Pauline Schweighofer erblickte am 9. Januar 1866 (nach anderen Quellen 1864) in Wien, Hauptstadt der k. u. k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, als Tochter eines Bankbeamten das Licht der Welt. Zu Beginn der 1880er Jahre erhielt sie dramatischen Unterricht von der Schauspielerin Helene Hartmann1) (1843 – 1898), zugleich bildete Helene Freifrau von Heldburg1) (1839 – 1923), Gattin des kunstsinnigen Herzogs Georg II.1) von Sachsen-Meiningen (1826 – 1914), das junge Nachwuchstalent künstlerisch aus.
Mit nur 15 Jahren gab Pauline Schweighofer ihr Bühnendebüt in Graz mit der Rolle der Eva Webster in dem Schwank "Der Bibliothekar" von Gustav von Moser1), hatte auch Erfolg in den Lustspielen "Feuer in der Mädchenschule" von Théodore Barrière1) und "Sie hat ihr Herz entdeckt" von Wolfgang Müller von Königswinter1). Wenig später wurde sie an das "Herzogliche Hoftheater"1) nach Meiningen geholt, dessen Ensemble sie als jugendliche Liebhaberin bzw. Sentimentale bei einem Gastspiel nach London verstärken sollte. Neben dem Käthchen in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn"1) war die Darstellung der Titelrolle in dem romantischen Schauspiel "Preciosa" ihre wichtigste Aufgabe während dieser Tournee.2) Mehr als zwanzig Mal gestaltete sie die "Preciosa", die Inszenierung des Bühnenstücks von Pius Alexander Wolff1) mit der Musik von Carl Maria von Weber1) war speziell für das London-Gastspiel 1881 in das Repertoire des "Hoftheaters" aufgenommen worden. Kurz vor ihrem 17. Geburtstag bekam die Karriere der jungen Schauspielerin einen weiteren Schub, sie wurde fest an das "Hofburgtheater" engagiert und gab dort am 19. Dezember 1882 ihren Einstand mit der Figur der Vilma in Michael Klapps3) Lustspiel "Rosenkranz und Güldenstern".

Pauline Schweighofer als Käthchen in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn"1)
Urheber: Fotoatelier Wilhelm Höffert, ca. 1881/82; Foto mit freundlicher Genehmigung
(Bildrechte/-herkunft): Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"
Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de)

Pauline Schweighofer als Käthchen in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn"; Urheber: Fotoatelier Wilhelm Höffert, ca. 1881/ 82; Foto mit freundlicher Genehmigung (Bildrechte/-herkunft): Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"; Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de)
Obwohl für drei Jahre verpflichtet, wechselte Pauline Schweighofer bereits im darauffolgenden Jahr für eine Spielzeit an das "Hamburger Stadttheater", 1884 für eine weitere an das "Hoftheater München". Über Brünn (1885) und Kassel, wo sie von 1886 bis 1891 am "Hoftheater" wirkte, kam die Wienerin (nach einem Zwischenspiel in Graz) 1892 erstmals nach Berlin und erhielt ein Engagement am "Neuen Theater". Eine weitere Theaterstation wurde 1894 Bremen, wo sie anlässlich der Übernahme der "Brunhild" für die erkrankte Darstellerin dieser Rolle in Hebbels "Die Nibelungen"1) vom Fach der Sentimentalen in das der Heroinen überging. Nach zweijährigem Wirken in Bremen sowie einem Intermezzo im zaristischen Riga (1896) folgte Pauline Schweighofer 1897 einem Ruf an das Wiener "Deutsche Volkstheater" und gab dort ihren Einstand als "Medea" in der gleichnamigen Tragödie1) von Euripides. Abgesehen von gelegentlichen Stippvisiten zu anderen Spielstätten (darunter 1901 erneut das "Kasseler Hoftheater") blieb Pauline Schweighofer die kommenden Jahrzehnte dem "Volkstheater" verbunden. Ludwig Eisenberg1) (1858 – 1910) schreibt in seinem 1903 publizierten Lexikon*): "Schweighofer, die bereits Heldenmütter zu spielen beginnt, ist eine Schauspielerin natürlich in Haltung, Gebärde und Sprache, und zeugen ihre Leistungen von tiefem Eindringen in die Rolle. Und gerade so wie sich früher die Liebenswürdigkeit ihres ganzen Wesens bei ihren Darstellungen im Liebhaberfach ungemein sympathisch geltend machte, so trifft sie auch gegenwärtig stets den richtigen Ton und erfreut, unterstützt von einer bemerkenswerten Routine, jedes Publikum durch ihren charmanten Humor, durch verständiges Mienenspiel, Temperament und Gestaltungsgabe."
Zu ihrem Repertoire zählten neben den Rollen in Stücken des klassischen Theaters auch Figuren in zeitgenössischen Werken, etwa von Henrik Ibsen1) – die Haushälterin Madam Helseth in "Rosmersholm"1) und die Bolette Wangel in "Die Frau vom Meer"1) – oder Anton Wildgans1), wo sie am 18. November 1916 in der Uraufführung der Tragödie "Liebe" als Mutter überzeugte. Erfolge feierte sie beispielsweise im März 1925 als Signora Maddalena in der Komödie "Die Wollust der Anständigkeit" ("Il piacere dell'onestà") von Luigi Pirandello1), kein Geringerer als Alexander Moissi4) gab den vornehmen Angelo Baldovino, dessen Tochter Agata (Erika Wagner5)) von einem verheirateten Marchese ein Kind erwartet.
 
Zum Film kam Pauline Schweighofer Ende der 1910er Jahre, entsprechend ihrem Alter wurde die inzwischen über 50-Jährige in den überwiegend österreichischen Produktionen meist mit Mutterrollen betraut. Sie gab aber auch soignierte Vertreterinnen des Bürgertums und des Hochadels, trat beispielsweise als Fürstin Bavatory in dem Streifen "Unter der Knute des Schicksals" (1920) in Erscheinung. Zwei Mal arbeitete sie mit Sidney M. Goldin1), einem der bedeutendsten Vertreter des jiddischen Films, zusammen: Sie stand für dessen melodramatischen Sittenfilm "Hütet eure Töchter" (1922) vor der Kamera, in der dramatischen "Märtyrerlegende" mit dem Titel "Jiskor"1) (1924) mimte sie die christliche Pflegemutter des von Maurice Schwartz1) dargestellten Juden Leipke. Einen letzten Leinwandauftritt hatte sie als Madame Stralila in dem Melodram "Povara" (1928) des rumänischen Regisseurs Jean Mihail.
 
In ihrem letzten Lebensjahrzehnt war die mittlerweile pensionierte Künstlerin am Theater nur noch freiberuflich tätig.
Pauline Schweighofer starb am 9. April 1940 im Alter von 74 Jahren in ihrer Geburtsstadt Wien; über ihr Privatleben ist nichts bekannt.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia
*) Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert (Verlag von Paul List, Leipzig 1903); Digitalisiert: Pauline Schweighofer: S. 948
Link: 1) Wikipedia, 3) www.wien.gv.at, 4) Kurportrait innerhalb dieser HP, 5) www.cyranos.ch
2) Quelle: 
www.museum-digital.de
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, Kurzportrait innerhalb dieser HP, IMDb)
  • 1919: Alte Zeit – neue Zeit (Regie: Emil Leyde)
  • 1920: Ruhmlose Helden (Kurzfilm; Regie: Hanns Marschall)
  • 1920: Jou-Jou (Kurzfilm; Regie: Hans Karl Breslauer)
  • 1920: Miss Cowboy (Kurzfilm; Regie: Hans Karl Breslauer)
  • 1920: Unter der Knute des Schicksals (Regie: Heinz Hanus)
  • 1921: Der tote Hochzeitsgast (Regie: Max Neufeld)
  • 1921: Wie Satan starb (Regie: Heinz Hanus, Otto Rippert)
  • 1922: Das Haus Molitor (Regie: Hans Karl Breslauer)
  • 1922: Hütet eure Töchter (Regie: Sidney M. Goldin)
  • 1922: Die Sünde der Inge Lars (Regie: Mano Ziffer-Teschenbruk)
  • 1922: Das Haus im Walde / La maison dans la forêt (Regie: Jean Legrand)
  • 1922: Flora Mystica / Das ewige Lied vom Weibe (Regie: Karl Tema)
  • 1922: Die Hölle von Barballo (Regie: Hans Homma)
  • 1923: Eines Vaters Söhne (Regie: Paul Garbagni)
  • 1924: Das Geheimnis der Schrift (Regie: Dezsö Kertész)
  • 1924: Jiskor (Regie: Sidney M. Goldin)
  • 1926: Hoheit tanzt Walzer (Regie: Fritz Freisler; nach der gleichnamigen Operette von Leo Ascher (Musik))
  • 1928: Povara (Regie: Jean Mihail)
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