Der Schauspieler Adolf Weisse (auch Weiße) erblickte am 4. April 18551) in Lugos (heute Lugoj, Rumänien) als Adolf Weiß das Licht der Welt. Seine Jugendjahre verbrachte er in der italienischen Lagunenstadt Venedig, dann ging er nach Wien und besuchte zunächst die "Greysche Theaterschule", ließ sich dann umfassend von Josef Lewinsky2) (1835 – 1907) zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab Weisse am 3. April 1878 am "Deutschen Theater" in Budapest in dem Stück "Narciss. Ein Trauerspiel." von Albert Emil Brachvogel2) mit dem Part des Premierministers Herzogs von Choiseul an der Seite des Protagonisten bzw. bekannten Heldendarstellers Ludwig Barnay2). Ein erstes Engagement erhielt der aufstrebende Schauspieler im darauffolgenden Jahr am Hoftheater in Kassel, wo er sich "im Fache der Intriguanten seine ersten Sporen verdiente."*) Sechs Jahre blieb Weisse in Kassel, ging anschließend für zwei Jahre nach Berlin an das "Königliche Schauspielhaus"2) und kam dann 1887 als Charakterdarsteller an das "Kölner Stadttheater"2).

Adolf Weisse 1911 in weißem Hemd
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora1), 1881–1963); Datierung: 25.09.1911
Quelle/© ÖNB/Wien, Bildarchiv
(Inventarnummer 203536-D)

Adolf Weisse 1911 in weißem Hemd; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora, 1881–1963); Datierung: 25.09.1911; Quelle/Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 203536-D)
1889 wurde er an das neu gegründete "Deutsche Volkstheater"2) in Wien berufen, Ludwig Eisenberg1) (1858 – 1910) schreibt in seinem 1903 publizierten Lexikon*): Gleich in der Eröffnungsvorstellung sprach er den von Ferdinand von Saar2) verfaßten Prolog und erschien als König Karl in der "Bluthochzeit" zum ersten Mal als Schauspieler vor dem Wiener Publikum. Seit dieser Zeit ist Weiße ununterbrochen Mitglied dieses Theaters, an dem er sich als feinfühliger Charakteristiker und musterhafter Sprecher bald eine erste Stellung schuf, die er bis zum heutigen Tag in höchst anerkennenswerter Weise ausfüllt. Seinen ersten, großen nachhaltigen Erfolg errang er an dieser Bühne mit der Darstellung des Staatsanwaltes Tschuku in der "Hochzeit von Valeni"3). Seit diesem Abend zählt man ihn zu den besten Wiener Charakterschauspielern. Weiße verwendet viel Fleiß auf das gesprochene Wort, wie er überhaupt der Deutlichkeit des Vortrages, der seinen Nuancierung und der markanten Sprechweise sorgfältigste Aufmerksamkeit widmet: und ebenso wie seine Sprache ist auch seine Darstellungsweise anschaulich, prägnant, charakteristisch. Seine ganz außerordentlich vornehme Art zu spielen, weist ihm auch das Fach des "pčres nobles" zu, in welchem ihm seine Würde, von seiner hohen, distinguierten Gestalt besonders unterstützt, vortrefflich zu statten kommt. Aber: nicht nur im modernen Stück (auf deutschem Boden wie im Pariser Salon) hat er eine Anzahl wirkungsvollster Kabinettstücke herausgearbeitet ("Napoléon" in "Sans-Gęne"4), "Baron Hofäcker" in "Fastnacht", "Holger" in "Über unsere Kraft"5), "Dr. Rank" in "Nora"2) etc.), auch im klassischen Drama, insoweit dieses am "Deutschen Volkstheater" gepflegt wird, stellt Weisse seinen Mann, und sind sein "Geßler" (→ "Wilhelm Tell"2)), "Riccaut de la Marliničre" (→ "Minna von Barnhelm"2)), "Shylock" (→ "Der Kaufmann von Venedig"), "Rudolf von Habsburg" (→ "König Ottokars Glück und Ende") etc. festgemeißelte Charaktergestalten, ehern in der Haltung und doch fein durchseelt. Im März 1902 trat Weiße als Mitdirektor in die Leitung des "Deutschen Volkstheaters".*)
Adolf Weisse 1911 als Wallenstein in Friedrich Schillers "Wallenstein"; Fotos mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora, 1881–1963); Datierung: 25.09.1911; Quelle/Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv, Inventarnummer 203534-D

Nach dem Tod von Emmerich Bukovics7) (* 1844) am 4. Juli 1905 war Weisse bis 1916 allein für die Direktion des "Deutschen Volkstheaters" zuständig, setzte sich für die Aufführung von zeitgenössischen Dramatikern wie Gerhart Hauptmann2), George Bernard Shaw2), Arthur Schnitzler2) oder Frank Wedekind2) ein und gehörte schon bald zu den prägenden Größen der Wiener Theaterszene. Zudem baute er mit Schauspielern wie Max Pallenberg6), Josefine Glöckner6), Anton Edthofer6), Hans Homma6), Ida Wüst6), Jakob Feldhammer2) oder Wilhelm Klitsch6) auch den klassischen Teil des Spielplans weiter aus. Am 15. Mai 1907 kam es zur Wiener Erstaufführung der Oper "Salome"2) von Richard Strauss in einem Gastspiel aus Breslau, von Johann Nestroy2) wurden sechs Stücke neu inszeniert, von Ferdinand Raimund2) jedoch keines.

Fotos: Adolf Weisse 1911 als Wallenstein
in Friedrich Schillers "Wallenstein"
Fotos mit freundlicher Genehmigung der
Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora1), 1881–1963); 
Datierung: 25.09.1911
Quelle/© ÖNB/Wien, Bildarchiv

Adolf Weisse 1911 als Wallenstein in Friedrich Schillers "Wallenstein"; Fotos mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB); Urheber: Atelier D'Ora-Benda (Madame d'Ora, 1881–1963); Datierung: 25.09.1911; Quelle/Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv, Inventarnummer 203535-D
Inventarnummer 203534-D Inventarnummer 203535-D

Ab 1920 trat der inzwischen 65-jährige vermögende Mime kurzeitig im Film in Erscheinung, zeigte sich erstmals im November 1920 in Alexander Kordas Mark Twain-Adaption "Prinz und Bettelknabe"2) auf der Leinwand und mimte den Lordkanzler. Richard Oswald besetzte ihn als jüdischen Hehler Fagin2) in dem Streifen "Die Geheimnisse von London" (1920) mit dem Untertitel "Die Tragödie eines Kindes", gedreht nach dem berühmten Dickens-Roman "Oliver Twist"2). Es folgten Rollen unter anderem in den von Friedrich Fehér in Szene gesetzten Produktionen "Die Geburt des Antichrist" (1922) und "Der Sohn des Galeerensträflings" (1923), für Hans Homma verkörperte er den Herzog von Clermont in der Balzac-Verfilmung "Die Marquise von Clermont" (1922). Erneut mit Alexander Korda drehte Weisse "Jedermanns Weib" (1924) und übernahm an der Seite von Korda-Ehefrau María Corda6) den eher kleinen Part eines Dieners. Als Michael Kertész (= Michael Curtiz) das Drama "Harun al Raschid"2) (1924) auf die Leinwand bannte, gab Weisse einen alten Sonderling und auch in Kertész' Monumentalfilm "Die Sklavenkönigin"2) (1924) gehörte der Mime zur Besetzung und schlüpfe in die Maske des Pharao Menapta. Kertész hatte den Streifen nach der Vorlage von Henry Rider Haggards Roman "The Moon of Israel", welcher wiederum auf der biblischen Geschichte vom Auszug aus Ägypten basiert, in Szene gesetzt. Inspiriert worden war Kertész  auch "durch die "Ägyptomanie", die weltweit seit dem ersten Fund eines ungeplünderten Pharaonengrabes, jenem des ägyptischen Pharaos Tutenchamun, herrschte. Hauptdarstellerin war dieses Mal nicht die Frau des Regisseurs, wie es in den meisten vorangegangenen Filmen von Michael Kertész der Fall war. Da Lucy Doraine6) (1898 – 1989) mittlerweile von ihm geschieden war, bekam mit María Corda ausgerechnet die Frau seines ebenfalls aus Ungarn stammenden "Konkurrenten" Alexander Korda, der in diesen Jahren für die konkurrierende "Vita-Film" gleichfalls Monumentalfilme in Wien inszenierte, die Hauptrolle zugesprochen." notiert Wikipedia.
Letztmalig stand Weisse für die österreichisch-französische Produktion bzw. das Historiendrama "Salammbô" (1924) vor der Kamera, welches in Deutschland auch unter dem Titel "Der Kampf um Karthago" gezeigt wurde. In der Verfilmung des Romans "Salammbô" von Gustave Flaubert gab Weisse neben der die Titelheldin verkörpernden Jeanne de Balzac (1891 – 1930) den Scharabahim.

Der Schauspieler und Theaterintendant Adolf Weisse starb am 17. Juli 1933 in Wien; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Zentralfriedhof (Israelitische Abteilung, viertes Tor, Grab 9a/2/6) → Foto der Grabstelle bei → www.viennatouristguide.at.
Sein Sohn Hans Weisse (1892 – 1940), der unter anderem bei Heinrich Schenker2) (1868 – 1935) studierte, wurde Komponist bzw. Musikpädagoge → www.schenkerdocumentsonline.org (in englisch).

Quelle (unter anderem*)): www.cyranos.ch
*) Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert (Verlag von Paul List, Leipzig 1903); Digitalisiert: Adolf Weiße: S. 1109
1) laut Grabstein-Inschrift → www.viennatouristguide.at; Ludwig Eisenberg nennt 1856, www.wien.gv.at gibt den 04.08.1857 an.
Link: 2) Wikipedia, 6) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 7) www.wien.gv.at
3) Gemeint ist das Stück "Die Hochzeit von Valeni" von Ludwig Ganghofer und Marco Brocinér; wurde 1914 von Jakob Fleck verfilmt → "Die Hochzeit von Valeni"
4) Gemeint ist die Komödie "Madame Sans-Gęne" von Victorien Sardou, basierend auf dem Leben von Catherine Lefčbvre
5) Gemeint ist das Drama "Over Ćvne. F
řrste Stykke" von Bjřrnstjerne Bjřrnson
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, stummfilm.at, Kurzportrait innerhalb dieser HP)
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