Der am 5. Januar 1911 in Berlin geborene Martin (Fritz) Herzberg betätigte sich bereits im Alter von sechs Jahren als Kindermodell, wurde so für den Film entdeckt und avancierte rasch zu einem kleinen Star in der Stummfilmszene. Noch vor Ende des 1. Weltkrieges stand der hübsche Junge mit den ausdrucksstarken, oft etwas melancholisch dreinblickenden Augen erstmals vor der Kamera, wurde mit Kinderrollen in verschiedenen Melodramen und Literaturadaptionen besetzt. So präsentierte er sich unter anderem als kleiner Bruder der Titelheldin Mady Christians in "Die Sühne der Martha Marx" (1919; Regie: Alfred Halm) oder als Sohn des "Teufelsgeigers" Paganini in Heinz Goldbergs gleichnamigen Künstlerbiografie1) (1923) mit Stummfilmstar Conrad Veidt als besessen-charismatischem Geigenvirtuosen Nicolò Paganini1). Einen seiner größten filmischen Erfolge feierte er wohl bei der "Nordisk Film"1) mit der Figur des kindlichen David Copperfield, vom dänischen Regisseur A. W. Sandberg1) 1922 gedreht nach dem berühmten Erfolgsroman "David Copperfield"1) von Charles Dickens. Unter anderem spielte Margarete Schlegel2) Copperfields Mutter, Sandbergs Ex-Ehefrau Karen Caspersen das Kindermädchen Peggotty, Else Nielsen die engelsgleiche kleine Freundin Agnes Wickfield, Frederik Jensen3) Copperfields Mentor Mr. Wilkins Micawber und Rasmus Christiansen3) den betrügerischen Uriah Heep, der erwachsene Titelheld wurde von Gorm Schmidt verkörpert.
Herzberg stand bei der "Nordisk Film" für insgesamt sechs Produktionen vor der Kamera, erstmals hatte ihn Sandberg für die Dickens-Verfilmung "Große Erwartungen" (1922, Store forventninger) nach Kopenhagen geholt, nachdem er ihn zuvor in Deutschland in der Herman Bang-Adaption "Die Benefiz-Vorstellung der vier Teufel" (1920, nach der Novelle "De fire Djævle") besetzt hatte. Weitere Arbeiten mit Sandberg waren die Streifen "Des Landknechts letzte Liebe" (1923, Lasse Månsson fra Skaane), "Der letzte Tanz" (1923, Den sidste dans), "Das Wiener Kind" (1924, Wienerbarnet) und "Auch ein Mädel kann sich irren" (1924, Kan kvinder fejle?); mehr zu den Filmen (auf dänisch) bei "Das Dänische Filminstitut" (Det Danske Filminstitut, DFI).
 
Herzberg mimte unter anderem den jungen spanischen Infanten Don Carlos in dem von Richard Oswalds aufwendig und prachtvoll inszenierten Historienfilm "Carlos und Elisabeth"1)  (1924) mit dem Untertitel "Ein Drama von Liebe und Eifersucht", Conrad Veidt tauchte mit der Doppelrolle des alten König Karl V. (im Vorspiel) und als erwachsener Thronfolger Don Carlos auf, Dagny Servaes als dessen Verlobte, die Prinzessin Elisabeth von Valois. In der deutsch-britischen Produktion bzw. dem Revolutionsdrama "Die Prinzessin und der Geiger"1)  (1925; Regie: Graham Cutts) musste Herzberg einmal mehr den Hauptdarsteller als Knaben verkörpern: Erzählt wird die Geschichte des Geigers Michael Caviol (Walter Rilla), der Karriere macht, in die adligen Kreise des zaristischen Russlands aufsteigt und sich dort in eine verheiratete Prinzessin (Jane Novak) verliebt. Er gerät in die Wirren der Russischen Revolution, wo ihn seine Vergangenheit und die Folgen seiner amourösen Verwicklungen einholen.4) Danach folgten bis Ende der 1920er Jahre noch acht weitere Stummfilme, in denen Herzberg nun altersbedingt in das Fach des Jünglings hineinwuchs. So drehte er unter anderem mit Regisseur Georg Asagaroff das Drama "Die Siebzehnjährigen"5) (1928) und präsentierte sich als Kadett Gert von Lingen, der sich in die lebenslustige Erika (Grete Mosheim) verliebt. Als er erkennt, dass auch sein Vater (Hans Adalbert Schlettow) Erika nachstellt, kommt es zur Tragödie. In Streifen wie "Verirrte Jugend" (1929; Regie: Richard Löwenbein), "Jugendsünden" (1929; Regie: Carl Heinz Wolff) und "Die Halbwüchsigen" (1929; Regie: Edmund Heuberger) wurde Herzberg mit ähnlich gelagerten Rollen besetzt. 
Im Tonfilm trat Martin Herzberg noch drei Mal mit Nebenrollen in Erscheinung, erstmals konnte man ihn nun in Kurt Bernhardts, im Jahre 1806 während des preußisch-französischen Krieges angesiedeltem Geschichte "Die letzte Kompagnie"1) (1930) auch hören. In dem Drama "Väter und Söhne"5) (1930; Regie: Victor Sjöström/Paul Merzbach) kam er als Sohn des reichen und gefürchteten Gastwirts Markurell (Rudolf Rittner) daher, der von seinem Vater abgöttisch geliebt wird. Mit der Rolle eines jungen Kavaliers in Gustav Ucickys Historienfilm "Das Flötenkonzert von Sanssouci"1) (1930) beendete der erst 19-jährige Martin Herzberg seine Leinwandkarriere und verschwand aus dem öffentlichen Blickfeld.
 
Anschließend übersiedelte er auf die Kanarischen Inseln, wo Herzberg in Las Palmas auf Gran Canaria in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler, Regisseur und Intendanten Eugen Herbert Kuchenbuch Schauspielseminare auf die Beine stellte. Infolge der Machtergreifung in Deutschland blieb Herzberg in Spanien und ging anschließend nach Teneriffa. In der dortigen Hauptstadt soll er bis zuletzt als Fotograf gearbeitet haben.6)  
Martin Herzbergs Lebensweg nach Beendigung seiner Filmlaufbahn bleibt weitegehend im Dunkeln, in der "Internet Movie Database" wird er noch einmal als Co-Drehbuchautor des in Spanien produzierten Films "Gloria del Moncayo" (1940; Regie: Juan Parellada) genannt. Laut Wikipedia ist der einstige Stummfilm-Kinderstar vermutlich um 1972 verstorben, ein genaues Datum ist derzeit unbekannt.
Verheiratet war er mit der ebenfalls aus Deutschland stammenden Eva Diekow, die er auf Teneriffa geehelicht hatte; aus der Verbindung ging der 1955 in Santa Cruz de Tenerife geborene Sohn Boris Christino Herzberg hervor.
Quellen (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Foto/Artikel bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch), 5) Murnau Stiftung
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen 14.02.2014) zu "Die Prinzessin und der Geiger"
6) Quelle: Artikel zu Martin Herzberg bei Wikipedia (abgerufen 14.02.2014)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
einige Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1918: Lejah / Der Stein des Schicksals
  • 1918: Arme kleine Eva
  • 1918/19: Jugendliebe
  • 1919: Die Sühne der Martha Marx
  • 1919: Das Geheimnis von Schloss Holloway
  • 1919: Pogrom
  • 1920: Die Benefiz-Vorstellung der vier Teufel
  • 1920: Die Abenteuer der Marquise von Königsmark
  • 1920: Anna Karenina
  • 1922: Der Halunkengeiger
  • 1922: David Copperfield (David Copperfield)
  • 1922: Große Erwartungen (Store forventninger)
  • 1922: Die Küsse der Ira Toscari
  • 1923: Paganini
  • 1923: Des Landknechts letzte Liebe (Lasse Månsson fra Skaane)
  • 1923: Die Magyarenfürstin
  • 1923: Alles für Geld
  • 1923: Der letzte Tanz (Den sidste dans)
  • 1924: Carlos und Elisabeth → stummfilm.at
Noch: Stummfilme
  • 1924: Das Wiener Kind (Wienerbarnet)
  • 1924: Auch ein Mädel kann sich irren (Kan kvinder fejle?)
  • 1924: Komödianten des Lebens
  • 1925: Die Prinzessin und der Geiger / The Blackguard
  • 1925: Freies Volk
  • 1927: Primanerliebe
  • 1927: Maria Stuart – Ein Frauenleben (2 Teile)
  • 1928: Die Siebzehnjährigen
  • 1928: Die Räuberbande
  • 1929: Verirrte Jugend
  • 1929: Jugendsünden
  • 1929: Die Halbwüchsigen
Tonfilme
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