Albrecht (Albrecht Moritz James Karl) Schoenhals wurde am 7. März 1888 in Mannheim als Sohn eines deutschen Stabsarztes und einer Engländerin geboren. Er wuchs in seiner Geburtsstadt und Freiburg/Br. auf, machte 1907 Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Freiburg und ging nach einem Medizinstudium in Berlin zunächst als Unterarzt an die Charité, später als Militärarzt zum Feldartillerie-Regiment nach Metz. Gegen Kriegsende wurde er 1918 an der Westfront verwundet, schrieb während seiner Rekonvaleszenz an seiner Doktorarbeit und ging zu einem Freikorps nach Döberitz.
Da die schwere Armverletzung seinen Lieblingswunsch, Chirurg zu werden, zunichte gemacht hatte, entschied er sich für die Schauspielerei. Er nahm entsprechenden Unterricht bei Eduard von Winterstein1) (1871 – 1961) und erhielt 1920 in Freiburg ein Engagement am dortigen Stadttheater, wo er als Orest in Goethes "Iphigenie auf Tauris" debütierte; anschließend wechselte er als "jugendlicher Held" an das Theater in Halberstadt. 1921 bis 1924 war er wieder Ensemblemitglied in Freiburg, danach in Frankfurt a.M. und in Dortmund sowie zwischen 1928 und 1934 in Hamburg. 1930 heiratete er die am 17. Januar 1901 in Heidelberg geborene Schauspielerin Anneliese Born, mit der er in späteren Jahren oft gemeinsam auf der Bühne sowie vereinzelt vor der Kamera stand.
 
Ab 1934 fasste Schoenhals mit der spektakulären Doppelrolle in Arthur Robinsons Romanze "Fürst Woronzeff"2) und Partner von Brigitte Helm auch beim Film Fuß und erhielt einen Vertrag bei der "Ufa". Bis Ende der 1930er Jahre agierte der blendend aussehende, stets distinguiert wirkende Schoenhals in zahlreichen Filmen unterschiedlichen Genres, avancierte an der Seite attraktiver weiblicher Ufa-Stars wie Pola Negri, Brigitte Helm, Lil Dagover oder Camilla Horn zum Publikumsliebling. Seine Domäne waren die Verkörperung von Adligen, Ärzten und Künstlern, mitunter aber auch abgründiger Figuren, wie in Willi Forsts Erfolgs-Krimi "Mazurka"3) (1935, wo er als Vergewaltiger Grigorij Michailow in Erscheinung trat, der Jahre nach der Tat von seinem Opfer (Pola Negri) erschossen wird.
So erlebte man ihn unter anderem als Dr. Pietro Rossi in "Stradivari" (1935), in der Komödie "April, April!"2) (1935) mimte er den Prinz von Holsten-Böhlau, war 1936 der "Arzt aus Leidenschaft" Dr. Felgentreu, mimte in der heiteren Filmoperette "Boccaccio"3) (1936) den Herzog Cesare d'Este neben Willy Fritsch und Heli Finkenzeller. In Veit Harlans Tolstoi-Adaption "Die Kreutzersonate"2) (1937) stellte er den Geiger Gregor Tuchatschewsky dar, der die verheiratete Pianistin Jelaina Posdnyschew (Lil Dagover) verführt. Werner Hochbaum besetzte ihn in "Man spricht über Jacqueline" (1937), Fritz Kirchhoff übertrug ihm als Partner von Pola Negri die Rolle des Komponisten Jac Gerard in der Tragödie "Tango Notturno"2) (1937), in "Der Spieler"2) (1938), nach dem Roman von Dostojewski, agierte er zusammen mit Lída Baarová. Es folgten Filme wie "Rote Orchideen" (1938), "Maja zwischen zwei Ehen" (1938) oder "Die Frau ohne Vergangenheit" (1939). Als Schoenhals die Titelrolle in dem unsäglichen Hetzstreifen "Jud Süß"3) (1940) ablehnte, bekam er Schwierigkeiten mit den Nazi-Machthabern, nur in wenigen Filmen wie "Herz ohne Heimat" (1940) wurde er noch eingesetzt. Zur Mitwirkung in dem NS-Propagandafilm "Kopf hoch, Johannes!"3) (1941) wurde er gezwungen und zeigte sich hier als Rittergutsbesitzer von Redel: Dessen halbwüchsiger Sohn Johannes (Klaus Detlef Sierck) wird, nachdem der Vater sich nicht um ihn gekümmert und die Mutter ihn heillos verwöhnt hat, in eine Nationalpolitischen Erziehungsanstalt3) (Napola) gesteckt, wo man ihm den Sinn für Kameradschaft beibringt.4)
"Vom Schicksal verweht" (1942) hieß sein 30. und letzter Streifen vor Kriegsende. Schoenhals zog sich auf sein Landgut "Annenhof" in Baden-Baden zurück, spielte wieder am Theater und ging auf Gastspielreisen unter anderem nach Zürich, Basel und Stockholm und war mit Rezitationsprogrammen unterwegs.
 
Kurz nach dem Krieg arbeitete Schoenhals er zunächst als Arzt am städtischen Krankenhaus in Baden-Baden, ab Ende der 1940er Jahre wandte er sich wieder dem Theater zu, spielte, inszenierte und übersetzte Bühnenstücke aus dem Französischen. Im Nachkriegsfilm war er nur noch sporadisch zu sehen, erschien dafür ab Ende der 1950er Jahre wiederholt auf dem Bildschirm. Seine erste Kinoproduktion seit 1942 trug den Titel "Verführte Hände" (1949), in dem von Fritz Kirchhoff (Regie-Assistenz: Jürgen Roland!) inszenierten melodramatischen Krimi trat er als skrupelloser Arzt Dr. Trollop in Erscheinung, der einen erfolglosen Kunstmaler (Vasa Hochmann) zur Bildfälscherei zwingt. "Am Ende siegt die Tugend, das Laster steht vernichtet. Trollop nimmt Gift. Albrecht Schoenhals macht das elegantmännlich. Er spielt seinen Bösewicht harten Blicks, jeder Zoll Kaltblütigkeit aus dem Frigidaire. 'Endlich einmal kein von Sympathie triefender Liebhaber', sagte er zu seiner ersten Nachkriegsfilmrolle." notierte unter anderem DER SPIEGEL (15/1949).
Es folgte die Rolle des Eduard Caroly in Hans Deppes Komödie "Man spielt nicht mit der Liebe" (1949) als Partner von Lil Dagover sowie Eugen Yorks eher zu vernachlässigender Streifen "Export in Blond" (1950). 1951 beispielsweise präsentierte er sich als Dr. Florian in der als Beitrag zur Sexualaufklärung gedachten Produktion "Eva und der Frauenarzt"3), als Justizrat Kersten neben Protagonist Werner Hinz in Paul Verhoevens kriminalistischem Drama "Die Schuld des Dr. Homma"5) und ein Jahr später in dem Melodram "Illusion in Moll"6) an der Seite von Hildegard Knef. Bis Ende der 1960er Jahre spielte Schoenhals überwiegend prägnante Nebenrollen, unter anderem als Botschafter in Helmut Käutners Liebesfilm "Bildnis einer Unbekannten"3) (1954, mit Ruth Leuwerik und O. W. Fischer), als Sir Robert Alingham in Paul Mays Thriller "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse"3) (1963) oder als greiser Industrieller Joachim von Essenbeck in Luchino Viscontis Kriegsdrama "Die Verdammten"3) (1969, La Caduta degli dei) – zugleich der letzte Leinwandauftritt des damals 80-Jährigen.
Die Fernsehzuschauer erlebten Schoenhals mit tragenden Rollen beispielsweise unter der Regie John Oldens in dem von Helmut Käutner (Text) verfassten Singspiel "Juchten und Lavendel" (1958), als Vater des Protagonisten John Rivers (Martin Benrath) in "Das Genie und die Göttin" (1959) nach dem Roman von Aldous Huxley und als Kriegsminister Cvaignac in "Affäre Dreyfus" (1959 → Die Krimihomepage). Als Michel Gosselin trat er zusammen mit seiner Frau Anneliese Born in der Somerset Maugham-Adaption "Bezaubernde Julia" (1959; Regie: Wilm ten Haaf) auf: Schoenhals und seine Ehefrau spielen die Hauptrollen, die ihnen gleichsam auf den Leib geschrieben sind. Denn auch in ihrer Rolle als Michel Gosselin und Julia Lambert sind beide unzertrennliche Lebens- und Berufspartner, Schauspieler auf der Suche nach einem Stück. Da wäre die "Christine von Schweden", aber Michel meint, dass seine Julia für diese Rolle zu reif sei. Julia findet jedoch Wege, um ihren ungebrochenen Charme zu beweisen. Aus ihrem Flirt mit einem jungen Kollegen wird Ernst – jedoch nur vorübergehend.7)  
Den Baron von Haldungen gab er in Peter Hamels "Der Teufel ist los" (1961) nach Christian Dietrich Grabbes Stück "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung"3) mit Heinz Bennent in der Titelrolle oder den anfangs mürrischen Earl of Dorincourt in dem Klassiker "Der Kleine Lord" (1962) mit Manfred Kunst als kleinem Titelhelden nach dem gleichnamigen Roman3) von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahre 1886; einen letzten kleineren TV-Auftritt hatte der Schauspieler 1969 in der Episode "Michael" aus der TV-Serie "Ida Rogalski" mit Inge Meysel in der Titelrolle.
Mit dem Stück "Lady Frederick" von W. Somerset Maugham nahmen Schoenhals und seine Frau Anfang der 1960er Jahre in Berlin Abschied von der Bühne; das Paar lebte nun fast ausschließlich auf seinem Landgut in Baden-Baden.

Albrecht Schoenhals als Earl of Dorincourt in "Der kleine Lord"
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Mitte September 2012 auf DVD herausbrachte; weitere Infos siehe hier.

Albrecht Schoenhals als Earl of Dorincourt in "Der kleine Lord"; Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",welche die Produktion Mitte September 2012 auf DVD herausbrachte.
Schoenhals widmete sich vermehrt privaten Interessen, vor allem seinem Hobby, der französischen Literatur. Er übersetzte beispielsweise Giraudoux' "Undine" und Jouvet's "Éccute, mon ami" und brachte 1948 im Konstanzer "Südverlag" "Erinnerungen an französische Verse" heraus. Weiterhin veröffentlichte der Schauspieler "Das Rätsel Theater" sowie 1970 gemeinsam mit seiner Frau die Erinnerungen "Immer zu zweit"; 1973 erschien das Buch "Begegnungen – Baudelaire/Verlaine/Rimbaud".
Der Schauspieler, Arzt und Schriftsteller Dr. med. Albrecht Schoenhals, welcher 1965 das "Filmband in Gold"3) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" sowie 1967 das "Große Bundesverdienstkreuz" erhalten hatte, starb am 4. Dezember 1978 mit 90 Jahren in Baden-Baden friedlich in den Armen seiner Frau; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof; dort wurde später auch seine Ehefrau beigesetzt, die im Juli 1989 ebenfalls in Baden-Baden verstarb → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Aus der Ehe mit Anneliese Born stammt der 1933 geborene Sohn Kay.
Der letzte Grandseigneur des deutschen Kinos spielte schon in seinen Anfängen Prinzen, Ministerialbeamte, Sanitätsoffiziere, Fachmediziner, Geigenvirtuosen, weltläufige Liebhaber des großen Gesellschaftsfilms. Auch im Nachkriegsfilm knüpfte er an diese Tradition an und spielte würdevolle Herren der gehobenen Gesellschaft, die am besten wirkten, wenn er ihren mildvertrottelten Habitus mit einem Schuss Selbstironie ausstattete.8)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.bad-bad.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia, 5) prisma.de, 6) filmportal.de
Quelle:
4) Wikipedia
7) SWR Media Services (Seite nicht mehr abrufbar)
8) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 323)
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, prisma.de)
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