Cornell Borchers erblickte am 16. März 1925 im ostpreußischen Heydekrug (Memelland, heute Šilute, Litauen) als Cornelia Gerlind Borchers*) das Licht der Welt. Die Tochter eines Arztes wuchs nach der Flucht der Familie aus dem Memelland nach dem Krieg in Hannover auf, wollte anfangs in die Fußstapfen ihres Vaters treten und studierte nach dem Abitur 1945/46 zwei Semester lang Medizin an der Universität in Göttingen. Doch dann entschied sie sich für die Schauspielerei, ging nach Berlin, arbeitete als Dolmetscherin und ließ sich zwei Jahre lang an der "Deutschen Schauspielschule für Bühne und Film" in Berlin-Dahlem ausbilden. Schon kurz darauf wurde die hochgewachsene attraktive Blondine im Dezember 1948 von Regisseur Arthur Maria Rabenalt1) für den Film entdeckt, der ihr den interessanter klingenden Vornamen "Cornell" verpasste und ihr in seinem Nachkriegs-Krimi "Anonyme Briefe" (1949) das Leinwanddebüt ermöglichte. Schon in Rabenalts zweitem Film, dem neorealistischen Melodram "Martina" (1949), spielte sie an der Seite von Titelheldin Jeanette Schultze1) eine Hauptrolle, mimte deren ältere Schwester Irene und erzielte einen ersten Achtungserfolg. Der Film zeigte Berlin als Ruinenstadt, die auch moralisch verkommen ist. Der Schwarzhandel blüht, und Jugendliche, die ohne ihre im Krieg umgekommenen Eltern groß geworden sind, suchen ihr Heil in der Prostitution oder der Kriminalität. Borchers verkörperte das Gegenbild zu diesen Jugendlichen und ihrer von Jeanette Schultze dargestellten Schwester. Ihre Rolle der patenten Ärztin legte Borchers auf den Typ der "blond-braven, studierten, leicht frigiden Frauen" fest, wie der "Spiegel" urteilte. Sie selber sagte: "Ich bin eben keine erotische Schauspielerin." Das trug ihr eine Zeit lang den Spitznamen "Eisente" ein.2)
 
Nach einer Hauptrolle als Lehrerin in dem in einem Mädchenpensionat angesiedelten Schwank "Absender unbekannt" (1950; Regie: Ákos von Ráthonyi) sowie in Rabenalts Krimi "0 Uhr 15, Zimmer 9" (1950) kam sie erstmals mit der Hollywood-Szene in Berührung. In der deutsch-amerikanischen, ebenfalls im zerbombten Berlin gedrehten Koproduktion "The Big Lift" (1950, Es begann mit einem Kuß1)) wurde sie als Partnerin von Leinwandstar Montgomery Clift3) als verführerisches deutsches "Fräuleinwunder" Friederike Burkhardt besetzt, die – ein doppeltes Spiel spielend – zur Geliebten des US-Piloten Danny MacCullough (Clift) wird. Damit schaffte Cornell Borchers den Durchbruch und hoffte nun auf eine Filmkarriere in den USA, da sie von der "20th Century Fox" einen mehrjährigen Vertrag erhielt – doch zunächst blieb sie in amerikanischen Produktionen ohne Beschäftigung.
So trat sie zunächst mit Hauptrollen in einer Reihe deutschsprachiger Streifen auf, spielte in dem von Paul Martin nach Motiven verschiedener Erzählungen des Schriftstellers E. T. A. Hoffmann gedrehten Streifen "Die tödlichen Träume"1)) (1951) mit Will Quadflieg sowie Rudolf Forster, mit dem sie sich auch – einmal mehr unter der Regie Rabenalts – in dem Melodram "Unvergängliches Licht" (1951) zeigte. Für František Čáp stand sie zusammen mit Frauenschwarm Willy Birgel in "Das ewige Spiel"1) (1951) vor der Kamera, laut "Lexikon des Internationalen Films" ein "optisch anspruchsvolles, aber verquastes Schicksalsdrama". Wieder als Partnerin von Will Quadflieg präsentierte sie sich in "Schwarze Augen"1) (1951; Regie: Géza von Bolváry), einer ebenfalls melodramatischen Geschichte um "Künstlerliebe, Eifersucht, feurige Zigeunermusik und einer allzu durchschaubare Kriminalhandlung" wie das Filmlexikon schreibt. Es folgte die österreichisch-amerikanische Koproduktion bzw. der Film noir "Abenteuer in Wien"1) (1953; Regie: Emil-Edwin Reinert) nach Motiven des Romans "Ich war Jack Mortimer"1) von Alexander Lernet-Holenia, mit Rudolf Forster und Francis Lederer; in der US-amerikanischen Version "Stolen Identity" wurde Borchers Rolle der Protagonistin Karen Manelli von Joan Camden verkörpert. Gustav Fröhlich war ihr Partner in dem Liebesdrama bzw. der Roman-Adaption "Haus des Lebens"1) (1952), bei dem Lustspiel "Schule für Eheglück" (1954) mit Liselotte Pulver und Paul Hubschmid führte der Filmproduzent Anton "Toni" Schelkopf Ko-Regie, der später ihr zweiter Ehemann werden sollte.
 
Ebenfalls 1954 kam die "schlichte Filmerzählung über kleine, meist heiter aufgelöste Konflikte"4) mit dem Titel "Maxie" in die Lichtspielhäuser, erneut war Cornell Borchers mit einem Publikumsliebling zu sehen – diesmal mit Willy Fritsch. Für ihre Rolle der liebevollen Adoptivmutter Inga Hartl in der britischen Produktion bzw. dem Nachkriegsdrama "Das geteilte Herz" (1955, The Divided Heart → Filmlexikon) wurde die Schauspielerin mit dem "British Film Academy Award"1) (BAFTA Award) als "Beste ausländische Darstellerin" ausgezeichnet. Nun schien ihre internationale Karriere wieder in Gang zu kommen, mit Carl Raddatz und Michčle Morgan agierte sie in dem deutsch-französischen Abenteuer "Oase" (1955, Oasis), erhielt von den "Universal Studios" einen neuerlichen Vertrag für jeweils einen Film pro Jahr, wurde schon im Vorfeld als Nachfolgerin von Ingrid Bergman3) gehandelt. So entstand mit Hollywood-Star Rock Hudson3) das Drama "Nur Du allein" (1956, Never Say Goodbye), in dem Spionage-Abenteuer "Istanbul" (1957, Istanbul) betörte sie keinen Geringeren als Alt-Star Errol Flynn3). In dem Rührstück "Das Herz ist stärker" (1958, Flood Tide) stand ihr der "schöne" George Nader1) zur Seite, der ab Mitte der 1960er Jahre vor allem in den deutschen "Jerry-Cotton"-Verfilmungen1) als unerschrockener Titelheld Furore machte. Der Streifen entpuppte sich an den Kinokassen jedoch als Flop, "Universal Studios" löste den Vertrag auf und Cornell Borchers kehrte desillusioniert nach Europa zurück.
Als Karl Hartl mit dem "Rot ist die Liebe"1) (1957) dem Heidedichter Hermann Löns1) ein pathetisch-filmisches Denkmal mit Dieter Borsche in der Hauptrolle setzte, fanden er und Produzent Anton Schelkopf in Cornell Borchers eine ideale Besetzung für Löns' Jugendliebe Rosemarie. "Eine äußerlich aufwendige Verfilmung von Hermann Löns' autobiografisch gefärbtem Roman "Das zweite Gesicht". Der Held pendelt unentschlossen zwischen Ehefrau (Barbara Rütting) und Jugendgeliebter, bis das Eingreifen einer "höheren Gewalt" in Form der Mobilmachung von 1914 ihm die Entscheidung erspart." notiert das Filmlexikon.
 
Mit Falk Harnacks "Arzt ohne Gewissen"5) (1959), einem Genre-Mix aus Arztfilm, Thriller, Drama und Horrorfilm, bzw. der Rolle der berühmten, herzkranken Sängerin Harriet Owen beendete die stets damenhaft wirkende Cornell Borchers nach 21 Filmen und einer gescheiterten Hollywood-Karriere ihre eher kurze Laufbahn als Filmschauspielerin. Hier erlebte man sie noch einmal an der Seite prominenter Schauspielerkollegen: Der falschen Idealen verhaftete ehrgeizige Herzspezialist und Chirurg Professor Lund wurde von Ewald Balser gespielt, dessen Ehefrau von Erica Beer, Wolfgang Preiss mimte den ambitionierten Arzt Dr. Westorp, Wolfgang Kieling den skrupellosen ehemaligen KZ-Arzt und zwielichtigen Dr. Stein; zur weiteren Besetzung zählten unter anderem Barbara Rütting, Karin Baal, Lina Carstens und Agnes Windeck. "Heimlicher Star des Films ist Cornell Borchers, die in den Mitte vierziger Jahren tatsächlich zwei Semester Medizin studierte. (…) Ihre Harriet Owen, eine weltbekannte Sängerin, leidet an akuter Herzinsuffizienz und der Professor, der ihr Leben als wertvoll einschätzt, möchte ihr helfen. Borchers verleiht ihrer Figur eine tieftraurige Aura und wirkt sehr beeindruckend im Interpretieren ihrer Emotionen. Ein überzeugendes und darüber hinaus ernstzunehmendes Ensemble." kann man hier lesen; siehe auch www.tv-kult.com.
 
Cornell Borchers verschwand danach fast gänzlich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit, widmete sich fortan ihrer Familie und lebte zurückgezogen in Berg am Starnberger See, wo sie am 12. Mai 2014 – rund zwei Monate nach ihrem 89. Geburtstag – starb → Todesanzeige; ihre letzte Ruhe fand der einstige Publikumsliebling auf dem kirchlichen Friedhof in Aufkirchen, einem Ortsteil der Gemeinde Berg. Seit 1949 war sie mit dem Briten Bruce Cunningham verheiratet gewesen, nach der Scheidung ehelichte sie den Filmproduzenten Dr. Anton "Toni" Schelkopf1) (1914 – 1975), den sie Anfang 1954 anlässlich der Dreharbeiten zu dem Lustspiel "Schule für Eheglück" kennengelernt hatte. Aus der Verbindung stammen Sohn Gabriel Antonius (geb. 1961) sowie Tochter Julia Kathrin Schelkopf (geb. 15.09.1962), die seit Ende Mai 1987 mit Philipp, dem 7. Fürst von Hanau 7. Graf von Schaumburg, verheiratet ist. Aus der Ehe mit Bruce Cunningham ging Sohn Christian Amadeus (geb. 1953) hervor.
  
Quellen (unter anderem): Wikipedia, Nachruf in Der Tagesspiegel sowie
Artikel in "Memeler Dampfboot": "Ein Filmstar zieht sich zurück" (08.01.1959, S. 109; PDF-Dokument)
und www.filmreporter.de
Foto bei www.virtual-history.com
*) Laut filmportal.de geboren als Cornelia Bruch
Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) filmportal.de
2) Quelle: Nachruf von Christian Schröder in "Der Tagesspiegel" → www.tagesspiegel.de; das in diesem Artikel ausgewiesene Foto aus "Rot ist die Liebe" zeigt nicht Cornell Borchers sondern Renate Mannhardt.
4) Quelle: Filmlexikon
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
sowie Filmlexikon
(Link: Wikipedia, filmportal.de)
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