Annie Rosar (eigentlich Anna Rosar) wurde am 17. Mai 1888 als Tochter eines Straßenbahnschaffners in Wien geboren. Nach dem Besuch eines Mädchen-Lyzeums absolvierte sie zunächst die "Akademien für darstellende Kunst" in Wien und anschließend die "Akademie für dramatische Kunst" in Mailand. 1910 gab sie ihr Bühnendebüt am Wiener Lustspieltheater "Jarnos" in einem Stück von Marlowe "Die goldene Ritterzeit", dann ging sie als "jugendliche Heldin" nach München zu Otto Falckenberg1) (1873 – 1947), wo sie erklärter Liebling des Dichterkreises um Thomas1) und Heinrich Mann1), Klabund1), Frank Wedekind1) und Lion Feuchtwanger1) wurde.
Annie Rosar (spätestens 1917), die nach einem erfolgreichen Gastspiel am "Burgtheater" für diese Bühne verpflichtet wurde. Urheber: Franz Xaver Setzer (1886 – 1939); Quelle: "Das interessante Blatt" (Bd. 36, Nr. 46, S. 13; 15.11.1917) bzw. Wikimedia Commons Weitere Stationen ihrer Schauspielerkarriere waren dann Engagements am Wiener "Burgtheater", wo sie zwischen 1917 und 1923 unter anderem die Medea oder Lady Macbeth gab, sowie zwischen 1925 und 1938 das "Theater in der Josefstadt". Dort entdeckte Max Reinhardt1) (1873 – 1943) auch ihr komödiantisches Talent: "Von der Stirn bis zu der Nase magst du eine Tragödin sein, aber von der Nase abwärts bist du ausgesprochen komisch.", meinte er einmal zu ihr. Annie Rosar wechselte das Rollenfach, spielte zwischen 1939 und 1942 sowie von 1947 bis 1951 am "Deutschen Volkstheater" vorwiegend komischen Rollen und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der beliebtesten Volksschauspielerinnen. Ihre letzten Erfolge feierte die Rosar am Theater mit klassischen Rezitationen sowie im Fernsehen in dem Einpersonenstück "Langusten" von Fred Denger. Zu ihrem Rezitationsrepertoire gehörten von Euripides "Troerinnen", von Sophokles "König Oedipus" und die "Perser".
 
 
Annie Rosar (spätestens 1917), die nach einem erfolgreichen Gastspiel
am "Burgtheater" für diese Bühne verpflichtet wurde.
Urheber: Franz Xaver Setzer1) (1886 – 1939); Angaben zur Lizenz siehe hier
Quelle: "Das interessante Blatt" (Bd. 36, Nr. 46, S. 13; 15.11.1917)
bzw. Wikimedia Commons
Bereits 1919 war Annie Rosar auf der Leinwand in dem stummen Streifen "Der Mord an der Bajadere" zu sehen gewesen, in den 1930er und 1940er Jahren übernahm sie meist kleinere Rollen in zahlreichen Filmen. Ihre eigentliche Karriere begann aber erst  im Tonfilm mit dem heurigenseligen Wiener Lustspiel, wobei sie am besten als meist resolute Gattin oder Schwester von Hans Moser2) (1880 – 1964) oder Paul Hörbiger2) (1894 – 1981) zur Geltung kam. Man sah sie als "Dicke", Köchin oder mal als Haushälterin wie in dem Moser-Streifen "Der Herr Kanzleirat"1) (1948), in der Verwechslungskomödie "Wir werden das Kind schon schaukeln"1) (1952) trat sie als "gefährliche" Schwiegermutter von Heinz Rühmann in Erscheinung.

Annie Rosar als Oberschwester Gräfin mit Titelheld Gunther Philipp2) (Mitte)
und Walter Gross2) als Max Sperling in dem Schwank
"Mikosch, der Stolz der Kompanie"1) (1958)
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Anfang Dezember 2013 auf DVD herausbrachte.

Annie Rosar als Oberschwester Gräfin mit Titelheld Gunther Philipp (Mitte) und Walter Gross als Max Sperling in dem Schwank "Mikosch, der Stolz der Kompanie" (1958); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film"
Eine ihrer wenigen Hauptrollen spielte sie 1958 in Ernst Marischkas Werfel-Adaption als kindlich berechnende, gläubige Köchin Teta Linek neben Hans Holt und Kurt Meisel in "Der veruntreute Himmel"1) und erhielt für ihre eindrucksvolle Leistung den "Darstellerpreis" beim Filmfestival in Cork.
Von ausladender Gestalt, mit bärbeißigem Humor und derb-proletarischem Charme beherrschte sie in fast 200 Filmen das Repertoire der Klatschbasen und schrulligen Tanten, unschlagbar waren ihre Putzfrauen und tyrannischen Hausdrachen. Im Nachkriegsfilm war sie fester Bestandteil der Musikfilme und Edelweißschnulzen.
3)
Weinetikett "Rebicek-Rosar", gestaltet von Ernst Kutzer; Copyright Peter Kutzer-Salm Annie Rosar, die 1961 mit dem österreichischen "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst" sowie einem "Bambi" für "Verdienste um den deutschen Film" ausgezeichnet worden war, starb am 6. August 1963 mit 76 Jahren in ihrer Geburtsstadt Wien an den Folgen eines Herzanfalls. Ihr ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof (33A-1-26) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Im Jahr 1997 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) der Annie-Rosar-Weg nach ihr benannt.4)
Die Schauspielerin war in erster Ehre seit 1907 mit dem Schweizer Exportkaufmann Max Walser verheiratet, mit dem sie lange in Mailand lebte; nach der Scheidung heiratete Annie Rosar 1930 ein zweites Mal und betrieb mit ihrem Mann Dr. Franz Rebicek ein Weingut in Krems an der Donau. Auch diese Ehe wurde geschieden; ihr einziger Sohn aus dieser Verbindung fiel während des 2. Weltkrieges.
 
Weinetikett "Rebicek-Rosar", gestaltet von Ernst Kutzer1) (1880 – 1965)
© Peter Kutzer-Salm
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 307
4) Wikipedia (abgerufen 13.10.2011)
Lizenz Foto Annie Rosar (Urheber: Franz Xaver Setzer): Der Urheber dieses Werks ist 1939 gestorben; es ist daher gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch    
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung)
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