Sonderbriefmarke Grethe Weiser aus der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte"  (Ausgabetag 9. November 2000); Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen sowie Prof. Gerd Aretz und Oliver Aretz (Gestaltung) Grethe Weiser wurde am 27. Februar 1903 in Hannover als Mathilde Ella Dorothea Margarethe Nowka und Tochter eines wohlhabenden Brückenbauunternehmers geboren, wuchs in Klotzsche (heute Stadtteil von Dresden) sowie in der nahen Großstadt Dresden auf. Wie Bruder Ernst streng-konservativ und spartanisch erzogen, besuchte sie die "Neustädter Höhere Töchterschule" und die "Friedelsche Privatschule" in Dresden-Blasewitz. Nach der Trennung von ihrem Mann – sie hatte bereits mit 17 Jahren zunächst gegen den Willen ihrer Eltern am 28. Juli 1921 den betuchten österreichischen Süßwaren-Fabrikanten Josef Weiser (1900 – 1968) geheiratet – nahm Grethe Weiser Gesangs- und Schauspielunterricht an der Berliner "Volksbühne" und wurde Operetten-Soubrette, entfaltete als Sängerin und Schauspielerin ihr komisches Talent an verschiedenen Berliner Bühnen; außerdem lieferte sie ihre Pointen auch am "Kabarett der Komiker"1) ab und machte Berlin zu ihrer Wahlheimat.
 
Sonderbriefmarke Grethe Weiser aus der Reihe "Frauen der deutschen Geschichte"  (Ausgabetag 9. November 2000)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen
sowie Prof. Gerd Aretz und Oliver Aretz (Gestaltung)
Schon 1927 spielte sie, im Vorspann ungenannt, in dem Stummfilm "Männer vor der Ehe" mit. In den folgenden Produktionen wurde sie in Nebenrollen eingesetzt, als Haushälterin, Zimmerwirtin, Erbtante, oder sie verkörperte das Personal der Herrschaft: "Ich spielte Zofen und trug die abgelegten Kleider von Lilian Harvey" sagte sie einmal humorvoll in einem Interview.
Regisseur Erich Waschnek, der mit ihr 1936 bereits die Komödie "Eskapade" gedreht hatte, verhalf Grethe Weiser zu ihrer ersten Hauptrolle als kesser Berliner Gesangsstar "Jette Schönborn" und Partnerin Viktor de Kowas in dem Filmlustspiel "Die göttliche Jette"1) (1937), die mit ihren schrägen Couplets einen Skandal entfesselt, Marlene Dietrich parodiert und singend behauptet "Ich bin die Frau der tausend Männer". Der Filmtitel orientierte sich an dem Vorbild der Sopranistin Henriette Sontag1) (1806 – 1854), die zwischen 1816 und 1829 an vielen Opernhäusern europaweit grandiose Triumphe gefeiert hatte und von den Berlinern "göttliche Jette" genannt worden war.
Nach diesem Leinwanderfolg bekam die Weiser für einige Jahre weitere tragende Rollen in Unterhaltungsstreifen, so in "Ehe in Dosen" (1939) als kesse Soubrette Mausi Blank oder als intrigante Nachtclubsängerin in "Rote Mühle" (1939). In Helmut Käutners Revuestreifen "Wir machen Musik"1) (1942) flirtete sie erneut mit Viktor de Kowa, fiel aber in den Nachfolgeproduktionen wieder in ihre üblichen Chargenrollen zurück. So mimte sie beispielsweise in Rolf Hansens NS-Propagandafilm "Die große Liebe"1) (1942) Zarah Leanders Dienstmädchen "Jungfer Käthe", die zu spät merkt, dass der großzügig im Luftschutzkeller ausgegebene "Bohnenkaffee" ihr eigener ist. Bis Kriegsende war Grethe Weiser in etlichen weiteren Leinwanderfolgen präsent, etwa als Köchin Jette in Carl Froehlichs Gründerzeit-Saga "
Familie Buchholz"1) (1944) und "Neigungsehe"1) (1944) oder als Zofe in Georg Jacobis Romanze "Die Frau meiner Träume"2) (1944, mit Marika Rökk). Nach 1945 lebte Grethe Weiser eine Zeit lang in Wernigerode, tingelte mit Tourneetheatern durchs Land, stand ab 1947 an Hamburger Theatern auf der Bühne.
 
Unter der Regie ihrer Freundin Ida Ehre3) (1900 – 1989) begeisterte sie Mitte Mai 1949 an den "Hamburger Kammerspielen" erstmals als "Mary Miller" in der Posse "Das Kuckucksei" von Walter und Irma Firner, eine Figur, die zu ihrer Paraderolle wurde und mit der sie in den kommenden Jahren regelmäßig auf Tournee ging; das Stück gelangte 1970 kurz vor Grethe Weisers Tod auch im Fernsehen zur Ausstrahlung. "Grethe Weiser ist Vertreterin eines Fachs, das eigentlich sie erfunden hat und das man das der absolut und garantiert Unnaiven nennen könnte (…) Aber die Mary Miller hat Gelegenheit, auch eine andere als die bisher geläufige Weiser-Weise anzuschlagen. Sie ist nicht einfach mehr ein Typ, sondern ein Stück Charakter, zwar hartgesotten, aber menschlich solide fundamentiert." konnte man unter anderem in "DER SPIEGEL" am 19.05.1949 nachlesen. Ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum feierte die Schauspielerin Anfang November 1953 an den "Hamburger Kammerspielen" in einer Inszenierung von Ida Ehre als "Mutter Wolffen" in Gerhart Hauptmanns Drama "Der Biberpelz"1), wenig später zog Grethe Weiser im Frühjahr 1954 wieder nach Berlin zurück.
1966 wagte sie in der deutschen Erstaufführung von Friedrich Dürrenmatts Theaterstück "Der Meteor" am Hamburger "Thalia Theater" als sterbende Toilettenfrau Nomsen den Ausflug ins ernste Charakterfach. In dieser Rolle schlug sie ungewohnt leise, ernste und böse Töne an. Dieser Ausflug ins ernste Fach blieb die Ausnahme in ihrer langen Karriere als volkstümliche Schauspielerin.
Heitere Theaterstücke fanden in den späteren 1960er Jahren auch den Weg ins Fernsehen. Das ZDF übertrug zahlreiche Stücke mit Grethe Weiser. Eines der erfolgreichsten Stücke, das bis heute gelegentlich auf den Kultur-Spartenkanälen des ZDF wiederholt wird, war "Keine Leiche ohne Lily", die deutsche Adaption der Kriminalgroteske "Busybody" des britischen Bühnenautors Jack Popplewell.
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Im Nachkriegsfilm hatte die "göttliche Ulknudel", wie sie von einigen Kritikern auch genannt wurde, bis tief in die 1960er Jahre in zahlreichen Lustspielen und Revue-Filmen eine dominierende Rolle als gefürchtete "Quasselstrippe", die ihr Herz auf der Zunge trägt, was ihre über hundert Filmtitel belegen. Es waren in der Mehrzahl Verwechslungskomödien, Familiendramen und ähnliche Produkte der leichten Unterhaltung, die häufig durch ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit trotzdem sehenswert wurden. Sie mimte obsiegende Witwen, resolute Tanten oder gefürchtete Schwiegermütter. Weiterhin war ihr Markenzeichen: Herz mit Schnauze. Amüsant, erfrischend, sehenswert waren ihre (oft improvisierten) Rollen immer, auch wenn die Filme manchmal ins Seichte abglitten. Sie war z. B. zu sehen in Hans Deppes "Ferien vom Ich"2) (1952) – als erholungsbedürftiger Bühnenstar Käthe Greiser! – "Meine Kinder und ich" (1955), "Lemkes sel. Witwe" (1957) oder "So angelt man keinen Mann" (1959). Sie wirkte insgesamt in mehr als 100 Filmen mit. Beliebt war sie durch ihr volkstümliches Wesen und ihr unnachahmliches kesses Auftreten.4) Das "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars"5) charakterisiert Grethe Weiser folgendermaßen: "Sie war die kesse Motte mit dem gefürchteten Mundwerk, das ihre vielen kleinen und großen Nebenrollen zu Hauptrollen werden ließ. Zielten anfangs ihre frivolen Chansons ins Parodistische –  "Im Kusse der Berlinerin, da liegt so was Gewisses drin" – , so wurde die zierliche Person später zur komischen Type, die lautstark und in endlosem Singsang dem Alltag auf die Sprünge half, keinen zu Wort kommen ließ und als klatschsüchtig-neugierige Schwatzbase auch die unangenehmen Wahrheiten aussprach."
"Genügt hätte, ihr einen Telephonhörer in die Hand zu geben und sie quasseln zu lassen. Das konnte sie umwerfend. Sie schaute dem Volk aufs Maul. Sie konnte witzig, ordinär, herzhaft, frech, konnte rührend oder kaltschnäuzig kritisch Laut geben. Ihre Stimme war bestes Berlin. (…) "Die kleine zähe Person hat kein Denkmal nötig. Das steht." schrieb 1970 der bedeutende Kritiker Friedrich Luft1) (1911 – 1990) in einem Nachruf auf die Schauspielerin.
 
Grethe Weiser starb am 2. Oktober 1970 im Alter von 67 Jahren in einem Krankenhaus im bayerischen Bad Tölz an den Folgen eines Verkehrsunfalls, bei dem auch ihr zweiter Ehemann sowie zwei weitere Insassen umkamen. Seit 1958 war sie mit dem Filmjuristen und Produzenten Dr. Hermann Schwerin verheiratet gewesen, mit dem sie jedoch schon seit der Scheidung von Josef Weiser zusammengelebt hatte. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde die Vollblutkomikerin auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend zusammen mit ihrem Ehemann in einem Ehrengrab (Feld 18–L–228/229) beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Ihre Freundin Ida Ehre schrieb in einem Nachruf: "Du warst von einer Nibelungentreue; wen Du in Dein Herz geschlossen hattest, der war darin verankert… In mir wirst Du immer bleiben, meine Grethe …"
Aus ihrer ersten Ehe mit Josef Weiser, die erst 1934 geschieden wurde, hinterließ Grethe Weiser den 1922 geborenen Sohn Rolf-Günther Weiser, der zuletzt in Las Vegas lebte.6)
Gedenktafel Grethe Weiser, Giesebrechtstraße 18 in Berlin-Charlottenburg; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0. Als Auszeichnung erhielt Grethe Weiser 1968 das "Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland". Die Post widmete ihr eine Sonderbriefmarke in der Dauerserie "Frauen der deutschen Geschichte". In Berlin-Westend trägt der "Grethe-Weiser-Weg" ihren Namen, überdies wurde Ende Oktober 2010 an der Giesebrechtstraße 18 in Berlin-Charlottenburg, wo sie seit 1954 lebte, eine Gedenktafel angebracht. In ihrem ehemaligen Wochenendhaus im sächsischen Bernsdorf im Landkreis Kamenz, das heute unter dem Namen "Grethe-Weiser-Haus" als Waldgaststätte und Pension geführt wird, ist seit 2003 zum 100. Geburtstag der Künstlerin in den Nebenräumen eine umfassende Ausstellung mit vielen Exponaten aus dem Leben der großen Künstlerin und ihrer Familie sowie aus Film und Theater aus der Zeit 1930 bis ca. 1990 entstanden. Es ist ungewiss, ob das von der inzwischen 65-jährigen Pächterin Martina Scholze geführte Haus weiter Bestand hat.7)
 
Foto: Gedenktafel Grethe Weiser, Giesebrechtstraße 18 in Berlin-Charlottenburg
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Siehe auch Wikipedia, www.fembio.org, www.cyranos.ch,
www.film-zeit.de, filmportal.de, www.renaissance-theater.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
4) Wikipedia (abgerufen 19.10.2011)
5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 381)
6) Lausitzer Rundschau, Artikel zum "Grethe-Weiser-Haus"
7) Chemnitzer Morgenpost vom 28. September 2011 (www.sz-online.de) sowie Lausitzer Rundschau
 
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Links: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
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