Obwohl Gilda Langer aufgrund ihres frühen Todes nur in (vermutlich) sieben Stummfilmproduktionen in Erscheinung trat, hat sie doch Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen. Ihr Ableben wurde damals von den Zeitgenossen mit großer Betroffenheit aufgenommen, viele Gazetten widmeten ihr Nachrufe. Das ist in neuerer Zeit ansatzweise mit dem Hollywoodstar James Dean1) (1931 – 1955) vergleichbar, der ebenfalls sehr jung verstarb und mit seinen sieben Filmen zur Legende wurde.
Gilda Langer fotografiert im Atelier "Zander & Labisch"; Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch (1863–1942)); Quelle: www.cyranos.ch Geboren wurde Gilda Langer am 16. Mai 1896 als Hermengild Langer im mährischen Priwoz (später Oderfurt, heute Přívoz), einem heutigen Stadtteil von Mährisch Ostrau (Ostrava, Tschechien). 1915 kam sie durch die Bekanntschaft mit dem österreichischen Drehbuchautor Carl Mayer2) (1894 – 1944), der sie von Wien mit nach Berlin nahm, zur Schauspielerei. Meyer trat eine Stelle als Dramaturg am dortigen "Residenztheater" an und vermittelte der schönen Langer ein Engagement. Hier spielte sie unter anderem 1917 mit Harry Liedtke1) in der Kleinbürgerkomödie "Dyckerpotts Erben" von Robert Grötzsch2) → Artikel aus dem "Berliner Börsen-Courier" (Nr. 444, 22.9.1917, S. 5) bei www.gildalanger.de
1918 zeigte sie sich neben Conrad Veidt1) als indischem Fürst und Harry Liedtke als feurig-elegantem Liebhaber in dem opulent ausgestatteten, exotischen Drama "Das Rätsel von Bangalor"2) erstmals auf der Leinwand und erregte auf Anhieb Aufmerksamkeit. Die Berliner Filmzeitschrift "Lichtbild-Bühne"2) (Band 11, Ausgabe 4, S. 76) vom 26. Januar 1918 notierte unter anderem: "Als die Tochter des Gouverneurs betritt Gilda Langer zum ersten Male die Filmbühne, mit einem Erfolge, der sie zu den schönsten Hoffnungen unserer Kunst macht. Gilda Langer verbindet eine sichere Beherrschung der schauspielerischen Möglichkeit mit einer faszinierenden Eleganz der Erscheinung."
 
 
Gilda Langer fotografiert im Atelier "Zander & Labisch"
Urheber: Fotoatelier "Zander & Labisch" (Albert Zander u. Siegmund Labisch2) (1863–1942))
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier
Auch das von dem Ungarn Eugen Illés2) gedrehte Gesellschafts-Melodram "Ringende Seelen"2) (1918) mit Langer als Tänzerin Gerda Vanini fand großen Anklang, die "Neue Kino-Rundschau" vom 13. Juli 1918 (S. 91 u. 96) schrieb: "Der Film zeichnet sich durch prachtvolle Dekorationen, wunderschöne Naturaufnahmen und großartiges Spiel besonders aus. Gilda Langer gibt die Tänzerin verführerisch … und läßt uns wünschen, sie noch in vielen anderen Aufgaben wiederzusehen … Der Film wird noch durch eine reizende Tanzeinlage gehoben. Auch das Spiel der anderen Mitwirkenden ist ausgezeichnet." Und "Der Film. Zeitschrift für die Gesamtinteressen der Kinematographie" (Band 3, Nr. 43, 26.10.1918) meinte: "Gilda Langer spielt die Tänzerin und trifft Typ und Charakter recht gut. Von der übrigen Besetzung wäre Frau Licho3) zu nennen. Die Inszenierung und Photographie besorgte Eugen Illés und schuf vortreffliche Bilder. Besonders erwähnenswert sind die hervorragenden Innenräume, für welche Kurt Richter4) zeichnet."
Es folgte Victor Jansons 35-minütiger Kurzfilm "Das Mädchen mit dem Goldhelm"5) (1919) mit der Rolle der Gisella, die "Murnau Stiftung" schreibt zum Inhalt: "Gisella, Tochter einer Blumenhändlerin, steht im Mittelpunkt dieses Unglücks-Dramas um Fritz (Alfred Beierle), der sich bis in den Wahnsinn in sie verliebt, und um den Grafen Bodo (Hugo Flink), mit dem wiederum Gisella sich verbindet. Der sie aber fallen lässt, weil sie auf einem skandalösen Gemälde zu sehen ist – eine Tragödie der ganzen Familie nimmt ihren Lauf."
  
1919 erhielt Gilda Langer einen Vertrag bei der Filmproduktionsfirma "Decla Film", wo auch der legendäre Regisseur Fritz Lang2) unter Vertrag stand. Nach dem Stummfilm "Die Frau mit den Orchideen" (1919, Regie: Otto Rippert2)) drehte Fritz Lang dann drei Filme mit der inzwischen zum Leinwandstar avancierten Schauspielerin. In dem als verschollen geltenden Film "Halbblut"2) (1919) mit Ressel Orla in der Titelrolle hatte sie allerdings einen eher kleinen Auftritt, die Rollenfigur lässt sich nicht mehr feststellen. Ebenfalls als verschollen gilt die tragisch endende Geschichte "Der Herr der Liebe"2) (1919), in dem Langer als Yvette, Geliebte des jungen Magnaten Vasile Disecu (Carl de Vogt) durch dessen Hand zu Tode kommt. Die Düsseldorfer Fachzeitschrift "Der Kinematograph" (Bd. 13, Nr. 664) vom 24. September 1919: schrieb "Gilda Langer ist voll schalkhafter Lebensfreude und leidenschaftlicher Hingebung in den intimen Szenen an der Seite ihres Gatten, sie trifft das Minenspiel heimlicher Eifersucht und duldenden Schmerzes in derselben Vollendung, wie ihre Züge den Haß und die Gefühle befriedigter Rache auszudrücken verstehen. Ihr Partner de Vogt bemüht sich, der faszinierenden Kunst Gilda Langers nahezukommen." Und für die Berliner "Illustrierte Film-Woche" (Bd. 7, Nr. 39, S. 397) vom 27.09.1919 war Gilda Langer "insofern eine Überraschung, als sie in diesem Film Zweifler davon überzeugt hat, daß sie nicht nur eine schöne Frau ist, sondern auch eine Darstellerin großen Stils, die entschieden seit ihrem letzten Filmdebut sich schauspielerisch ganz unerwartet schnell entwickelt hat."
In dem 2. Teil von Fritz Langs Abenteuer "Die Spinnen"2) (1920) mit dem Titel "Das Brillantenschiff"2) hatte Gilda Langer zwar laut einiger Film-Magazine eine "wichtige Rolle"5), doch auch dieser Part lässt sich nicht mehr näher verifizieren. Bei www.gildalanger.de führt der Filmhistoriker und Autor Olaf Brill hierzu aus: "In vielen Filmographien wird Gilda Langer darüber hinaus auch als Darstellerin im zweiten Teil von Langs Abenteurer-Serie "Die Spinnen", "Das Brillantenschiff", geführt. Dort taucht sie allerdings nicht auf. Die Angabe beruht offensichtlich auf einer irrtümlichen Meldung in der Fachzeitschrift "Der Film", bei der es sich vermutlich um eine Namensverwechslung mit der Schauspielerin Thea Zander handelt, die in "Das Brillantenschiff" die Tochter des Diamantenkönigs spielt, die von den "Spinnen" entführt wird."
 
Als Carl Mayer und Hans Janowitz2) das Drehbuch zu Robert Wienes2) Meisterwerk "Das Cabinet des Dr. Caligari"2) (1920) schrieben, sahen sie Gilda Langer in der weiblichen Hauptrolle der Jane. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Die Schauspielerin, inzwischen von Mayer getrennt und mit dem Regisseur Paul Czinner2) verlobt, erkrankte Ende Januar 1920 an der "Spanischen Grippe"2), die sich zur Lungeninfektion ausweitete und an deren Folgen sie mit nur 23 Jahren am 31. Januar 1920 in Berlin starb. Die letzte Ruhe fand Gilda Langer auf dem dortigen Südwestkirchhof Stahnsdorf2) → Foto der Grabstelle bei www.findagrave.com und www.gildalanger.de.
Der Berliner "Film-Kurier"2) (Bd. 2, Nr. 28, S. 3) schrieb am 3. Februar 1920 in einem Nachruf: "Gilda Langer, die ausgezeichnete, vielseitige Filmdarstellerin, ist an der Grippe gestorben. Wehmut überkommt uns beim Lesen dieser Nachricht. Gilda Langer tot! Tausende hat sie im Vortragssaal entzückt, unzählig war die Schar der Verehrer ihrer Filmkunst. Wie in den meisten Fällen der tückischen Grippekrankheit war auch Gilda Langer nur wenige Tage krank. Ein dauerndes Erinnern an ihre liebenswürdige Persönlichkeit und ihre große Kunst, die zuerst im Dienste der "Ufa" und später der "Decla" stand, wird Gilda Langer bei allen bleiben, die jemals mit ihr zusammenkamen." → weitere Nachrufe bei filmhistoriker.de
Hans Janowitz verfasste 1920 für die Berliner Wochenschrift "Das Tage-Buch"2) eine Hommage an Gilda Langer mit dem Titel "Das Märchen von Gilda Langer"6): "Es war einmal eine Frau, die hatte eine Seele. Darum hatte sie eine ganz dünne Haut, die aus Blumenblättern zu sein schien; darum hatte sie Augen, die einem Engel oder sanften Himmelstier gehörten; darum trug sie einen paradiesischen Garten am Haupt aus blondem Haar. Es war einmal diese Frau. Seit Sonnabend, 31. Januar 1920, 10 Uhr 15 Minuten vormittags, ist sie nicht mehr. Sie starb. Sie starb, weil sie dem Sterben keinen Widerstand entgegenzusetzen hatte. Keinen Widerstand: das ist es, was uns sterblich macht! Melancholie ist der heimliche Verräter des Lebens an den Tod. Es stirbt, wer irgend etwas hier verneint, was das Leben nicht missen will. Dieses Etwas? Mysterien. Ein Nichts und ein Alles. Eine seelische Stellung zu den Dingen der Erde. Eine Verschiebung des Ausblicks in das Jammertal. Eine Geringfügigkeit. Eine Freude vielleicht, ganz klein und fast nichtig, auf die man verzichtet hat ´#150; und irgendwo schlägt da dem Ablauf eines Lebens seine Uhr. – Widerstandslosigkeit vor dem Tode?! Die Widerstandslosigkeit einer Dreiundzwanzigjährigen? So lag das Herz dieses triebzarten Lebens frei in dem Sturme der Todeskrankheit? War dieses Mädchens Jugend denn nicht: Kraft zu leben? War sie nicht eher: Kraft der Feinheit, leben nicht zu können??? Wandelnde Psyche war sie, und ist dahin. Musik und Blumenduft war ihr Atem, Wort, Auge, Schritt. Verirrte Seele, Kind aus den Gefilden eines fremden Werweißwo: so bist Du, Weiße, mit dem schwarzen Engel uns entlaufen? Hat sie nun ihren Geist aufgegeben, Freunde, oder ihren Leib?! Trauert! Trauert! Denn ein solches Märchen, wie dieses war, das Märchen von Gilda Langer, wird Gott euch nicht wieder erzählen."
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch, filmhistoriker.de sowie
die Website www.gildalanger.de von Olaf Brill, der auch filmhistoriker.de betreibt
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 5) Murnau Stiftung
3) gemeint ist Martha Angerstein, verheiratete Martha Licho
4) Kurt Richter (1885 – 1960) war der langjährige Filmarchitekt von Ernst Lubitsch
5) Quelle: Artikel zu "Die Spinnen" bei www.filmhistoriker.de
6) Hans Janowitz: Das Märchen von Gilda Langer. In: "Das Tage-Buch" (Bd. 1, Nr. 35, 1920, S. 1158)
Lizenz Foto Gilda Langer (Urheber "Fotoatelier Zander & Labisch", Berlin): Das Atelier von Albert Zander und Siegmund Labisch († 1942) war 1895 gegründet worden; die inaktive Firma wurde 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Externe Recherche ergab: Labisch wird ab 1938 nicht mehr in den amtlichen Einwohnerverzeichnissen aufgeführt, so dass sein Tod angenommen werden muss; Zander wiederum war laut Aktenlage ab 1899 nicht mehr aktiv am Atelier beteiligt und kommt somit nicht als Urheber dieses Fotos in Frage. Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. (Quelle: Wikipedia)
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de, filmportal.de
(Link:Wikipedia, Murnau Stiftung)
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