Die Stummfilm-Darstellerin Sybill Morel (auch Sybil) wurde am 16. Februar 1899 in Mannheim geboren und besuchte dort ab 1914 die Schauspielschule des "Nationaltheaters"; zusätzlich nahm sie privaten Unterricht. Ein erstes Engagement führte sie anschließend an das "Stadttheater Chemnitz", danach wirkte sie in Berlin an den Bühnen von Victor Barnowsky1).
Ende der 1910er Jahre begann sie eine intensive Laufbahn beim Film, zu ihren ersten Leinwandauftritten zählte Robert Reinerts Aufsehen erregender Streifen "Opium"1) (1919), wo sie an der Seite von Eduard von Winterstein2), Werner Krauss2) und Conrad Veidt2) mit der weiblichen Hauptrolle der schönen, rätselhaften Chinesin Sin bzw. Krankenschwester Magdalena ihn Erscheinung trat. So schrieb die "Lichtbild-Bühne1) (Nr. 5) am 1. Februar 1919 unter anderem: "Sybill Morel als das unglückliche Opiummädchen Sin, später als Schwester Magdalena, die ihrem Erretter in fast hündischer Liebe ergeben ist; Werner Krauß als der um seine Liebe betrogene und sich an jedem Europäer dafür rächende Opiumhöhlenbesitzer Nung-Tschang; Conrad Veidt als des Professors Lieblingsschüler – sie alle sind in Maske und Darstellung lebenswahre, trefflich gezeichnete Gestalten, die man so leicht nicht vergessen wird." Und bei der "Murnaugesellschaft" kann man lesen: ""Opium" entführt das Publikum in die Lasterhöhlen Indiens und Chinas. Robert Reinerts 1918/19 gedrehtes Werk besticht sowohl durch die exotischen Schauplätze, die allerdings in den Babelsberger Filmstudios entstanden, als auch durch die phantastische Umsetzung der Opiumträume des Hauptdarstellers Eduard von Winterstein."
Es folgten weitere, so genannte "Aufklärungsfilme" wie Carl Boeses Film "Die Geisha und der Samurai"1) (1919), in dem es um das Thema Morphiumsucht ging, oder "Die Geächteten" (1919), der jedoch nach einem Aufführungsverbot erst 1921 unter dem neuen Titel "Der Ritualmord"1) in die Lichtspielhäuser gelangte. Auch "Des Teufels Puppe" (1920) fiel zunächst der Zensur zum Opfer und kam dann 1924 mit dem neuen Titel ":Marie d'Amour und ihre Liebhaber" in die Kinos → www.difarchiv.deutsches-filminstitut.de. Überwiegend waren es die Melodramen, Tragödien und Detektivgeschichten jener Jahre, in denen Sybill Morel meist mit Hauptrollen glänzen konnte. Allein die Titel ließen den Zuschauer mitunter erahnen, welch dramatische Geschichte ihn erwartete. So sah man sie unter anderem in der Entführungsgeschichte "Angelo. Das Mysterium des Schlosses" (1920), die auch unter dem Titel "Die Schreckensnacht auf Schloss Drachenegg" veröffentlicht wurde, bei "Die Tragödie eines Großen" (1920) handelte es sich um den ersten, in Deutschland produzierten abendfüllenden "Rembrandt"-Film. Carl de Vogt2) mimte in dem von Arthur Günsburg in Szene gesetzten Film den berühmten niederländischen Künstler Rembrandt van Rijn1), Sybill Morel die Patriziertochter Saskia van Uylenburgh1), welche Rembrandt am 22. Juni 1634 heiratete.
 
Nach Produktionen wie "Das Geheimnis der Spielhölle von Sebastopol" (1920), "Der Club der Hasardeure" (1921) oder "Was der Totenkopf erzählt" (1921) zeigte sie sich als Gärtnerstochter Ljuba in Ludwig Bergers Literaturadaption "Der Roman der Christine von Herre"1) (1921), spielte "die rote Ose", flatterhafte Tochter des Kapitäns Tamen (Rudolf Hofbauer), in dem Drama "Am roten Kliff"3) (1921). Zur Filmografie gehören verschiedene Krimis, beispielsweise "Das Souper um Mitternacht" (1921) mit dem Untertitel "Abenteuer des Detektivs Harry Wills", "Nur eine Nacht" (1922) mit dem von Bruno Eichgrün1) gespielten Detektiv Nick Carter oder der Zweiteiler "Harry Hills Jagd auf den Tod" (1925) aus der "Harry Hill"-Reihe1) mit Valy Arnheim2). In dem prominent besetzten Streifen "Die Gesunkenen" (1926), mit dem Regisseur Rudolf Walther-Fein auch das Alkoholproblem in der Arbeiterklasse aufgriff, tauchte sie neben Asta Nielsen, William Dieterle und Otto Gebühr als "die lange Lotte" auf, gab "die Irre" in Kurt Bernhardts "Die Waise von Lowood"1) (1926), gedreht nach dem Roman "Jane Eyre"1) von Charlotte Brontë.
Im Laufe der Jahre waren die Rollen für die beliebte Filmschauspielerin kleiner geworden, so stellte sie für Holger-Madsen die Frau Lind in dessen Karin Michaëlis1)-Adaption "Die heilige Lüge" (1927) dar, die Frau Enke, Mutter der Wilhelmine Enke1) (Dina Gralla), im ersten Teil von "Der alte Fritz"1) (1928) und – mit knapp 30 Jahren – "Die Alte" in Gerhard Lamprechts Sozialdrama "Unter der Laterne"1) (1928). Zu Sybill Morels letzten Arbeiten für den Stummfilm zählten die Aufklärungsfilme "Madame Lu, die Frau für diskrete Beratung" (1929), "Engel im Séparée. Mädchen in Gefahr" (1929) und "Kampf ums Leben"4) (1929). Mit dem opulenten Historienfilm "Spielereien einer Kaiserin" (1930), gedreht von Vladimir Striževskij5) frei nach dem Drama "Die Spielereien einer Kaiserin" von Max Dauthendey1) mit Lil Dagover2) als russische Zarin Katharina I.1), verabschiedete sich Sybill Morel von ihrem Publikum. Hier hatte sie die Rolle der Euphrosynia gespielt, Ehefrau des Zarewitsch Aleksei (Boris de Fast), Sohn von Zar Peter I.1) (Dmitri Smirnov) aus dessen ersten Ehe mit Jewdokija Lopuchina1).
 
Danach verliert sich die Spur der Schauspielerin Sybill Morel, die ab 1919 zehn Jahre lang für rund fünfzig Stummfilme vor der Kamera stand, auch wenn es aus heutiger Sicht überwiegend Produktionen von untergeordneter filmhistorischer Bedeutung sind. Über den weiteren Lebensweg ist ebenso wenig bekannt wie über ein Todesdatum.
Wie Wikipedia notiert, war auch Sybill Morel – wie so viele weiblichen Filmstars der damaligen Zeit – ein Motiv für die beliebten Tabakkarten, kleinen Bildern, die Zigarettenschachteln beigelegt waren und als Kaufanreiz dienten. Um so erstaunlicher, das sich kaum Fotomaterial von ihr im Internet finden lässt.
Quelle (unter anderem): Wikipedia, www.cyranos.ch
Foto bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) filmportal.de, 4) stummfilm.at, 5) www.difarchiv.deutsches-filminstitut.de
Stummfilme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Kurzportrait innerhalb dieser HP, stummfilm.at)
  • 1923: Das Laster des Spiels
  • 1923: Das Gesetz der Väter / Das Totenmahl auf Schloß Begalitza
  • 1923: Das Kabinett des Dr. Segato
  • 1923: Die Affäre der Baronesse Orlowska
  • 1924: Marie d'Amour und ihre Liebhaber (Neufassung
    von "Des Teufels Puppe", 1920)
  • 1925: Harry Hills Jagd auf den Tod (2 Teile,
    "Harry Hill"-Reihe mit Valy Arnheim
  • 1925: Aschermittwoch
  • 1925: Das alte Ballhaus (2 Teile)
  • 1925: Entsiegelte Lippen
  • 1926: Die Gesunkenen → Wikipedia (englisch)
  • 1926: Die Waise von Lowood
  • 1927: Die heilige Lüge → Foto filmportal.de
  • 1927: Das Erwachen des Weibes
  • 1927: Petronella
  • 1927: Richthofen, der rote Ritter der Luft
  • 1928: Der alte Fritz
  • 1928: Wenn die Mutter und die Tochter…
  • 1928: Unter der Laterne. Trink, trink, Brüderlein, trink
  • 1929: Madame Lu, die Frau für diskrete Beratung
  • 1929: Sturmflut der Liebe
  • 1929: Engel im Séparée. Mädchen in Gefahr
  • 1929: Kampf ums Leben
  • 1930: Spielereien einer Kaiserin
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