Victor Janson vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Der Schauspieler und Regisseur Victor Janson (auch Viktor Janson) wurde am 25. September 1884 im damals zum Russischen Reich gehörenden Riga (heute Lettland) geboren. Nach Absolvierung der Militärschule sollte er auf Wunsch des Vaters eigentlich eine juristische Laufbahn einschlagen, doch Victor zog es zum Theater.*) Er absolvierte eine Schauspiel- und Gesangsausbildung, ging dann mit 17 Jahren nach Berlin, wo er erneut Schauspielunterricht nahm. Ein erstes festes Engagement trat er 1904 am "Hochfürstlich Lippischen Hoftheater" in Detmold an, wechselte im darauffolgenden Jahr nach Libau (Liepāja, Lettland). Auch dort hielt es ihn nur ein Jahr, 1906 ging Janson nach in Nesse (heute Nysa, Polen) und 1908 nach Oppeln (heute Opole, Polen), wo er auch erstmals Regie führte.
1909 zog es den Schauspieler in die Metropole Berlin, wo er anfangs am "Neuen Operetten-Theater"1) (heute "Theater am Schiffbauerdamm") auftrat, unter anderem auch in der Operette "Der Graf von Luxemburg" (1910, Regie: Edmund Binder) mit Fritz Werner2) in der Titelrolle. In den folgenden Jahren wirkte Janson vor allem am "Central"- und "Residenztheater", machte sich hier einen Namen als Charakterschauspieler vornehmlich im komödiantischen Fach; im Rahmen einer Operetten-Tournee gelangte er auch nach Südamerika.
Ab Anfang der 1910er Jahre trat Janson im Stummfilm in Erscheinung, einen ersten Auftritt hatte er in Joe Mays kurzem Rätselstreifen "Das verschleierte Bild von Groß-Kleindorf"1) (1913).
 
Foto: Victor Janson vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Im Verlaufe der Jahre spielte er in zahlreichen stummen Produktionen mit, wurde häufig von Ernst Lubitsch besetzt. So unter anderem in dem Kurzfilm "Der G.m.b.H.-Tenor"1) (1916), dem Lustspiel "Wenn vier dasselbe tun"1) (1917) und in der ersten Bizet-Adaption "Carmen"1) (1918). In Lubitschs Lustspiel "Die Austernprinzessin"1) (1919) mimte er den Austernkönig Mister Quaker, in der phantastischen Geschichte "Die Puppe"1) (1919) den Puppenmacher Hilarius, in dem heute als verschollen geltenden Film "Meine Frau, die Filmschauspielerin"1) (1919) den Generaldirektor der Filmgesellschaft Lachmann und in der Groteske "Die Bergkatze"1) (1921) den Kommandanten der Festung Tossenstein. Filmhistorisch bemerkenswert ist Harry Piels Streifen "Die große Wette" (1916), ein im Jahr 2000 spielender früher deutscher Science-Fiction-Stummfilm, in dem sich Janson als Physiker Ardan bzw. Gegenspieler des Sportlers George Fogg (Ludwig Trautmann) zeigte; der Film gilt als verschollen → blog.hnf.de.
1918 lieferte Janson mit dem Melodram "Der gelbe Schein"1) und Stummfilmstar Pola Negri in der weiblichen Hauptrolle seinen ersten Film als Regisseur ab, bis Ende der 1930er Jahre sollten etliche weitere Regie-Arbeiten folgen. Während der Stummfilm-Ära sind unter anderem das Lustspiel "Amor am Steuer"3) (1921) mit Ossi Oswalda und ihm selbst in den Hauptrollen zu nennen, mit Werner Krauß inszenierte er "Der Trödler von Amsterdam"3) (1925, → gutenberg.spiegel.de), mit Imogene Robertson die Literatur-Adaption "Die Königin des Weltbades"1) (1926). Er selbst ließ das Publikum einmal über seine Arbeit wissen: "Was mich am Film interessiert: Fortschritt und Entwicklung. Leider werden diese beiden Faktoren durch tausend feindliche Elemente immer wieder sabotiert. Die Grundlage des Films, sein A und O, ist das gute Manuskript. Ohne dieses ist selbst der genialste Filmregisseur nicht imstande, einen guten Film herzustellen, Viele gute Ideen treten an uns heran, doch die Kürze der Zeit, Geldknappheit und das Dogma der Serienfilme hemmt immer wieder die Entwicklung und Entfaltung neuer Talente. Erst wenn alle Produzenten von der Notwendigkeit frischer Blutzufuhr restlos überzeugt sind, wird Wandlung geschaffen werden."
*)
 
Auch in der Tonfilm-Ära blieb Janson sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur ein vielbeschäftigter Künstler. Er drehte Unterhaltungsstreifen wie "Das Blaue vom Himmel"3) (1932) mit Marta Eggerth und Hermann Thimig, "Der Page vom Dalmasse-Hotel"4) (1932) mit Dolly Haas, "Die blonde Carmen"3) (1935) mit Marta Eggerth oder "Die Korallenprinzessin"4) (1937) mit Ivan Petrovich. Bei der Komödie "Wer küsst Madeleine?"4) (1939) mit Magda Schneider und Albert Matterstock präsentierte er sich letztmalig als Filmregisseur.
Als Darsteller wurde er ab Ende der 1930er bis in die 1950er Jahre hinein oft mit komischen Rollen besetzt, zu seinen bekanntesten Filmen zählt der Rühmann-Streifen "Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"1) (1938) mit dem Part des gerissenen Monsieur Dufour, neben Rühmann war er erneut in Wolfgang Liebeneiners Labiche-Verfilmung "Der Florentiner Hut"1) (1939) zu sehen und mimte den Baumschulbesitzer Barbock, dessen Tochter Helene (Herti Kirchner) den eingefleischten Junggesellen Theo Farina (Rühmann) zur Heirat überzeugen kann. Oft waren es prägnante Nebenrollen wie als Bürgermeister in G. W. Pabsts Biopic "Paracelsus"1) (1943), als Yussuf Pascha in dem starbesetzten ersten Farbfilm "Münchhausen"1) (1943) oder als Konzertagent Dr. Friedrich in dem 1944 gedrehten Musikfilm "Der Posaunist"4) (UA: 23.12.1949), der wie einige andere Produktionen erst nach Kriegsende Premiere feierte.
Im deutschen Nachkriegsfilm trat Janson beispielsweise als Senor Almadez in der Komödie "Professor Nachtfalter"1) (1951) neben Protagonist Johannes Heesters in Erscheinung, einen letzten Auftritt vor der Kamera hatte er als Kaiser in der Märchenverfilmung " Die Prinzessin und der Schweinehirt"1) (1953). Janson spielte auch in zwei DEFA-Produktionen mit, in Georg Wildhagens "Figaros Hochzeit"1) (1949) verkörperte er den Dr. Bartolo, in Paul Verhoevens Wilhelm Hauff-Verfilmung "Das kalte Herz"1) (1950), einem der ersten deutschen Nachkriegsfilme in Farbe, übernahm er den kleinen Part eines holländischen "Mijnheers".
Zudem betätigte sich Janson Anfang der 1950er Jahre bei einigen wenigen amerikanische Filmen als deutscher Synchronsprecher, unter anderem sprach er in dem Disney-Zeichentrickfilm "Alice im Wunderland"1) (1951, Alice in Wonderland) das Walross.
Victor Janson in dem Stück "Glück in Hollywood" von Bella und Samuel Spewack, 1949 am Berliner "Schlosspark Theater"; Inszenierung: Boleslaw Barlog; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000761_013); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 05.1949; Quelle: www.deutschefotothek.de Neben seiner umfangreichen Arbeit vor und hinter der Kamera – seine Filmografie weist mehr als 120 Arbeiten als Darsteller und über 50 Regiearbeiten aus – stand Janson bis weit in die 1950er Jahre auf Berliner Bühnen, besonders am "Schlosspark Theater" und am "Schillertheater" feierte er Erfolge.
 
  
Victor Janson in dem Stück "Glück in Hollywood"
von Bella1) und Samuel Spewack1),
1949 am Berliner "Schlosspark Theater"
Inszenierung: Boleslaw Barlog1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000761_013)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 05.1949
Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Victor Janson starb am 29. Juni 1960 im Alter von 75 Jahren in Berlin-Wilmersdorf und wurde auf dem dortigen Städtischen Friedhof beigesetzt. Hier fand später auch Jansons Ehefrau, die 1883 geborene österreichische Operettensängerin und Schauspielerin Helene Merviola1) (Merviola Janson) ihre letzte Ruhe, die am 10. März 1966 starb → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Quellen (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch
*) Dr. Hermann Treuner (Hrsg.): Filmkünstler – Wir über uns selbst (Sybillen Verlag, Berlin, 1928)
Link: 1) Wikipedia, 2) www.cyranos.ch, 3) filmportal.de, 4) Murnau Stiftung
Lizenz Foto Victor Janson (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
und earlycinema.uni-koeln.de (Auszug): als Darsteller/als Regisseur
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Als Darsteller
(R = Regie)
Stummfilme (Auszug) Noch: Stummfilme

Tonfilme

Als Regisseur
(
D = Darsteller)
Stummfilme Tonfilme
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