Mit rund 160 Kinoproduktionen zählte der Schauspieler Max Gülstorff seit Mitte der 1910er Jahre zu den vielbeschäftigten Leinwanddarstellern, wurde jedoch meist nur mit prägnanten Nebenrollen besetzt. Dennoch erlangte er einen enormen Bekanntheitsgrad, machte sich auch als exzellenter Theaterschauspieler einen Namen.
Geboren wurde Max Gülstorff am 23. März 1882 als Max Walter Gülstorf im ostpreußischen Tilsit (heute: Sowetsk, Russland). Nach einer Ausbildung bei dem Hofschauspieler Georg Link sammelte Gülstorff zunächst Erfahrungen am Theater in Rudolstadt sowie ab 1908 am "Neuen Stadttheater" in Cottbus, 1911 kam er nach Berlin an das "Schillertheater".
1915 holte ihn der legendäre Max Reinhardts1) (1873 – 1943) an das "Deutsche Theater", wo Gülstorff sich bald einen Ruf als begnadeter Komiker bzw. Interpret schrulliger Sonderlinge erarbeitete. In Berlin war er ein gefragter Bühnen-Mime, wirkte unter anderem am "Großen Schauspielhaus", am "Komödienhaus" und an der "Volksbühne". Im Jahre 1923 wechselte er zeitweise nach Wien an das "Theater in der Josefstadt", konnte auch hier mit seinem Spiel Kritiker und Zuschauer begeistern; vereinzelt inszenierte er in Wien auch einige Stücke. 1945 holte ihn der damalige Intendant Gustav von Wangenheim zurück nach Berlin an das Anfang September wieder eröffnete "Deutsche Theater".
 
 
Foto: Max Gülstorff 1945 als verarmter Gutsbesitzer Iljá Iljítsch Telégin
in einer Inszenierung von Anton Tschechows "Onkel Wanja" am Berliner "Deutschen Theater"
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: pk 0000038 023; Ausschnitt des Fotos)
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Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 12.1945 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Max Güstorff 1945 als Iljá Iljítsch Telégin in einer Inszenierung von Anton Tschechows "Onkel Wanja" am "Deutschen Theater" in Berlin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: pk 0000038 023; Ausschnitt des Fotos); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 12.1945 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia
Eine Paraderolle für Gülstorff war sicherlich die des Bürgermeisters Dr. Obermüller in Zuckmayers Tragikomödie "Der Hauptmann von Köpenick", rund 150 Mal gab er diese Figur zwischen Anfang März und Ende Juli 1931 am "Deutschen Theater". Der Theaterkritiker Herbert Ihering1) (1888 – 1977) schrieb damals unter anderem: "Himmlisch, Gülstorff  als Bürgermeister von Köpenick, ein liebenswert rührender Kleinbürger in Uniform." Auch in Richard Oswalds Verfilmung1), die am 22. Dezember 1931 Premiere feierte, überzeugte Gülstorff mit diesem Part, an der Seite von Max Adalbert als Schuster Wilhelm Voigt und Käthe Haack als seiner Film-Ehefrau Mathilde Obermüller.
 
Gülstorffs Leinwandkarriere begann mit der stummen Hermann Sudermann-Adaption "
Stein unter Steinen"1) (1916) an der Seite von Stars wie Asta Nielsen und Emil Jannings, bis Ende der 1920er Jahre stand der Schauspieler auf der Besetzungsliste etlicher weiterer stummen Dramen, drehte manchmal bis zu sechs Filme pro Jahr, musste sich jedoch überwiegend mit kleineren Parts zufrieden geben. Erst mit Beginn des Tonfilm wurden seine Aufgaben größer, doch auch hier spielte er in den Unterhaltungs-Produktionen jener Jahre meist Neben-Figuren, denen er jedoch durch sein komödiantisches Talent einprägsame Kontur verlieh.
Gülstorff mimte die unterschiedlichsten Figuren, gab Kammerdiener oder Nachtwächter ebenso glaubwürdig wie Personen der gehobenen Gesellschaft, etwa Hofräte, Bürgermeister Gutsbesitzer, Ärzte, Professoren, Anwälte, Bankiers oder Direktoren. Vor allem seine Darstellung des Typus "überkorrekter Beamter" oder die Verkörperung kleinlicher Spießbürger gelangen dem vielseitigen Menschendarsteller mit seiner ihm ureigenen Komik grandios. Eine wunderbare Interpretation bot er als verschmitzter Gerichtsschreiber Licht in Gustav Ucickyss Kleist-Adaption "Der zerbrochene Krug"1) (1937) an der Seite von Emil Jannings als Dorfrichter Adam, in nachhaltiger Erinnerung ist er als vertrottelt wirkender Oberschulrat in dem legendären Film "Die Feuerzangenbowle"1) (1944) mit Heinz Rühmann geblieben. Zu seinen wenigen tragenden Rollen zählt Robert A. Stemmles Verfilmung des zum Klassiker gewordenen Schwanks "Der Raub der Sabinerinnen"1) (1936), hier glänzte Gülstorff als Professor Martin Gollwitz bzw. Partner von Bernhard Wildenhain, der den Schmierentheater-Direktor Emanuel Striese darstellte. Dem nationalsozialistischen Propaganda-Film konnte sich Gülstorff mit Streifen wie "Ohm Krüger"1) (1941) oder "Blutsbrüderschaft"1) (1941) nicht ganz entziehen, trat hier mit Randfiguren in Erscheinung. Zu seinen letzten Arbeiten vor der Kamera zählt Helmut Weiss' heitere Geschichte "
Sag' die Wahrheit"1), zugleich die erste westdeutsche Filmproduktion nach dem 2. Weltkrieg. Hier mimte er an der Seite der Hauptdarsteller Gustav Fröhlich und Mady Rahl einen Bankdirektor.
 
Der Ende Januar 1938 zum "Staatsschauspieler" ernannte Max Gülstorff starb am 6. Februar 1947 – wenige Wochen vor seinem 65. Geburtstag – in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung. Noch wenige Tage zuvor hatte er unter der Regie von Thomas Engel in der Uraufführung von Ernst Tollers1) Drama "Pastor Hall" am "Deutschen Theater" auf der Bühne gestanden und an der Seite von Eduard von Winterstein die titelgebende Figur verkörpert. Tollers letztes Werk "Pastor Hall" (1938) behandelte die authentische Geschichte eines Geistlichen, der aufgrund kritischer Stellungnahmen gegen das NS-Regime in das KZ Dachau deportiert wurde.
Seine letzte Ruhestätte fand der Schauspieler in einem Ehrengrab auf dem Berliner Lichtenrader evangelischen Friedhof. "Die Pflege wird aus finanziellen Gründen Ende 2008 aufgegeben." kann man auf der Webseite www.berlin.friedparks.de lesen.
  Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de,  Murnau Stiftung)
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