Die am 11. Januar 1906 in Köln geborene Schauspielerin (Martha) Elisabeth Wendt zählte in den 1930er Jahre zu den beliebten Leinwanddarstellerinnen und wirkte in vieler erfolgreichen Produktionen mit. Erstmals hatte sie in Fritz Langs Meisterwerk "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"1) (1931) mit dem kleinen Part einer Prostituierten auf sich aufmerksam gemacht, Georg Wilhelm Pabst betraute sie dann mit der Figur der Ehefrau des Kumpels Wittkopp (Fritz Busch) in seinem nicht minder beachtenswerten politischen Bergarbeiterfilm "Kameradschaft"1) (1931). Sie spielte die in einer Nervenklinik lebende Ehefrau des Bildhauers Prof. Steinkampp (Hans Rehmann), der in Erich Waschnecks Literaturadaption "Unmögliche Liebe"1) (1932) mit der älteren Kollegin Vera Holgk (Asta Nielsen) eine Affäre beginnt, tauchte als Sängerin Bettina Wittelsbach in Max Opals rheinischen Familien- und Liebesgeschichte "Die vom Niederrhein"2) (1933) an der Seite von Lien Deyers und Albert Lieven auf. Zusammen mit Henny Porten stand sie für das Drama "Mutter und Kind"1) (1934) vor der Kamera, gab die Straßendirne Hete in Thea von Harbous Gerhart Hauptmann-Verfilmung "Hanneles Himmelfahrt"1) (1934) mit Inge Landgut in der Titelrolle des Waisenkindes Hannele.
Die Mutter der jungen Juwelierstochter Yvette Bruneaux (Ilse Petri) stellte sie in Gerhard Lamprechts Krimi "Ein seltsamer Gast"3) (1936) dar: Einst hatte Lou ihre Familie verlassen und lebt nun mit dem Ganoven René Morone (Werner Scharf) zusammen, der sie zwingt, die eigene Tochter zu erpressen. Wenig später hat die Polizei den mysteriösen Tod von Lou aufzuklären …

Elisabeth Wendt fotografiert von Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Elisabeth Wendt fotografiert von Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Ein weiterer Krimi war der von Paul Wegener in Szene gesetzte Streifen "Die Stunde der Versuchung"3) (1936) mit der Rolle der Alice, Ehefrau des Geheimrats Rüdiger (Theodor Loos), die aus einem Sanatorium geflohen ist und offensichtlich seit Jahren ein Verhältnis mit dem Frauenheld MacNorris (Harald Paulsen) hatte – und schließlich als dessen Mörderin entlarvt wird. Erich Engels besetzte Elisabeth Wendt als Lola bzw. die geheimnisvolle, schöne "Graue Dame", die in der Sherlock Holmes-Geschichte "Die graue Dame"2) (1937) in das Visier des als Jimmy Ward getarnten Sherlock Holmes (Hermann Speelmans) gerät, eher klein war ihr Part als Freundin des Grenadiers Dr. Jens Kirchhoff (Carl Raddatz) in Karl Ritters propagandistischem Streifen "Urlaub auf Ehrenwort"1) (1938). In Herbert Maischs Melodram "Frau Sylvelin"3) (1938) erlebte man sie als Sekretärin des mächtigen Präsidenten des Block-Konzerns (Heinrich George), dessen zarte und wesentlich jüngere Gemahlin Sylvelin (Maria von Tasnady) ein unerfülltes Leben führt, in Hans Heinz Zerletts aufwendigem Revuefilm "Es leuchten die Sterne"3) (1938) gab sie neben Protagonistin La Jana die Schauspielerin Marven.
Erich Engels besetzte sie einmal mehr als Ehefrau, diesmal des Grundstücksmaklers Nerger (Walter Steinbeck), die in dem spannenden Krimi "Mordsache Holm"1) (1938) in das Visier des Kriminalrats Wiegand (Harald Paulsen) gerät. Von und mit Sensationsdarsteller Harry Piel entstand der Zirkusfilm "Menschen, Tiere, Sensationen"1) (1938), hier spielte sie dessen alte Verehrerin Maja de Passy, die in dessen Armen auf tragische Weise ums Leben kommt. Als Carl Heinz Wolff das Grimm'sche Märchens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1939) drehte, besetzte er Elisabeth Wendt als böse Stiefmutter neben der Titelheldin Marianne Simson und Walter Kynast als König, der in den Krieg zieht, um sein Land zu verteidigen. "Die Propagandamaschine der Nazis machte auch vor den Kleinsten nicht halt. Systematisch trimmte die deutsche Filmindustrie Kindergeschichten auf Linie – das Umschreiben der Klassiker trieb dabei oft abstruse Blüten. (…) Auch "Schneewittchen und die sieben Zwerge" von 1939 – das deutsche Realfilm-Pendant zu Disneys "Snow White and the Seven Dwarfs" (1937) – wurde der Gegenwart angepasst. Obwohl bei den Brüdern Grimm Schneewittchens Vater keine tragende Rolle spielt, hatte er im NS-Märchenfilm seinen großen Auftritt: Er zog als oberster Heerführer mit seinen Soldaten in den Krieg. Die Uraufführung das Märchenfilms fand im Oktober 1939 statt – nur einen Monat nach Deutschlands Angriff auf Polen."4)
Bis Ende des 2. Weltkrieges trat Elisabeth Wendt mit prägnanten Rollen in Produktionen wie dem Krimi "Der Vierte kommt nicht"3) (1939) oder den Melodramen "Die Hochzeitsreise"3) (1939), "Die fremde Frau"3) (1939) und "Der grüne Salon"3) (1944) in Erscheinung, Alfred Brauns Theodor Storm-Adaption "Der Puppenspieler"1) (1945) blieb unvollendet.
 
Für den Nachkriegsfilm stand Elisabeth Wendt nur noch wenige Male vor der Kamera, konnte nicht mehr so recht an die früheren Leinwanderfolge anknüpfen. Die erste Arbeit war ein winziger Part in der DEFA-Produktion "Die Buntkarierten"1) (1949), gefolgt von der Rolle der Fürsorgerin Else Richnow, genannt "Bohnenstange", in Alfred Brauns psychologisch-pädagogischen Krimistudie "Mädchen hinter Gittern"2) (1949). Erneut eher unbedeutend war die Figur einer Krankenschwester in Georg C. Klarens Biopic "Semmelweis – Retter der Mütter"1) (1950), nach einem Auftritt in Alfred Brauns Milieufilm "Die Treppe"2) (1950) verabschiedete sich Elisabeth Wendt in dem ebenfalls von Alfred Braun in Szene gesetzten, ganz auf Zarah Leander zugeschnittenen Melodram "Ave Maria"1) (1953) vom Kinopublikum.
Rund zehn Jahre später sah man sie noch einmal auf dem Bildschirm – als am 31. Dezember 1964 Arno Assmanns Inszenierung der Strauss-Operette "Die Fledermaus" am "Kölner Schauspielhaus" (Premiere 29.12.1964) im Fernsehen ausgestrahlt wurde. In der Aufführung, in der unter anderem Heinz Erhardt den Gefängniswärter Frosch gestaltete, spielte sie die Ida, Schwester des Kammermädchens Adele.

Elisabeth Wendt starb am 19. März 1980 im Alter von 74 Jahren in Berlin-Spandau.5)
Sie war mit dem Schauspieler und Regisseur Walther Suessenguth (1900 – 1964) verheiratet → "Tim Frazer".

Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch
Link: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) Murnau Stiftung
4) Quelle: Spiegel Online-Artikel: "NS-Propaganda: Einmarsch ins Märchenreich" von Ron Schlesinger
5) laut Namensverzeichnis des Sterberegisters beim Standesamt Berlin-Spandau (I)
Lizenz Foto Elisabeth Wendt (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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