Albert Paulig ca. 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (1864 - 1930)

Der Name Albert Paulig war in der Stummfilm-Ära Programm, stand für komische, oft skurrile sketchartige stumme Streifen, die beim Publikum sehr beliebt waren. 
Geboren am 14. Januar 1873 in Stollberg (Sachsen), besuchte Paulig nach seinem Schulabschluss zunächst ein Lehrerseminar und studierte am Konservatorium in Dresden. Anschließend arbeitete er kurz in einem kaufmännischen Beruf, entschied sich dann aber endgültig für eine künstlerische Laufbahn. 1896 gab er sein Bühnendebüt am Stadttheater von Zwickau, über Lódz, Hannover und Dresden kam er 1901 nach Berlin und erhielt ein Engagement am Deutsch-Amerikanischen Theater. Auftritte an verschiedenen Berliner Bühnen schlossen sich an.
1913 gab der inzwischen 40-Jährige sein Leinwanddebüt in "Die praktische Spreewälderin", zeigte in Streifen wie "Die Firma heiratet"1) (1914), "Der Stolz der Firma"1) (1914) oder "Liebe und Mode" (1914) vor allem sein komödiantisches Talent. Aufgrund seines Erfolges erhielt er mit der "Albert-Paulig-Serie" bald darauf eine eigene Reihe, drehte in den kommenden Jahren etliche humorvolle, meist auf zwei Akte ausgelegte Filme, die ganz auf ihn abgestellt waren und bei denen er mitunter auch als Produzent fungierte. Die rund dreißig kurzen stummen Streifen trugen Titel wie "Der schöne Albert" (1914), "Albert als Asta Nielsen" (1915), "Albert als Berlock Scholems" (1915), "Albert als Golem" (1916), "Albert ohne Unterleib" (1917), "Albert verschläft die Trauung" (1917), "Bravo Albert" (1917), "Albert und der falsche Max Linder" (1918), "Albert hat Prokura" (1919) oder "Albert fürchtet sich vor der nächsten Ecke" (1920). Bei den Filmen "Alberts Hose"2) (1915) und "
Albert als Asta Nielsen" (1915) hinterließ Paulig überdies seine Handschrift als Regisseur. 
 
Foto: Albert Paulig ca. 1920 auf einer Fotografie
von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930) 
Quelle: Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier

Zwischen den Auftritten in seinen eigenen Filmen stand Paulig für verschiedene andere Produktionen vor der Kamera, spielte auch hier meist die Hauptrolle. Oft drehte er mit dem in Polen geborenen Regisseur Danny Kaden (1884 – 1942) und Hanni Weisse3) (1892 – 1967) als Partnerin, wie "Eine Walzernacht" (1917) oder "Die Nichte des Herzogs" (1918).
Paulig gehörte für fast zwei Jahrzehnte zu den vielbeschäftigten Darstellern auf der stummen Leinwand, zeigte sich neben den Stars jener Jahre und wurde von renommierten Filmemachern besetzt. So erlebte man ihn beispielsweise auch in der von Ernst Lubitsch1) (1892 – 1947) inszenierten Komödie "Die Austernprinzessin"1) (1919) neben Ossi Oswalda3) (1897 – 1948) und Harry Liedtke3) (1892 – 1945) oder in der von Georg Jacoby1) (1892 – 1964) auf die Leinwand gebrachten sechsteiligen abenteuerlichen Detektivkomödie "Der Mann ohne Namen"1) (1921), der ersten Adaption des Ullstein-Romans "Peter Voß, der Millionendieb" von Ewald Gerhard Seeliger.
Zu Pauligs weiteren Stummfilmen zählt auch "Der Mann ohne Nerven" (1924) mit dem populären Sensationsdarsteller Harry Piel3) (1892 – 1963), der ihn auch in seinen Regiearbeiten "Das Verschwundene Haus" (1922) und "Abenteuer im Nachtexpreß" (1925) besetzte. Pauligs letzten Stummfilme hießen "G'schichten aus dem Wienerwald" (1928), wo er den Erzherzog Albert Paul mimte, "Aus dem Tagebuch eines Junggesellen" (1929) von und mit Reinhold Schünzel, "Fräulein Fähnrich" (1929) mit Mary Parker und Willi Forst sowie "Adieu Mascotte"2) (1929) mit Lilian Harvey.

Foto: Albert Paulig
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Albert Paulig vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Mit Beginn des Tonfilms konnte Paulig seine Karriere als Filmschauspieler erfolgreich fortsetzen. Er tauchte in Lustspielen wie "Ein Walzer im Schlafcoupé" (1930, u. a mit Lucie Englisch) und "Das Testament des Cornelius Gulden" (1932, mit Magda Schneider und Georg Alexander) auf, agierte in Romanzen wie "Ein Burschenlied aus Heidelberg"2) (1930, mit Willi Forst) und "Der Prinz von Arkadien" (1932, mit Willi Forst und Liane Haid) oder in dem heiteren Abenteuer "Manolescu, der Fürst der Diebe"1) (1933, mit Iván Petrovich). Die Premiere seines letzten Films "K1 greift ein" (1933) erlebte der Schauspieler nicht mehr, am 19. März 1933 starb der Publikumsliebling Albert Paulig in Berlin an den Folgen eines Herzinfarktes.
Albert Paulig mit Partnerin in einem Stummfilm-Lustspiel um 1920; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000910) aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 34) bzw. Bilder aus dem Sammelwerk Nr. 10; Copyright© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf/Ross-Verlag um 1920; Quelle: www.deutschefotothek.de Paulig hinterließ mehr als 150 Produktionen, denen er während seiner kurzen intensiven Filmkarriere seinen Stempel aufgedrückt hat. Der Schwerpunkt liegt in seinem Schaffen als Komiker während der Stummfilmära. "Er wusste schließlich gar nicht mehr die Titel aller Filme, in denen er aufgetreten war. Pauligs einzigartige Figuren, schrullige ältere Herren, werden uns auf der Leinwand noch lange Zeit fehlen" steht nachzulesen in dem Buch "Vom Werden Deutscher Filmkunst" (Teil 2, von Dr. Oskar Kalbus, 1935).
 

Albert Paulig mit Partnerin in einem Stummfilm-Lustspiel um 1920
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2006-a_0000910) aus
"Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film"
von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 34) bzw. Bilder aus dem Sammelwerk Nr. 10
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Unbekannter Fotograf/Ross-Verlag um 1920
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.film-zeit.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz
Lizenz Foto Albert Paulig (Urheber Nicola Perscheid/Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
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