Lucie Mannheim mit Guido Herzfeld und Eduard Rothauser in dem Drama "Die armseligen Besenbinder" von Carl Hauptmann 1918 an der Berliner "Volksbühne"; Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch2) (1863–1942)); Quelle: www.cyranos.ch Der am 14. August 18651) in Berlin1) geborene Guido Herzfeld trat sein erstes nachweisbares Theaterengagement 1892 im österreichischen Leoben (Steiermark) an. Weitere Engagements führten ihn unter anderem nach Pettau (heute Ptuj, Slowenien), ins bayerische Passau, ins böhmische Pilsen, nach Aachen, Mannheim und München; zur Spielzeit 1899/1900 tat er sich in Bochum erstmals als Regisseur hervor. 1902 kam er nach Berlin und spielte am dortigen "Intimen Theater", trat zudem im literarischen Kabarett "Schall und Rauch"2) beziehungsweise dem "Kleinen Theater" auf. Zuletzt war Herzfeld von 1917 bis 1923 an der Berliner "Volksbühne" engagiert, wo er sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur wirkte So inszenierte er beispielsweise die Aufführung von Hebbels "Gyges und sein Ring" und Pedro Calderóns "Der Richter von Zalamea" → Auswahl der Theaterstücke bei Wikipedia.
Seit Mitte der 1910er Jahre war Herzfeld umfangreich im Film aktiv, hatte sein Leinwanddebüt in dem kurzen stummen Streifen "Wollen Sie meine Tochter heiraten?" (1914) gegeben. In den nachfolgenden Jahren trat der Schauspieler in den Komödie, Krimis und Melodramen jener Zeit in Erscheinung, übernahm oft Vaterrollen, mimte merkwürdige Eigenbrötler und häufig Geldverleiher. So spielte er beispielsweise mit Paul Biensfeld in Robert Wienes Lustspiel "Die Konservenbraut"2) (1915) oder den Trödler Ehrenstein in Richard Oswalds heute als verschollen geltendem Film "Schlemihl"2) (1915).
 
Foto: Guido Herzfeld mit Lucie Mannheim3) und Eduard Rothauser2)
in dem Drama "Die armseligen Besenbinder" von Carl Hauptmann2)
1918 an der Berliner "Volksbühne"; Regie: Paul Legband2)
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch2) (1863–1942))
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
In Oswalds Schauergeschichte "Und wandern sollst du ruhelos…"2) (1915) tauchte er gleich mit fünf Rollen auf  – als Narr, Trödler, Gelehrter, Vermieter und Apotheker. Für Ernst Lubitsch spielte er den Geschäftsmann Meiersohn in der Komödie "Schuhpalast Pinkus"2) (1916) – Lubitsch selbst präsentierte sich als der faule Schüler Sally Pinkus –, Joseph Delmont betraute Herzfeld mit der Titelfigur in dem phantastischen Stummfilm "Theophrastus Paracelsus"2) (1916) über den berühmten Arzt, Alchimisten und Astrologen Paracelsus2) (1493 – 1541). Man sah den Charakterschauspieler mit prägnanten Rollen beispielsweise in dem Schwank "Der standhafte Benjamin"2) (1917) und einmal mehr mit Ernst Lubitsch in "Der Blusenkönig"2) (1917). Neben "Detektiv" Max Landa agierte er als Kommissar der Kriminalpolizei in dem Krimi "Europa postlagernd"2) (1918). Auch das beliebte Genre "Melodram" ist in Herzfelds Filmografie reichlich vorhanden, so zeigte er sich als verwitweter jüdischer Pfandleiher Scholem Raab, der in "Der gelbe Schein"2) (1918) aufopferungsvoll von seiner Tochter Lea (Pola Negri) gepflegt wird, als Mädchenhändler Ignatz Czyslow in dem Zweiteiler "Der Weg, der zur Verdammnis führt" (1918/19: Das Schicksal der Aenne Wolter4) / Hyänen der Lust2)) oder als Wucherer in dem Asta Nielsen Drama "Nach dem Gesetz"2) (1919). Als Kneipenwirt Feibel kam er in dem in dem Krimi Whitechapel"2) (1920), der den Zusatz trug "Eine Kette von Perlen und Abenteuern", daher oder als Geldverleiher Flügelmann in dem Drama "Die Geliebte Roswolskys"2) (1921). Sein bekanntester Film ist wohl der Stummfilmklassiker "Nosferatu, eine Symphonie des Grauens"2) (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau, in dem Herzfeld einen Wirt in Transsylvanien verkörperte.
Zwei Mal versuchte er sich zudem als Filmregisseur und inszenierte 1922 die beiden Kurzfilme "Bonifacius Trott. Bonifacius und die Gans" und Bonifacius Trott. Er wird ein reicher Mann".
  
Seine letzte Arbeit vor der Kamera war Murnaus Komödie "Die Finanzen des Großherzogs"2), wo er den Geldverleiher Semjon Marcowitz spielte, dem praktisch das hoch verschuldete Großherzogtum Abacco gehört. Die Premiere am 7. Januar 1924 im Berliner "Ufa-Palast am Zoo" erlebte Herzfeld nicht mehr, der Schauspieler starb überraschend am 16. November 1923 in Berlin – noch kurz zuvor hatte er im Oktober 1923 in dem Stück "Der abtrünnige Zar" von Carl Hauptmann auf der Bühne gestanden.
Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ, Erstes Abendblatt, Nr. 1609) schrieb am 21. November 1923 unter anderem anlässlich des Todes: "So etwa wird sich die Zeitungsnotiz ausnehmen: Guido Herzfeld, ein Berliner Schauspieler, zuletzt an der "Volksbühne" tätig, ist im Alter von sechzig Jahren einem Gehirnschlag erlegen. – Es wäre grausam ungerecht, den exzeptionellen Künstler mit einer so kargen Meldung für Zeit und Ewigkeit abzutun. Wenn er auch nicht für alle Zeiten leben wird, weil seines Wirkens Spur mit seiner Stimme Klang verweht ist, so hat er doch den Besten seiner Zeit genug getan. Sie wußten, was sie an ihm hatten, und schätzten ihn dementsprechend. Sie waren sicher, bei ihm, so oft er auftrat, reine Menschlichkeit zu finden, und fanden sie – frei von allem Komödiantentum. Er war bloß ein Chargenspieler, ein Episodist, aber was er anfaßte, empfing durch ihn seelischen Widerhall. Wenn die Helden auf den Brettern brüllten, die Protagonisten schwitzten, die Mimen rings im Kreise sich in Körperwärme hineinarbeiteten, dann strahlte sein zurückhaltendes Wesen seelische Wärme aus. Er brauchte nur den Mund zu öffnen, brauchte nur mit den pfiffigen Äuglein zu zwinkern, und es war, als ob man aus dem Lande der Dekorationen in die schmucklosen Gefilde der Natur versetzt würde. Höchste Bescheidenheit war seine Zier. Sie wob seinen Pilgern, Bettelmönchen, seinen rührenden Volksgestalten, aller leidenden Kreatur den Heiligenschein. Wer im Reiche der Rampen – und nicht nur dort allein – von sich selbst nicht viel hermacht, von dem wird auch nicht allzu viel Wesens gemacht; doch wichtiger bleibt es, wesentlich zu sein. Die lebenden Reklamebilder mögen den vergänglichen Ruhm an sich raffen; von Guido Herzfeld muß es immer heißen, bevor er für ewig verstummte, daß er ein stiller Künstler war."5)
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch
1) Geburtsjahr laut filmportal.de, IMDb und Wikipedia geben 1851 an sowie als Geburtsort Berlin; laut Kay Weniger "Das große Personenlexikon des Films" ist Herzfeld 1870 unter dem Namen Guido Kornfeld in Karolinenthal bei Prag geboren. Legt man das in dem Nachruf der NZZ genannte "Alter von sechzig Jahren" zu Grunde, müsste Herzfeld 1863 geboren sein.
Link: 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung
5) Quelle: horst-schroeder.com
Lizenz Foto Guido Herzfeld (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de, filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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