Kristina Söderbaum wurde als Tochter des Chemieprofessors und zeitweiligen Vorsitzenden des Nobelpreiskomitees Henrik Gustaf Söderbaum und dessen Frau Margareta Charlotta Katarina am 5. September 1912 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm geboren. Die Eltern ermöglichten ihrer Tochter eine Schulausbildung an exklusiven Internaten in Frankreich und der Schweiz, unter anderem besuchte sie ab 1929 in Paris zwei Jahre lang das "Collège feminin du Boffémont". Nach dem Tod der Eltern kam die junge Schwedin 1934 nach Berlin, begann ein Studium der Kunstgeschichte und nahm nebenher Schauspielunterricht.
Bereits zwei Jahre später sah man sie erstmals mit der Rolle des Bauernmädchens Minning in der wenig beachteten Fritz Reuter-Verfilmung "Onkel Bräsig" unter der Regie Erich Waschneks auf der Leinwand, 1937 wurde der Regisseur Veit Harlan1) (1899 – 1964) auf die schwedische Schönheit aufmerksam, der ihr die Hauptrolle des Ännchen in seinem Pubertätsdrama "Jugend" (1938) übertrug; kurze Zeit darauf wurden beide ein Paar, nach der Scheidung Harlans von der Schauspielerin Hilde Körber1) (1906 – 1969) fand 1939 die Eheschließung zwischen Harlan und Söderbaum statt.
 

Kristina Söderbaum 1983
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Kristina Söderbaum 1983 (01); Copyright Virginia Shue
Veit Harlan machte seine Frau, die fortan nur noch unter seiner Regie Rollen übernahm, in zahlreichen nachfolgenden Filmen zum erfolgreichsten Filmstars der 1940er Jahre, ließ sie tragische und melodramatische Rollen spielen, deren Leben schon mal im Wasser oder Moor endete. "Reichswasserleiche" wurde die Söderbaum deshalb auch spöttisch genannt, obwohl sie nur einmal ins Moor ging ("Die goldene Stadt"2), 1942) und in zwei Filmen ertrank (1938: "Jugend"3) und 1940: "Jud Süß"2)).
Allerdings war sie nach dem Krieg wegen ihrer Darstellungen des von den Nazis propagierten Idealtyps der deutschen Frau –  blaue Augen, blond und eine kindlich-helle Stimme–  heftig umstritten. Sie schien ein Gretchentyp und war doch nicht "Gretchen", weil sie – ideal für die Rassephantasien des Dritten Reiches – nicht fragil erschien, sondern kerngesund, mit kräftigen Handgelenken und Fesseln, aufrechten Schultern und festem Gang. Nur der scheu leidensbereite Blick verhieß die Prädisposition zu ergreifendem fraulichem Opfer, schlichte Gemüter spielte sie, Mädchen vom Lande.
Man sah die Söderbaum 1938 als Seraphine, die in dem Krimi "Verwehte Spuren"3) in Paris ihre verschwundene Mutter sucht, in dem Melodram "Das Unsterbliche Herz"2) spielte sie 1939 an der Seite von Heinrich George als Nürnberger Uhrenerfinders Henlein dessen sexuell vernachlässigte Ehefrau, in deer Sudermann-Adaption "Die Reise nach Tilsit"2) (1939) mimte sie die Elske Settegast, die ihrem untreuen Mann, im Fall einer Scheidung droht, das gemeinsame Kind zu töten. Wegen ihrer Hauptrolle der Dorothea in dem antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß"2) (1940) musste sich auch die Söderbaum nach dem Krieg gerichtlich verantworten. Der berüchtigte und perfide Streifen gilt als folgenreichster Propagandafilm der Nazis, wurde unter anderem SS-Kommandos vor deren Einsätzen gegen Juden vorgeführt und zählt bis heute zu den  "Vorbehaltsfilmen"2).
Bis Ende des 2. Weltkrieges folgten dann beispielsweise die Harlan-Produktionen "Der große König"2) (1942) mit Otto Gebühr in der Titelrolle des Friedrich II., in der Storm-Adaption "Immensee"2) (1943) sowie dem Melodram "Opfergang"2) (1944) hatte sie Carl Raddatz als Partner. In dem Nazi-Duchhaltestreifen "Kolberg"2) (1945) mimte sie die Figur der Maria neben Heinrich George als "Volksheld" Joachim Nettelbeck2) und Horst Caspar als junger Major Gneisenau2).
 
1947 wurde Veit Harlan zwar als "Entlasteter" eingestuft, auf Intervention der Öffentlichkeit aber Ende Juli 1948 erneut wegen "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" angeklagt und 1950 von der Anklage freigesprochen. Erst danach wirkte die Söderbaum wieder in Filmen ihres Mannes mit, konnte aber nicht mehr so recht an ihre früheren Erfolge anknüpfen. Sie hatte zunächst Theater gespielt und aus Solidarität mit ihrem mit einem mehrjährigen Berufsverbot belegten Mann auch internationale Filmangebote abgelehnt.
Ab 1950 drehte sie dann wieder mehrere Film unter der Regie ihres Mannes; die "Gloria-Filmproduktion" schickte sie und Harlan unter anderem nach Asien, um dort Filme zu machen, in denen neben einer unechten Handlung auch echte Elefanten und echte Palmen zu sehen waren – die zwar künstlerisch missglückten, aber die Sehnsucht des Publikums nach der weiten Welt und Exotik befriedigten.
Bis zum Tode Veit Harlans im Jahre 1964 entstanden die Melodramen "Unsterbliche Geliebte"2)  (1951), "Hanna Amon"2) (1951) und "Ich werde Dich auf Händen tragen" (1958), die Komödie "Die blaue Stunde"2) (1953), die beiden Abenteuer "Sterne über Colombo"2) (1953) und "Die Gefangene des Maharadscha"4) (1954) sowie der Streifen "Verrat an Deutschland"4) (1955) um den Spion Dr. Richard Sorge2). August Strindbergs Stück "Ein Traumspiel", eine Theaterinszenierung in Aachen, war 1963 die letzte gemeinsame Arbeit von Söderbaum und Harlan. Während dieser gesamten Zeit hatte sie nur ein Mal für einen anderen Regisseur vor der Kamera gestanden, zeigte sich in der mit zahlreichen Liedern durchsetzten rührseligen Produktion "Zwei Herzen im Mai"2) (1957) unter der Regie von Géza von Bolváry als Partnerin Dieter Borsches.
  
Kristina Söderbaum 1983 (02); Copyright Virginia Shue Kristina Söderbaum 1983 (03); Copyright Virginia Shue
Kristina Söderbaum 1983
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
Erst nach dem Tod ihres Mannes im April 1964 begann die Schauspielerin sich aus den Schatten ihrer Vergangenheit zu lösen, die Respekt abnötigte; nach 25 Jahren Gattentreue und freiwilliger Abhängigkeit stand die Witwe mit einem Berg Schulden da. Die Mutter zweier Söhne ließ sich zur Fotografin ausbilden, arbeitete erfolgreich als Mode- und Porträt-Fotografin und lichtete andere Stars mit der Kamera ab. Ihre erste Foto-Ausstellung unter dem Titel "Begegnungen" fand 1972 in Graz statt. 
Nur noch vereinzelt stand sie selbst vor der Filmkamera: So als Emma May und Frau des Schriftstellers in Hans-Jürgen Syberbergs Biopic "Karl May"2) (1974), mit kleinen Parts in Giorgio Cristallinis "Lets go crazy" (1986) und Carlo U. Quinterios Thriller "Night Train to Venice"2) (1993) sowie in der Episode "Der Sinn des Lebens" aus der TV-Serie "Der Bergdoktor". 
 
Am 12. Februar 2001 starb der einstige Ufa-Star Kristina Söderbaum, die in den letzten Jahren meist in München bei einem ihrer Söhne lebte, mit 88 Jahren in einem Pflegeheim im niedersächsischen Hitzacker; ihre letzte Ruhe fand sie auf dem Friedhof in Seeshaupt am Starnberger See → Foto der Grabstelle bei knerger.de
Christina Söderbaum hinterließ die Söhne Kristian Veit (geb. 1939) und Caspar Harlan (geb. 1946). Kristian Veit Harlan, der als Kind in dem Film "Der Große König" (1942) neben seiner Mutter auftrat, arbeitet als Filmregisseur, auch Bruder Caspar realisierte als Autor und Regisseur einige Kinderfilme.
Ihre Erinnerungen hatte die Söderbaum 1983 unter dem Titel "Nichts bleibt immer so. Rückblenden auf ein Leben vor und hinter der Kamera" veröffentlicht; in der Neufassung (1993) hatte sie gefragt: "Verjährt nicht auch einmal für mich die Schuld?". 
Textbausteine des Kurzportraits von Dirk Jaspers Filmlexikon
siehe auch Wikipedia, www.dhm.de, www.cyranos.ch, filmportal.de
 Murnau Stiftung, www.film-zeit.de sowie den Artikel bei www.spiegel.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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