Anton Walbrook
Adolf Wohlbrück fotografiert von Genja Jonas (1895 – 1938); Quelle: www.cyranos.ch Adolf Wohlbrück (Adolf Wilhelm Anton Wohlbrück) wurde am 19. November 1896 in Wien als Spross einer berühmten Theaterfamilie bzw. Sohn des berühmten Zirkus-Clowns Adolf II. Wohlbrück, der später auch als Lehrer erfolgreich den Zirkus-Nachwuchs ausbildete, geboren; schon sein Ururgroßvater (geb. 1770) arbeitete als Schauspieler. Wohlbrück erhielt eine Schulausbildung auf einer Klosterschule in Wien und einem Gymnasium in Berlin, machte dort nach dem Abitur eine Schauspielausbildung an der Schule von Max Reinhardt1) (1873 – 1943). Während des 1. Weltkrieges musste Wohlbrück seine beginnende Schauspielerkarriere unterbrechen, geriet als Soldat in französische Kriegsgefangenschaft und gründete während dieser Zeit in Auch (Gascogne) ein Theater für die Gefangenen.
Nach seiner Entlassung hatte er erste Bühnenengagements in Wien und München, ging dann nach Dresden an die "Komödie", nach zwei Jahren wurde er Mitglied des "Dresdner Staatsschauspielhauses"; im Jahre 1930 kam Wohlbrück nach Berlin.
 
Im Stummfilm war der Schauspieler seit 1915 sporadisch in vier Produktionen aufgetreten, unter anderem als Filmsohn von Gertrud de Lalsky in "Das Geheimnis von Schloss Elmshöh" aus der populären "Stuart-Webbs"-Krimireihe1). Karriere machte er aber erst im Tonfilm, seit er in E.A. Duponts dramatischen Zirkusfilm "Salto Mortale" (1931) eine tragende Rolle erhielt. Bald gehörte er zu den führenden Ufa-Stars, der sich durch seine Eleganz bzw. als weltmännischer Gentleman und Herzensbrecher auszeichnete.

Adolf Wohlbrück fotografiert von Genja Jonas1) (1895 – 1938)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Zu seinen bekanntesten Filme aus dieser Zeit zählen beispielsweise Ludwig Bergers prominent besetzter, schwungvoller Muskfilm "Walzerkrieg"1) (1933) mit der Figur des Johann Strauss Vater1), Willi Forsts Leinwandklassiker bzw. opulente Sitten- und Liebesgeschichte "Maskerade"1) (1934) mit der Rolle des Modemaler Paul Heideneck und der elegante Warwick Brent in Reinhold Schünzels Gesellschaftskomödie über die britische Upper Class "Die englische Heirat"1) (1934). In Erich Waschnecks Rührstück "Regine" (1935) verführte er Luise Ullrich, in Carl Froelichs Krimi "Ich war Jack Mortimer"2) (1935) ließ er eine Leiche verschwinden, in Arthur Robisons Remake "Der Student von Prag"1) (1935) übernahm er die Titelrolle des Studiosus Balduin. Erneut mit Willi Forst drehte er die temporeiche Liebeskomödie "Allotria"1) (1936) und mimte den Plantagenbesitzer Philipp, in dem Jules Verne-Abenteuer "Der Kurier des Zaren"1) (1936) glänzte er als Titelheld Leutnant Michael Strogoff. Wiens "Neue Freie Presse" notierte in der Ausgabe vom 11. März 1936: "Ein Adolf-Wohlbrück-Film in erster Linie. Nie hat man ihn unter Richard Eichbergs klug gruppierender kühner Regie recken- und heldenhafter gesehen und selten so erschütternd wie in der Blendungsszene und in der Szene vor dem Sterbebett der Mutter. Frau Lucie Höflich (…) gibt sie mit herber Innigkeit, Maria Andergast (Nadja) ist von subtil innigstem, Hilde Hildebrand von flammendem Gefühl. Kurt Vespermann und Theo Lingen bringen als französischer und englischer Journalist Humor in die gewitterschwüle Atmosphäre." → online-Fassung bei anno.onb.ac.at
1936 emigrierte der Halbjude und vehemente Gegner der Nazis auch aufgrund seiner Homosexualität während der Olympischen Spiele über Frankreich zunächst nach Hollywood, reiste dann ein Jahr später nach England. Im Exil änderte er aus politischen Gründen seinen Namen und begann als "Anton Walbrook" eine zweite Karriere, "Adolf war nicht sehr populär, so hieß ich Anton Walbrook.", ließ er in einem Interview wissen.
Im britischen Film konnte er nahtlos an seine früheren Leinwanderfolge anknüpfen, stand einmal mehr als der "Kurier des Zaren" in "The Soldier and the Lady"1) (1937) vor der Kamera. In den Biopic "Königin Viktoria"1) (1937, Victoria the Great) und der Fortsetzung "Sixty Glorious Years"1) (1938) verkörperte er überzeugend den Prinz Albert1) und späteren Ehemann der berühmten britischen Queen Victoria1), dargestellt von Anna Neagle1). In dem legendären Psychothriller "Gaslicht"1) (1940, Gaslight) nach dem erfolgreichen Bühnenstück von Patrick Hamilton mimte er die männliche Hauptrolle des skrupellosen Paul Mallen, der mit seiner jungen Frau (Diana Wynyard) ein teuflisches Spiel spielt, in dem Antikriegsdrama "Leben und Sterben des Colonel Blimp"1) (1943, The Life and Death of Colonel Blimp) den sensiblen preußischen Offizier Theo Kretschmar-Schuldorff. Es folgten Produktionen wie "Der Mann aus Marokko" (1945, The Man from Morocco), "Die roten Schuhe"1) (1948, The Red Shoes) sowie "Pique Dame" (1948, The Queen of Spades) und auch auf der Theaterbühne konnte Wohlbrück im Londoner Exil Erfolge feiern.

Adolf Wohlbrück bereitet sich im Sommer 1930 für die Rolle des
Junkers Andreas Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt"1) vor,
fotografiert von Genja Jonas1) (1895 – 1938)
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

Adolf Wohlbrück bereitet sich im Sommer 1930 für die Rolle des Junkers Andreas Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt" vor, fotografiert von Genja Jonas (1895 – 1938); Quelle: Wikimedia Commons
Während seiner Zeit in England setzte sich Wohlbrück aktiv für jüdische Schauspieler und "nichtarische" Angehörige deutscher Schauspieler ein, finanziell oder indem er ihnen die Wege zur Flucht ebnen half. 1947 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.3)
1951 kehrte der Schauspieler auf Drängen des mit ihm befreundeten Gustaf Gründgens4) (1890 – 1963) nach Deutschland zurück und stand in Düsseldorf auf der Bühne. Dort brillierte er unter anderem mit Titelrollen in dem Curt Götz-Stück "Dr. med. Hiob Prätorius" und Ferenc Molnárs "Der Gardeoffizier", machte als Lord Bolingbroke in dem Lustspiel "Das Glas Wasser"1) von Eugène Scribe eine glänzende Figur. Weitere Verpflichtungen führten den Schauspieler unter anderem nach Stuttgart sowie nach Berlin an das "Renaissance-Theater". Welche schauspielerischen Qualitäten in ihm steckten bewies er noch im Frühjahr 1967 als eitler Schriftsteller Sir Hugo Latymer in der Noel Coward-Komödie "Duett im Zwielicht" an der Seite von Hilde Krahl und Heli Finkenzeller in der Münchener "Kleinen Komödie". Es war seine letzte und vielleicht beste Rolle – während der Vorstellung war er aufgrund einer Herzattacke zusammengebrochen.
 
Im Nachkriegsfilm konnte Wohlbrück besonders in Werken von Max Ophüls wie der Schnitzler-Adaption "Der Reigen"1) (1950, La ronde) sowie dem Biopic "Lola Montes1) (1955, Lola Montès) überzeugen, wo er sich als Ludwig I. von Bayern zeigte. Es folgten deutschsprachige und internationale Produktionen, in dem musikalischen Streifen "Wiener Walzer" verlieh er 1951 erneut dem Johann Strauss (Vater) Kontur und in Julien Duviviers Verfilmung des Jakob Wassermann-Romans "Der Fall Maurizius" (1955, L'affaire Maurizius) machte er als zwielichtiger Gregor Waremme (Grégoire Waremme) an der Seite von Daniel Gélin und Madeleine Robinson auf sich aufmerksam. In der britischen "Fledermaus"-Verfilmung "Oh… Rosalinda!! (1955) tauchte er als Dr. Falke auf, in Otto Premingers Shaw-Adaption "Die heilige Johanna"1) (1957, Saint Joan) schlüpfte er in die Rolle des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon. Seine letzte Arbeit für das Kino war José Ferrers Historiendrama "I Accuse!" (1958) über die Dreyfus-Affäre1), wo er neben Ferrer (Alfred Dreyfus) als tatsächlicher Landesverräter Ferdinand Walsin-Esterhazy in Erscheinung trat.
Anschließend wirkte der charismatische Schauspieler noch in wenigen Fernsehproduktionen mit, so als Protagonist bzw. lebenslustiger Witwer Herzog von Altair in der von Peter Beauvais inszenierten Komödie "Venus im Licht" (1960, nach Christopher Fry), und zusammen mit Hildegard Knef als Kolumnist Waldo Lydecker in Franz Josef Wilds Krimi "Laura"5) (1962) nach einem ebenfalls erfolgreichen Bühnenstück. Danach stand er für Kurt Wilhelms Melodram "Der Arzt am Scheideweg" (1963) und für den von Eberhard Schröder für das ZDF realisierten Film "Robert und Elisabeth" (1966) vor der TV-Kamera.
Das "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars"6) charakterisiert Adolf Wohlbrück folgendermaßen: "Herren seiner Art, durch Zynismus, Selbstironie oder Melancholie verfeinert, immer durch einen Zug Weitläufigkeit und Charme liberalisiert, gab es im deutschen Kino selten. Seine Mischung aus Liebenswürdigkeit und Gerissenheit wirkte besonders auf Frauen, deren Leinwand-Liebling der elegante Mann mit Errol-Flynn-Bärtchen und lockerer Haarfülle war. Er konnte den "Kurier des Zaren" und einen undurchsichtigen "Jack Mortimer" ebenso spielen, wie den dämonisch vergeistigten "Studenten von Prag" oder den "Zigeunerbaron" (1935), für den er eine abgerundete Lässigkeit mitbrachte, wie sie nur im anglo-amerikanischen Film üblich war."

Adolf Wohlbrück, dem 1967 das "Filmband in Gold"1)  für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" verliehen worden war, starb am 9. August 1967 im bayerischen Garatshausen (bei Starnberg) an den Folgen eines Herzinfarktes. Seine Urne wurde nach England überführt und auf dem Londoner Friedhof St. John's Church (Hampstead, Church Road) beigesetzt; dies hatte er so testamentarisch verfügt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
  

Vom 1. Juni. – 10. August.1997 fand unter anderen auch im "Filmmuseum Düsseldorf" eine Hommage an Adolf Wohlbrück unter dem Titel "Der schönste Mann des deutschen Films" statt.
So schreibt diepresse.com unter anderem "In stets wie angegossen sitzenden Maßanzügen wirkte Wohlbrück zugleich vornehm-distanziert und doch anziehend: Ihn umgab das Geheimnis des Genies, auch wegen des besonderen Zaubers seiner Stimme mit dem exquisit gehandhabten Wiener Akzent, den er – trotzt gegenteiliger Beteuerungen – auch in England weiter kultivierte."

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.exil-archiv.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Die Krimihomepage
Quelle:
3) Wikipedia (abgerufen 19.01.2011) nach "Deutsches Bühnenjahrbuch", 1968 S. 149
6) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 396)
Lizenz Foto Adolf Wohlbrück (Urheber: Genja Jinas): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Kinofilme
Filmografie Internet Movie Database
(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), filmportal.de, Murnau Stiftung)
Stummfilme
  • 1915: Marionetten
  • 1923: Martin Luther
  • 1924: Mater Dolorosa
  • 1925: Das Geheimnis von Schloss Elmshöh
Tonfilme
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