Die Stummfilmdarstellerin mit dem klingenden Namen Viola Garden wurde am 28. Februar 1902 als Jolanthe Maria Ida Kehle in Wien geboren; über ihren familiären Hintergrund ist nichts bekannt. Ende der 1920er Jahre startete die attraktive junge Frau eine intensive, wenn auch kurze Leinwandkarriere, tauchte erstmals in Kurt Bernhardts, im Stil der "Neuen Sachlichkeit" gedrehten Komödie "Das Mädchen mit den fünf Nullen"1) (1927) auf. In dem heute als verschollen geltenden Streifen über arme Leute, die mit den Gewinnen aus einem gemeinsam erstandenen Lotterielos scheitern, hatte man sie gleich mit der zentralen weiblichen Rolle der netten, bodenständigen Tänzerin Lola Lutz besetzt – übrigens war hier der spätere Star Heinz Rühmann mit dem kleinen Part eines Provinzjünglings zu sehen. Nach der Figur der Mady Morray in Fred Sauers Schwank "In Werder blühen die Bäume" mit dem Untertitel "Die Geschichte zweier lustiger Berliner Jungen" mit Teddy Bill und Fritz Schulz wurde sie von Karel Lamač für die heitere Geschichte "Der erste Kuß" (1928) vor die Kamera geholt, wo Viola Garden neben Anny Ondra die zweite weibliche Hauptrolle als Sekretärin des reichen amerikanischen Getreidekönigs William Cord (Eugen Burg) mimte, der zugleich Ondras Filmvater ist. Es folgte das schwerblütige Bauerndrama "Die von der Scholle sind" (1928), in dem sie "als weibliche Hauptdarstellerin für das romantische Element sorgte"*).
Auch in Fedor Ozeps dramatischen, hochgelobten Tolstoi-Adaption bzw. der deutsch-sowjetische Co-Produktion "Der lebende Leichnam"1) (1929) hatte sie einen tragenden Part, trat als Schwester der vom italienischen Star Maria Jacobini dargestellten Lisa in Erscheinung, deren Ehe mit dem Russen Fjodor Protassow (Wsewolod Pudowkin) weitgehend am Ende ist.
"In der zeitgenössischen Presse kursieren nicht zu belegende Gerüchte, sie sei mit Fedor Ozep verheiratet und selber Russin."*)

Viola Garden fotografiert von Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Viola Garden fotografiert von Alexander Binder (18881929); Quelle: www.cyranos.ch
Ende April 1929 kam dann Rudolf Meinerts kriminalistisches Melodram "Die weißen Rosen von Ravensberg"2) in die Lichtspielhäuser, in dem sich Viola Garden an der Seite der Stummfilmdiva Diana Karenne als kalte, dunkle Schönheit Sigrid von Erlenstein zeigte, die wie ihre Konkurrentin Iris (Dolly Davis) den Fürsten Marcel Hochwald (Jack Trevor) liebt. Gedreht worden war die Geschichte nach dem 1896 erschienenen, gleichnamigen Bestseller von Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem1), die um 1900 zu den beliebtesten deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen zählte. Da es sich jedoch bereits innerhalb von 10 Jahren um die zweite Verfilmung handelte – 1919 hatte Nils Chrisander den Roman mit sich selbst in der männlichen Hauptrolle auf die Leinwand gebannt – war Meinerts Version an den Kinokassen nicht sonderlich erfolgreich.
Das Ende November 1929 uraufgeführte futuristische Industrie-Abenteuer "Sprengbagger 1010"1) von Regisseur und Drehbuchautor Carl Ludwig Achaz-Duisberg sollte Viola Gardens letzte Arbeit für den Film werden: Hier stellte sie die "assistierende Ingenieurin Olga Lossen dar, deren Eingreifen es zu verdanken ist, dass der außer Kontrolle geratene Industrie-Koloss schließlich doch noch gebändigt wird. Ihr Auftreten zeigt eine Selbstsicherheit und Modernität, wie sie im Kino jener Jahre einer Frau selten zugestanden werden: Aufgeschlossen und selbstbewusst, pragmatisch und attraktiv, verkörpert Garden nahezu das Ideal einer emanzipierten und gleichberechtigten Frau, dazu intelligent, schön, von geradezu aristokratischer Ausstrahlung und Interessiertheit."*). Und auf der Seite des "Deutschen Historischen Museums" kann man lesen: "Sprengbagger 1010" ist ein betont wuchtiger, fast monumentaler, heute monströs anmutender Film. Gedreht mit großem Budget und Starbesetzung, ist "Sprengbagger 1010" das Werk eines Außenseiters mit allerdings besten Verbindungen. Carl Ludwig Achaz-Duisberg, Autor, Regisseur und Produzent des Films, ist eigentlich Theater-Schauspieler. Als Sohn des Großindustriellen Carl Duisberg, Chef der "I.G. Farben", kann er in seiner ersten und einzigen Filmregie aus dem Vollen schöpfen. Der Star Heinrich George gibt ein Gegenbild zu seiner Metropolis-Rolle. In "Sprengbagger 1010" spielt George einen gerissenen Industriemagnat, der mit einer neuen, brachialen Schürftechnologie einen Braunkohle-Tagebau erschließen will. Der eigentliche Konflikt ist in die Figur des Chefingenieurs verlegt, der aus der ländlichen Region stammt, die industriell zerstört werden wird. Spiegel der Krise des die Technologie nur formelhaft beherrschenden Ingenieurs sind die ihn umgebenden Frauen, die völlig konträr gezeichnet sind: die eine supermodern, dem Fortschritt und Erfolg mit allen Mitteln verschrieben; die andere heimatverbunden, einfühlsam, aber hilflos; dazu die Großmutter, die sich und ihre alte Mühle vor dem Ansturm der Technik lieber selbst verbrennt. In dieser melodramatischen Dreiecks-Anordnung, eingerahmt von ausgefeilten Bildern avantgardistisch stahlblitzender Industriearchitektur der "Leuna-Werke", entfaltet Achaz-Duisberg ein ökologisches Drama mit einer im Finale verstörend brutalen Maschinengewalt."
Achaz-Duisberg musste von der zeitgenössische Presse für seine Arbeit überwiegend negative Kritiken einstecken, so notierte die Berliner "Vossische Zeitung" (Nr. 559) am 27.11.1929 unter anderem: "Die schöne Viola Garden mühte sich krampfhaft lachend mit der vollkommen verzeichneten Chefingenieurin ab, und Heinrich George war wieder einmal ein Generaldirektor mit Bauch, Gemüt, etwas Brutalität und natürlich Pflichtbewußtsein. Vom Pflichtbewußtsein ist sehr viel die Rede in diesem Film. Vielleicht hat der mehr idyllisch veranlagte Filmregisseur Achaz da nächste Mal das Pflichtbewußsein, sich vorher Kenntnisse über das zu verschaffen, was er gestalten will."
Ursprünglich hatte der Streifen "eine Länge von 2712 Metern (etwa 132 Minuten Spieldauer), wurde jedoch kurz danach um etwa 45 Minuten gekürzt. Vom Film existierte nur eine einzige Kopie dieser gekürzten Fassung im Berliner "Filmarchiv des Bundesarchivs", die 2010 vom ZDF und ARTE digital restauriert wurde und im März 2011 im Essener Industriedenkmal "Zeche Zollverein" zum ersten Mal nach über 80 Jahren aufgeführt wurde."3) → Siehe auch den Artikel bei www.nmz.de
 
Bei den Dreharbeiten waren sich der studierte Rechts- und Naturwissenschaftler bzw. Regisseur Dr. Carl Ludwig Achaz-Duisberg4) (1889 – 1958) und seine weibliche Hauptdarstellerin näher gekommen. Viola Garden heiratete den Sohn des Direktors der "IG Farben" Carl Duisberg1) und zog sich nach nur sieben Filmen von der Schauspielerei zurück. "Sie wird Mutter zweier Söhne, Sven (geb. 1937) und Constantin (geb. 1934), der Ende 1947 in Passau unter tragischen Umständen stirbt. Jahrzehntelang wird daraufhin kolportiert, Viola Garden selbst sei 1948 verstorben. Tatsächlich lebt sie mit ihrem Mann auf Schloss Vornbach1) bei Passau, Achaz-Duisberg wird 1945 der erste Nachkriegsbürgermeister der Gemeinde. "Jola" Duisberg ist gesellschaftlich und kulturell engagierter Mittelpunkt. Das Ehepaar unterstützt die Vornbacher Schule mit Stiftungen, sie kümmert sich um Orts- und Friedhofsverschönerungen, kreiert Hauben im Stil traditioneller Heimattrachten und wird 1962 anlässlich ihres 60. Geburtstages für ihr Engagement und ihre Verdienste um die Erhaltung der Tradition zur Ehrenbürgerin ernannt." → www.goldhauben-passauerland.de

Jolanthe Duisberg, die eine Zeit lang den Künstlernamen Viola Garden führte, starb am 24. Februar 1993 – wenige Tage vor ihrem 91. Geburtstag – in Vornbach, einem Ortsteil der Gemeinde Neuhaus am Inn im niederbayerischen Landkreis Passau.
Quelle: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 55*)
Siehe auch www.cyranos.ch
*) Quelle: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 55; Autor: EDH (= Ernst Dirk Holsiepe)
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 4) books.google.de
3 Quelle: Wikipedia
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(Link: Wikipedia, filmportal.de)
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