Der Schauspieler André Mattoni erblickte am 24. Februar 1900 als Andreas Leo Heinrich Edler von Mattoni im böhmischen, damals zur k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörenden Karlsbad (heute Karlovy Vary, Tschechien) das Licht der Welt und wurde in eine traditionsreiche, privilegierte Familie hineingeboren. Er stammte aus der von seinem Großvater Heinrich von Mattoni1) (1830 – 1910) zur Blüte gebrachten Karlsbader Mineralwasser-Dynastie "Mattoni"1). Die Geschäfte wurden nach dem Tod von dessen Söhnen Leo (1862 – 1940, Präsident der "Mattoni AG" und Andrés Vater Heinrich (1874 – 1939; Vizepräsident der "Mattoni AG") erfolgreich weitergeführt. Seit 1919 war Andrés Bruder Heinrich (1895 – 1981) Inhaber des "Mattoni"-Werkes.2) Seine Mutter Adele von Mattoni wiederum war eine geborene "Pupp", und gehörte zur Familie der Hotel-AG "Grand Hotel Pupp"1), welches bis 1945 einer der gesellschaftlichen Mittelpunkte in Karlsbad war und heute immer noch existiert.
Doch André Mattoni interessierte sich mehr für die Schauspielerei, nach dem Besuch des Wiener "Theresianum"1) erwarb er sich sein darstellerisches Rüstzeug bei dem Burgschauspieler Franz Herterich1) (1877 – 1966), zur Spielzeit 1922/23 gab er als Eleve sein Bühnendebüt am "Burgtheater". Eine weitere Station seiner Theaterkarriere wurden die "Wiener Kammerspiele", im Rahmen von Tourneen nach Aussig, Brünn, Olmütz und Bodenbach konnte Mattoni seinen Ruf als Charakterschauspieler festigen. Im Herbst 1924 gelangte er nach Berlin und setzte dort seine Theaterarbeit fort.

André Mattoni fotografiert von Wilhelm Willinger1) (1879 – 1943)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

André Mattoni fotografiert von Wilhelm Willinger (1879 – 1943); Quelle: www.cyranos.ch
Kaum in Berlin angekommen, wurde der Film auf den gut aussehenden Mimen aufmerksam, gleich mit seiner ersten Arbeit vor der Kamera konnte er Kritik und Publikum überzeugen. Regisseur Hans Neumann betraute ihn mit der Figur des Lysander in der stummen Shakespeare-Adaption "Ein Sommernachtstraum"1) (1925). Nach zwei weiteren Produktionen – unter anderem mit der Rolle des jungen liebenswürdigen Lebemanns Baron Frank Caruther in "Das Fräulein vom Amt"3) (1925) – besetzte ihn Friedrich Wilhelm Murnau in seiner Moličre-Verfilmung "Tartüff"1) (1926) neben Titelheld Emil Jannings. Mattoni war daraufhin als Hauptdarsteller für Fritz Langs Meisterwerk "Metropolis"1) (1927) vorgesehen, der Part des Freder ging jedoch nach einigen Wochen Drehzeit, die Lang nicht zufrieden gestellt haben sollen, an Gustav Fröhlich4).
Mattonis Domäne waren galante Liebhaber, wie beispielsweise der Maler Billy in Gennaro Righellis Literaturverfilmung "Svengali"1) (1927) an der Seite von Paul Wegener und Anita Dorris, oder Adlige wie während seines USA-Aufenthalts der Graf Asterberg in der US-amerikanischen Produktion "Alt-Heidelberg"1) (1927, Old Heidelberg) mit den Leinwandstars Ramon Novarro und Norma Shearer.
Bis Ende der 1920er Jahre tauchte Mattoni in etlichen weiteren stummen, vornehmlich österreichischen Produktionen auf, musste sich jedoch vermehrt mit Nebenrollen zufrieden geben. Im Tonfilm konnte er zwar Fuß fassen, blieb aber auch hier auf, wenn auch prägnante Chargenrollen reduziert. So beispielsweise als Medizinstudent Kurt Pointner in dem ganz auf Volksschauspielerin Hansi Niese4) zugeschnittenen turbulenten Geschichte "Ein süßes Geheimnis"3) (1932, Regie: Frederic Zelnik), als Prinz Georg in der Operettenverfilmung "Hoheit tanzt Walzer" (1935; Regie: Max Neufeld) oder als Sport- und Lebemann Paul von Willings in der in Prag gedrehten musikalischen Romanze "Immer wenn ich glücklich bin…!" (1938, Regie: Karel Lamač) mit Marta Eggerth und Frits van Dongen.
In den 1940er Jahren wirkte Mattoni in einigen italienischen Produktionen mit, zeigte sich aber auch in dem Jenny Jugo-Lustspiel "Viel Lärm um Nixi"3) (1942) und in der Verwechslungskomödie "Abenteuer im Grandhotel"3) (1943), wo er zudem neben Ernst Marischka als Regie-Assistent fungierte. Einen letzten kleinen Leinwandauftritt hatte er in dem von Willi Forst 1944 für die "Wien-Film" inszenierten Biopic über den von Forst selbst verkörperten österreichischen Komponisten Carl Michael Ziehrer1) mit dem Titel "Wiener Mädeln"1), das in Deutschland jedoch erst am 3. Februar 1950 zur Aufführung gelangte.
 
André Mattoni, der seit Anfang der 1930er Jahre wieder in Österreich lebte und am Wiener "Theater in der Josefstadt" auftrat, ging dann 1938 nach dem "Anschluss Österreichs" bzw. dem De-facto-Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutsche Reich für einige Zeit nach Italien und lebte in Rom. 1942 kam er nach Österreich zurück und ließ sich in Wien nieder.
Seine Leinwandkarriere war faktisch beendet, lediglich nach Kriegsende betätigte er sich bei zwei Filmen als Co-Produzent. Zwischen 1957 und 1964 war er als Privatsekretär ein wichtiger Mitarbeiter des Leiters der "Wiener Staatsoper", Herbert von Karajan1). Ab Anfang Juni 1978 bis Anfang März 1979 trat Mattoni an der "Wiener Staatsoper" in den von Gustav Rudolf Sellner1) inszenierten Aufführungen der komischen Oper "Der junge Lord"1) mit der stummen Rolle des alten Lord Sir Edgar auf  → db-staatsoper.die-antwort.eu.
 
André Mattoni starb am 11. Januar 1985 im Alter von 84 Jahren in Wien.
Aus seiner gescheiterten Ehe mit einer Amerikanerin, deren begüterte Familie beim großen Börsencrash Ende Oktober 1929 alles verloren hatte, stammt der Ende der 1920er Jahre in Los Angeles geborene Sohn Prof. Rudolf Mattoni, der sich als Biologe und Lepidopterologie bzw. als Experte für blaue Schmetterlinge einen Namen machte und bis zur Emeritierung an der "University of California" lehrte → www.landeszeitung.cz.lor. 
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www,cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) filmportal.de
2) Quelle: www.deutsche-biographie.de
Lizenz Foto André Mattoni (Urheber: Wilhelm Willinger): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1925: Ein Sommernachtstraum
  • 1925: Die gefundene Braut
  • 1925: Das Fräulein vom Amt
  • 1926: Tartüff → Murnau Stiftung
  • 1926: Warum sich scheiden lassen?
  • 1927: Svengali
  • 1927: Alt-Heidelberg (Old Heidelberg)
  • 1927: Leichte Kavallerie
  • 1927: Was die Kinder ihren Eltern verschweigen
  • 1927: Die raffinierteste Frau Berlins
  • 1928: Marys großes Geheimnis
  • 1928: Charlott etwas verrückt
  • 1928: Glück bei Frauen
  • 1929: Straßenbekanntschaften / Známosti z ulice
  • 1929: Hütet euch vor leichten Frauen
  • 1929: Die Schleiertänzerin / Le meneur de joies
  • 1919: Die nicht heiraten dürfen
  • 1930: Wenn Du noch eine Heimat hast*)
  • 1930: Sturm auf drei Herzen*)

*) unklar, ob Stumm- oder Tonfilm

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