche Hauptrolle in einem weiteren Drama folgte, als der Verlobte der Titelheldin trat er in dem NS-Propagandastreifen "Maria, die Magd"2) (UA: 02.10.1936) in Erscheinung, von Veit Harlan gedreht mit seiner damaligen Ehefrau Hilde Körber in der Rolle der bäuerlichen Dienstmagd Maria Klimank. Als "eine heitere Moralpredigt gegen übereifrige Moralapostel" bezeichnet das "Filmlexikon" Jürgen von Altens Film "Susanne im Bade"3) (UA: 31.12.1936), in dem Schlenck als Maler Schrack bzw. Dozent an der Kunstschule mit der Skizze seiner Schülerin Gussy Alfken (Manja Behrens) für einen handfesten Skandal sorgt.
 
Nach mehreren Jahren Kamera-Abstinenz spielte Schlenck erst wieder in Paul Mays (= Paul Ostermayr) düsterem Melodram "Violanta" (1942) eine tragende Rolle. Erzählt wird die Geschichte des braven Bauernmädchens Violanta (Annelies Reinhold), die von ihren Pflegeeltern als Magd geduldet wird. Als sie eine nicht ohne Folgen bleibende Affäre mit deren nichtsnutzigen Sohn Marianus Renner (Richard Häußler) eingeht, beginnt ein tragischer Leidensweg für die junge Frau. Aus Sorge um die Zukunft ihres Kindes heiratet sie Marianus' Bruder Andreas (Schlenck), verschweigt ihm jedoch, dass er nicht der Vater des Kindes ist und lebt fortan mit einer Lüge → www.filmmuseum-potsdam.de
Die Erstaufführung zweier bereits 1944 fertiggesteller Produktionen erlebte Schlenck nicht mehr: Die Romanze "Umwege zu dir" (Regie: Hans Thimig) gelangte erst am 7. November 1947 in die Lichtspielhäuser, das Drama "Augen der Liebe"3) (Regie: Alfred Braun) feierte am 26. Oktober 1951 in Hamburg Premiere. Das "Filmlexikon" schreibt hierzu: Eheprobleme eines erblindeten Bildhauers zwischen zwei Operationen. Gefühl und Edelmut in einer gepflegt inszenierten Hintertreppengeschichte. Der 1942/43 hergestellte Film wurde nach von der (NS-)Filmprüfstelle verfügten Änderungen zwar zugelassen, jedoch erst nach dem Krieg aufgeführt. (Ursprünglicher Titel: "Zwischen Nacht und Morgen") – Hans Schlenck mimte neben den Hauptdarstellern Käthe Gold (Schwester Agnes) und René Deltgen (Bildhauer Günter Imhoff) den Arzt Dr. Lamprecht.
 
Der zum "Kammerschauspieler" ernannte Hans Schlenck wurde 1944 zum Kriegsdienst eingezogen und diente als Oberleutnant an der Front in Ungarn. Dort fiel er mit nur 43 Jahren wenige Monate vor Kriegsende am 13. November 1944 bei Dormánd (Komitat Heves). Neben seiner Arbeit für Theater und Film gab er sein Wissen auch an junge Nachwuchstalente weiter, so ließ sich unter anderem Wolfgang Preiss5) (1910 – 2002) von ihm zum Schauspieler ausbilden.
Der Journalist und Schriftsteller Ernst Klee2) (1942 – 2013) vermerkt in seinem Buch "Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945" (S. Fischer, Frankfurt/M, 2007, S. 524), dass Schlenck Mitglied der SS gewesen sei und zum persönlichen Stab des Reichsführers-SS Heinrich Himmler gehört habe; 1942 habe er den Rang eines SS-Hauptsturmführers bekleidet. Als Generalintendant der "Städtischen Bühnen" Breslau gastierte er am 15. März 1943 zum zweiten Mal zusammen mit seinem Ensemble im Rahmen einer Truppenbetreuungsveranstaltung im KZ Auschwitz. (Quelle: Wikipedia, Stand 10.12.2013)
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
1) Quelle: "Litzmannstädter Zeitung" Nr. 330 vom 13.12.1944 (kurzer Nachruf zum Tod von Hans Schlenck, S. 3; PDF-Datei: → bc.wimbp.lodz.pl). Die "Litzmannstädter Zeitung" war eine Tageszeitung der NSDAP mit den amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Litzmannstadt, die während der deutschen Besetzung Polens als Fortsetzung der "Lodzer Zeitung" in Litzmannstadt erschien; siehe auch den Artikel bei Wikipedia zum Ghetto Litzmannstadt.
Link: 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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