Der Schauspieler Leo Connard wurde am 28. August 1860 als Isak Leopold Kohn und Sohn eines Realschuldirektors im damals zum Kaisertum Österreich gehörenden Fünfkirchen (heute: Pécs, Ungarn) geboren. Schon früh drängte es ihn zur Bühne, nach dem Gymnasium trat er 1877 in die Schauspielschule des "Wiener Konservatoriums" ein und ließ sich von dem legendären Friedrich Mitterwurzer1) (1844 – 1897) unterrichten. Sein Bühnendebüt gab Connard 1879 im zur k. u. k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörenden Marburg an der Drau (heute Maribor, Slowenien), schon im darauffolgenden Jahr wechselte er ins nordböhmische Reichenberg (heute: Liberec, Tschechien). Nach Verpflichtungen im sächsischen Chemnitz (1881), Mainz (1882) und Köln (bis 1885) ging er an das "Herzogliche Hoftheater"1) nach Meiningen, wo er für fast vier Jahre blieb. Connard begab sich mit diesem zur damaligen Zeit berühmten Ensemble auch auf eine Russland-Tournee, trat unter anderem in Petersburg, Moskau und Warschau auf. Anschließend wirkte er bis 1891 am "Landestheater" in Prag, gefolgt von einer vierjährigen Zeit am "Hoftheater" in Stuttgart.
Ludwig Eisenberg1) (1858 – 1910) schreibt in seinem 1903 publizierten Lexikon*): "Wie in seinen früheren Engagements, so war er auch dort eines der beliebtesten Mitglieder, und als er sich als "Wurzelsepp"2) verabschiedete und zum letzten Male sein ganzes Können zeigte, wurde es den Stuttgartern erst recht klar, welch' begabten Darsteller sie an Connard verloren. In derselben Rolle stellte er sich 1895 auch den Berlinern am "Lessingtheater" erfolgreich vor. Ein Jahr später wurde der Künstler für das "Berliner Theater" verpflichtet, dem er noch gegenwärtig als gern gesehener Darsteller angehört. 1899 beteiligte sich Connard auch an den Festspielen in Wiesbaden, woselbst er die Rolle des Maximilian in Lauffs "Eisenzahn"3) kreierte. Seine Leistungen fesseln durch Natürlichkeit und Ungezwungenheit der Bewegung und Temperament. Seine Rede ist reich an Farbe, er spricht klar und zwingend, in allen Lagen und Stärkegraden gleich gut und beherrscht trefflich Mimik und Gestik. Der Künstler appeliert nicht an den Beifall der Menge, sondern erzielt die größte Wirkung mit der ihm eigenen Intelligenz." Eisenberg erwähnt aus dem Repertoire Schauspielers, der die gesamte Palette großer Heldenfiguren abdeckte, besonders den Franz Moor in Schillers "Die Räuber"1), nennt weiterhin unter anderem den Jago in Shakespeares "Othello"1), den Mephisto in Goethes "Faust"1), den Titelhelden in der Komödie "Narziß oder Wer sich selbst liebt" von Jean-Jacques Rousseau, Shakespeares Richard III.1) und den Harpagon in Molières "Der Geizige"1).
Im neuen Jahrhundert spielte Leo Connard unter anderem in Wien am "Raimundtheater" sowie, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, am "Deutschen Theater" im (damals) russischen Riga; hier trugen auch einige Inszenierungen seine Handschrift.
  
Noch während des 1. Weltkrieges startete der inzwischen über 55-jährige Connard eine recht erfolgreiche Leinwandkarriere, zu seinen ersten Auftritten zählten 1916/17 die Detektivgeschichten um "Tom Shark"1), dargestellt und fast ausschließlich inszeniert von Alwin Neuß4). Connard zeigte sich mit prägnanten Rollen, wurde meist als hochgestellte Persönlichkeit oder Großbürger besetzt, mimte Väter, Ärzte, Reeder, Marschälle, Großbauern, Hofräte, Polizeichefs und Großgrundbesitzer. So erlebte man ihn beispielsweise unter der Regie von Alwin Neuß als Inhaber der Frank Flugzeug-Werke Hermann Frank in dem Streifen "Zwei blaue Jungen"1) (1917) mit dem Untertitel "Film-Darstellung der Kriegsabenteuer zweier deutscher Schiffsjungen vom Schulschiff des Deutschen Schulschiff-Vereins "Großherzog Friedrich August"", gedreht im Auftrag des "Deutschen Schulschiff-Vereins"1) auf dem Segelschulschiff "Großherzog Friedrich August"1). Richard Oswald besetzte ihn als Hofmarschall Gisbert von Mainau in seiner Marlitt-Adaption "Die zweite Frau"5) (1917) neben Protagonistin Eva Speyer und auch für weitere von Oswald in Szene gesetzte Produktionen stand der Charaktermime vor der Kamera: So zeigte er sich unter anderem als Landarzt im 3. Teil des Aufklärungs- und Sittenfilms "Es werde Licht!"1) (1918), als Gutsbesitzer van Eick und Vater der jungen Therese (Eva Speyer) in dem Drama "Das Kainszeichen"1) (1918), spielte den Salomon Gebert, Pflegevater von Jettchen Gebert (Mechthildis Thein), in dem Zweiteiler "Jettchen Geberts Geschichte"1) (1918) nach der gleichnamigen, 1906 erschienenen Romanvorlage von Georg Hermann1). Als Oswald seinen Aufsehen erregenden, das Thema Homosexualität behandelnden Film "Anders als die Andern"1) (1919) auf die stumme Leinwand bannte, betraute er Connard mit dem Part des Vaters des Violinvirtuosen Paul Körner (Conrad Veidt), der von dem Stricher Franz Bollek (Reinhold Schünzel) erpresst wird. Es folgte die Rolle des Reeders Ernst Pogge in Oswalds Science-Fiction-Film "Die Arche"1) (1919) sowie in der Fortsetzung "Die letzten Menschen"1) (1919) – einmal mehr an der Seite von Eva Speyer als seiner Filmtochter. Der Film basierte auf dem 1917 veröffentlichten, gleichnamigen Science Fiction-Roman von Werner Scheff1), der die Zerstörung der Zivilisation in der nahen Zukunft thematisiert.
 
Von E. A. Dupont wurde der Max Landa-Detektivfilm "Das Derby – Ein Detektivroman auf dem grünen Rasen"6) (1919) inszeniert, auch in einer weiteren Detektivgeschichte E. A. Duponts mit Max Landa, "Der Würger der Welt"1) (1919), war Connard auf der Leinwand präsent und tauchte als wahnsinniger Professor Melville auf. In dem Historienfilm "Louise de Lavallière – Am Liebeshof des Sonnenkönigs" (1922) über Louise de Lavallière1), Mätresse des französischen Königs Ludwig XIV.1) mit Emmy Schaeff in der weiblichen Titelrolle verkörperte er den Herzog Philipp von Orleans1), Bruder des von Fritz Delius dargestellten Louis XIV. In seinen letzten Stummfilmen musste sich Connard mit weniger herausgehobenen Figuren begnügen, so trat er in Rolf Randolfs Zweiteiler "Wallenstein"1) (1925) als Pater Lamormain in Erscheinung, in Friedrich Fehérs Biopic "Mata Hari, die rote Tänzerin"1) (1927) als Polizei-Hofrat, für Hans Kysers starbesetzten Historienfilm "Luther – Ein Film der deutschen Reformation"1) (1927) ist keine genaue Rollenbezeichnung überliefert.
1918 führte Connard bei dem orientalischen Melodram "Wundersam ist das Märchen der Liebe" mit Hella Moja in der weiblichen Hauptrolle auch Regie. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Waisen (Hella Moja), die mit einem Fürsten (Ernst Hofmann) verheiratet ist. Aus Eifersucht verstößt er sie, erst als sie einen Selbstmordversuch unternimmt, wendet sich dieser seiner Frau wieder zu.
  
Nach Kysers "Luther"-Film verschwand der Theater- und Filmschauspieler Leo Connard aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Es wird vermutet, dass er wenig später starb, genaue Todesdaten sind unbekannt.
Er war mit seiner 1865 geborenen Kollegin Marie "Mizzi" Lettau verheiratet, die als Maria Connard auch in "Wundersam ist das Märchen der Liebe" mitgewirkt hatte.
Quelle (unter anderem*)): Wikipedia, www.cyranos.ch
*) Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert (Verlag von Paul List, Leipzig 1903); Digitalisiert: Leo Connard: S. 160 / 161
Link: 1) Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) stummfilm.at, 6) filmportal.de
2) gemeint ist die Rolle des Wurzelsepp in "Der Pfarrer von Kirchfeld" von Ludwig Anzengruber; 1937 verfilmt → Wikipedia
3) gemeint ist das historischen Drama "Der Eisenzahn" von Joseph von Lauff über den märkischen Landesherren Friedrich II. von Brandenburg (1413 – 1471), genannt "der Eiserne" oder "Eisenzahn", und die 1440 begonnene Auseinandersetzung der Alt-Berliner und Cöllner Stadtbürgerie → Berliner Unwille.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, stummfilm.at, filmportal.de)
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